Schuljahr 1960 - 61  Zeitraum Oktober - Dezember 1960


Mittwoch, 5. Oktober 1960

Segelpartie statt der Hochzeitsreise

Lehrer Dahm feiert goldenes Ehejubiläum

st. – In der Schützenstraße 16 feiern morgen in voller Rüstigkeit die Eheleute Robert und Nikoline Dahm die goldene Hochzeit. Der 83jährige Jubilar ist eine stadtbekannte Persönlichkeit in Bad Oldesloe Er war von 1905 bis 1946 als Lehrer an der alten Stadtschule tätig und bekleidete viele Ehrenämter.

Vor 1933 gehörte er einige Jahre dem Stadtparlament an. Seit 50 Jahren ist er Mitglied im VfL, zeitweise führte er den Vorsitz der Turnabteilung. Für 60jährige Mitgliedschaft trägt er das goldene Ehrenzeichen des Kyffhäuserbundes.

Viele bekannte Oldesloer haben bei Lehrer Dahm die Schulbank gedrückt. Es sind fast drei Generationen, die von ihm das Rüstzeug für das Leben bekommen haben. „Viele meiner ehemaligen Schüler sind heute schon Großväter“, schmunzelte der Jubilar. Gern erinnert er sich noch an die schönen Turnfeste, die er organisierte. „Das war damals etwas ganz Neues für Schleswig-Holstein. Der Bürgerpark war noch eine Weidekoppel. Wenn wir turnen wollten, mußten wir erst die Kühe wegjagen.“ Wegen des Krieges trat er erst nach 67 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Als Junglehrer in einem Dorf bei Cismar lernte er seine jetzt 77jährige Gattin aus Burg auf Fehmarn kennen. „Statt einer Hochzeitsreise machten wir eine Segelpartie rund um die Insel“, berichtet der Jubilar. Das Paar machte dafür später mit dem eigenen Auto ausgedehnte Reisen durch Deutschland „Frisch und jung erhält uns jetzt die Gartenarbeit“, betonte es.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.10.1960

 

Donnerstag, 6. Oktober 1960

Ehrenkrug für Jubiläumspaar Dahm

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Wer trotz seines Alters noch so rüstig ist wie der 83jährige ehemalige Oldesloer Lehrer Robert Dahm und seine 77jährige Frau Nikoline, hat noch Freude am Feiern. Dies bewies die goldene Hochzeit des bekannten Ehepaares, das in seinem Haus in der Schützenstraße 16 viele Gratulanten empfing, unter ihnen Bürgermeister Barth, der – wie dies bei 50jährigen Ehejubiläen üblich ist – dem Jubilar einen Ehrenkrug der Stadt und der Jubiläumsbraut einen Strauß prächtiger Chrysanthemen und einen Kasten Pralinen überreichte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.10.1960

 

Donnerstag, 13. Oktober 1960

Heizungspanne in der Mittelschule

st. – Beim ersten Heizen stellte sich in der Mittelschule heraus, daß der Kessel schadhaft ist. Der Magistrat bewilligte für die Reparatur 1300 Mark.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.10.1960

 

Mittwoch, 19. Oktober 1960

Kriegsgräber in guter Obhut

Würdige Feierstunden des Volksbundes in den Schulen

st. – Der Kreisverband Stormarn des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge führte eine Vortragsreihe in den Höheren Schulen und in den Mittelschulen des Kreises sowie in den Gemeinden Elmenhorst, Großhansdorf, in Trittau, Schönningstedt und Glinde durch.

Die Bürgermeister und die Schulleiter gestalteten die Vortragsreihe als würdige Feierstunden für die Toten der beiden Weltkriege. Die örtlichen Chor- und Musikvereinigungen hatten sich uneigennützig in den Dienst der guten Sache gestellt. Die einzelnen Vortragsabende wurden vom Kreisverband Stormarn des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge unterstützt.

Kreisoberamtmann a.D. Brunsen nahm als stellvertretender Vorsitzender an den einzelnen Veranstaltungen teil, In der Feierstunde in Glinde sprach der Vorsitzende des Kreisverbandes, Landrat Dr. Haarmann über Bedeutung und Aufgaben des Volksbundes.

Die Landesgeschäftsführerin des Volksbundes, Frau Bunzen, erläuterte die Arbeit der Kriegsgräberfürsorge im In- und Ausland. Der Volksbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräber der sechs Millionen Kriegstoten auf Ehrenfriedhöfen zusammenzufassen, um den Gefallenen würdige Ruhestätten zu ermöglichen. Aus den Ausführungen ging hervor, daß auch heute noch viele Familien im Ungewissen über das Schicksal ihrer Angehörigen sind. Leider beschränkt sich die Arbeit des Volksbundes auf die westlichen Staaten. In den Staaten des Ostblocks ist sie noch nicht möglich.

Die Ausführungen der Vortragenden wurden ergänzt durch einen Farbtonstreifen „Gräber an den Straßen Europas“, der über die Arbeit des Volksbundes auf den Ehrenfriedhöfen in einer ganzen Reihe europäischer Länder Aufschluß gab.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1960

 

Sonnabend, 22. Oktober 1960

Sechs Kreisbeste lasen um die Wette

st. – Die sechs Besten im Vorlesewettbewerb der Schulen aus den Kreisen Stormarn, Segeberg und Herzogtum Lauenburg trafen sich in der Klaus-Groth-Schule zu einem Ausscheidungswettbewerb. Den Preisrichtern Rektor Volkmann, Studienrat Dr. Marquardt und Buchhändler Meyer erwies sich Christel Rook von der Fürstin-Ann-Marie-Bismarck-Schule in Aumühle als die Beste. Sie wird nun am Landeswettbewerb in Kiel teilnehmen. Der Vorlesewettbewerb findet zum zweiten Male statt. Die beiden Stormarner Wettkämpfer waren die Oldesloer Karen Petersen vom Theodor-Mommsen-Gymnasium und Witek Szymanski von der Klaus-Groth-Schule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.10.1960

 

Donnerstag, 27. Oktober 1960

Stadtschule modernisiert

st. – Der städtische Kulturausschuß besichtigte die Stadtschule, um sich von den Ergebnissen der kürzlich abgeschlossenen Generalüberholung im Inneren zu überzeugen. Die Stadtverordneten äußerten sich sehr befriedigt. Inzwischen hat der Vorsitzende des Elternbeirats, Dr. CIamann, der Stadt für die Modernisierung der Schulräume in einem Schreiben gedankt. Die Stadtschule wünscht sich nun noch eine neue Turnhalle. Die alte ist etwa 70 bis 80 Jahre alt und genügt den Bedürfnissen in keiner Weise.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.10.1960

 

Sonnabend, 5. November 1960

Ehemalige Oldesloer halten zusammen

st. – Anläßlich seines zehnjährigen Bestehens veranstaltete der Hamburger Freundeskreis ehemaliger Oldesloer Realschüler in seinem Vereinslokal in der Dammtorstraße in Hamburg ein Karpfenessen, zu dem auch die Mitglieder der Vereinigung ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe geladen waren. Mit einem Bus fuhren zehn Vesdoro-Mitglieder, an der Spitze die beiden Vorsitzenden Hans Werner Meyer und Willi Wigger, in ihrer Mitte Studienrat a.D. Dr. Vogler und Studienrat a.D. Ohrt nach Hamburg, und überbrachten dem Freundeskreis und besonders dessen Vorsitzenden Paul Wiemer Grüße aus Bad Oldesloe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.11.1960

 

Freitag, 11. November 1960

Was geschah im Internat Blumendorf?

Kultusminister Osterloh: Verfahren abwarten

lno. – Zu der Züchtigung von Schülern durch den Internatsleiter der Privatschule in Blumendorf, Direktor Kern, am 27. Oktober, hat Kultusminister Osterloh gestern Stellung genommen. Die fünf Schüler waren wegen Ungehorsams in den Abendstunden aus ihren Wohnräumen geholt und mit Stockschlägen bestraft worden.

Die Bezirkskriminalpolizeistelle Lübeck, die wegen dieses Vorfalls Ermittlungen aufgenommen hat, erstattete dem Minister einen Zwischenbericht. Dieser Zwischenbericht, sagte Osterloh in der Erwiderung eines offenen Briefes, den er in dieser Angelegenheit von einer Hamburger Zeitung erhielt, gäbe ihm keinen Anlaß, Maßnahmen zu treffen, bevor nicht die Ermittlungen abgeschlossen seien und bevor nicht ein etwa noch einzuleitendes Strafverfahren zuende geführt worden sei. Anlaß zu. dieser Züchtigung war, wie es im Schreiben Osterlohs an die Hamburger Zeitung heißt, das „Absingen von zwei Liedern in aller Öffentlichkeit, an denen Sie auch bestimmt keine Freude gehabt hätten, und in einem Falle eine hanebüchene Ungezogenheit.“

Osterloh weist in seinem Schreiben darauf hin, daß Prügelstrafen an den schleswig-holsteinischen Schulen gegenüber Jungen zwar nicht ausdrücklich verboten, aber durchaus unerwünscht seien. Auf die Frage, ob Direktor Kern schlagen dürfe, erwiderte Osterloh, das sei vielleicht möglich, soweit ihm die Eltern der betreffenden Kinder das Züchtigungsrecht abgetreten hätten. Er stellte aber gleichzeitig fest, daß er derartige Züchtigungsmethoden weder im Internat noch woanders billige. Vom Ausgang des schwebenden Verfahrens werde es abhängen, ob in dieser Angelegenheit noch „Fraktur“ geredet werden müsse. Deshalb werde auch untersucht, ob von Mißhandlungen gesprochen werden könne.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.11.1960

 

Freitag, 11. November 1960

Überbrückungslösung für Stadtschulturnhalle

st. – In der Turnhalle der Stadtschule sind Heizschwierigkeiten aufgetreten. Dadurch wird der Turnunterricht für 700 Kinder beeinträchtigt. Der Magistrat hat das Stadtbauamt beauftragt, Abhilfe zu schaffen. Es soll sich nur um eine Übergangslösung handeln, da der Neubau einer Turnhalle für die Stadtschule in Aussicht genommen worden ist. Dies kann aber noch zwei oder drei Jahre dauern.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.11.1960

 

Freitag, 11. November 1960

Übergangsprüfungen

lno. – Das Kultusministerium hat den Termin für die schriftlichen Prüfungen der Schüler, die aus den Grundschulklassen in die weiterführenden Schulen überwechseln wollen, auf den 1. bis 3. Februar festgesetzt. Die mündlichen Prüfungen beginnen am 21. Februar. Die Prüflinge müssen bis zum 21. Januar angemeldet werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.11.1960

 

Freitag, 11. November 1960

Neues Gestühl für die Stadtschule

st. – 1000 Mark wird die Stadt für die Beschaffung von 50 Stühlen für den Festraum der Stadtschule aufwenden. Außerdem soll für 600 Mark die Flurbeleuchtung erneuert worden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.11.1960

 

Sonnabend, 12. November 1960

Musizierfreudige Theodor-Mommsen-Schüler

ß. – Erfreuliche Eindrücke vermittelte das Schulkonzert des Oldesloer Theodor-Mommsen-Gymnasiums. Studienrat Alshuth stellte das Schulorchester und einige Solisten in einem klug gesteigerten Programm vor, das nicht nur den Darbietenden angemessene Aufgaben bot, sondern auch den Zuhörern zwei reizvolle Stunden schenkte.

Schulkonzerte haben ihre eigene Atmosphäre. Fast jeder im Publikum besitzt persönliche Beziehungen zumindest zu einem der Mitwirkenden. Eltern, Geschwister, Freunde und. Lehrer erwarten, je nach Temperament, stolz, skeptisch oder ängstlich das Auftreten der Musizierenden, und manchmal ist das Herzklopfen drunten größer als auf dem Podium. Größer als sonst im Konzertsaal ist dafür aber auch der Beifall, wenn es trotz Lampenfiebers keine großen Patzer gab oder die Wiedergabe gar einen beachtlichen Grad musikalischer Reife verriet.

Nun, an Beifall mangelte es wahrhaftig nicht. Er war ehrlich verdient. Berührte schon die Musizierfreude der jungen Mitwirkenden in unserer Zeit der Übermacht mechanischer Tonfluten überaus wohltuend, so beeindruckten in gleichem Maße technisches Können und fortgeschrittene Ausdrucksfähigkeit. Natürlich waren die Leistungen unterschiedlich, wie könnte das, allein schon wegen des Altersunterschiedes, anders sein, doch der Gesamteindruck befriedigte gewiß auch den kritischsten Hörer.

Als Solisten traten auf: Barbara Schmidt (Violine), der elfjährige Paul-Ludwig Kulms (Klavier), Wolfgang und Gisela Albrecht (Violinen), Sigrid Albrecht (Klavier) und Jutta Meyn (Violoncello). Im Mozartschen Violinkonzert D-Dur spielte Karsten Schiele die Solovioline.

Ein Kammerorchester vermittelte die Bekanntschaft mit der interessanten Kleinen konzertanten Suite von Schibler. Erstaunliche Klangwirkung voller Fülle und Wohllaut erzielte das Schulorchester bei der abschließenden Sinfonie in B-Dur von Stamitz.

Als dann Oberstudiendirektor Tiedemann dem guten musikalischen Geist des Hauses, Studienrat Alshuth, mit einem Händedruck dankte, brauste noch einmal der Beifal- auf: eine von Herzen kommende Äußerung der Sympathie und der Anerkennung für die erfolgreiche Bemühung aller am Konzert Beteiligten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.11.1960

 

Mittwoch, 23. November 1960

Justizminister auf der Theodor-Mommsen-Feier

st. – Festredner der diesjährigen Theodor-Mommsen-Feier des Gymnasiums am Sonnabendvormittag in der Aula der Schule ist Justizminister Dr. Bernhard Leverenz. Er spricht über „Recht und Politik“. Die Theodor-Mommsen-Prämien wird der Enkel des großen Gelehrten, Ernst Wolf Mommsen, den für die Verleihung ausgewählten Schülern überreichen. Den Auftakt zu dem Fest bildet das Konzert am Vorabend, bei dem Brahms‘ „Schicksalslied“ und Orffs „Carmina Burana“ aufgeführt werden. Ein Ball der Schülermitverantwortung am Sonnabendabend beschließt das Fest.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.11.1960

 

Freitag, 25. November 1960

Ein glanzvolles Festkonzert

Br. – In der bis zum letzten Stehplatz besetzten Aula gestaltete das Oldesloer Theodor-Mommsen-Gymnasium ein Festkonzert anläßlich der Mommsen-Gedenktage. Das Programm verzeichnete mit Brahms‘ „Schicksalslied“ und Orffs „Carmina Burana“ zwei anspruchsvolle Chorwerke. Zunächst möchte man annehmen, dies sei für eine Schulaufführung etwas hochgegriffen; bei der Oldesloe Aufführung wurde man jedoch eines anderen belehrt. Der gesamte Musikapparat des Abends stand auf absolut sicheren Säulen.

Da ist zunächst zu nennen jener große Idealist Studienrat Fritz Alshuth, der es verstand, in unermüdlicher Arbeit und mit sichtbar großer Begeisterungsfähigkeit aus einem Kreis von stimmlich und musikalisch zum Teil hochbegabten Gymnasiasten sich einen großen leistungsfähigen Chor zu schaffen, der den gestellten Anforderungen in erstaunlichem Maße gewachsen war. Es ist sicher eine Seltenheit, Schulchoraufführungen von diesem Niveau zu erleben. Zeigte sich schon bei Brahms eine große dynamische und agogische Elastizität des Chores im Zusammenwirken mit dem Orchester, so bestach bei Orff noch dazuhin die absolute Überlegenheit in den Einsätzen und der oft sehr kniffligen Rhythmik. Hier zeigen sich ganz deutlich die Früchte einer soliden und mit viel Liebe und Eifer gepflegten Hausmusik, wie sie in der Oldesloer Schule und in ungezählten Privatmusikstunden den Schülern die Voraussetzungen für solches Musizieren im großen Apparat vermittelt.

Der Gesamtchor verfügt über die notwendige große Klangfülle bei sauberer Intonation auch in exponierten Lagen und über eine beträchtliche Wendigkeit und Präzision. Besonders zur Geltung kamen diese letzteren Qualitäten außerhalb des großen Chortuttis in der „Coro piccolo“-Besetzung. Fast dualistische Besetzungen wie „Chume, chum geselle min“ mit den satten, fülligen Altstimmen zu Beginn und den glänzenden Tenören in der Fortführung des Motivs oder duettartige Stellen erzielten prächtige Wirkungen kammermusikalischen Chorstils, wie überhaupt auch die Männerchöre mit Bernd Gottschalk als Solobariton gutgelungene Einzellichter in der Aufführung darstellten. Heiko Wolgast erreichte in seiner zwar kurzen, aber stimmlich gibt verfährt schweren Partie als „Fisteltenor“ überzeugend die klangliche Vorstellung des Komponisten und den beabsichtigten musikalischen Ausdruck. Die großen Solopartien waren mit zwei namhaften Solisten, Ilse Scharmer (Lübeck), Sopran, und Claus Ocker (Bremen), Baß-Bariton, glänzend besetzt. Extreme, die natürlichen Stimmgrenzen rücksichtslos und weit überschreitenden Lagen wurden von beiden scheinbar mühelos gemeistert. Die Stimme Claus Ockers verfügt über den nötigen lyrischen Ton, nimmt in der Höhe fast echt tenorale Farbe an und erlaubt einen bruchlosen Übergang zur dramatisch gestalteten Tiefe hin. Seine souveräne musikalische und rhythmische Gestaltungskraft trug wesentlich zum Gesamtniveau des Konzertes bei.

Das Hamburger Kammerorchester mit den Bläsern der Vereinigten Orchester Hamburg unter der sicheren und energischen Stabführung Fritz Alshuths war der ganzen Aufführung ein sicher tragender Untergrund und erreichte bei der interessanten und fantasievollen Instrumentierung des Werkes, vor allem durch die Behandlung der Bläser originelle Klangreize. Außerdem besonders ausgeprägten Schlagapparat, der für die Partituren Orff’scher Werke charakteristisch ist, war Hildegard Nölting am Flügel eine stets zuverlässige und mit Orff’s Aufführungspraxis völlig vertraute, weitere sichere Säule des Abend. Schade, daß für die ganz großen Tuttistellen der Raum doch etwas zu klein war und dem Hörer jene letzten beglückenden Klangeindrücke durch rein äußere Umstände versagt bleiben mußten.

Allen ausführenden, vornean Studienrat Fritz Alshuth, ist größter Dank auszusprechen und zu diesem Abend von ganzem Herzen zu gratulieren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1960

 

Sonnabend, 26. November 1960

Minister wies Kritik an Richtern zurück

Dr. Leverenz auf der Theodor-Mommsen-Feier des Oldesloer Gymnasiums – Recht und Politik

st. – „Es ist in unserer Zeit besonders beliebt, die Rechtsprechung und die Richter aus dem politischen Raum heraus zu kritisieren“, sagte Schleswig-Holsteins Justizminister Dr. Bernhard Leverenz am Ende seiner bemerkenswerte Festrede auf der Theodor-Mommsen-Feier des Gymnasiums in dessen Aula. Das Thema lautete „Recht und Politik“. Der Minister gab der gespannt lauschend Festversammlung – Gäste, Eltern, Lehrer, Schüler, unter ihnen Landrat Dr. Wennemar Haarmann, Bürgerworthalter Willy Rosch, Bürgermeister Hermann Barth – eine sehr klare Definition der beiden Begriffe.

Am Schluß machte er sich zum Fürsprecher der Richter. Oft klinge es so, als trügen allein die Richter die Schuld daran, daß die Vergangenheit nicht habe bewältigt werden können. Dem hielt der Vortragende entgegen: „Für den Inhalt und die Form der Gesetze ist heute und war auf früher ausschließlich der Gesetzgeber und nicht der Richter verantwortlich. Der Richter ist grundsätzlich an die vom Staat gesetzte Ordnung gebunden.“

Einleitend hatte der Ministerrat darauf verwiesen, daß gerade im Rechtsstaat ein tiefes Verständnis für das Verhältnis von Recht und Politik dringend erforderlich sei, weil sie diesen Staat maßgeblich bestimmten.

Als Recht bezeichnete der Vortragende die Regeln, die die staatliche Gemeinschaft sich gebe, um ein geordnetes Zusammenleben ihrer Mitglieder zu ermöglichen. Sie müßten auf das Ideal der Gerechtigkeit ausgerichtet sein. Jeder Staat könne durch seinen verfassungsmäßigen Gesetzgeber bestimmen, was Recht und was Unrecht sei. „Wir haben uns also, auch wenn es manchem widerstreben mag, damit abzufinden, daß jedem Rechtssystem eine gewisse Relativität innewohnt.“

Die Definition des Begriffes Politik lautete: „Das beständige Streben nach Neuordnung und – im Gegensatz dazu – das Beharren auf der bestehenden Ordnung begründet im Kern das, was wir als Politik bezeichnen. Die Politik von heute ist die Auseinandersetzung um das Recht von morgen.“ Als schädlich für das Rechtsgefühl bezeichnete es Dr. Leverenz, wenn im gesetzgebenden Parlament parteipolitisches Streben den Vorrang vor allgemeinpolitischen Erwägungen gewinne, wie beispielsweise beim Wahlgesetz oder den sogenannten Wahlgeschenken.

Der Minister äußerte seine Befriedigung darüber, daß in den Volksvertretungen das Bestreben bestehe, Kampfabstimmungen zu vermeiden und nach Kompromissen zu suchen, die Zustimmung auf breiter Basis finden. Wer darin eine Schwäche der Demokratie sehe, verkenne den tieferen Grund für diese Streben. Eine politische Entscheidung solle nämlich kein Befehl sein. Sie soll Anerkennung und nicht nur den Gehorsam der Rechtsgemeinschaft finden.

Als Grund für die Unübersichtlichkeit und Systemlosigkeit zahlreicher Gesetze der Bundesrepublik nannte der Vortragende den Zeitdruck, unter dem die Beratungen stünden. „Es läßt sich nicht verschweigen, daß unsere Gesetze allzu oft in einer schwer zu enträtselten Sprache verfaßt sind.“ Sie seien so kompliziert und unklar, daß selbst der Jurist überfordert würde. Hinzukomme ein Gesetzperfektionismus, der die seltensten Blüten sprießen lasse.

Drei Buchprämien

Starker Beifall dankte dem Minister. Oberstudiendirektor Dr. Wilhelm Tiedemann hatte ihn in seiner einleitenden Ansprache als ehemaligen Schulkameraden begrüßt, dem er zum ersten Mal nach 40 Jahren wieder in einer Schule begegnete. Weil Ernst Wolf Mommsen, der Enkel Theodor Mommsens, aus beruflichen Gründen im letzten Augenblick sein Kommen hatte absagen müssen, überreichte Dr. Tiedemann die Buchprämien für die besten Oberprimaner an Barbara Schmidt aus Bad Oldesloe (OIs1), Gudrun Sonnenberg aus Rümpel (OIs2) und Dieter Ogniwek aus Seefeld (OIm).

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1960

 

Sonnabend, 26. November 1960

Ball der Theodor-Mommsen-Schüler

st. – Sehr harmonisch verlief als Abschluß des Theodor-Mommsen-Festes unseres Gymnasiums ein von der Schülermitverantwortung im neuen Saal des „Oldesloer Hofes“ veranstalteter Ball. Zwei Kapellen spielten fleißig zum Tanz auf, und die umgestalteten Räumlichkeiten boten einen ungleich festlicheren Rahmen für die frohe Geselligkeit als der alte Saal.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.11.1960

 

Montag, 28. November 1960

Sieger im Deutschland-Wettbewerb

st. – In seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des Kuratoriums Unteilbares Deutschland überreichte Landrat Dr. Haarmann auf der Theodor-Mommsen-Feier den vier Siegern aus dem Oldesloer Gymnasium im Deutschland-Wettbewerb Urkunden und Buchprämien. Die Sieger sind Gisela Johannsen (Tangstedt), Klaus Hermann Arps (Itzstedt) und Wolf-Donar Dobenecker (Wahlstedt); ferner wurde die Klasse OIIs für ihre Gemeinschaftsarbeit ausgezeichnet. Das Gymnasium hatte sich sehr rege an diesem Wettbewerb beteiligt. Es galt, das Schicksal des geteilten Deutschlands bildlich darzustellen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1960

 

Montag, 12. Dezember 1960

Vesdoro-Vorstand wiedergewählt

st. – Auf der Generalversammlung ehemaliger Schüler der Oberschule Oldesloe (Vesdoro) wurden in Wiggers Gasthof die Vorsitzenden Hans Werner Meyer und Willi Wigger und der Schriftführer Herbert Schüthe wiedergewählt. Rechtsanwalt Kuhlmann übernahm das Amt des 2. Schriftführers. Die Kassenlage ist gut. Nach dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden Meyer beschloß die Versammlung, das traditionelle Grünkohlessen (ohne Damen) am 21. Januar und das Kappen- und Bockbierfest am 4. Februar zu veranstalten. Junge Mitglieder werden das Fest vorbereiten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.12.1960

 

Mittwoch, 14. Dezember 1960

Mittelschüler verwarnt

st. – Der Oldesloer Jugendrichter verwarnte einen 15jährigen Mittelschüler, weil dieser ohne Führerschein die Zugmaschine seines Vaters vom Feld nach Hause gefahren hatte. Der Vater war mit dem Personenwagen hinterhergefahren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.12.1960

 

Donnerstag, 22. Dezember 1960

Letzte Arbeiten an der neuen Turnhalle

st. – In der Turnhalle für die Klaus-Groth-Schule fehlt nur noch das Parkett. Es soll nach Weihnachten gelegt werden. Der Magistrat hat bereits die Turngeräte bestellt. Mit der Lieferung wird für Mitte Januar gerechnet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.12.1960

 

Bis zum Jahr 1970