Schuljahr 1959 - 60  Zeitraum Oktober - Dezember

 

Dienstag, 13. Oktober 1959

Ein Idealist, wie ihn der Sport braucht

R. – Der älteste aktiv mitarbeitende Sportfreund in Stormarn, Studienrat a.D. Christian Ohrt, wird heute 75 Jahre alt.

Als Sportlehrer mit Staatsexamen war er nicht nur um seine Jugendlichen in der Schule bemüht, er betätigt sich seit 50 Jahren als Mitglied und Mitarbeiter in Vereinen. Sein Wirken seit 25 Jahren im Kreise Stormarn, sei es nun als Vorsitzender des VfL Oldesloe, des Kreissportverbandes Stormarn, ist allgemein bekannt. Immer an hervorragender Stelle stehend, fördert er die Leibesübungen, gleich ob es sich um Rasenspiele, Leichtathletik oder Turnen handelt. Immer versucht er das Gleichgewicht zwischen Lernen und Sport in ein richtiges Verhältnis zu bringen. …

Viele seiner ehemaligen Schüler sind ihm heute noch dankbar für diesen Einfluß. Nach dem letzten Kriege war er mit unermüdlicher Tatkraft bemüht, das Sportleben wieder in Gang zu bringen.

Sein Wirken konnte auch höheren Orts nicht übersehen werden. U.a. erhielt er die goldene Nadel des Deutschen Leichtathletikverbandes. Im Winter 1958/59 mußte Christian Ohrt auf ärztlichen Rat sein Amt niederlegen und sich sechs Monate jeder Tätigkeit entziehen. Bei der Neuwahl des Kreisvorsitzenden im Mai dieses Jahres wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden des Kreissportverbandes Stormarn gewählt, um dem Verband so seine reiche Erfahrung zu erhalten.

Gerade heute, wo es nicht mehr viele Menschen gibt, die sich uneigennützig in den Dienst der Jugend stellen, ist es angebracht, dem Jubilar zu danken und ihm von Herzen für seinen Lebensabend Glück zu wünschen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.10.1959

 

Mittwoch, 14. Oktober 1959

Ehrenteller für Christian Ohrt

st. – Kreispräsident Friedrich Hardt suchte gestern in Begleitung von Landrat Dr. Wennemar Haarmann den Studienrat i.R. Christian Ohrt auf, um den Förderer der Leibesübungen im Kreise Stormarn zu dessen 75. Geburtstag zu beglückwünschen und ihm den Ehrenteller des Kreistages zu überreichen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.10.1959

 

Donnerstag, 15. Oktober 1959

Tür zum Podium

st. – Ein langgehegter Wunsch der Theodor-Mommsen-Schule geht in Erfüllung. Der Magistrat hat 600 DM bewilligt, damit eine Tür zwischen dem Podium der Aula und dem Nebenraum geschaffen werden kann. In Zukunft werden dann die Mitwirkenden bei Aufführungen das Podium von hinten betreten können.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.10.1959

 

Donnerstag, 15. Oktober 1959

Turnhallenbau beginnt

st. – Die Stadt hat die Maurerarbeiten für die Turnhalle an der Klaus-Groth-Schule vergeben. Sie sollen sofort beginnen, wenn das noch ausstehende Statiker- und Gründungsgutachten vorliegt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.10.1959

 

Freitag, 30. Oktober 1959

Turnhallenbau begonnen

st. – Mit den Erdarbeiten für die Turnhalle der Klaus-Groth-Schule ist jetzt begonnen worden. Wie berichtet, sind die Bauarbeiten für die neue Turnhalle schon zum größten Teil vom Magistrat vergeben worden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.10.1959

 

Freitag, 30. Oktober 1959

Schülertanztee der Theodor-Mommsen-Schule

T. – Die Schülermitverwaltung der Theodor-Mommsen-Schule veranstaltete ihren vierten Schülertanztee. Ungefähr 100 Schülerinnen und Schüler hatten sich im Saal des „Oldesloer Hof“ eingefunden und tanzten von 17 bis 20.30 Uhr nach den Klängen der „Synkopiker“. Vertrauungslehrer Dr. Günther Marquardt überbrachte den Teilnehmern die Grüße des Direktors und des Kollegiums der Theodor-Mommsen-Schule. Eine „Skiffle-Band“, die aus Schülern der Theodor-Mommsen-Schule besteht, füllte mit ihren Einlagen die Tanzpausen aus und fand großen Beifall.

STORMARNER TAGEBLATT vom 31.10.1959

 

Freitag, 13. November 1959

Unsere: Jugend ist in Gefahr!

Zuviel Geld und zuviel Freizeit – Ein Richter warnt – Stormarn braucht eine Erziehungsberatungsstelle

Die Einrichtung einer Erziehungsberatungsstelle in Stormarn, die mit einem hauptamtlichen Schulpsychologen besetzt sein muß, ist dringend erforderlich. Diese Forderung war das Ergebnis einer angeregten Diskussion im Ahrensburger Bürgerverein, an der der Ahrensburger Jugendrichter, Oberamtsrichter Glöckner, mehrere Rektoren und Lehrer, Ärzte und Eltern teilnahmen. Zwei hinweisende Referate hielten der Vorsitzende der pädagogischen Landesstelle, Schnoor, und der Leiter der Heilpädagogischen Arbeitsgemeinschaft in Stormarn, Lehrer Hagen.

Von zwei Seiten ging die Versammlung an das Problem der Jugenderziehung heran. Oberamtsrichter Glöckner sprach über seine bitteren Erfahrungen als Richter und zeigte die Schwierigkeiten mit schon gestrauchelten jungen Menschen auf, während Lehrer Schnoor Hinweise auf heilpädagogische Vorbeugungsmaßnahmen gab, wie sie bereits in anderen Bundesländern ergriffen worden sind.

Das Ergebnis war die einhellige Forderung nach allen erdenklichen Hilfsmaßnahmen. Oberamtsrichter Glöckner sagte beschwörend: „Für die Jugend darf nichts zu teuer sein.“

Der Richter zeichnete ein trübes Bild, von der Jugend: „Sie ist zu bedauern. Sie verdient zuviel Geld, hat zuviel Freizeit, ihr fehlt die Erziehung und in sehr vielen Fällen das Elternhaus als Stütze. Wir sprechen häufig von bitteren Erfahrungen mit den Jugendlichen, sollten uns aber viel mehr über die bitteren Erfahrungen mit den Eltern beklagen.“

Man merkte es dem Oberamtsrichter an, daß es ihn drängte, aus dem reichen Erfahrungsschatz seiner 34 jährigen Richtertätigkeit zu berichten. Aber er gab nicht nur die Analyse, sondern zeigte auch praktische Wege für die Eltern und Erzieher. Er beklagte das mangelnde Verantwortungsbewußtsein der Erwachsenen und die geringe Bereitschaft, den Nachbarn und Mitmenschen auch einmal helfen und verstehen zu wollen. Bequemlichkeit, Respektlosigkeit und Oberflächlichkeit seien Eigenschaften, die man nicht nur bei der Jugend, sondern auch bei den Erwachsenen antreffe und ihnen zum Vorwurf machen müsse.

Die Notwendigkeit eines schulpsychologischen Dienstes wies Lehrer Schnoor mit Zahlen nach, die zwar aus anderen Bundesländern stammten, aber wahrscheinlich auch auf Schleswig-Holstein zutreffen.

Etwa zehn Prozent aller Schüler sind Störer. Eine noch größere Menge gehört aber zu der Gruppe der Stillen.

Für den Lehrer ist es schwer, den Ausgleich zu finden, erst recht aber, die Ursachen zu ergründen.

Lehrer Hagen vertrat die Ansicht, daß eine Erziehungsberatungsstelle vom Kreis gebildet und die Kosten für einen Schulpsychologen vom Land getragen werden müßten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.11.1959

 

Freitag, 13. November 1959

Theodor-Mommsen-Schule musizierte

hr. – Wie in jedem Jahr zum Tag der deutschen Hausmusik musizierten auch diesmal Schülerinnen und Schüler der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe unter der Leitung von Studienrat Fritz Alshuth. Sie boten der großen Hörerschaft eben beglückenden Einblick in ihr musikalisches Interesse und ihre teilweise beachtliche Fertigkeit.

Studienrat Fritz Alshuth begrüßte die Anwesenden mit herzlichen Worten, in denen er auf die Bedeutung dieses Tages hinwies. Er sprach die Hoffnung aus, daß diese Stunde vielen ein Ansporn sein möge, auch das Spielen auf einem Instrument zu erlernen.

In abwechslungsreicher Folge musizierten sodann das Schulorchester und und Instrumentalsolisten. Klangvoll und geschlossen wiedergegebene Händel-Werke, die Fuge g-moll von Mozart sowie das Divertimento F-Dur, op. 3, 5 von Haydn, mit dem gesanglichen solistischen Flötenspiel Iwe Hauswald‘s standen auf dem Programm des Orchesters. Viel Beifall erhielten mit Recht die vier solistischen Parts. Ein besonderes Lob unter ihnen gebührt der guten Wiedergabe der Dvora-Sonatine durch Renate Beyer (Violine) mit Elisabeth Schütt am Klavier, ferner dem lebendigen, musikalisch-ausgearbeiteten Spiel Karin Albrecht’s (Konzert für VioIa und Streichorchester von Telemann).

Viel Beifall dankte allen Musikanten für die schöne Stunde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.11.1959

 

Dienstag, 17. November 1959

Vesdoro

Generalversammlung am Montag, dem 23. November 1959, 20 Uhr (pünktlich) in „Wiggers Gasthof“.

Tagesordnung wurde übersandt. Anschließend wird 21.15 Uhr gezeigt „Oldesloe – einst und jetzt“ Farblichtbilder in einer Gegenüberstellung des alten und neuen Stadtbildes, Hierzu sind alle Freunde des Vereins und der Schule herzlich eingeladen. Hans Werner Meyer, 1. Vorsitzender.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.11.1959

 

Donnerstag, 19. November 1959

Theodor-Mommsen-Tag

st. – Das Oldesloer Gymnasium begeht das Gedenken an den großen Gelehrten, dessen Namen es trägt, am 27. und 28. November mit mehreren Veranstaltungen. Den Auftakt bildet am 27. November die Aufführung des Oratoriums „Die Jahreszeiten“ von Haydn. Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann hält die Festrede in der Schulfeier am Vormittag des 28. November. Sein Thema lautet: „Schillers Tragödien als Dichtungen vom Adel und von der Würde des Menschen“. Am Nachmittag folgt die Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstraum“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.11.1959

 

Montag, 23. November 1959

Vesdoro gewann junge Mitglieder

st. – An der gutbesuchten Generalversammlung des Vesdoro (Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe) nahm erstmalig Oberstudiendirektor Tiedemann teil. Er kündigte enge Zusammenarbeit zwischen Theodor-Mommsen-Gymnasium und dem Vesdoro an. In seinem Jahresbericht gab Vorsitzender Hans Werner Meyer seiner Freude über den Beitritt von 13 jungen Mitgliedern Ausdruck. Kassenwart Paul Möller wies eine Finanzlage nach. Die Vorstandswahl ergab Bestätigung des 1. und 2. Vorsitzenden Hans Werner Meyer und Willi Wigger, des Schriftführers Herbert Schüthe und des Kassenwartes Paul Möller in ihren Ämtern. Neu in den Vorstand gewählt wurden Erwin Gehrke und Horst Niedler. Großen Beifall fand die Lichtbildervorführung der beiden Amateurfotografen Bruno Grunert und Heinz-Günther Beslack „Oldesloe einst und heute“ mit Mittelschullehrer Karl-Heinz Hormann als Sprecher.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.11.1959

 

Dienstag, 24. November 1959

Dr. Kahl 70 Jahre

st. – Morgen begeht Studienrat i.R. Dr. phil. Hans Kahl den 70. Geburtstag. Er entstammt einer alten schleswig-holsteinischen Bauernfamilie, deren Stammbaum mütterlicherseits bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Er studierte in München, Berlin und Kiel, u.a. unter Professor Max Planck und Professor Röntgen. Im gleichen Jahr, in dem er sein Doktorexamen in Physik ablegte, nämlich 1915, löste er in einer wissenschaftlichen Arbeit das Problem des luftelektrischen Potentialgefälles als Funktion der Höhe. Diese Arbeit wurde zuerst von dem Carnegie-Institut Washington als Grundlage für den Bau von Rundfunkstationen in Amerika und später auch in Deutschland verwandt. 1921 legte Dr. Kahl die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Nachdem er in Flensburg und Plön unterrichtet hatte, wurde er Ostern 1924 an die Oberrealschule in Bad Oldesloe versetzt.

Er war Gründer und Vorsitzender des Radiobasteiklubs Bad Oldesloe von 1925 und hat sich mit seinen Schülern die ersten Radiogeräte in der Kreisstadt gebastelt. Im Kriege erhielt er den Auftrag zur Beseitigung von Kampfstoffen. 1943 hat er mit seinen Entgiftungstrupps 559 Phosphorbrandbomben im Kreise Stormarn unschädlich gemacht. Die Tätigkeit im Luftschutz trug ihm jahrelange Entfernung aus dem Schuldienst ein, in den er erst 1948 zurückkehrte. Er wirkte dann bis zum 30. März 1955 an der Theodor-Mommsen-Schule als ein bei seinen Schülern wegen seiner humorvollen Unterrichtsweise sehr beliebter Lehrer.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.11.1959

 

Freitag, 27. November 1959

Auftakt: „Die Jahreszeiten“

hv. – Den Auftakt zu dem traditionellen Theodor-Mommsen-Gedenktag der Oldesloer Theodor-Mommsen-Schule bildete die Aufführung des Oratoriums „Die Jahreszeiten“ von Joseph Haydn durch den Schulchor, die Solisten Ilse Scharmer, Lübeck, (Sopran), Günther Pods, Eutin, (Tenor), Herbert Klomser, Lübeck, (Bass) sowie Lübecker und Oldesloer Instrumentalisten unter der Leitung von Studienrat Fritz Alshuth.

Dieses volksnahe Oratorium, 1801, also in den letzten Lebensjahren Haydns nach einer Dichtung von James Thomson geschaffen, gehört neben der 1799 komponierten „Schöpfung“ zu den Gipfelwerken Haydn’scher Kunst. In ihm entfaltet der reife Meister noch einmal all seine musikalische und geistige Tiefe und Frische, einen ungeheuren melodischen Reichtum; sprühend voller Einfälle, Gegensätze und Tonmalereien ist das Werk.

In der überfüllten Aula wurde die Schulaufführung ein großes Erlebnis für Hörer und Sänger. Der Chor besaß, vornehmlich in den Frauenstimmen, Frische und Klangschönheit und zeichnete sich durch gutes geschlossenes Musizieren aus.

Die drei überzeugenden Solisten waren mit bestimmend für den guten Eindruck der Aufführung. Ilse Scharmers Sopran (die Künstlerin sang an Stelle der erkrankten Gertrud Fey) war klar und tragend, die Wiedergabe des Werkes sehr lebendig und miterlebt. Günther Pods Interpretation zeichnete sich durch schöne Nachempfindung aus, Herbert Klomser überzeugte durch einen überlegenen, von einer fundamentierte Stimme getragenen, Vortrag.

Unter der straffen Leitung des Dirigenten brachten es Chor und Orchester zu einer schönen schulischen Leistung, wie auch der nicht enden wollende Beifall bewies.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1959

 

Sonnabend, 28. November 1959

Theodor-Mommsen-Schule gedachte Schillers

st. – Das Gedenken an Schiller und Haydn stand im Mittelpunkt des zehnten Theodor-Mommsen-Festes des Oldesloer Gymnasiums. Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann hatte sich für seine Festrede in der Schulfeier am Sonnabendvormittag in der Aula das Thema gestellt „Schillers Tragödien als Dichtungen vom Adel und der Würde des Menschen“.

Musik von Haydn, dargeboten von Schülern unter der Leitung von Studienrat Alshuth, bildete den Rahmen. Zuhörer waren Männer und Frauen des öffentlichen Lebens, Eltern und Schüler, herzlich, viele namentlich, begrüßt vom Direktor des Gymnasiums.

In seinem Festvortrag beschränkte er sich auf die Tragödien des großen Dichters, weil es, wie er sagte, vermessen wäre, in einem kurzen Vortrag das ganze Werk Schiller würdigen zu wollen. Sie legten, so definierte Dr. Tiedemann, Zeugnis ab von der Tragik menschlicher Existenz. Der Tod sei darin als das Opfer dargestellt, das die Disharmonien des Lebens vom Menschen verlangten. Schillers Tragödien lebten aus der Spannung zwischen Notwendigkeit und Freiheit. Sie kündeten davon, daß der Held untergehen, seine leibliche Existenz opfern müsse, daß sein Tod aber zugleich ein Opfer sei, in dem Würde und Adel seines Menschseins hell aufleuchteten.

Als Beweis für diese Deutung führte der Vortragende „Die Räuber“, „Don Carlos“ und „Maria Stuart“ an und erläuterte an den Hauptfiguren und deren Widersachern Schillers Vorstellung von der Freiheit des Geistes und seine Auffassung, daß der Mensch nur auf tragische Weise zu seiner eigentlichen Bestimmung gelange. Dr. Tiedmann schloß seinen Vortrag, in dem er das Wesentliche klar beleuchtet hatte, mit dem Wunsch, daß Schillers Tragödien den Glauben an die Kraft in uns wecken und stärken mögen.

Wie in vergangenen Jahren hatte der Enkel Theodor Mommsens, Ernst Wolf Mommsen, Buchprämien für drei Oberprimaner gestiftet. Da er gegenwärtig in Südamerika weilt, verteilte sie der Direktor. Ursula Sommer (OIs) erhielt, weil sie geisteswissenschaftlich interessiert ist, „Die großen Religionen der Welt“. Weil Gerhard Drews (OIm) in naturwissenschaftlichen und vielen anderen Fächern eine Eins hat, bekam er eine Sammlung von Gesprächen aus Geistesgeschichte und Weltpolitik von Sokrates bis zur Gegenwart. Für eine Mathematik-Jahresarbeit, die Dr. Tiedemann lächelnd als so vorzüglich bezeichnete, daß er nichts mehr davon verstünde, erhielt Eberhard Schröder (OIm) „Die Grundlagen der Geometrie“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1959

 

Sonnabend, 28. November 1959

Shakespeare auf der Schulbühne

Wim. – So weit wollen wir uns nicht versteigen zu sagen, alle guten Komödiengeister hätten Pate gestanden bei der Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ zum Theodor-Mommsen-Tag in der Aula des Oldesloer Gymnasiums; aber auch ein guter Geist zumindest wurde in jeder Szene spürbar; die Regisseurin Studienrätin Frau Elfriede Redöhl.

 

Schon als der Vorhang beiseiteglitt und Philostrat, Aufseher der Lustbarkeiten am Hofe des Theseus (Siegfried Westphal), mit komischer Grandezza über die Bühne stelzte, um das übermächtige Spiel zu eröffnen, ahnte das sofort in Stimmung kommende Publikum die liebevolle Sorgfalt der Einstudierung. Wenn sich auch für jede Schüleraufführung einige musische Talente anzubieten pflegen, bleibt es doch eine schwierige Aufgabe, nur mit Laien ein so anspruchsvolles Stück zu inszenieren.

Um so dankbarer waren die Zuschauer für den romantischen Zusammenklang von höfischer Liebeskomödie und elfischem Märchen mit der lustigen Zutat der Rüpelauftritte, der von der kleinen Bühne herabwehte. Nicht immer wurde die üppige Wortmusik der Shakespeare‘schen Verse wirklich hörbar (Wer hätte dies auch verlangen wollen?), doch die krausen Einfälle der poetischen Phantasie zündeten.

Angesichts der langen Darstellerliste fällt es schwer, den Mitwirkenden gerecht zu werden. Mit wem sollen wir beginnen? Wie reizend wußten Dagmar Heyn als Helena und Frauke Gewecke als Hermia den Streit der beiden Verliebten von traumhafter Verwirrung bis zum Burlesk-Komischen zu steigern! Wie anmutig elfenhaft verkörperte Heidi Klimitz die Titania! Waren Sprache und Gesten von Heiko Wolgasts Oberon nicht wahrhaft königlich? Entzückend Barbara Schmidt, der Elfe, Gesang und Tanz. Rolf Ehrck führte die Rüpelschar mit köstlicher Einfalt und drolligen Eifer an. Sie und die aus Raumgründen ungenannt Bleibenden hatten ihren schönen Anteil an dem flüssigen Possenspiel. Heidi Kuhberg tat einen Schuß jener Dämonie dazu, der durch die Begegnung zwischen Menschenwelt und Geisterwelt ausgelöst wird. Sie war als Droll, Überbringerin der sinnverwirrenden Wunderblume, von erstaunlicher pantomimischer und tänzerischer Ausdruckskraft, Szene und Raum mit Mimik und Gebärde beherrschend.

 

Studienrat Fritz Alshuth war an dem Erfolg der Aufführung stark beteiligt. Er leitete nicht nur das Schulorchester und den Chor, sondern hatte selbst die gefällig-

liebenswürdige Musik geschrieben, die die Reigen der Elfen inspirierte, aber auch dramatischer Akzente nicht ermangelte. Harmonisch fügten sich in die Handlung Gesangsoli und Chöre ein. Sehr eindrucksvoll das Crescendo im Schlußteil mit dem tänzerischen Widerspiel auf der Bühne! Dieser hatte Studienrat Gerhard Schulte durch eine ebenso einfache wie glückliche Lösung ein doppeltes Gesicht gegeben: Der Thronbaldachin verwandelte sich bei Szenenwechsel in das Laubdach eines Baumes im Geisterwald. Zugleich bekam damit die Bühne den ihr fehlenden Abschluß nach oben. Auch die Kostüme waren nach Entwürfen von Gerhard Schulte entstanden.

Als sich der Vorhang schloß, brach donnernder Beifall los, der leider unabsichtlich den musikalischen Ausklang erstickte, zu dem das Orchester gerade ansetzte. Die Hauptdarsteller zeigten sich, es gab Blumen, so für Frau Redöhl und Fritz Alshuth, die das Publikum natürlich besonders feierte, kurz, der Erfolg war vollkommen, die Mühe hatte sich gelohnt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1959

 

Donnerstag, 17. Dezember 1959

Schulhof wird befestigt

st. – 15.000 DM hat der Magistrat für die Herrichtung des Platzes zwischen Gymnasium und Mittelschule bewilligt. Er soll befestigt und mit einer Kiesauflage versehen werden. Von einer Teerdecke hat man abgesehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.12.1959

 

Montag, 21. Dezember 1959

Schulsport ist immer noch Stiefkind

Unter dem Stand von 1862 – Rang der Leibesübungen muß gehoben werden

Mit ihren Empfehlungen zur Förderung der Leibesübungen in den Schulen brachten die Kultusminister der Länder am 24. Sept. 1956 das Problem des Schulsports zwar ins Gespräch, doch sind ihre Richtlinien bisher nicht in die unterste Ebene gedrungen. Der Deutsche Sportbund kam bei seinen Erhebungen zu dieser Erkenntnis. Er stellte außerdem fest, daß die Leibeserziehung in den Schulen immer noch unter dem Stand von 1862 liegt.

Vor fast 100 Jahren gab es an den preußischen Volksschulen bereits zwei Turnstunden in der Woche. Nach einem preußischen Ministerialerlaß vom 19. März 1927 waren drei Stunden in der Woche und dazu Spielnachmittage für eine freie Betätigung in den Leibesübungen an den Schulen festgesetzt.

Der Deutsche Sportbund meint, daß die Empfehlungen zwar eine Reihe ministerieller Erlasse und amtlicher Maßnahmen der Länder bewirkten, daß aber die Abneigung der geistigen Welt gegenüber Turnen und Sport in der Schule nach wie vor bestehe. Wenn es im Schulsport weitergehen soll, so muß von der Volks- bis zur Berufsschule vom Gymnasium bis zur Universität der Rang und das Ansehen der Leibesübungen in der Erziehungswissenschaft gesichert werden. Das ist nach Ansicht des Sportbundes der einzige Weg, um der Lehrerbildung neue Impulse zu geben und für eine geachtete Stellung des Lehrers zu sorgen. In der Schulwirklichkeit komme es weniger auf Erlasse als auf das wachsende Verantwortungsbewußtsein des Lehrers, auf seine Begeisterung für die Sache, auf die rein pädagogische Grundeinstellung, auf jugendgerechte Geräte und schulgemäße Sportstätten an.

In den Untersuchungen des DSB zum Problem des Schulsports heißt es weiter: „Noch immer wirkt sich die nach dem verlorenen Krieg einsetzende Überbetonung des Intellekts innerhalb der deutschen Führungsschicht und insbesondere innerhalb der Erziehungskreise von den Volksschulen bis zu den Universitäten aus. Man hat trotz aller erschreckenden Statistiken, nach denen der Gesundheitszustand von nur 30 Prozent der zwischen 1951 und 1957 untersuchten Schulkinder als gut zu bezeichnen ist, noch längst nicht klar genug erkannt, daß das Schwinden der vitalen Kräfte bei der Jugend sich für das ganze Volk zu einer nationalen Katastrophe auszuwirken droht, weil Technik und Zivilisation Nerven- und Seelenkräfte des Menschen unserer Zeit in einem Maße wie nie zuvor belasten. 50 Prozent aller Patienten kommen heute in die ärztliche Praxis, weil sie sich zu wenig bewegen. Dafür zahlen die Krankenkassen jährlich zehn Milliarden DM. Nach den Erfahrungen der Medizin wird die Frage der Volksgesundheit bereits in der Schule entschieden.“

Der DSB hält den Schulsport für das wichtigste Problem. Es kommt darauf an, die im Sport vorhandenen Bildungs- und Erziehungskräfte zu erkennen und praktisch nutzbar zu machen. Die Fehleinschätzung der Leibeserziehung als „technisches Fach“ muß überwunden, und die Leibesübungen müssen als unentbehrlicher Bestandteil der Erziehung und Bildung der deutschen Jugend ins Programm eingebaut werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.12.1959

 

Montag, 21. Dezember 1959

Schulpflegschaften

st. – Das Stadtparlament wählte zu Mitgliedern der Schulpflegschaften für das Gymnasium den Stadtverordneten Runge, für die Mittelschule den Stadtverordneten Ludwig, für die beiden Stadtschulen die Stadtverordneten Junge und Schömer.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.12.1959

 

Dienstag, 22. Dezember 1959

Heute hat es Weihnachtsferien gegeben!

Die letzte Pause vor den Weihnachtsferien! Da haben die Jungen und Mädchen doppelt Grund zum Fröhlichsein. 14 Tage ungebundener Freiheit liegen vor ihnen, die das schönste Fest des Jahres einschließen. Es wird Geschenke geben, und Vater und Mutter werden Zeit für sie haben. Statt in die Schulbücher gucken zu müssen, werden sie ein neues Karl-May-Buch verschlingen dürfen. Statt der Schulbrote, die Mutter doch nie so belegt, wie die Herren Söhne und Fräulein Töchter es gern mögen, wird es Marmelade, Honig und Pfefferkuchen zum Frühstück geben. Und was es sonst noch alles geben wird! Heute Vormittag liefen viele Jungen und Mädchen voller Übermut und freudiger Erwartung zur letzten Pause auf den Schulhof. Der nächste Schultag ist erst 1960, und zwar am 6. Januar.

 

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.12.1959

 

Mittwoch, 23. Dezember 1959

Zum Schulrat ernannt

Der bisherige Rektor der Oldesloer Königin-Luise-Schule, Heinrich Lüth, erhielt aus der Hand des Landrates die Urkunde über die Ernennung zum Schulrat mit Wirkung vom 1. Dezember.

Schulrat Lüth übergibt nun die Leitung der Mittelschule an Konrektor Gehrke. Der Posten des Schulleiters wird ausgeschrieben. Der Tätigkeitsbereich Schulrat Heitmanns wird geteilt, so daß jeder der beiden Stormarner Schulräte sein eigenes Gebiet erhält.

Heinrich Lüth ist gebürtiger Oldesloer. Er steht im 56. Lebensjahr. Bevor er die Leitung der Oldesloer Mittelschule übernahm, war er Rektor der Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld. Er war Schulrat zur Wiederverwendung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.12.1959

 

Bis zum Jahr 1970