VfL Oldesloe - 3. Vierteljahr 1959 - 1960 

Samstag, 2. Jan. 1960

Lübeck 76 nicht unterschätzen. Abstiegsgefährdete Gegner sind doppelt gefährlich. In seinem ersten Heimspiel der Rückserie trifft der VfL Oldesloe morgen um 14 Uhr auf den Aufsteiger Lübeck 76, nachdem er am Vorsonntag einen anderen Aufsteiger, Frisia Husum, 3:2 besiegen konnte. Keineswegs darf der VfL, dessen sechs vorangegangene Siege jeweils nur durch das „goldene Tor“ zustandekamen, den fast abgeschlagenen Tabellenletzten unterschätzen. Das Hinspiel endete 1:1!

Nur ein Wunder könnte die 76er vor dem Abstieg bewahren, nachdem sie am letzten Sonntag dem SV Friedrichsort 0:5 unterlagen. Bei einem Punktekonto von 6:26 haben sie nur noch wenig Hoffnung auf den Klassenerhalt. Aber gerade Mannschaften in solcher Situation überraschen oft genug.

Am Vorsonntag zeigte der Oldesloer Sturm auch ohne König, Herbert Meins und Alfred Liedtke ein erfolgreiches Spiel, so daß man von einem Mangel an guten Stürmern beim VfL eigentlich nicht sprechen kann. Entscheidend wird immer die selbstlose und kampfesfreudige Spielweise der Stürmer sein, wie man sie in Husum sah, in vielen anderen Spielen aber vermißte.

Heute will die VfL-Elf noch einmal trainieren. Bis auf Bliebenich, der in Husum verletzt wurde, sollte die Elf fit sein. Die Aufstellung liegt zur zeit noch nicht vor.

ST 

Sonntag, 3. Jan. 1960 - 17. Punktspiel

VfL Oldesloe - Lübeck 76 4:1 (2:0)

Lübeck 76 mit fünffachem Ersatz 1:4. Burath verschoß Elfmeter. 2:1 noch in 85. Minute. Als der Anschlußtreffer der 76er in der 81. Minute fiel, sah es beim Stande von 2:1 noch keineswegs nach einem so klaren Endsieg der Oldesloer aus, da die Lübecker sich kraftvoll wehrten, der VfL andererseits nach einer starken ersten Halbzeit, in der Heinsohn seine Elf vor einem höheren Rückstand bewahrte, im zweiten Durchgang 40 Minuten lang recht unproduktiv spielte und das 4:1 erst in den letzten fünf Spielminuten erstellen konnte. Burath verschoß in der 52. Minute einen Handelfmeter.

Zweifellos stellte der VfL die bessere Elf, die gegen die Verlegenheitsmannschaft der 76er überwiegend dominierte und den Sieg durchaus verdient hat. Bei einer besseren Auswertung der Chancen hätte der VfL weit höher gewinnen können. Der VfL verfügt wirklich über eine Anzahl guter Stürmer, vor allem der Neuzugang Dau (früher SV Eichede), technisch begabt und taktisch recht klug spielend, erhielt Beifall auf offener Szene, aber auch Clasen und König warteten mit verbesserten Leistungen auf, ebenfalls wurde Lütge seiner Außenstürmerrolle gerecht. Rust war zwar etwas schwerfällig, sonst aber recht schußfreudig. Bei etwas konzentrierterer Spielweise im gegnerischen Strafraum hätte der Sturm mehr erreichen müssen. In der Hintermannschaft bildeten Wilkens, Peters und Stopper Lindemann ein starkes Bollwerk, so daß Ersatztorwart Buls wenig Arbeit in seinem ersten Amateurliga-Spiel hatte, auffallend sein gutes Stellungsspiel. Alfred Liedtke und Erbs sind ebenso harte wie kompromißlose Abwehrspieler, obgleich Liedtke im Aufbau nicht immer überzeugen konnte.

Lübeck 76 fehlte der Sturm! Mit Ausnahme von Hoffmann und Hölzinger, mit Abstand vielleicht noch Ludwig, wurden recht klassearme Leistungen gezeigt. Bester Mannschaftsteil war die Hintermannschaft, in der die beiden Außenläufer ihren Aufgaben voll gerecht wurden. Wenn auch Luckmann Stopper Volenec nicht vollwertig ersetzen konnte, so waren er und Potratz es doch, die mit dem Besten ihrer Elf, Heinsohn, eine höhere Niederlage vereitelten. Obgleich die zu stark ersatzgeschwächte Elf sich im ersten Durchgang zunächst nicht finden konnte, zeigte sie nach der Pause jedoch eine weit bessere Leistung. Sie wäre bei etwas Glück bestimmt nicht so hoch eingegangen, wenn Burath in der 52. Minute den Elfmeter und Ludwig in der 66. Minute vor dem Oldesloer Tor freistehend plazierter geschossen hätten. Vielleicht hätte das Spielgeschehen dann eine andere Wendung bekommen. SPM

 

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Karl-August Wilkens, Jürgen Peters - Alfred Liedtke, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Egon Lütge, Günter Rust, Bertold Clasen, Manfred Dau, Dieter König.

Lübeck 76: Heinsohn - Potratz, Daebes - Penkwitz, Luckmann, Burath - Hoffmann, Brennicke, Hölzinger, Ludwig, Hübner.

Tore: 1:0 Lütge (10.), 2:0 König (39.), 2:1 Hölzinger (81.), 3:1 Dau (85.), 4:1 König (87.). - Schiedsrichter: Saul (Tungendorf). - Zuschauer: 1325.

 

Samstag, 9. Jan. 1960

Auch der „kleine HSV“ ist zu schlagen. VfL selbst in der Höhle des Löwen nicht ohne Chancen. Morgen trifft der VfL Oldesloe um 14 Uhr in Heide, Platz an der Meldorfer Straße, auf den Meister der Amateurliga, den Heider SV. Während der „kleine HSV“ im Vorjahr nach 16 Spielen noch ungeschlagener Spitzenreiter war, mußte er in den bisherigen 16 Spielen der laufenden Saison viermal beide Punkte und dreimal einen Punkt abgeben. Hat der VfL unter diesen Umständen eine größere Erfolgschance? Im Hinspiel unterlag der VfL 0:4.

Obgleich der Heider SV nach wie vor über fast dieselben Spieler wie im Vorjahr verfügt, erreichte er nicht die Leistungen des Vorjahres. In der Gesamtspielanlage zeigte er allerdings mehr als der VfL, der sich in seinen bisherigen 17 Spielen ebenfalls neun Siege erkämpfte.

Bei taktisch kluger und kampffreudiger Spielweise braucht der VfL in guter Besetzung morgen durchaus kein Punktlieferant zu sein. Er darf den großen Gegner nur nicht überschätzen, sondern muß ohne Rücksicht darauf, daß ihm der Ex-Oberligist und Titelverteidiger gegenübersteht, sein Spiel wie immer durchführen, dann wird er diesmal vielleicht bei etwas Glück wie im Heimspiel auch zum Erfolg kommen.

ST 

Sonntag, 10. Jan. 1960 - 18. Punktspiel

Heider SV - VfL Oldesloe 2:0 (1:0)

Zwei Eichler-Tore genügten zum Heider Sieg. Schwieriger Boden machte zu schaffen. Nicht der Sturm, die Abwehr war stärker. Oldesloer mischten kräftig mit. Was war mit Lindemann? Sportlicher Liedtke. Die frierenden Zuschauer werden auch auf anderen Plätzen sicherlich nicht viel mehr Freude gehabt haben als in Heide, wo der hartgefrorene und spiegelglatte Boden die richtige Stellung zum Ball meist unmöglich machte, so daß eine kontrollierte Ballannahme ebensowenig zu erwarten war wie dessen einwandfreie Weiterleitung. Um so eher aber wäre ein weiträumiges Spiel notwendig gewesen, das von keiner der beiden Mannschaften exerziert wurde. Das vorgeführte, engmaschige Hin- und Hergebuffe des Balles hatte wenig Aussicht auf Erfolg, und wenn die Heider dennoch verhältnismäßig klar gewannen, ist dies auf die etwa um diese beiden Tore schwächere Hintermannschaft der Gäste zurückzuführen, die zwar in großem Stil begann, es aber nachher an Standfestigkeit mit der Heider Hintermannschaft nicht mehr aufnehmen konnte.

Nichts gegen Torwart Slawski, der, mit einer Ausnahme, die schließlich zum ersten Heider Treffer führte, stets Herr der Situation war. Auch Peters, der zusammen mit Rechtsläufer Wilkens die herausragende Kraft in der gesamten Hintermannschaft war, machte seine Sache ausgezeichnet. Diesen beiden gegenüber fielen Bliebenich und Erbs, überraschend aber auch Lindemann, dem mancher Schnitzer unterlief, merklich ab. Im Sturm, der noch harmloser war als die ebenfalls keine Bäume ausreißende Heider Fünferreihe, kamen nur Rechtsaußen Lütge und Mittelstürmer Clasen einigermaßen zur Geltung. Linksaußen König wurde schon vor Halbzeit verletzt und war nachher kaum mehr anspielbar.

Bei den Heidern hatte Papenburg manche Schwierigkeit mit Lütge; Reh hatte es erheblich leichter, während Torwart Otto wenig geprüft wurde. Zweimal hatte er „unverschämtes“ Glück, als er zu kurz und ungenau abstieß, und ein Oldesloer Stürmer zwar sofort reagierte, den Ball aber um Zentimeter über das Tor schoß, was sich dann noch einmal wiederholte, als Clasen mutterseelenallein vor Otto aufgetaucht war. Die Läuferreihe war das Glanzstück, was bei dem allgemein dürftigen Niveau aber nur relativ zu nehmen ist. Hein war diesmal solider als Scheppan, der dagegen effektvoller wirkte. Gerdau ließ kaum etwas anbrennen. Der Sturm litt erneut an der Ballverliebtheit von Bannasch, der aber immer noch gefährlich war, und Eichler, dem kaum ein Zuspiel gelang. Kabinettstückchen mit dem Ball, die besonders Feddrau gelangen, machten die Stürmerleistung nicht wertvoller. Die Heider warten sehnsüchtig auf den noch immer verletzten Schmidt, der bei diesem Boden schon einiges mehr hätte ausrichten können.

Bei jeder Kritik der Spielerleistungen darf nicht außer Betracht bleiben, daß bei diesen Bodenverhältnissen und bei dem Schneegestöber im zweiten Durchgang das Spiel nicht einfach ist. Nicht vom Wetter abhängig war aber die sportliche Haltung, die der Oldesloer Liedtke an den Tag legte, als er beim Stande von 1:0 dem Schiedsrichter, der von Otto aufmerksam gemacht wurde, auf Befragen zugab, den Ball selbst ins Toraus gespielt zu haben, obwohl bereits auf Eckball gegen Heide erkannt worden war.

Die besten Spieler beim Heider SV waren Hein, Gerdau und Scheppan, beim VfL Oldesloe Peters, Wilkens, Lütge und Clasen.

SPM

Heider SV: Otto - Reh, Papenburg - Hein, Gerdau, Scheppan - Eichler, Harder, Bannasch, Feddrau, Pulter.

VfL Oldesloe: Siegfried Slawski - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Karl-August Wilkens, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Egon Lütge, Alfred Liedtke, Bertold Clasen, Manfred Dau, Dieter König.

Tore: 1:0 Eichler (23.), 2:0 Eichler (49.). - Schiedsrichter: Werner (Flensburg). - Zuschauer: 1500.

 

Montag, 11. Jan. 1960

Der Spielausschuß des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes muß sich nun doch noch mit jenen unerfreulichen Vorfällen beschäftigen, die sich nach dem Amateurliga-Spiel Union Teutonia Kiel - VfL Oldesloe (2:3) am 29. Nov. in Kiel ereigneten und wo u.a. der Oldesloer Peters geschlagen worden sein soll. Am kommenden Samstag wird verhandelt. Um 17 Uhr in Neumünster („Hotel Kaiserecke“)!

SPM 

Freitag, 15. Jan. 1960

Keine generelle Absage der Amateurliga. Da in dem weit auseinandergezogenen Schleswig-Holstein in den Landesteilen oft ganz verschiedene Witterungsbedingungen herrschen, hat der Schleswig-Holsteinische Fußballverband vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt, bei Schlechtwetterlage von seiten des Verbandes keine generellen Spielabsagen anzuordnen. Es bleibt also am kommenden Wochenendeden Vereinen der Amateurliga überlassen, in Verbindung mit einem Spielausschußmitglied des SHFV zu entscheiden, ob ihr Platz bespielbar ist oder nicht. Wichtig ist nur, diese Entscheidung rechtzeitig zu treffen, damit den anreisenden Vereinen bei Spielausfall keine unnötigen Kosten entstehen.

ST

 Samstag, 16. Jan. 1960

Schneeballschlacht im Stadion. VfL will gegen den VfR Neumünster antreten. Der VfL soll morgen um 14 Uhr im tiefverschneiten Stadion gegen die Amateure des VfR Neumünster antreten, die im Hinspiel mit fünffachem Ersatz 2:1 geschlagen wurden. Auch diesmal muß der VfL fünf Spieler ersetzen und man ist gespannt, wie er abschneidet, nachdem die VfR-Elf durch Neuzugang der Läufer Schmahl und Schröder erheblich stärker geworden ist. Am Vorsonntag unterlag der VfL in Heide 0:2 und der VfR kam zu Hause gegen Lägerdorf über ein 0:0 nicht hinaus.

Nach der Niederlage im Hinspiel kam der VfR durch den Neuzugang der Läufer Schmahl und Schröder groß auf und unterlag in zwölf Spielen nur zweimal. Morgen wird er allerdings auf den Stürmer Schmuck III, der großen Anteil an diesen Erfolgen hatte, verzichten müssen, weil dieser in der Oberliga spielt.

Beim VfL gibt es wieder Aufstellungssorgen, da König und Wilkens am Vorsonntag verletzt wurden und Herbert Meins und Horst Liedtke noch immer nicht einsatzfähig sind. Auch ist der Einsatz von Clasen noch fraglich, der dienstlich beansprucht wird. Dennoch liegt kein Grund vor, „schwarz“ zu sehen, denn in der vorgesehenen Elf können Spieler wie Nußkern, Wendt, Rust und Bliebenich wirklich nicht als Ersatz bezeichnet werden. Wenn jeder in seiner Position kampffreudig aufspielt, könnte schon dies bei den Bodenverhältnissen für den Sieg entscheidend sein; denn die Technik wird bei der Schneeglätte bestimmt zu kurz kommen.

Die Entscheidung, ob gespielt werden kann, wird erst morgen vormittag in Gegenwart des Schiedsrichters fallen. Eine Besichtigung des Platzes führte heute früh zu der Auffassung, daß es möglich ist, ihn spielfähig zu machen.

ST 

Samstag, 16. Jan. 1960

Union Teutonia Kiel wurde mit einem Verweis bestraft. Wegen der unliebsamen Vorkommnisse nach dem Spiel der 1. Amateure Union Teutonia Kiel gegen VfL Oldesloe am 29. Nov. vergangenen Jahres (2:3) in Kiel, wo der Oldesloer Spieler Peters auf dem Weg zur Umkleidekabine von einem Zuschauer niedergeschlagen wurde, verhandelte jetzt in Neumünster der Spielausschuß des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes. Union Teutonia Kiel wurde mit einem Verweis bestraft und zum Tragen der Kosten verurteilt, weil sein Ordnungsdienst versagt hatte.

Beide Vereine erschienen zu dieser Verhandlung mit einem großen Aufgebot an Zeugen. Die Frage, ob der Spieler Peters wirklich von einem Zuschauer geschlagen wurde oder nicht, konnte mit Sicherheit nicht geklärt werden. Festgestellt wurde aber, daß Peters, umgeben von einer Anzahl Zuschauer, plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden gelegen hat. Ein Spieler seiner Elf wollte auch gesehen haben, daß Peters geschlagen wurde, doch konnte er den Schläger in dem Gedränge nicht erkennen.

Aussage stand gegen Aussage, als ein Zeuge von Union Teutonia erklärte, er wäre von VfL-Spielern festgehalten und als Täter bezeichnet worden. Der Zeuge bestritt, geschlagen zu haben. Nach weiteren Zeugenvernehmungen war der Ausschuß sich dann darüber einig, daß dieser Vorfall hätte vermieden werden können, wenn eine genügende Anzahl Ordner für den ungehinderten Abgang der Spieler gesorgt hätte. Die Spieler wären dann mit den Zuschauern nicht in Berührung gekommen.

Der VfL, vertreten durch seinen Obmann Rudi Herzog, gab eine Erklärung ab, in der er darauf hinwies, daß sein Verein im Interesse der guten sportlichen Beziehungen zwischen beiden Vereinen keinen Wert auf Bestrafung lege. Er soll nur die Gewißheit haben, daß diese Art Vorfälle auf dem Professor-Peters-Platz in Kiel sich nicht wiederholen. Union Teutonia Kiel nahm das dann bekanntgegebene Urteil an.

ST 

Sonntag, 17. Jan. 1960 - 19. Punktspiel

VfL Oldesloe - VfR Neumünster Am. 2:1 (0:0)

Oldesloer Tore durch Alfred Liedtke. Obgleich der VfL den Platz zum Großteil vom Schnee geräumt und schon vorher das Reservespiel darauf stattgefunden hatte, wurden an beide Mannschaften ungewöhnlich hohe Anforderungen gestellt. Dieses Spiel einer gerechten Beurteilung zu unterziehen, fällt daher schwer. Trotzdem: beide Mannschaften spielten kampffreudig und zeigten ein interessantes Spiel, das turbulente Torraumszenen auf beiden Seiten hatte. Wenn auch der VfR mit seinem recht kombinationsreichen Spiel für das Auge mehr zeigte, so erkämpfte sich der VfL die meisten und viel klareren Chancen, hatte im zweiten Durchgang auch etwas mehr vom Spiel, so daß man den Sieg als vollauf verdient bezeichnen kann.

Wie im Hinspiel kam der VfL, ersatzgeschwächt, mit gleichen Ergebnissen zum Erfolg. Angefangen beim Schlußdreieck, in dem Torwart Slawski geradezu artistische Abwehrparaden zeigte, bis in die Läuferreihe, in der Lindemann und Erbs besonders hervorragten, gab es keine schwache Stelle in der Hintermannschaft. Im Sturm waren es der kleine flinke Liedtke und der ebenso agile und technisch recht gut versierte Dau, die Großartiges boten. Wendt und Rust kamen trotz größter Anstrengung mit dem Boden nicht zurecht, und Lütge überzeugte erst nach der Pause.

Im Zusammenspiel und Direktspiel zeigte der VfR mehr. Auch hatte er technisch gesehen in Fichtner, Riemer und Harms die besten Stürmer auf dem Platz, die jedoch in der Auswertung der Chancen recht unbeholfen wirkten. Während Holm bei Peters gut aufgehoben war, zögerte Husser zu lange mit seinen Flanken, was vielleicht entscheidend für den Erfolg war. In der Hintermannschaft waren es Schmahl, Schröder und Rohwedder, die ihren Aufgaben gerecht wurden. Schlüter und Schmuck gefielen, obgleich sie Dau und Liedtke mehrmals davonziehen lassen mußten. Großartig ihr Schlußmann, der eine höhere Niederlage vereitelte.

SPM

VfL Oldesloe: Siegfried Slawski - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Egon Lütge, Alfred Liedtke, Heinz Wendt, Günter Rust, Manfred Dau.

VfR Neumünster Am.: Hofstroem - Schlüter, Ernst Schmuck - Schmahl, Schröder, Rohwedder - Holm, Harms, Riemer, Fichtner, Husser.

Tore: 1:0 Alfred Liedtke (53.), 1:1 Fichtner (61.), 2:1 Alfred Liedtke (81.). - Schiedsrichter: Schellenberg (Kiel). - Zuschauer: 1000.

 

Montag, 18. Jan. 1960

UT kam mit Verweis davon. Ordnungsdienst funktionierte nicht. Schöne Geste Oldesloes. Am Samstag kam in Neumünster der Spielausschuß des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes in der Besetzung Heinrich Steenbock (Kiel), Schumacher (Lübeck), Krutzke (Flensburg), Hinz (Kiel), Möller (Heide) und Holstein (Kiel) zusammen, um über die unliebsamen Vorfälle zu verhandeln, die sich am 29. Nov. 1959 nach dem Spiel UT Kiel gegen VfL Oldesloe (2:3) ereignet hatten. Wenn wir das Ergebnis vorwegnehmen, so sie festgestellt, daß UT mit einem Verweis davonkam. Das Urteil kommentierte der Verbandsspielausschuß dahingehend, daß es erst durch das Versagen des Ordnungsdienstes zu den Vorfällen gekommen sei.

Union Teutonia wie auch der VfL Oldesloe rückten mit großem Zeugenaufgebot an. Die entscheidende Frage, ob der Oldesloer Spieler Peters tatsächlich nach Spielschluß von einem Zuschauer geschlagen wurde oder nicht, hat sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit klären lassen. Andererseits steht fest, daß etwas passiert sein muß, denn Peters habe in einem Zuschauerpulk plötzlich auf dem Boden gelegen und sei von zwei Betreuern Teutonias und Oldesloes in die Kabine gebracht worden.

UT hatte auch den angeblichen Täter mitgebracht, der nach dem Spiel von Oldesloer Spielern festgehalten sein soll, nachdem Peters am Boden gelegen habe. Dieser Täter, der keinem Fußballverein angehört, erklärte aber, nicht geschlagen zu haben. So stand Aussage gegen Aussage.

Es kristallisierte sich aber heraus, daß es den Oldesloer Spielern beim Abgang nach Spielende nicht möglich gewesen sei, den vorschriftsmäßigen Ausgang zu finden, und daß man unter der Barriere durchgekrochen sei. Nur dadurch seien die Oldesloer Spieler mit den Zuschauern in Berührung gekommen. Ordner, die den vorschriftsmäßigen Abgang vom Spielfeld angezeigt und freigemacht hätten, sind von Oldesloern Spielern nicht gesehen worden.

Außerordentlich bemerkenswert war die Erklärung des Oldesloer Vereinsvertreters Herzog in der Verhandlung, der herausstellte, daß es seinem Verein keineswegs darum ging, den UTern etwas am Zeuge zu flicken, sondern man wolle lediglich sicherstellen, daß künftig die Spieler einen ungehinderten Abgang vom Spielfeld hätten. Auf eine Bestrafung der UTer lege der VfL Oldesloe im Hinblick auf die Sportkameradschaft absolut keinen Wert. So gingen alle Beteiligten nach fast dreistündiger Verhandlung in freundschaftlichem Geiste auseinander.

SPM 

Samstag, 23. Jan. 1960

Vormittagsspiele liegen dem VfL. Gute Chancen auch gegen TuS Lübeck. Ohne Peters. Der VfL Oldesloe und TuS Lübeck stehen sich morgen bereits um 11 Uhr in Lübeck, Lauerhofer Feld, gegenüber. Die TuS-Mannschaft rang am Vorsonntag dem Heider SV einen Punkt (Anm.: in Heide 1:1) ab, nachdem sie ihn im Hinspiel bereits 3:2 besiegt hatte. Dem VfL unterlag TuS im Herbst 2:3.

Der Tabellendreizehnte ist dabei, sich den Klassenerhalt zu sichern. So bereitete er sich auf das Spiel des vergangenen Sonntags in der Sportschule Malente vor. Auch wenn die TuS-Elf in ihren bisherigen 19 Spielen nur viermal siegte, ist sie ein gefährlicher Gegner. Der VfL kann wieder Clasen, Wilkens und Herbert Meins einsetzen, verzichtet aber auf Peters. In den bisherigen Vormittagsspielen hat der VfL noch immer günstig abgeschnitten und man rechnet auch diesmal damit.

ST 

Sonntag, 24. Jan. 1960 - 20. Punktspiel

TuS Lübeck 93 - VfL Oldesloe 2:1 (0:0)

Ein glücklicher Sieg von TuS Lübeck. Oldesloe hatte Unentschieden verdient. 5:1 Punkte aus den letzten drei Spielen, das ist das Ergebnis einer Leistungssteigerung bei TuS Lübeck; einer Steigerung, die auch bei dem 2:1-Erfolg über den VfL Oldesloe deutlich erkennbar war. Dennoch fiel der Sieg etwas glücklich aus, und Oldesloe hätte zumindest ein Unentschieden verdient gehabt. Nach den Leistungen der zweiten Halbzeit hätte das Ergebnis sogar umgekehrt lauten können.

Der Platz befand sich in guter Verfassung, wenn er auch sehr rutschig war. Trotz des schweren Bodens gab es ein überraschend gutes und schnelles Spiel, und TuS bewies, daß das Remis gegen Heide kein Zufall war. Die Abwehr klappte famos und das Glanzstück der Schwarz-Weißen war die Läuferreihe, vor allem Ohlsen und Köpcke. Von den Verteidigern war Kühne der bessere, während Stegmann nicht immer ganz sicher wirkte, dann aber wieder prächtig reagierte. Im Sturm war Bibow einmal mehr die treibende Kraft, ihm am nächsten kam Thiel. Kulling hielt namentlich vor Halbzeit schlecht Platz, bewies aber mit zwei Bomben in der 27. und 31. Minute, die knapp die Latte rasierten beziehungsweise von Buls großartig gemeistert wurden, seine Gefährlichkeit. Behalten die Lübecker diese Form, sollten sie bald Anschluß an das Mittelfeld finden.

Oldesloe war den Lübeckern durchaus ebenbürtig und erzwang nach der Pause streckenweise eine Feldüberlegenheit, die zumindest ein Unentschieden gerechtfertigt hätte. Auch hier übertraf die Abwehr den Sturm, obwohl Lindemann eine schwache Partie lieferte, den Ball oft planlos in die Gegend drosch und mehrfach nicht im Bilde war (beim zweiten Tor!). Ausgezeichnet Bliebenich und Torwart Buls, wenn auch der Bibow-Treffer nicht unhaltbar schien. Auch der fleißige Erbs wußte gut zu gefallen, und Nußkern schaltete sich nutzbringend in das Sturmspiel ein. Der Angriff lebte in erster Linie von der Spritzigkeit Liedtkes, der Lütge und Clasen immer wieder mitriß, während die beiden Außen erst spät hervortraten. Vor allem Liedtke war es zu danken, daß TuS nach der Pause in arge Bedrängnis geriet und die Lübecker Abwehr ganz schön durcheinander war.

Eine große Chance zum Ausgleich hatte Liedtke in der 63. Minute, als Stegmann ihm nach einem tollen Hin und Her entgegenlief, den Ball verpaßte, Liedtke aufs Tor bombte - Köpcke direkt in den Magen! Die Oldesloer hatten den Torruf schon auf den Lippen, als fünf Minuten vor Schluß Meins einen wuchtigen Kopfball aufs Tor jagte, der aber knapp über die Latte strich. SPM

TuS Lübeck 93: Stegmann - Bracker, Kühne - Steffen, Ohlsen, Köpcke - Kulling, Thiel, Bibow, Schober, Scheewe.

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Wolf-Dieter Bliebenich, Karl-August Wilkens - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Egon Lütge, Bertold Clasen, Alfred Liedtke, Manfred Dau.

Tore: 1:0 Thiel (46.), 1:1 Alfred Liedtke (74.), 2:1 Bibow (87.). - Schiedsrichter: Piethe (Dänischburg). - Zuschauer: 600. 

Samstag, 30. Jan. 1960

VfL könnte Itzehoe Konzept verderben. Tabellenzweiter im Stadion. Dau am Flügel. Der VfL Oldesloe hat morgen um 14.30 Uhr den Tabellenzweiten Itzehoer SV 09 zu Gast. Ein Sieg könnte Itzehoe die Tabellenführung bringen, wenn Schleswig gegen Friedrichsort verlieren sollte. Der VfL wird es deshalb schwerer haben als im Vorjahr, wo er dem ISV beim 1:1 einen Punkt abnehmen konnte.

Die Oldesloer vergaben am Vorsonntag durch ihre Niederlage mehr als nur zwei Punkte, nämlich den Anschluß an die Spitzengruppe. Nur ein Sieg könnte ihnen diese Position wieder verschaffen. Hoffentlich haben sie aus der Niederlage gelernt.

ST 

Sonntag, 31. Jan. 1960 - 21. Punktspiel

VfL Oldesloe - Itzehoer SV 1:0 (0:0)

Oldesloe stoppte Itzehoer Siegeszug. Bombenschuß von Lütge entschied alles. Ja, das hat sich der Itzehoer SV nicht träumen lassen, daß sein Siegeszug nach fünf ununterbrochenen Erfolgen vom VfL Oldesloe gestoppt würde! Der 1:0-Sieg der Oldesloer ist jedoch vollauf verdient und hätte bei den weit besseren Chancen auch 3:0 ausfallen können. Der Itzehoer SV hatte wahrscheinlich mit einer solchen Bravourleistung des VfL nicht gerechnet. Dieser Elf mangelte es an Einsatz, und obgleich sie fürs Auge recht schön kombinierte, vermißte man doch die Zielstrebigkeit im Angriff. Dazu traf der ISV auf eine großartig aufgelegte und kämpferisch starke VfL-Elf, die in beiden Halbzeiten überwiegend tonangebend war. Lütge schoß in der 52. Minute das Siegtor (eine Bombe aus zwölf Metern Entfernung, unhaltbar, nachdem Lipp ausgespielt am Boden lag) heraus.

Wenn man vor der Pause, als Itzehoe den Gegner kommen ließ, glaubte, daß dieses aus taktischen Gründen geschah, hatte man sich geirrt, denn bis zur 70. Minute waren die Oldesloer dem 2:0 und sogar dem 3:0 näher als die Itzehoer dem Ausgleich. Es wurde beim ISV viel zu viel in die Breite gespielt und die erkämpften Chancen vielfach „verfummelt“!

Gut Teßmann und Schröter, die von Lohse und Martensen aber recht schlecht bedient wurden, weil sie ihre liebe Not mit Bliebenich und Peters hatten. Dazu enttäuschte Fuchs mit seinen kurzen Abgaben, die meist an den falschen Mann kamen. Priebe, vor der Pause mehr Doppelstopper als Aufbauspieler, kam erst im zweiten Durchgang zur Geltung. Lipp zeigte neben Licht auch recht viel Schatten und ist nicht ganz schuldlos an der Niederlage. Neumann scheint sich zu einem Außenläufer zu entfalten. Von beiden Verteidigern war Drews der bessere, obgleich er sich mehrmals des schwächeren Dau nur durch Körpereinsatz erwehren konnte. Braun konnte gefallen, hatte aber auch recht viel Glück.

Das war eine andere VfL-Elf als die des Vorsonntages, die bei TuS Lübeck unterlag. Vielleicht lag es an der fairen Spielweise der Itzehoer, daß die Fünferreihe des VfL sich endlich einmal wieder zu einer kombinationsreichen Spielweise fand. Großartig das Zusammenspiel zwischen Dau und Wilkens und nachdem Liedtke als Mittelstürmer operierte, auch zwischen Meins und Lütge. Die beste Torchance vergab Liedtke in der 86. Minute, weil er mit seinem Schuß zu lange zögerte. Nußkern und Erbs störten großartig und waren meist eine Sekunde eher am Ball als der Gegner, dazu sehr schußfreudig versuchten sie mehrmals, mit ihren Fernschüssen Braun zu überlisten. Bliebenich und Peters gebührt ein besonderes Lob für ihre großartige Abwehrleistung, aber auch Stopper Lindemann wurde seiner Aufgabe gerecht. Im Vergleich zu Braun hatte Slawski weniger gefährliche Momente zu meistern. Anerkennenswert sein Durchhalten, obwohl er sich schon im ersten Durchgang eine Handverletzung zuzog.

SPM

VfL Oldesloe: Siegfried Slawski - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Karl-August Wilkens, Manfred Dau.

Itzehoer SV: Braun - Drews, Koppen - Priebe, Lipp, Neumann - Martensen, Fuchs, Schröter, Teßmann, Lohse.

Tor: 1:0 Lütge (52.). - Schiedsrichter: Wolf (Kiel). - Zuschauer: 1350.

 

Samstag, 6. Feb. 1960

VfL morgen zum Spitzenreiter. Schleswig 06 keine unlösbare Aufgabe. Nur Slawski nicht mit von der Partie. Nachdem der VfL Oldesloe am Vorsonntag dank einer großartigen Leistung den bisherigen Tabellenzweiten Itzehoer SV besiegt hat, spielt er morgen um 14.30 Uhr in Schleswig gegen den Spitzenreiter Schleswig 06. Der hat in den bisherigen sechs Spielen der Rückrunde das gleiche Punktverhältnis (8:4) erzielt wie der VfL. Der VfL will bis auf seinen Torwart Slawski (Handbruch) in der Besetzung des Vorsonntags spielen und könnte durch einen Erfolg seine Position wesentlich verbessern. Für die Schleswiger aber geht es um den Erhalt der Tabellenführung.

In ihren beiden vorangegangenen Heimspielen gegen UT Kiel und Friedrichsort kamen die 06er über ein Unentschieden nicht hinaus. Ihr Thron scheint zu wackeln. Der VfL fährt keineswegs als Punktlieferant nach Schleswig. Was dem Itzehoer SV (2:1), UT Kiel (2:2) und Friedrichsort (1:1) gelang, müßte die VfL-Elf eigentlich auch schaffen. Voraussetzung ist natürlich, daß sie sich zu den gleichen Leistungen wie am Vorsonntag aufraffen kann.

ST 

Sonntag, 7. Feb. 1960 - 22. Punktspiel

Schleswig 06 - VfL Oldesloe 0:0

Schleswiger Sturm war zu drucklos. Kluges Defensivspiel der Oldesloer. 06 hatte mehr vom Spiel. Lindemann, Stärke des VfL. Auf dem hart gefrorenen und glatten Dr.-Alslev-Platz in Schleswig blieb die Begegnung zwischen Schleswig 06 und dem VfL Oldesloe torlos. Dieses 0:0 kostete dem Spitzenreiter seine führende Position. Ausgerechnet durch den VfL Oldesloe, der bisher noch nie einen Punkt gegen die Schleswiger gewinnen konnte! Die Begegnung hatte kein besonderes Niveau und das Ergebnis kann als gerecht angesehen werden, obwohl Schleswig 06 zeitweise mehr vom Spiel hatte! Der Schleswiger Sturm war aber zu drucklos und hatte nebenbei noch Pech mit den Schüssen. Geschickt verstanden es die Oldesloer Gäste, die ersten gefährlichen 25 Minuten der 06er zu überstehen! Geschickt fanden sie Einstellung zum Gegner und konnten ihm immer wieder ein hohes Spiel aufzwingen!

Schleswig 06 hatte wohl in dieser Begegnung über weite Strecken mehr vom Spiel, versagte aber im Strafraum und beim Torschuß. Mag sein, daß einige Bälle nur um Haaresbreite ihr Ziel verpaßten und bei etwas mehr Glück im Netz gezappelt hätten. Trotz des harten und stellenweise glatten Bodens war die Begegnung schnell und bis zur letzten Minute durchaus spannend. Auf beiden Seiten wurde in „Samba-Puschen“ mit Spezialsaugstollen und auch Aluminiumstollen gespielt. Jeder Spieler hatte sich anscheinend das für sich Beste ausgesucht.

Schleswig 06 verstand es nicht, sich durch die stabile Hintermannschaft des Gegners entscheidend durchzuarbeiten. Mag sein, daß schon aus der Hintermannschaft heraus die Bälle zu hoch gespielt wurden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß der Schleswiger Sturm zu umständlich und auf zu engem Raum operierte. Weder Dörbaum noch Stelzner oder Hinrichs und Pax kamen richtig zur Geltung. Und dabei gab es reichlich Chancen. Außenläufer Wulf wurde schon nach einigen Spielminuten verletzt und mußte in der Halbzeitpause seine angebrochenen Zähne zahnärztlich behandeln lassen. In der Hintermannschaft wurde Klimmeck im Tor öfter beschäftigt und meisterte manche Situation hervorragend. Außenläufer Nanz leistete wiederum ein kolossales Pensum.

Bei den Gästen gefielen vor allen Dingen der Mittelläufer Lindemann, der den Strafraum souverän beherrschte und der linke Verteidiger Peters mit seinem weiten Abwehrschlag. Die Oldesloer Elf tauchte in ihrer ganzen Geschlossenheit im Strafraum auf, wenn Gefahr bestand und war in den Konterschlägen recht geschickt, wobei Liedtke, Lütge und Dau am gefährlichsten waren. Torwart Buls hatte Glück, da ein Schuß der Schleswiger nur um Millimeter vorbeiging.

Während die erste Halbzeit der Begegnung noch als ausgeglichen bezeichnet werden kann, kamen die Schleswiger in der zweiten Halbzeit stärker auf. Trotzdem verstanden es die Oldesloer immer wieder, mit gefährlichen Durchbrüchen aufzuwarten, und konnten sogar die letzten Spielminuten für sich buchen. Der Oldesloer Sturm war im Strafraum oft gefährlicher als die Schleswiger, wirkte dann aber etwas zu überhastet. Schleswig 06 hatte zehn Minuten vor Schluß noch drei „todsichere“ Chancen, doch Hinrichs verpaßte den Ball knapp, Dörbaum schoß um Millimeter vorbei und Stelzners Nachschuß strich am Pfosten vorbei. Beste Spieler bei Schleswig waren Nanz, Klimmeck und Kähler und bei Oldesloe Lindemann, Peters und Lütge.

SPM

Schleswig 06: Klimmeck - Schubien, Ohlsen - Wulf, Kähler, Nanz - Hinrichs, Thomas, Dörbaum, Stelzner, Pax.

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Kurt Meins, Jürgen Peters - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Karl-August Wilkens, Manfred Dau.

Tore: Fehlanzeige. - Schiedsrichter: van Thiel (Kiel). - Zuschauer: 2000.

 

Samstag, 13. Feb. 1960

TSV Trittau hofft auf Pokalrundenglück. Kreisliga-Spitzenreiter morgen im Stadion. In der ersten Hauptrunde der morgen beginnenden DFB-Pokalspiele stehen sich im Stadion um 14.30 Uhr die 1. Amateure des VfL Oldesloe und der Spitzenreiter der Kreisliga Stormarn, TSV Trittau, gegenüber. Der TSV Trittau dürfte in diesem Jahr den Aufstieg in die 2. Amateurliga schaffen, der er vor Jahren schon mal angehörte. Die VfL-Elf wird auch in guter Besetzung die Trittauer von Anfang an ernst nehmen müssen.

ST 

Sonntag, 14. Feb. 1960 - Pokalspiel

VfL Oldesloe - TSV Trittau 3:0 (1:0)

Allen Respekt vor dem TSV Trittau! Er leistete herzhaften Widerstand. 3:0 besiegten die 1. Amateure des VfL Oldesloe im DFB-Pokalspiel den Kreisligisten TSV Trittau. Ein schnelles Spiel, das aber wegen des glatten Schneebodens mehr oder weniger auf Zufälligkeiten aufgebaut war. Die TSV-Elf überraschte angenehm durch ihre kampffreudige und kombinationsreiche Spielweise, mußte sich jedoch infolge Schußpechs und taktisch falscher Einstellung dem Klassehöheren beugen, der durchaus verdient gewann.

Eine klassenunterschiedliche Spielweise sah man im ersten Durchgang noch nicht. Die TSV-Elf wurde mit dem glatten Schneeboden zunächst besser fertig als die VfL-Elf. Auffallend schnell der TSV-Sturm, der der Hintermannschaft des Landesligisten alles abverlangte. Besonders gefährlich Rechtsaußen Albrecht, dessen maßgerechte Flanken schon allein einen Erfolg verdient hätten. Aber auch der Mittelstürmer Harten konnte gefallen.

Bis zur 20. Minute hatten die TSVer etwas mehr vom Spiel, wußten aber nicht das Rezept, der Oldesloer Abwehr einen Erfolg abzuringen. Die VfL-Elf fand sich erst danach zu einer druckvolleren Spielweise, die dann aber auch gleich mit Erfolg gekrönt war. Geschickt köpfte Lütge in der 23. Minute eine Flanke von Herbert Meins zur Führung für den VfL ein. Als danach die TSVer verstärkt verteidigten - was ein großer Fehler war - kamen die VfLer mehr und mehr auf. TSV-Stürmer Albrecht verstärkte die Verteidigung, so daß VfL-Verteidiger Wilkens in seinem Sturm mitwirken konnte. Ein großes Lob gebührt dem TSV-Torwart, der bis zur 72. Minute keine weiteren Treffer mehr zuließ.

Beim VfL-Sturm machte sich das lange Ballhalten nachteilig bemerkbar, und die Trittauer Abwehr, vor allem Hinz II, verstand es immer wieder, durch befreiende Schläge neue Angriffe einzuleiten. Wenn auch nur von drei Stürmern vorgetragen, brachten sie für das Oldesloer Tor mehrmals Gefahr.

Auch nach der Pause, als der VfL überlegen spielte, stand es bis zur 72. Minute immer noch 1:0, und der Ausgleichstreffer hing bis dahin mehr als einmal in der Luft. Nach wie vor verstand es die massierte TSV-Abwehr, den Spielausgang offen zu gestalten, wobei ihr die eigensinnige Spielweise des VfL-Sturms zugute kam.

Recht glücklich kam der VfL dann zu den beiden spielentscheidenden Treffern. Nachdem der VfL-Sturm zahlreiche Chancen ausgelassen hatte, glückte es König in der 72. Minute bei einem Torgeplänkel, den Ball über die Torlinie zu drücken, und zwei Minuten später leitete Herbert Meins durch einen Lattenschuß das Endergebnis ein. Der Ball prallte von der Latte ab gegen die Brust eines TSV-Spielers und landete dann zum 3:0 für den VfL im Trittauer Gehäuse. Wenn auch die Trittauer nun zum Endspurt ansetzten und mit sieben und acht Spielern stürmten, konnten sie an dem Ergebnis nichts mehr ändern.

ST

VfL Oldesloe (Ankündigung): Hans-Werner Buls - Kurt Meins, Jürgen Peters - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Manfred Dau, Dieter König.

Tore: 1:0 Lütge (23.), 2:0 König (72.), 3:0 Eigentor (74.). - Schiedsrichter: NN. - Zuschauer: NN.

 

Samstag, 20. Feb. 1960

VfL Schwartau im VfL-Stadion. Sechs Oldesloer Stammspieler fallen aus. Der VfL Oldesloe trifft morgen um 15 Uhr im Stadion auf den VfL Schwartau, der nach 20 Spielen mit 14:26 Punkten abstiegsbedroht ist und deshalb in seinen noch ausstehenden zehn Spielen alle Register ziehen wird, um der Gefahrenzone zu entrinnen. Keineswegs geht der VfL Oldesloe, der gerade bei abstiegsbedrohten Mannschaften schon Punkte lassen mußte, als Favorit in diesen Kampf. Verletzungs- und Grippeerkrankungen machten eine Umbesetzung der Oldesloer Elf notwendig. Wird sich der VfL unter diesen Umständen wie im Hinspiel (3:0) durchsetzen können?

Das glatte Ergebnis des Hinspiels täuscht, denn die Schwartauer waren keine drei Tore schlechter. Daß muß bei einer objektiven Beurteilung gesagt werden, ohne den Oldesloern den Erfolg zu schmälern. Außerdem sollte man die Auswärtserfolge der Schwartauer gegen Holstein (3:1), Heide (3:2), Lägerdorf (2:1) und Itzehoe (1:1) mit den Auswärtsergebnissen der Oldesloer gegen die gleichen Gegner vergleichen (Holstein 1:3, Heide 0:2, Lägerdorf 0:3, Itzehoe 1:3). Der Vergleich spricht klar für den Gast. Am Vorsonntag wurden die Schwartauer vom Bezirksligisten TSV Heiligenhafen im Pokalspiel (Anm.: 2:3) ausgebootet, sie spielten aber mit Ersatz.

Die Oldesloer waren in der Rückserie allerdings erfolgreicher als Schwartau. Dennoch sollten sie die Kampfkraft der Gäste nicht unterschätzen. Slawski, Bliebenich, Peters, Clasen, Wilkens und Dau fallen diesmal aus. Bisher hatte der VfL durch Umbesetzungen noch keine Nachteile. So darf man auch der geänderten Besetzung einen Sieg zutrauen.

ST 

Sonntag, 21. Feb. 1960

Hochwasser im VfL-Stadion. Sämtliche Fußballspiele abgesagt. Drainage geplant. Der VfL Oldesloe mußte sämtliche Fußballtreffen wegen Unbespielbarkeit der Plätze absagen. Zur Zeit steht die Laufbahn und das Spielfeld unmittelbar am Stadionhaus unter Hochwasser. Sobald der Frost aus dem Boden ist, soll mit der Drainage der Laufbahn und des Trainingsplatzes sowie mit der Überprüfung der bereits unter dem Spielfeld vorhandenen Abflußleitungen begonnen werden. Der VfL hat diese Arbeiten und die Verbesserung der Sprunggruben bereits in Auftrag gegeben.

ST 

Samstag, 27. Feb. 1960

Der VfL hat sich viel vorgenommen. Lägerdorf war immer ein schwerer Gegner. Druckvolles Spiel verspricht Erfolg. Der VfL empfängt morgen um 15 Uhr im Stadion seinen Angstgegner TSV Lägerdorf, dem er seit dem Aufstieg in die Landesliga nicht mehr als einen Punkt abringen konnte. Nach anfänglich schwachem Start begann die Erfolgsserie des TSV mit dem 3:0-Sieg im Dezember über den VfL. Seitdem ist der Gast ungeschlagen. Die Oldesloer wollen diese Erfolgsserie stoppen.

Mit dem Namen TSV Lägerdorf ist der Name seines Rechtsaußen Sickelka eng verbunden, der als Spielmacher und Reißer bezeichnet wird. Mit ihm hatte die VfL-Hintermannschaft bisher auch immer ihre liebe Not. Nicht zu unterschätzen sind Pokropp, Schwarzkopf und Otto Teggatz, die als schnelle, einsatzfreudige und recht druckvoll spielende Stürmer bekannt sind.

Für den VfL ist Lägerdorf dennoch kein unlösbares Problem. Technisch durchaus gleichwertig, fehlte es der VfL-Elf in den bisherigen Spielen gegen den TSV nur am notwendigen „Mumm“, ohne den es nun einmal bei einsatzfreudigen Gegnern nicht geht. Da mit einem fürs Auge gefallenden Schönspiel auf dem holprigen Spielfeld kaum etwas zu erreichen sein wird, muß man sich notgedrungen auf eine zielstrebigere, schnellere Spielweise umstellen. Wenn die VfL-Elf dies beherzigt, könnte ihr Vorhaben glücken.

ST 

Montag, 29. Feb. 1960

Kein Fußball in Bad Oldesloe. Auch gestern fielen in Bad Oldesloe alle Spiele buchstäblich ins Wasser. Schiedsrichter Piethe aus Lübeck prüfte schon am Samstag das Spielfeld im Stadion und erklärte den Platz, der durch die Regenfälle und das Tauwetter wieder Hochwasser hatte, für unbespielbar. Auch alle anderen Plätze auf dem Exer waren unbespielbar, so daß die Fußballfreunde auch an diesem Sonntag nicht auf ihre Kosten kamen.

ST 

Samstag, 5. März 1960

Friedrichsort brennt auf Revanche. Aber der VfL rechnet sich auch diesmal gute Chancen aus. Der VfL Oldesloe muß morgen zum SV Friedrichsort. Er wird um 15 Uhr auf dem Platz Hohenleuchte einer Elf gegenüberstehen, die ihn in keiner guten Erinnerung hat. Einerseits, weil der VfL im Vorjahr den Leuchtturmwärtern die Chance zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen zum Oberhaus nahm und andererseits, weil sie im diesjährigen Hinspiel (Anm.: am 6. Sept. 1959 1:1) einen Punkt in Oldesloe lassen mußte. Wird der VfL auch morgen zum Erfolg kommen?

Beide Mannschaften haben nach dem derzeitigen Tabellenstand (Friedrichsort 6. und VfL 7.) noch Aussicht auf den begehrten zweiten Tabellenplatz, wenn Fortuna es in den nächsten Spielen mit einem von beiden gnädig meint. Die Hohenleuchter brennen geradezu darauf, an der VfL-Elf, die ihnen am 12. April 1959 durch einen 1:0-Sieg die Aufstiegsschance nahm, Revanche zu nehmen. Ob es ihnen glücken wird, ist eine zweite Frage, denn rein spielerisch gesehen liegt der SV der VfL-Elf, obgleich die Friedrichsorter bis November Spitzenreiter waren. Die besten Kräfte in ihrer Elf sind Mittelläufer Helmut Geertz, Mittelstürmer Bodtke und die beiden Außenstürmer Karstens und Rolf Geertz.

Der VfL steht morgen vor einem schweren, aber keineswegs unlösbaren Problem. Man kann ihm durchaus Vertrauen schenken. Er weiß, daß von dem Ausgang der beiden bevorstehenden Spiele - es folgt am 12. März das Treffen gegen Kilia - für ihn viel abhängt. Darüber hinaus kann er morgen ohne nervliche Belastung in den Kampf gehen, denn den Klassenerhalt hat er sich bereits gesichert.

ST 

Sonntag, 6. März 1960 - 23. Punktspiel

SV Friedrichsort - VfL Oldesloe 2:1 (2:0)

Am Ende war Oldesloe dem 2:2 nahe. Friedrichsort überzeugte nicht! Angriff ohne Torschuß. Überragend Buls, Lindemann. Wieder einmal versäumten es die Friedrichsorter, ihre vielen Einschußmöglichkeiten zu verwerten und sich einen sicheren Vorsprung zu verschaffen. Der VfL Oldesloe kam in der zweiten Hälfte, mit dem starken Wind im Rücken, bedrohlich auf und hätte sogar den Ausgleich erzielen können. Den Chancen nach haben die Platzherren den knappen Sieg verdient; aber sie blieben den Beweis schuldig, ein ernsthafter Anwärter auf die ersten beiden Tabellenplätze zu sein. An Dramatik und prächtigen Torraumszenen mangelte es in keiner Phase des temporeichen Kampfes. Die spielerische Reife beider Mannschaften ließ dagegen viel zu wünschen übrig. Der heftige Ostwind allein kann nicht schuld daran sein.

Die Friedrichsorter, in der ersten Hälfte klar tonangebend, waren am Ende heilfroh, mit dem 2:1 in die Kabine zu gehen, während die Oldesloer betrübte Gesichter machten, da sie damit jegliche Chance verloren haben, noch einmal in die Spitzenkämpfe eingreifen zu können.

Die Oldesloer hatten eine ausgeglichene Mannschaft zur Stelle, in der mit Torwart Buls und Stopper Lindemann die besten Kräfte in der Deckung standen,. Buls verhinderte vor allem vor der Pause einen höheren Rückstand seiner Elf. Lindemann schien die Bälle magisch an sich zu ziehen. Er bekam fast jedesmal das Leder und legte oft den gesamten Friedrichsorter Innensturm lahm. Peters war von den beiden Verteidigern der härtere; er ließ Karstens kaum zur Entfaltung kommen. Bliebenich störte den kämpferisch außerordentlich starken Rolf Geertz immer im letzten Moment. Wilkens und Erbs verfolgten die Friedrichsorter Halbstürmer sehr genau, um in der zweiten Halbzeit mit offensivem Spiel gefährliche Situationen im gegnerischen Strafraum zu schaffen. Im Angriff gefielen die beiden Schwarzköpfe Alfred Liedtke und Lütge, die aber mit ihren Schüssen kein Glück hatten. Der schmächtige Dau hielt in diesem schnellen Quintett gut mit und übertraf vielleicht noch die erfahrenen König und Herbert Meins. In dieser Phase fehlte der Elf (ebenso wie dem Gegner) die letzte Entschlossenheit und Übersicht.

Friedrichsorts Angriff versagte auf der ganzen Linie. Hätte nicht Läufer Röder das erste Tor erzielt, so wären die Platzbesitzer schlecht dran gewesen. Allerdings waren alle fünf Stürmer von einer guten Portion Pech verfolgt. Der rechte Flügel kam selten ins Spiel, während die linke Seite durch übertriebene Aktionen nicht zum Erfolg kommen konnte, da der Gegner bei solchen Fummeleien immer wieder entscheidend störte. Bodtke richtete gegen Lindemann wenig aus. In der Abwehr mußte Schramm sein ganzen Können aufbieten, um den Ausgleich zu verhindern (in der 80. Minute wäre der Ausgleich fällig gewesen, wenn er Lütges Flachschuß nicht durch eine großartige Abwehrparade zur Ecke abgewehrt hätte). Er gab seiner Mannschaft den nötigen Rückhalt. Schöttke fehlte manchmal die Übersicht. Schulz fügte sich nach langer Zwangspause überraschend gut ein. Das Experiment mit Röder als Außenläufer darf als geglückt bezeichnet werden, obwohl die Umstellung vom Verteidiger auf diesen neuen Posten natürlich noch nicht ganz gelungen ist. Hans Klose und Helmut Geertz schafften zwar Luft, müßten aber noch viel übersichtlicher spielen. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten. Der hervorragende Kampfgeist jedes einzelnen kann über das zeitweise katastrophale Abspiel nicht hinwegtäuschen. SPM/ST

SV Friedrichsort: Schramm - Schulz, Schöttke - Klose, Helmut Geertz, Röder - Karstens, Pabst, Bodtke, Schulte, Rolf Geertz.

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Karl-August Wilkens, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Manfred Dau, Dieter König.

Tore: 1:0 Röder (6.), 2:0 Schulte (42.), 2:1 Dau (72.). - Schiedsrichter: Weiß (Rendsburg). - Zuschauer: 1100, darunter 150 Oldesloer Schlachtenbummler.

 

Samstag, 12. März 1960

VfL heute beim Tabellendritten. Wird es ein Sieg wie in der Herbstserie? Schon heute um 16 Uhr trägt der VfL Oldesloe sein Punktspiel gegen den FC Kilia Kiel aus. Nach der 1:2-Niederlage am Vorsonntag in Friedrichsort steht der VfL diesmal in Kiel dem Tabellendritten gegenüber. Im Hinspiel unterlagen die Kieler dem VfL 3:6. Am Vorsonntag gewannen sie zu Hause recht glücklich 1.0 gegen Schleswig 06. Wird der VfL seine Leistungen gegenüber dem Vorsonntag verbessern können, um wie im Vorjahr auf dem Kilia-Platz wenigstens ein Unentschieden (1:1) zu erreichen?

Bis auf Kuske hat sich in der Kieler Fünferreihe seit dem Herbstspiel nichts geändert. Das Paradestück ist ihre Läuferreihe mit den Außenläufern Drews und Tietze. Ihre Verteidiger Jaksch und Neumann sowie Torwart Vanini sind recht zuverlässig.

Das VfL-Sturmquintett wird deshalb konzentrierter und schußfreudiger als am Vorsonntag aufspielen müssen, wenn es nicht ohne Torausbeute nach Hause zurückkommen will. Die Hintermannschaft wird sich vor allem auf die recht agile linke Sturmseite Stoltenberg-Bygand einstellen müssen. Zu Hause ist der FC Kilia in der Rückserie noch ungeschlagen. Ob Herbert Meins dabei sein wird, ist fraglich; er wurde in Friedrichsort angeschlagen. Sonst dürfte in gleicher Besetzung wie in Friedrichsort gespielt werden.

ST 

Samstag, 12. März 1960 - 24. Punktspiel

Kilia Kiel - VfL Oldesloe 4:0 (1:0)

Kilias große zweite Hälfte führte zum 4:0. Vanini gab den Kielern den nötigen Rückhalt. Oldesloe aber keine vier Tore schlechter. Nach diesem 4:0 über den VfL Oldesloe, das den tapferen Gästen jedoch nicht ganz gerecht wird, muß man sagen, daß Kilia nach seiner augenblicklichen Form vielleicht die größte Chance hat, den zweiten Tabellenplatz zu erreichen (wenn man voraussetzt, daß der Heider SV wieder Meister wird), weil die Mannschaft mit 32:14 Punkten eine solide Grundlage besitzt und vor allen Dingen in den letzten sieben Spielen die günstigste Spielansetzung aller Mitbewerber hat. „Spione“ aus Flensburg (Tams und Christiansen) warteten vergeblich auf einen Punktverlust der „Rot-Hemden“. Wie ihr Sturm nach der Pause aufspielte, als die Kondition der Gäste nachließ, war schon Klasse.

Kilia scheint eine „Quelle“ für gute Torwarte zu sein. Nach Moeck und Wittmaack (beide jetzt bei Holstein) steht nun mit Vanini wieder ein Klassemann zwischen den Pfosten, der an dem sicheren 4:0-Erfolg über Oldesloe allergrößten Anteil hat. Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn Vanini nicht vor der Pause zwei sichere Chancen der Gäste „getötet“ hätte.

Kilia hat eine feine „Truppe“ beisammen. Die Mannschaft war ja schon im Vorjahr spielerisch recht gut. Sie hat jetzt aber im Sturm an Durchschlagskraft erheblich gewonnen! Wertvollste Kraft dieses Quintetts war Stoltenberg. Schier unermüdlich im „Einfädeln“ sowie in seiner Spielfreude. Hiervon könnte sich der talentierte Meier ein Stückchen abschneiden. In manchen Szenen vor der Pause spielte er etwas überheblich und setzte nicht energisch genug nach. Bygand verstand sich nach dem Wechsel ausgezeichnet mit Stoltenberg, während Waage in der Mitte kaltblütig auf seine Chance lauerte. Mit einem Pfostenschuß hatte er sogar noch Pech. Vanini zog die Bälle wie ein Magnet auf sich. Die Schwäche Kilias: die Verteidigung. Beide spielten nicht konsequent und schnell genug. Dasselbe trifft im Lauf für Peters zu. Tietze hielt sich betont defensiv, während Drews den Angriff ankurbelte.

Oldesloe ist ein Opfer seiner eigenen Taktik geworden. Lütge spielte mit Nummer 9 Rechtsaußen und Moser (7) Mitte. Dieser „Trick“ verwirrte vor der Pause besonders die Läuferreihe Kilias. Drews suchte dauernd den zurückgezogen Mittelstürmer spielenden Dau. König lief Jaksch davon und Lütge narrte Neumann des öfteren. Hinfällig wurde diese Taktik, als kurz vor der Pause das 1:0 für Kilia fiel. Denn nach dem Wechsel fehlte in der Oldesloer Mitte ein Brecher wie Lütge! Der kleine zu verspielte Alfred Liedtke und der erstmalig mitwirkende Moser kamen als Sturmspitze nicht durch. Beste Spieler beim VfL war der unermüdliche Wilkens, dann Dau und mit kleinen Einschränkungen Stopper Lindemann. Torwart Buls trägt keine Schuld an den Treffern.

SPM

Kilia Kiel: Vanini - Jaksch, Neumann - Drews, Peters, Tietze - Rau, Waage, Meier, Stoltenberg, Bygand.

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Roland Erbs, Wilhelm Lindemann, Karl-August Wilkens - Erich Moser, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Manfred Dau, Dieter König.

Tore: 1:0 Bygand (43.), 2:0 Meier (47.), 3:0 Stoltenberg (71.), 4:0 Waage (88.). - Schiedsrichter: Daniel (Itzehoe). - Zuschauer: 2000.

 

Samstag, 26. März 1960

Gegen Kieler hatte der VfL kein Glück. Drei Niederlagen in dieser Saison. Morgen ein Sieg über die „Störche“? Der VfL Oldesloe empfängt morgen um 15 Uhr im Stadion die Amateure von Holstein Kiel. Die Kieler, denen es im Vorjahr auf eigenem Platz nicht gelang, den VfL zu besiegen, haben sich in diesem Jahr scheinbar gegen die Travestädter verschworen. Drei Niederlagen bezog der VfL in dieser Saison in Kiel. Wird er sich morgen für die 1:3-Schlappe im Hinspiel bei den Kieler „Störchen“ revanchieren können?

Wenn der VfL-Sturm morgen zu schießen versteht, sollten beide Punkte in Oldesloe bleiben, aber auch nur dann und nicht wie zuletzt gegen Kilia, wo der Mut zum Schuß fehlte. Der VfL sollte durch die beiden vorangegangenen Niederlagen - Friedrichsort (1:2) und Kilia (0:4) - eigentlich gewarnt sein. Im Vorjahr blieb der VfL in beiden Spielen gegen die Holsteiner ungeschlagen. Vielleicht kommt morgen die große Wendung.

Die Holsteiner unterlagen in ihren bisherigen fünf Auswärtsspielen nur einmal, was zu beachten wäre. Doch blieb der VfL in den Heimspielen der Rückrunde ungeschlagen. Bei gleicher Anzahl Minuspunkten stehen die Kieler, bei zwei Spielen mehr, in der Tabelle an siebenter und der VfL an achter Stelle. Gegenüber dem Hinspiel hat sich die Aufstellung bei den Kielern geändert. Für Moeck steht Horn im Tor, für Hoschek und Drews verteidigen Berczuck und Balsam. Ebenso sind Mittelläufer Krafczyk und die Stürmer Mund und Lempfert neu.

ST 

Sonntag, 27. März 1960 - 25. Punktspiel

VfL Oldesloe - Holstein Kiel Am. 1:2 (1:1)

Holsteins Amateure in Oldesloe 2:1. Obwohl Horn verletzt im Tor stand. Siegtreffer durch Evers. Nur knapp kam der Sieg der „Störche“ in Oldesloe zustande. Dem Spielgeschehen nach wäre ein Unentschieden gerechter gewesen. Die Schnelligkeit und der größere kämpferische Einsatz der Holsteiner ließen jedoch den Sieg verdient erscheinen. Obgleich Horn angeschlagen nur noch hinkend seinen Posten versah, gelang dem VfL-Sturm außer dem Elfmeter kein zweiter Treffer!

Außer Dau fehlte allen Stürmern das Schußvermögen. Es wurde auch nicht nachgesetzt, so daß Horn immer beruhigt klären konnte. Dau und Meins waren die Besten im VfL-Quintett, dagegen fielen Wilkens und Alfred Liedtke stark ab. Lütge war bei Jeß gut aufgehoben, von den beiden Außenläufern war Erbs der bessere und Lindemann als Stopper wieder ganz groß in Form. Bliebenich hätte vielleicht Beutels rasanten Flankenlauf unterbrechen können, der zum Sieg führte, machte seine Sache sonst aber recht gut. Peters spielte vor der Pause schwach, er war vielleicht nicht ganz schuldlos an dem ersten Treffer. Buls hielt, was zu halten war, wirkte beim Herauslaufen aber etwas unsicher.

Durch ihr hohes Spiel und ihre großen Männer in der Hintermannschaft wie auch im Sturm wirkten die Kieler überlegen. Gefährlich im Sturm Lankeit und Lempfert, die von Balsam mit seinen Flanken bedient wurden. Weniger gefährlich Evers, obgleich er das Siegtor herausschoß. Beutel leitete zwar den Siegestreffer ein, hatte sonst aber in Bliebenich einen guten „Aufpasser“. Beide Außenläufer spielten recht umsichtig, Jeß als Stopper war der ruhende Pol in der Abwehr. Berczuck sah gegen Dau nicht immer gut aus und auch Krafczyk mußte Meins mehrmals davonziehen lassen. Bester Mann bei den Kielern war der angeschlagene Horn, der den größten Anteil an dem Sieg hatte.

SPM

VfL Oldesloe: Hans-Werner Buls - Wolf-Dieter Bliebenich, Jürgen Peters - Karl-Heinz Nußkern, Wilhelm Lindemann, Roland Erbs - Herbert Meins, Alfred Liedtke, Egon Lütge, Karl-August Wilkens, Manfred Dau.

Holstein Kiel Am.: Horn - Berczuck, Krafczyk - Rautenberg, Jeß, Bischof - Balsam, Lempfert, Lankeit, Evers, Beutel.

Tore: 0:1 Lankeit (9.), 1:1 Lütge (41., Foulelfmeter), 1:2 Evers (75.). - Schiedsrichter: Kaufmann (Lübeck). - Zuschauer: 1100.

 

Bis zum Jahr 1970