Schuljahr 1961 - 62  Zeitraum April - Juni 1962

 

Montag, 2. April 1962

Nachruf

Am 29. März 1962 verstarb Herr Studienrat a.D. Dr. Adolf Bullerdieck.

Über 30 Jahre hat er mit der ganzen Kraft seiner Persönlichkeit an der Theodor-Mommsen-Schule gewirkt und sich die Wertschätzung seiner Kollegen und vieler Schülergenerationen erworben. Wir gedenken seiner in tiefer Dankbarkeit.

Für die Theodor-Mommsen-Schule: Dr. Wilhelm Tiedemann, Oberstudiendirektor.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1962

 

Dienstag, 3. April 1962

Nachruf

Am 29. März 1962 verstarb unser ehemaliger Lehrer Studienrat a.D. Dr. Adolf Bullerdieck. Wir gedenken seiner in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Vesdoro. Der Vorstand.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1962

 

Dienstag, 3. April 1962

Nun Schülerlotsen auch in der Kreisstadt

FOTO!!!!!

Hier heißt es „Stopp“ für alle Kraftfahrer. Der Schülerlotse hält seine rote Kelle hoch und schafft freie Bahn für seine Kameraden. Dieses Foto entstand an der Kreuzung Hamburger Straße/Grabauer Straße in Bad Oldesloe bei der Generalprobe für den morgen beginnenden Schülerlotsendienst in der Kreisstadt.

Auch die zweite Gefahrenstelle, der Übergang in der Großen Salinenstraße vor der Stadtschule, wird gesichert.

In Zusammenarbeit mit Verkehrswacht und Polizei haben Stadtschule und Mittelschule auf Wunsch der Eltern den Schülerlotsendienst eingerichtet. 13 Volks- und vier Mittelschüler wurden von der Polizei als Verkehrslotsen ausgebildet. Polizeimeister Kamm, der Verkehrsreferent der Polizei-Inspektion, wies die Schülerlotsen in ihre verantwortungsvolle Aufgabe ein. Die Kreisverkehrswacht rüstete sie mit roten Winkerkellen, weißem Koppelzeug, weißer Verkehrswachtmütze und weißen Regenumhängen aus. Über ihren Einsatz führen sie Dienstbücher. Sie sind von der Verkehrswacht zusätzlich versichert worden.

Im Kreisgebiet verfügt die Verkehrswacht gegenwärtig über 65 ausgebildete Schülerlotsen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.4.1962

 

Donnerstag, 5. April 1962

Tonbandgerät für den Unterricht

st. – Der Magistrat bewilligte 1000 Mark zur Anschaffung eines Tonbandgerätes für die Klaus-Groth-Schule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.4.1962

 

Freitag, 6. April 1962

18 Sextaner an der Oberschule

st. – Gestern war der erste Schultag für 78 Sextaner der Theodor-Mommsen-Schule. Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann begrüßte die neuen Schüler und Schülerinnen in der Aula, bevor sie, in zwei Klassen aufgeteilt, in ihre Räume geführt wurden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.1962

 

Sonnabend, 7. April 1962

110 neue Mittelschüler

st. – Die Königin-Luise-Schule hat einen Zugang von rund 110 Schülern, die auf drei Klassen verteilt worden sind. Heute war für sie der erste Schultag in der Mittelschule. Rektor Hiller hieß die Jungen und Mädchen herzlich willkommen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.4.1962

 

Freitag, 13. April 1962

Jubiläum der Theodor-Mommsen-Schule

st. – Am 30. April feiert die Theodor-Mommsen-Schule ihr 50jähriges Bestehen als Vollanstalt. Es sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: um 11 Uhr eine Feierstunde in der Aula, um 17 Uhr ein Spiel der Quartaner, „Herr Korbes“ betitelt, um 20 Uhr eine Wiedersehensfeier im „Oldesloer Hof“. Den ehemaligen Schülern, die aus diesem Anlaß nach Bad Oldesloe kommen, wird während des ganzen Tages Gelegenheit geboten, die Schule zu besichtigen. Außerdem werden Schülerarbeiten ausgestellt, die im Kunst-, Werk- und Handarbeitsunterricht angefertigt worden sind. Aus Anlaß des Jubiläums ist angeregt worden, ein Spendenkonto einzurichten, damit auf diese Weise der Grundstock zur Anschaffung eines neuen Konzertflügels gelegt werden kann. Die Schule hat deshalb ein Sonderkonto unter Nr. 2003 bei der Kreissparkasse eröffnet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.4.1962

 

Freitag, 13. April 1962

Ermittlungsverfahren eingestellt

lno. – Das Ende Oktober 1960 eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen den Leiter der privaten Internatsschule Blumendorf ist vom Oberstaatsanwalt eingestellt worden. Die Einstellung erfolgte, weil der Nachweis für eine strafbare Handlung des Internatsleiters nicht ausreicht. Dies sagte ein Sprecher, des schleswig-holsteinischen Justizministeriums gestern in Kiel. Der Institutsleiter war unter dem Verdacht angezeigt worden, einige Internatsschüler so gezüchtigt zu haben, daß sie körperliche Schäden davontrugen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.4.1962

 

Donnerstag, 19. April 1962

Schulerweiterungsbauten in Oldesloe

st. – Das Kultusministerium in Kiel hat den Plänen von Stadtbaumeister Heinemann für den zweiten Bauabschnitt der Klaus-Groth-Schule zugestimmt. Die Pläne für den Erweiterungsbau zur Theodor-Mommsen-Schule gehen in den nächsten Tagen nach Kiel ab. Die beiden Bauvorhaben sind mit 650.000 DM bzw. 130.000 DM veranschlagt.

Die Klaus-Groth-Schule soll zu den bereits vorhandenen acht Klassenräumen weitere zehn erhalten. Ferner sind ein Gruppenraum, ein Werkraum, ein Materialraum und ein Handarbeits- oder Zeichenraum mit Nebenraum vorgesehen. Eine Lehrküche mit Eßraum, Speisekammer und Lehrwaschküche wird dem hauswirtschaftlichen Unterricht dienen. Außerdem sind ein Rektor- und ein Lehrerzimmer geplant. Das jetzige Lehrerzimmer soll später die Bücherei aufnehmen.

Der zweite Bauabschnitt schließt sich zweiflügelig unmittelbar dem ersten Bauabschnitt an.

In der Oberschule wird die Lücke zwischen dem linken Flügel und dem Treppenhaus auf der Hofseite geschlossen werden. Dadurch können ein Werkraum, ein Physikraum, ein Handarbeitsraum und ein Krankenzimmer geschaffen werden. Im Keller soll ein Abstellraum für Geräte und Kulissen usw. entstehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.4.1962

 

Sonnabend, 28. April 1962

Eltern schenken Flügel

st. – Zum 50jährigen Jubiläum der Theodor-Mommsen-Schule als Vollanstalt, das am Montag von Lehrern, Schülern und Ehemaligen festlich begangen wird, wird die Elternschaft einen neuen Konzertflügel schenken. Der Elternbeirat hat zu einer Spende aufgerufen. Für diesen Zweck wurde auf der Kreissparkasse das Sonderkonto 2003 eingerichtet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.4.1962

 

Montag, 30. April 1962

Lehrer und Schüler sahen sich wieder

Zwei Flügel als Jubiläumsgeschenk für das Theodor-Mommsen-Gymnasium

st. – Zwei Flügel erhielt das Theodor-Mommsen-Gymnasium als Jubiläumsgeschenk zum 50jährigen Bestehen der Schule als Vollanstalt. Sie sind sehr unterschiedlicher Art. Bei dem einen handelt es sich um einen Gebäudeflügel, der nach der Ankündigung von Bürgermeister Barth im Jubiläumsjahre begonnen werden und die dringend benötigten zusätzlichen Zweckräume aufnehmen soll. Das zweite Jubiläumsgeschenk präsentierte der Vorsitzende des Elternbeirates, Dipl.-Ingenieur Pawelzik: einen Steinway-Konzertflügel. Auf seinen Wink hin öffnete sich in der Feierstunde die Tür der Aula, und hereingeschoben wurde zur großen Überraschung von Lehrern, Schülern und Gästen das kostbare Instrument. Der Musiklehrer der Anstalt, Studienrat Alshuth, weihte es sogleich mit einem kurzen Zwischenspiel ein.

Unter den vielen Teilnehmern der Feier befanden sich zahlreiche alte Lehrer und Schüler, die von nah und fern gekommen waren. Ihnen galt der besondere Gruß von Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann. Er dankte der Stadt Bad Oldesloe dafür, daß sie in den 87 Jahren des Bestehens der Schule sich so für sie und ihren Ausbau eingesetzt habe. Am 4. Februar 1875 schlug die Geburtsstunde der Schule als städtische Schule, als die Stadtverwaltung beschloß, die Schröder‘sche Privatschule auf Rechnung der Stadt zu übernehmen und als vollberechtigte Bürger- und Realschule fortzuführen. 1909 wurde das neue Schulgebäude, der Grundstock des heutigen Komplexes, gebaut, am 21./22. Februar 1912 fand die erste Reifeprüfung von zwölf Oberprimanern statt, und am 22. März 1912 wurde die Schule als neunklassige Vollanstalt und Oberrealschule anerkannt.

Eine Reihe von Gratulanten ergriff nach Dr. Tiedemann das Wort. Zuerst als Vertreter des Schulpatronats Bürgermeister Barth, der sich nicht mit der Ankündigung des Baues eines neuen Flügels begnügte, sondern auch einen Scheck über 1000 DM übergab. Mit einem Scheck von 2500 DM (beide Beträge sind für den Konzertflügel bestimmt) erfreute Landrat Dr. Haarmann die Schule. Es folgte Dipl.-Ingenieur Pawelzik, der der Stadt, dem Kreis, der Kreissparkasse, der Elternschaft und allen anderen dankte, die die Beschaffung des Konzertflügels ermöglichten. Für den Vesdoro – Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe – gratulierte Rechtsanwalt Kuhlmann.

Als „goldener Abiturient“ dankte Studienrat a.D. Dr. Krellenberg seiner alten Schule für das, was sie ihm mitgegeben habe.

Studienrat Dr. Vogler, der jüngste der fünf liebenden Lehre des Kollegiums von 1912, sprach von den damaligen Schülern und Lehrern, mit feinem Humor ihre Eigenschaften skizzierend. Die Abiturienten vom 21./22. Februar 1912 waren: aus Oldesloe Heinrich Borchers und Hans Dührkop, aus Trittau Dr. Harders, Rechtsanwalt (anwesend), aus Nienwohld Franz Krohn, Apotheker, (Herbstabiturient Alfred Springer), aus Lübeck: Dr. Krellenberg, Studienrat (anwesend), Ackermann (gefallen), August Körting (gefallen), Dr. Hiller Arzt (anwesend) und der zweite Herbstabiturient Bube, Zollrat (anwesend), aus Hamburg Dr. Schüder, Rechtsanwalt (anwesend), aus Elmshorn Dr. Heinrich Voss, Zahnarzt, Franz Steer (Verbleib unbekannt), aus Itzehoe Klaus Hayn, Tierarzt (verstorben).

Als Mitglieder des damaligen Lehrerkollegiums nannte Dr. Vogler: den Direktor Geheimrat Dr. Bangert, den hoch angesehenen Forscher der Geschichte unserer engeren Heimat Professor Reimer Hansen für Deutsch und Geschichte, den bedeutenden Forscher schleswig-holsteinischer Geschichte Professor Balcke, einen tiefreligiösen Menschen, Professor Lichtenberg, Lehrer für Mathematik und Physik, die Lehrer Jürgens und Massmann, dessen gestochener Handschrift in heutiger Zeit besonders zu erwähnen ist, dann Professor Sabban (anwesend), Professor Benner (anwesend), Studienrat Dr. Bullerdieck (jüngst verstorben), Studienrat Läpple (anwesend), Studienrat Clausen (verhindert), Studienrat Wiese, ein eindrucksvoller Lehrer für Französisch, Dr. Best für deutsche Literaturgeschichte, Lund, ein schneidiger Turn- und Mathematiklehrer, für die Elementarfächer Johannes (Papa) Suck und schließlich sich selbst, Dr. Vogler.

Im Jahre 1908 übernahm er den Unterricht in einer Sexta mit 64 (!) Schülern.

Humorvoll schloss Studienrat a.D. Läpple den Reigen der Festredner mit Erinnerungen aus der Schulgeschichte.

Um den Gästen des Tages auch etwas unterhaltsames zu zeigen und um sie zugleich mit den Quartanern und Tertianern zusammenzuführen, führten die unteren Klassen das Grimm‘sche Märchen „Herr Korbes, eine grausliche Moritat mit deutlicher Lehre für Jung und Alt“ mit viel Begeisterung auf.

An jedem Tisch ein Jahrgang

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Dr. Z. – Den Abschluß des Tages bildete die Wiedersehensfeier im „Oldesloer Hof“. Das Wiedersehen der alten Klassenkameraden wurde dadurch erleichtert, daß für die einzelnen Jahrgänge gesonderte Tische vorgesehen waren. Ein freudiges, lebhaftes, pausenloses Stimmgeschwirr erfüllte den Saal. Nur eine kurze Ansprache von Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann unterbrach die Unterhaltung, der dabei eine Reihe von Grüßen und Glückwünschen „Ehemaliger“ verlas. So hatten geschrieben oder telegraphiert: Ernst Wolf Mommsen, der Enkel des Namenpatrons, Helmut Fock (Kopenhagen), Hans Laubinger (Leverkusen), Dr. Rudolf Blunck, Herbert Dorn (Saarbrücken), Dr. med. Hans Koltze (Nordenham), Heinz Dietrichsen (Karlsruhe), Amtsrat Karl Geissler (Jahrgang 1930). Dr. med. Emme (Hamburg-Altona), Hans-Felix Kammer (Laboe), Frau Käthe Hayn (Kellinghusen), Johann Schütt (Jahrgang 1922/23, Kiel), Bundesminister Werner Schwarz, Dr. med. dent. Lievemann (Hollenstedt), Harms (Hademarschen), Dohrmann (Chartum-Sudan).

Erinnerungsaustausch und Tanz hielt die „Ehemaligen“, das Schulkollegium und die Vertreter der Elternschaft bis in die frühen Morgen zusammen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.5.1962

 

Donnerstag, 3. Mai 1962

Nachklänge zur Oldesloer Oberschulfeier

Loblied auf die Stadt – Am Bahnhof weideten die Kühe – Fahrschüler so und so

st./Dr.Z. – Auf der Jubiläumsfeier des Theodor-Mommsen-Gymnasiums wurden viele Erinnerungen wachgerufen. Studienrat a.D. Dr. Vogler berichtete den Festteilnehmern von seiner ersten Ankunft in Oldesloe als junger Lehranfänger, die ihm nach seinen Worten unvergeßlich geblieben ist.

Im Jahre 1908 kam er aus der Großstadt Hamburg. Etwas besorgt und kopfschüttelnd sei er, so erzählte er, vom Bahnhof durch die Stoffer’schen Tannen (die übrigens gar keine Tannen, sondern Fichten waren), dann durch Koppeln mit weidenden Kühen und schließlich durch die Salinenstraße zur damaligen Realschule gewandert. Hier sei er dann von einem vollbärtigen Lehrerkollegium sehr herzlich aufgenommen worden.

Die Feier in der Aula wurde verschönert durch Darbietungen eines großen Streichorchesters und des Schülerchores unter der Stabführung von Studienrat Alshuth. Auch hier bewährte sich das gute Verhältnis zwischen Schule und ehemaligen Schülern. Im Orchester wie im Chor hatten sich Ehemalige freudig zur festlichen Ausgestaltung des Tages zur Verfügung gestellt. Für sie alle sei hier der Primgeiger des Orchesters, Redmann, genannt.

Studienrat a.D. Läpple sprach mit großer Hochachtung von der Stadtverwaltung und dem Schulkuratorium. Als Kleinstadt habe Oldesloe bei der damals in der Großstadt seßhaften Kreisverwaltung keinerlei Unterstützung für seinen Bildung- und Kultur Ehrgeiz gefunden. So sei für die von Beginn an so zahlreichen Fahrschüler, die meist die Zahl der Oldesloe übertrafen, kein Pfennig Beihilfe gezahlt worden. Es sei zu bewundern, daß die Stadt diese Belastung allein zu tragen bereit war und sie auch zu tragen verstanden hat. Ihm seien zwei Zahlen darüber in Erinnerung. In einem Jahre habe der Gesamtetat der Stadt 480.000 Mark betragen. Davon seien allein auf die verschiedenen Schulausgaben 112.000 Mark entfallen.

Mit Humor schilderte Studienrat Läpple das „Leben der Fahrschüler“ auf den mit verschiedenen Noten zu bewertenden Bahnstrecken, von den – wohlgemerkt damals! – mustergültigen Fahrschülern auf der Ratzeburger Strecke bis zu den – damaligen! – Trittauer Rabauken, die oft genug Kontroversen mit der Bahnverwaltung herbeigeführten.

Einen besonders erfreulichen Wandel müsse er in der Zusammenarbeit zwischen Lehrerschaft und Elternhaus feststellen. Wenn es auch der Schule bekannt gewesen sei, daß nach den biologischen Gesetzen jeder Schüler einen Vater haben müsse, so hätten die Lehrer doch die Väter niemals kennengelernt. Die Mütter hätte man meist nur gesehen, wenn sie die Kinder zum ersten Schultag abgeliefert hätten. Ob das nun ein Zeichen mangelnden Interesses oder eines ungeheuren Vertrauens zu Schule gewesen sei, wolle er nicht entscheiden. Mit dem Wort, der Schüler solle stets daran denken, daß er im Leben nicht nur Verdiener, sondern auch Diener am am Geist sei, schloß Studienrat Läpple seine Ausführungen.

Um den „Ehemaligen“ und sonstigen Gästen einen kleinen Einblick in die Arbeit der Schule zu geben, war freier Zutritt zu den Klassen und fachwissenschaftlichen Unterrichtsräumen. Gleichzeitig bot die Schule in drei Klassenzimmern und in verschiedenen Vitrinen des Treppenhauses einen Überblick über die heutige Kunsterziehung. Monotypen, Linoldrucke, Kratzarbeiten, Gips- und Holzplastiken, Mosaike, Schriftornamente, Studien über die Entwicklung verschiedener Darstellungs- und Betrachtungsmöglichkeiten, Farbübungen und dergleichen boten sich in einem Querschnitt durch alle Klassen dar. Daß auch frauliche Handarbeiten im modernen Gymnasium nicht zu kurz kommen, dafür zeugten zum Beispiel lecker aussehende Torte, zahlreiche und wirklich recht geschmackvolle Handarbeiten wie Kleidchen, Schürzen, Kissen, Decken u.a.m. Hochachtung nötigten dem Betrachter einige ausgestellte Jahresarbeiten früherer Abiturienten ab, so zum Beispiel die von Rolf Gelhausen (Jahrgang 1951) „Charakteristische Bauten Schleswig-Holsteins aus der Zeit Karls des Großen bis zum 30jährigen Krieg“, Wolfgang Prehn (Jahrgang 1951) „Jersbek ein Barockgarten“, Manfred Holz (Jahrgang 1954) „Land um Bad Oldesloe“und Karin Albrecht (Jahrgang 1960) „Moderne Glasmalereien in Schleswig-Holstein und Hamburg“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1962

 

Donnerstag, 3. Mai 1962

Maiausflug mit Ehemaligen

st. – Der Einladung des Vesdoro zu einem Maiausflug waren 16 auswärts wohnende ehemalige Schüler des Theodor-Mommsen-Gymnasiums gefolgt. Im Verein mit Vesdoro-Mitgliedern gelangten sie über den Travewanderweg noch dem Kneeden und spazierten dann über die neue Brücke bei Sehmsdorf nach Bad Oldesloe zurück. Einige der Teilnehmer waren über 80 Jahre alt. Sie nutzten die Gelegenheit, ihre körperliche und geistige Rüstigkeit zu beweisen und wußten aus dem Schatz ihrer Erinnerungen manches Wissenswerte aus dem Oldesloe von einst zu erzählen. Zu einer nachfolgenden Kaffeetafel fanden sich auch die Professoren Sabban und Benner ein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1962

 

Sonntag, 6. Mai 1962

Wettkampf der Mittelschüler

Oldesloer waren diesmal zu Gast in Aumühle

n. – Ein freudiges Wiedersehen gab es zum Wochenende in Aumühle, als die Sportgruppe der Mittelschule zum Rückkampf gegen die Aumühler Mittelschüler antraten.

Mittelschulrektor Hormann begrüßte in der Turnhalle der Fürstin-Ann-Mari-von Bismarck-Schule neben Bürgerworthalter Zöllner und Schulrat Rickert (früher Rektor an der Oldesloer Stadtschule) Mittelschulrektor Hiller mit seinen Leibeserziehern und Turnern. Zahlreiche Zuschauer spornten in der Halle die Mädchen bei ihren Kürübungen (Gymnastik, Bodenturnen, Sprung, Stufenbarren) wie auch die Jungen (Reck, Bodenturnen, Sprung, Barren) lebhaft an.

Dieser Vergleichskampf ließ einen eindeutigen Leistungsanstieg erkennen. Beide Mannschaften turnten flüssiger und sicherer als bei dem ersten Treffen; auch lag der Schwierigkeitsgrad der Übungen erheblich höher. Die Oldesloer Jungen turnten durchweg am Hochreck und am sprunghohen Barren. Mit 870,4 Punkten besiegte die Oldesloer Mittelschule die gegnerische Mannschaft (858,7). Bernd Schmalfeldt aus Aumühle, ein ehemaliger Schüler, zeigte sein hervorragendes turnerisches Können. Mit seinen 78,2 Punkten lag er außerhalb (der Wertung) des Wettkampfes.

In der Einzelwertung des Vierkampfes siegte bei den Mädchen Karola Vandeck aus Oldesloe mit 76,9 Punkten; auf den weiteren Plätzen folgten Henrike Göttsch (73,8), Angelika Ludwig, Aumühle (73,6) und Heidemarie Nowak (72,2). Mit Uwe Müller (75,2) vor Peter Reimers (74,7), Klaus Willers, Aumühle (74,5) und Rainer Bruhns (74,1) erzielten die Oldesloer Jungen die gleiche Placierung.

Das anschließende Basketballspiel brachte den Oldesloern einen Doppelsieg ein. Hierbei gewannen die Jungen knapp mit 4:2 Körben; mit 10:2 fiel der Sieg der Mädchen höher aus.

Nach einem gemeinsamen Abendessen saßen Wettkämpfer und Lehrerkollegium bei Unterhaltung, Gesang und Tanz für zwei Stunden in der Aula fröhlich zusammen.

Am Sonntagvormittag kamen die Aumühler Jungen zu einem verdienten 15:3-Sieg im Hallenhandball, während die Mädchen aus Oldesloe mit 6:4 erfolgreich waren. Wesentlicher als Sieg und Niederlage aber war das herzliche Einvernehmen bei dieser sportlichen Veranstaltung, wofür Mittelschulrektor Harry Hiller den Gastgebern herzlich dankte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.5.1962

 

Mittwoch, 9. Mai 1962

Fast 100 Schüler bestanden Radfahrprüfung

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109 Schüler und Schülerinnen der Mittelschule standen im Radfahrexamen. Kreis-Fachberater für Verkehrserziehung, Mittelschullehrer Fenner, und Polizeimeister Tresp gaben Anweisungen am Start zur praktischen Prüfung. Mit großen Startnummern radelten die Prüflinge dann auf vorgeschriebenem Kurs durch die Oldesloer Innenstadt. Natürlich nicht im Renntempo, sondern recht vorsichtig, denn es ging nicht darum, wer der erste, sondern verkehrssicherste war.

An den kritischen Verkehrsbrennpunkten, an Stopp- oder Vorfahrtzeichen beobachteten Polizeibeamte unauffällig das Verhalten der Kinder. Bei Nichtanhalten an einer Stoppstraße oder Nichtanzeigen der Fahrtrichtung gab es natürlich Strafpunkte.

Es handelte sich um die Radfahrprüfung mit der bisher größten Teilnehmerzahl in unserem Kreis. Sie wurde von Schule, Polizei und Kreisverkehrswacht veranstaltet. Von den 109 Prüflingen haben 97 die theoretische Prüfung bestanden, bei der ein langer Fragebogen mit Verkehrsfragen – ähnlich wie bei der Führerscheinprüfung – auszufüllen war. Die praktische Prüfung legten 91 mit Erfolg ab. Das Gesamtergebnis war erstaunlich gut: 55 Mittelschüler bestanden mit „sehr gut“ – davon neun mit der höchsten Punktzahl – und 34 mit „gut“.

Diese Kinder erhalten „Radfahrer-Führerschein“ und ein Abzeichen „Geprüfter Radfahrer“. Für die besten Leistungen gibt es einen Ehrenwimpel der Verkehrswacht. „Vorsicht ist keine Feigheit – Leichtsinn ist kein Mut“ steht darauf.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.5.1962

 

Donnerstag, 10. Mai 1962

Protest des Elternbeirats nach Kiel

Unterrichtsschwierigkeiten infolge Lehrermangels

st. – Auf einer sehr gut besuchten Elternversammlung in der Theodor-Mommsen-Schule bat Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann mann um Verständnis für die Schwierigkeiten im Unterricht, die durch den Mangel an Lehrkräften und die dadurch bedingte Überbelastung des Kollegiums bei Krankheitsfällen auftreten.

Zwei Lehrer werden noch für längere Zeit krank sein. Ersatz für sie kann das Kultusministerium nicht stellen, so daß das Kollegium gegenwärtig mit 60 Vertretungsstunden wöchentlich belastet ist.

Der Vorsitzende des Elternbeirates, Dipl.-Ing. Pawelzik, bezeichnete den Lehrermangel als Versagen all derer, die berufen seien, für die kulturelle Entwicklung zu sorgen.

Befürchtungen aus der Elternschaft, daß die Kinder „durch den Unterricht schlendern“, trat der Direktor mit der Versicherung entgegen, daß es in den entscheidenden Fächern keinen totalen Unterrichtsausfall gebe. Der Elternbeirat will, einer Anregung folgend, den Landeselternbeirat über den Mißstand infolge des Lehrermangels informieren und ihm einen Protest zuleiten.

Voller Freude berichtete Dr. Tiedemann, daß die Pläne für den Schulerweiterungsbau – er wird rund 130.000 Mark kosten – bereits baureif ausgearbeitet und im Grundsätzlichen von der Landesregierung genehmigt sind, so daß die Arbeiten in diesem Jahr begonnen werden können.

In der anschließenden Elternbeiratssitzung wurde Frau Haarmann als Nachfolgerin von Frau Schmidt-Kufeke in den Vorstand gewählt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.5.1962

 

Donnerstag, 10. Mai 1962

Tagung des Kreislehrerverbandes

st. – Der Kreislehrerverband Stormarn GEW halt am kommenden Freitagvormittag im „Oldesloer Hof“ seine Frühjahrstagung ab. Als Referenten sind gewonnen worden Professor Dr. Dr. Hermann Wegener von der Universität Kiel („Die besondere erzieherische Situation unserer heutigen Jugend“) und der 1. Vorsitzende des Berliner Verbandes der Lehrer und Erzieher, Frister, („Berlin und Deutschland nach dem 13. August 1961“). Beiden Vorträgen wird eine Aussprache folgen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.5.1962

 

Freitag, 11. Mai 1962

Ohne Autorität keine Jugenderziehung

Frühjahrstagung des Kreislehrerverbandes – Gegen „Harmonisierungsgesetz“

st./Dr.Z. – Sehr stark besucht war die Frühjahrstagung des Kreislehrerverbandes Stormarn GEW im „Oldesloer Hof“. Nach einer musikalischen Einleitung durch den Chor der Oldesloer Stadtschule begrüßte der Vorsitzende Helmut Landt eine Reihe von Gästen. Unter ihnen Kreisoberrechtsrat Kiesler, Bürgermeister Barth, Schulrat Heitmann und Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann.

Nachdem Bürgermeister Barth den Willkommensgruß der Kreisstadt übermittelt hafte, wurde in schneller Folge der geschäftliche Teil abgewickelt. Dann erstattete Rektor Ziems Bericht über den eben beendeten Deutschen Beamtentag des deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin. Er hob hervor, daß auch der Bundeskanzler die Berechtigung der Ansprüche der Beamten anerkannt habe, ohne sich allerdings über Zeitpunkt und Ausmaß der Erfüllung auszulassen. Eingehend beschäftigte sich der Berichterstatter mit den Ausführungen des Bundesinnenministers Höcherl zum geplanten „Harmonisierungsgesetz“, das trotz seines schön klingenden Namens erhebliche Gefahren für die Lehrerschaft in sich berge, die eben keine Verwaltungsbeamten seien.

Die Bedenken des Redners fanden ihren Niederschlag in einer vom Ortslehrerverband Ahrensburg eingebrachten und einstimmig angenommenen Entschließung, die sich gegen dieses Gesetz wendet.

Das Hauptreferat des Tages hielt Professor Dr. Dr. Hermann Wegener von der Landesuniversität in Kiel. Er sprach über das Thema „Die besondere erzieherische Situation unserer heutigen Jugend“. Ausgehend von der Tatsache, daß unsere Jugend sich heute geistig langsamer entwickelt, kam er zu dem Schluß, daß die Jugend heute längere Zeit ein ausgewogenes Schonklima und eine konsequente Führung durch die Erwachsenen nötig habe.

  • Diese Forderung steht, so führte der Vortragende weiter aus, oft in krassem Gegensatz zur Praxis. Das beginnt schon mit den „Schlüsselkindern“, die ohne die rechte mütterliche Liebe und Pflege aufwachsen.
  • Beim weiteren Heranwachsen des Kindes fehlt es oft am richtigen Kontakt Mit dem berufsgehetzten Vater. Seine Aufgabe ist es, das heranwachsende Kind mit den Forderungen der heutigen Gesellschaft vertraut zu machen.
  • Es ist im eigenen Interesse der Jugend im Hinblick auf das spätere Leben in der staatlichen und sozialen Gemeinschaft unbedingt richtig, sie an Gehorsam und Autorität zu gewöhnen.
  • Selbstgefälligkeit und mangelnde Selbstkritik ist das Zeichen der heutigen Jugend. Diesem den Gedanken der Autorität entgegenzusetzen, erfordert einen gewissen Mut bei den Erwachsenen. Die Eltern immer wieder auf ihre eigene Verantwortung und Aufgabe bei der Erziehung hinzuweisen, ist die Aufgabe der stark zu pflegenden Elternabende.

Lebhafter Beifall dankte dem Redner, der im Anschluß an eine kurze Aussprache sich gegen das zu starke Liebäugeln mit den Tagesheimschulen wandte. Sie könnten nur einen kümmerlichen Ersatz für ein pflegliches Klima im Elternhaus darstellen.

Vom Verband der Berliner Lehrer und Erzieher berichtete der zweite Redner Schill zum Thema „Berlin und Deutschland nach dem 13. August 1961“. Er legte dar, wie West-Berlin bis dahin zur Stätte der Begegnung zwischen Ost und West Schaufenster der freien Welt und Überdruckventil für die Ostzone war. Das alles ist zerschlagen, dazu die Familienbande und für bald 100.000 Menschen der Zusammenhang mit der alten Arbeitsstätte.

In der Aussprache berichtete Rektor Ziems noch von dem tiefen Eindruck, den auf ihn das erschütternde Erlebnis der Mauer und des Stacheldrahtes quer durch Berlin, ein Zeichen der politischen Not unseres Vaterlandes, gemacht hat. „Fahren Sie alle nach Berlin!“ – das Erlebnis ist gerade für jeden Erzieher von Wert, und jede Reise verstärkt die Verbindung mit Berlin.

Kurze Ausführungen des Berliner Vertreters über die Gedanken, Berlin zum pädagogischen Bildungszentrum zu machen, schlossen die Tagung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.5.1962

 

Donnerstag, 17. Mai 1962

Bundesjugendspiele auch in diesem Sommer

st. – Zur Vorbereitung der Bundesjugendsommerspiele, die auch in diesem Jahr in dem bisher im Kreise Stormarn üblichen Rahmen durchgeführt werden sollen, laden der Kreissportlehrer Nowak und Kreissportreferent Bendrien die Bezirksobleute zu einer Arbeitsbesprechung am kommenden Montag im Reinfelder Jugend- und Sportheim ein. Die eigentliche Arbeitssitzung beginnt nach einer Besichtigung des Heimes und nach einem Farbdia-Vortrag über die Ausgrabungen in Olympia.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.5.1962

 

Freitag, 18. Mai 1962

Jugend bei Spiel und Tanz

n. – Alle Oldesloer Schulen hatten ihre Teilnahme zu den Wettkämpfen der ersten Oldesloer Jugendsportwoche zugesagt. Mit einem Handballspiel eröffneten die Mannschaften der Mittelschule und des Theodor-Mommsen-Gymnasiums bei strömendem Regen die Spielrunde. Mit 2:0 gingen die Oberschüler in die zweite Halbzeit und gewannen das Spiel 3:2.

Schüler des sechsten Schuljahres der Stadtschule spielten gegen die 6c der Mittelschule unentschieden 0:0. Unter den Zuschauern sah man Rektorin Mohr und Konrektor Klimitz von der Stadtschule und Rektor Volkmann von der Klaus-Groth-Schule.

Als die Sonne durchbrach, marschierten 224 Volkstänzer in weißen Hemden und bunten Röcken auf, tanzten den Tampet, einen lustigen Yankee Doodle und den „Großen Kreis“. Auf dem Nebenplatz stellte sich eine Untertertia der Oberschule im Handball und gewann gegen Schüler des achten Schuljahres der Mittelschule mit 8:2 Toren.

Daß sie die Härte des Mannschaftskampfes kennen, bewiesen die Fußballmannschaften der Klaus-Groth-Schule und der Stadtschule, als sie bei einem Dauerregen in die zweite Halbzeit gingen. Die lange führenden Stadtschüler unterlagen schließlich den konditionsstarken Jungen der Klaus-Groth-Schule mit 2:3.

Der VfL-Vorsitzende Busch überreichte den Mannschaften die Siegerurkunden, die anläßlich des 100jährigen Bestehens des VfL angefertigt worden waren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1962

 

Freitag, 1. Juni 1962

Lehrer Niedzwetzki trat in den Ruhestand

n. – Ein Strauß froher bunter Frühlingslieder, dargeboten von einem kleinen Schulchor unter Leitung von Frau Lorenz, sollte dem Lehrer, Richard Niedzwetzki den Abschied von der Mittelschule erleichtern.

Schulrat Lüth dankte ihm im Namen der Landesregierung und des Kreisschulamtes und fügte, da er mit ihm lange Jahre in Reinfeld und Bad Oldesloe zusammengearbeitet hatte, seinen persönlichen Dank hinzu. Er lobte die Pflichtauffassung des Scheidenden, seine Güte und seine auf die Kinder ausstrahlende Ruhe.

Der Voraitzende des Schul- und Kulturausschusses Schömer überbrachte Lehrer Niedzwetzki im Namen der Stadt eine Keramikvase mit dem Oldesloer Wappen und Blumen.

Mittelschulrektor Hiller schilderte den Werdegang des Scheidenden. In Lyck und Rastenburg besuchte Richard Niedzwetzki die Präparandie, von 1921 bis 1924 war er Lehrer in der Elchniederung. Nach einem weiteren Studium an der AlbertusUniversität in Königsberg war er am Lehrerseminar tätig, von 1947 bis 1951 am Aufbauzug In Reinfeld und schließlich an der Mittelschule Bad Oldesloe. Der Schulleiter überreichte ihm ein Buch über die verlorene Heimat „Ostpreußen, Land und Schicksal“. Frau Niedzwetzki erfreute er mit einem Nelkenstrauß.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.6.1962

 

Sonnabend, 2. Juni 1962

Eltern sammeln für das Kindervogelschießen

st. – In einem Monat, am 3. Juli, will die Oldesloer Schuljugend ihr traditionelles Kindervogelschießen feiern. Mit einer Sitzung am vergangenen Montag hat der Ausschuß für das Kindervogelschießen seine vielfältige Arbeit im vollen Umfange aufgenommen. Auch in diesem Jahre haben sich wieder 70 Eltern als Sammler zur Verfügung gestellt. Sie wollen so mithelfen, dem Fest der 2200 Mädchen und Jungen die finanzielle Grundlage zu geben. Die Mittel werden für die Aufstellung von Zelten, die Musik, die Ausgestaltung des Festes und die Gewinne der Kinder benötigt. Die vom Landrat genehmigte Haussammlung wird in der Zeit vom 3. bis 12. Juni in sämtlichen Straßen durchgeführt. Der Ausschuß für das Kindervogelschießen bittet die Bevölkerung, den ehrenamtlichen Sammlern ihre selbstlose Tätigkeit zu erleichtern und durch ihre Spenden die Anteilnahme an diesem schönen Fest unserer Schuljugend zu zeigen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.6.1962

 

Mittwoch, 6. Juni 1962

Elternbeiräte schlossen sich zusammen

Gründungsversammlung in Bad Oldesloe – Die Ziele der Arbeitsgemeinschaft

Dr. Z. – Elternbeiräte von Volksschulen aus allen Teilen des Kreises wählten den Kreiselternbeirat: Vorsitzender Karl-Heinz Wingenfelder (Lütjensee-Seebergen), Stellvertreter Dr. med. Schirrer (Harksheide), Schriftführer Hädel (Stemwarde) und Beisitzer Schröder (Bad Oldesloe) und Bünsow (Harksheide-Süd). Die Versammlung war gut besucht.

Einleitend hatte Karl-Heinz Wingenfelder über die Arbeit des vorbereitenden Ausschusses und die Ziele des zu gründenden Kreiselternbeirates gesprochen. Dieser soll eine Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte der Volksschulen darstellen. Seine Aufgaben sollen sein:

  • Förderung des Erfahrungsaustausches zwischen den einzelnen Schulelternbeiräten und Unterstützung in ihrer Arbeit;
  • Vertretung der Interessen der Schulelternbeiräte gegenüber den Organen des Kreises;
  • Verbindung mit den Elternbeiräten an den sonstigen Schulen des Kreises wie auch mit Elternbeiräten anderer Kreise;
  • Wahl von Wahlmännern für den Landesschulbeirat.

Die Bedeutung der Arbeit der Elternbeiräte und der Wunsch nach Aktivierung der Zusammenarbeit war kürzlich auf der Tagung des Kreislehrerverbandes nachdrücklich betont worden. Der Ausschuß hat inzwischen bereits Kontakt mit den in Betracht kommenden Dienststellen des Kreises aufgenommen und sich bemüht, die finanziellen Voraussetzungen für die Arbeit eines Kreiselternbeirates zu schaffen.

Schulrat Lüth richtete ein Grußwort an die Versammlung und betonte, wie sehr der Kreisschulverwaltung an einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Elternschaft läge, um die immer zahlreicher werdenden Probleme an den Schulen in befriedigender Weise zum Besten der Jugend zu regeln.

In eingehender Besprechung wurde der Satzungsentwurf erörtert und mit geringfügigen Änderungen angenommen. Längere Aussprache ergab sich bezüglich der Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung.

Die Versammlung lehnte ein qualifiziertes Stimmrecht ab. Jede Schule hat nur eine Stimme, um so auch die Interessen der kleinen, meist mit besonders vielen Problemen behafteten Landschulen besser vertreten zu können. Man wurde sich auch einig, daß auf den Vollversammlungen der Kreiselternschaft zwar jede Schule nur eine Stimme habe, aber anderen Mitgliedern der Schulelternbeiräte Teilnahme und Wort freizustellen sei.

Auf Grund der aufgetretenen Schwierigkeiten wurde über das Kindervogelschießen und seine Finanzierung gesprochen. Es ergab sich, daß in fast allen Orten des Kreises an dem traditionellen Vogelschießen festgehalten wird, auch dort, wo räumliche Schwierigkeiten durch die angewachsenen Schülerzahlen zu überwinden sind. Bedauert wurden die zum Teil durch gesetzliche Bestimmungen bedingten Hemmnisse bei der Sammlung von Geldern für das Vogelschießen. Man mußte daher auf die althergebrachten Sammlungen mit Musikzügen und singenden oder Gedichte aufsagenden Kindergruppen verzichten. Der Kreiselternbeirat wird sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen, um die Erhaltung dieses Brauchtums zu sichern. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.6.1962

 

Mittwoch, 6. Juni 1962

Moderne Lehrmittel für die Mittelschule

st. – Die Stadt hat der Mittelschule 2600 DM für den Ausbau der physikalischen Sammlung zur Verfügung gestellt. Es sollen Projektionsgeräte beschafft werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1962

 

Mittwoch, 6. Juni 1962

Bundestagsabgeordneter sprach vor Mittelschülern

T. – Zu einem Vortrag über das Thema „Die andere Welt im Osten“ hatte die Königin-Luise-Schule den langjährigen Präsidenten der Deutschen Presseagentur und Abgeordneten des Bundestages, Fritz Sänger, eingeladen. „Was man beurteilen will, muß man vorher kennenlernen“, unter diesem Leitgedanken sprach der Abgeordnete über seine Reisen in die Länder des Ostblocks, vor allem über seinen Aufenthalt in Moskau. Als Antwort auf zahlreiche Fragen der lebhaft interessierten Jungen und Mädchen erklärte der Redner, daß sich die Jugend der Sowjetunion in Aussehen und Haltung fast gar nicht von der unsrigen unterscheide, sei es in ihrer Kleidung, in ihrer Art zu tanzen, in ihrer Sportbegeisterung oder in ihrer Freizeitgestaltung. Einen tiefen Eindruck hinterließ ein Bericht von einer Fahrt durch Siebenbürgen, den Teil Rumäniens, in dem seit 800 Jahren Deutsche wohnen, die bis heute ihre Eigenständigkeit bewahrt haben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1962

 

Mittwoch, 6. Juni 1962

Meddewaderin zum Schülerlotsentreffen

st. – Unter den vier Schülerlotsen aus Schleswig-Holstein, die vom 6. bis 8. Juni am 9. Jahrestreffen der Schülerlotsen im Bundesgebiet teilnehmen, ist die Oldesloer Mittelschülerin Jutta Fleischhammel aus Meddewade. Sie reiste gestern mit Mittelschullehrer Fenner, dem Kreisfachberater für Verkehrserziehung der Stormarner Verkehrswacht, nach Stuttgart ab. Lehrer Fenner ist der Begleiter der schleswig-holsteinischen Schülerlotsenabordnung. Jutta Fleischhammel wird auch an dem Schülerlotsenwettbewerb 1962 eines Automobilwerkes teilnehmen. Dabei gibt es Preise von 1000 bis 5000 Mark zu gewinnen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1962

 

Donnerstag, 14. Juni 1962

Schüler fuhren in den Harz

st. – Mit einem großen Bus startete gestern früh eine Klasse der Mittelschule zu einem viertägigen Ausflug in den Harz. In der nächsten Woche folgt eine weitere Klasse.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.6.1962

 

Donnerstag, 14. Juni 1962

Parkplatz für die Autos der Lehrer

st. – Durch Abstechen der Grasnarbe hat die städtische Tiefbaukolonne vor der Mittelschule an der Grabauer Straße einen Parkplatz für die Fahrzeuge der Lehrer angelegt. Ein Parkplatz wäre auch dringend für die Wagen der Lehrer an der Stadtschule erforderlich, weil diese Autos während des Unterrichts in der Königstraße abgestellt sind.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.6.1962

 

Freitag, 15. Juni 1962

Hitzefrei

st. – Bei 28 Grad Wärme im Schatten gab es in den Oldesloer Schulen erstmalig in diesem Jahr hitzefrei. Zur Freude der Schüler entfiel die letzte Unterrichtsstunde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.6.1962

 

Mittwoch, 20. Juni 1962

Anschluß der Klaus-Groth-Schule

st. – Für den Anschluß der Klaus-Groth-Schule an die Vollkanalisation wurden 3500 Mark für das Rechnungsjahr 1962 nachbewilligt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.6.1962

 

Montag, 25. Juni 1962

Unbekannter Hamburger spendete für Vogelschießen

st. – Ein ehemaliger Oldesloer Schüler, der heute in Hamburg lebt, spendete, ohne seinen Namen bekanntgeben zu wollen, für das diesjährige Kindervogelschießen 100 Mark. Er hinterließ die Summe beim Wirt des „Oldesloer Hofes“ und bat ihn, die Spende an den Ausschuß für das Vogelschießen weiterzuleiten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.6.1962

 

Sonnabend, 30. Juni 1962

Nun trommeln sie wieder zum Vogelschießen

Dienstag ist es so weit – Neue Marschroute für Umzug – Nicht jeder darf tanzen

st. – 2164 Oldesloer Schulkinder bereiten sich auf ihr Fest, das Vogelschießen, vor. Seit gestern bringen die Spielmannszüge der Schulen den Spendern ihre Ständchen. Am Dienstag ist dann der große Tag. Schon um sechs Uhr früh pfeift und trommelt der Spielmannszug der Theodor-Mommsen-Schule einen Morgengruß. Dann werden das Königspaar des Vorjahres, der Vogel und die Ehrengäste abgeholt. Um 8.30 Uhr beginnt der Umzug vom Markt aus.

Wo sich dann der Umzug zeigt, ruht für einen Augenblick die Arbeit, denn kein Oldesloer läßt sich den schönen Anblick der blumengeschmückten, festlich gekleideten Jugend entgehen.

Die Route des Morgenumzuges, der vom Musikkorps der Polizeidirektion Kiel, der Blasmusikkapelle Kellmann und den Spielmannszügen der Volksschulen und des Gymnasiums begleitet wird: Hamburger Straße, Hindenburgstraße, Schleife um den Markt, Hindenburgstraße, Mühlenstraße, Lübecker Straße, Berliner Ring, Klaus-Groth-Straße, Bahnhofstraße, Brunnenstraße, Kurparkallee, Königstraße, Schützenstraße, Exer.

Um 10 Uhr beginnen die Spiele auf dem Exer, das Vogelpicken und Vogelschießen im Naturtheater und das Scheibenschießen in Sehmsdorf. 61 Gruppen beteiligen sich hieran. Gleichzeitig gibt das Polizeimusikkorps aus Kiel auf dem Exer ein Platzkonzert.

Von 15 bis 19.30 Uhr ist Kindertanz in drei Zelten auf dem Exer, in der Turnhalle der Stadtschule und in neun Gaststätten.

Der Ausschuß für das Vogelschießen bedauert, daß trotz der Aufstellung dreier Zelte und trotz der Vergrößerung des „Oldesloer Hofs“ die Tanzlokale kaum ausreichen. Es ist deshalb erforderlich, daß diese allein den teilnehmenden Kindern zur Verfügung stehen. Nicht mehr am Kindervogelschießen teilnehmende Schüler und Schülerinnen werden gebeten, nicht mitzutanzen, da sonst der harmonische Verlauf des Festes gestört wird; denn die Eltern möchten sich vor allen Dingen am Tanz ihrer eigenen Kinder erfreuen.

Der Abendumzug um 20 Uhr führt vom Exer durch die Schützenstraße, Lorentzenstraße, Grabauer Straße, Hamburger Straße, Königstraße, Kirchberg, Mühlenstraße, Hindenburgstraße zum Marktplatz.

Die Änderung der Marschwege ist erforderlich, da Teile der Innenstadt infolge der Kanalisationsarbeiten gesperrt sind. Die Polizei hatte die Änderung auch im Hinblick auf die neue Einbahnregelung in der Innenstadt empfohlen. Abends wird anstelle des Polizeimusikkorps die Feuerwehrkapelle Bad Oldesloe mitmarschieren. Bei der traditionellen Schlußkundgebung auf dem Markt wird Rektor Volkmann die Ansprache halten.

Die Schuljugend hofft, daß die gesamte Bevölkerung an ihrem Feste durch Ausschmückung der Häuser mit Laub und Fahnen Anteil nimmt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.6.1962

 

Bis zum Jahr 1970