Schuljahr 1961 - 62  Zeitraum Oktober - Dezember 1961

 

Montag, 2. Oktober 1961

Lehrerin Elisabeth Dietrich gestorben.

 

Freitag, 6. Oktober 1961

Oldesloer Sportpionier feiert „Goldene“

Erste Laufbahn selbst angelegt

Christian Ohrt 50 Jahre mit Frau Frieda und dem Sport verheiratet

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st. – Morgen feiern Studienrat a.D. Christian Ohrt und Frau Frieda, geborene Kühl, das Fest der goldenen Hochzeit. Sicherlich werden sich die Gratulanten gegenseitig die Tür in die Hand geben. Der 76jährige Jubilar, dem man sein Alter nicht ansieht, gilt als Oldesloer Sportpionier. In den letzten fünf Jahrzehnten war er der Motor des Oldesloer Sportlebens.

Geboren wurde er auf dem Gut Muggesfelde (Kreis Segeberg). Nach seiner Ausbildung kam er als junger Lehrer an die Oberrealschule in Bad Oldesloe. Bis 1950 lehrte er neben Leibesübungen auch Deutsch, Erdkunde und Mathematik.

Sein ganzes Herz gehörte der körperlichen Ertüchtigung der Jugend und der Anlage guter Sportstätten. Nach dem ersten Weltkrieg gab es in Bad Oldesloe vier Sportvereine: den FC Teutonia, den Oldesloer Ballspielclub (OBC), den Männerturnverein (MTV) und den TV Einigkeit (später ATSV, jetzt TSV 07). Als Vorsitzendem des Männerturnvereins gelang es Christian Ohrt, die drei Vereine FC Teutonia, OBC und MTV unter einen Hut zu bringen. „Auf die Bezeichnung VfL legte ich größten Wert“, berichtet der Jubilar. „Als Sportplatz stand damals nur der grüne Exer zur Verfügung. Die ersten Laufbahnen haben wir uns mühevoll selbst angelegt. Mit dem Ausbau des Stadions wurde schon 1935 beginnen. Aber erst nach 1945 konnte es vollendet werden. Ich habe immer dafür gesorgt, daß wir soviel Mittel wie möglich vom Sportförderungsausschuß bekamen.“

Lange Jahre war er Vorsitzender des VfL. Das Amt des Vorsitzenden des Kreissportverbandes Stormarn gab er 1958 wegen Krankheit ab. Darauf wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Kreissportverbandes ernannt. Heute ist Christian Ohrt noch in mehreren Jugend- und Sportausschüssen auf Orts- und Kreisebene tätig.

Seine großen Verdienste um die körperliche Ertüchtigung, den Leistungssport und die sportliche Organisation wurde durch die Verleihung der goldenen Ehrennadel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und des Landessportverbandes Schleswig-Holstein gewürdigt. Als aktiver Sportler hat er auch das goldene Sport- und Leistungsabzeichen noch im hohen Alter erworben.

Das in Bad Oldesloe verbreitete geflügelte Wort „Kein Sport ohne Ohrt“ charakterisiert wohl treffend sein unermüdliches Wirken nicht nur auf dem grünen Rasen und auf der Kampfbahn, sondern auch in den sportlichen Gremien und im lokalen Vereinsleben.

Die 73jährige, sehr rege Jubiläumsbraut hatte immer viel Verständnis für die Sportleidenschaft ihres Mannes, wenn auch die Familie dabei oft zu kurz kam. Die ersten Gratulanten morgen im Hause Nummer 24 in der Großen Salinenstraße werden Sohn und Tochter, deren Ehepartner und die vier Enkelkinder sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.10.1961

 

Freitag, 6. Oktober 1961

Nachruf

Am 2. Oktober verschied nach langer, schwerer Krankheit unsere verehrte Lehrerin und Kollegin Fräulein Elisabeth Dietrich.

Seit über einem Jahrzehnt war sie an unserer Schule hingebungsvoll tätig und erfreute sich hohen Ansehens im Kollegenkreis und der Anhänglichkeit ihrer Schüler. Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Das Lehrerkollegium und die Schüler der Klaus-Groth-Schule Bad Oldesloe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.10.1961

 

Freitag, 6. Oktober 1961

Nachruf

Der Tod entriß uns unsere verehrte, liebe Kollegin, die Lehrerin Elisabeth Dietrich.

Viel zu früh müssen wir Abschied von einer Kollegin nehmen die von jedem, der sie näher kannte, hoch geschätzt wurde. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten.

GEW-Ortslehrerverein Bad Oldesloe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.10.1961

 

Mittwoch, 11. Oktober 1961

Viele Gratulanten bei Dr. Vogler

Aus goldener Hochzeit in aller Stille wurde nichts

st. – In aller Stille wollte Studienrat a.D. Dr. Heinrich Vogler mit seiner Frau Anna, geb. Dunker, in seinem Heim in der Lorentzenstraße 17 die goldene Hochzeit feiern. Doch die Zahl seiner Freunde, Kollegen, ehemaligen Schüler und bekannten ist zu groß, als daß dieser Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. So erhielt das Ehepaar viele Beweise der Verehrung und Dankbarkeit, die ihm gewiß den Verzicht auf die Stille leicht machten.

Der 79jährige, noch immer sehr tatkräftige Jubilar ist gebürtiger Altonaer. Er studierte in Marburg, Tübingen, Kiel und Paris und war von 1908 bis 1947 am Theodor-Mommsen-Gymnasium tätig. Seine Hauptfächer waren neue Sprachen. Mit seinen ersten Sextanern trifft er sich noch heute. Sie überraschten ihn mit einem besonders großen Präsentkorb.

Im Ersten Weltkrieg war er als Offizier, zuletzt als Bataillonskommandeur, an der Front. Im Zweiten Weltkrieg leitete er als Major ein Wehrmeldeamt.

Mit viel Liebe widmete er sich, gemeinsam mit Studienrat Christian Ohrt der Förderung des Sports in Bad Oldesloe. Und weil er, wie er sagt, immer tätig sein muß, verschrieb er sich vor zehn Jahren der Volkshochschularbeit. Der Oldesloer VHS besitzt in ihm ihren ältesten und treuesten Mitarbeiter.

Die 70jährige Jubiläumsbraut stammt aus Hadersleben in Nordschleswig. In Rendsburg lernte sich das Paar einst kennen. Vor dem Altar der Peter-Pauls-Kirche empfingen sie noch einmal den Segen. Von vier Söhnen ist dem Ehepaar nur einer, der jüngste, geblieben. Er lebt in Walsrode. Der älteste Sohn fand bei dem Untergang des Segelschulschiffs „Niobe“ 1932 den Tod, der zweite blieb als U-Boot-Kommandant im Zweiten Weltkrieg auf See, der dritte verstarb nach der Rückkehr aus sechsjähriger Kriegsgefangenschaft.

Die ersten Gratulanten waren die vier Enkelkinder. Ihnen folgten im Laufe des Tages viele Glückwünsche, unter ihnen Bürgerworthalter Willy Rosch und Bürgermeister Hermann Barth, die dem Jubiläumspaar den Ehrenkrug der Stadt, Blumen und Pralinen überreichten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.10.1961

 

Mittwoch, 11. Oktober 1961

Kanalisation für das Gymnasium

st. – Die Stadtverwaltung läßt gegenwärtig das Theodor-Mommsen-Gymnasium an das Kanalisationsnetz anschließen. Weitere städtische Grundstücke werden folgen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.10.1961

 

Sonnabend, 14. Oktober 1961

Schon 45 Prozent geimpft

st. – Rund 3000 Schulkinder werden in diesen Tagen zum dritten Male gegen die spinale Kinderlähmung geimpft. Im Februar und März erhielten diese Kinder die erste und zweite Impfung. Damit sind dann 45 Prozent aller Schulkinder unseres Kreises gegen Polio geimpft. Das ist der höchste Prozentsatz innerhalb sämtlicher Kreise Schleswig-Holsteins.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.10.1961

 

Dienstag, 17. Oktober 1961

Schüler pflegen verlassene Gräber

n. – Schüler der Mittelschule pflegen auf dem Neuen Friedhof verlassene Gräber, deren Angehörige verzogen oder verstorben sind. Im Religionsunterricht empfingen sie die Anregungen für diesen Dienst am Nächsten. Gestern nahmen Schüler der Klassen 10c und 10b mit ihren Klassenlehrern Lorenz und Hafemann die Arbeit auf.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.10.1961

 

Donnerstag, 19. Oktober 1961

Es wird ernst mit der Schulerweiterung

st. – Die Stadt nimmt die finanziellen Vorbereitungen für den dritten Bauabschnitt der Klaus-Groth-Schule in Angriff. Sie hat über den Kreis einen Antrag beim Land auf einen Zuschuß gestellt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1961

 

Montag, 30. Oktober 1961

Vier Schulprobleme im Mittelpunkt

Kieler Professor sprach in Bad Oldesloe

Kl. – Die Universitätsgesellschaft, Sektion Bad Oldesloe, eröffnete ihre Arbeit im Wintersemester 1961/62 mit einem Vortrag von Professor Dr. Blättner, Kiel: „Die Probleme des deutschen Bildungswesens.“

Das deutsche Bildungswesen hat seinen Ursprung in der geistigen Bildung der Antike, die in Deutschland 1000 Jahre in Wirkung geblieben ist. Schon in den Lateinschulen zu Luthers Zeit zeigen sich Ansätze zu muttersprachlicher Bildung. Im 18. Jahrhundert zielt die Bildung, bisher stark von religiösen Tendenzen beherrscht, in Richtung auf ein weltliches Weltdenken. Mit der Säkularisierung entwickeln sich zwei neue Bildungsansätze: die weltmännisch-aristrokatische und die bürgerlich-realistische. Mit Humboldt entsteht das neuhumanistische Bildungsideal, eine neue Form der Bildung, eine verallgemeinerte Gelehrtenbildung, die in dem jungen Menschen alle Kräfte am Vorbild der Griechen harmonisch entwickeln will. Sie hat im humanistisch Gymnasium Eingang gefunden. Im 19. Jahrhundert liegen humanistische und realistische Bildung im Streit, der im Jahre 1900 mit der Einrichtung der Real- und Oberrealschule, in denen naturwissenschaftliche Fächer und die neuen Sprachen stärker betont werden, zu Gunsten des Realismus entschieden wird.

Die Volksschule, lange Zeit eine Einrichtung der Kirche zu religiöser Erziehung, wird erst 1872 durch die „Allgemeinen Bestimmungen“ eine reale Schule für alle. Lange von der Höheren Schule sauber getrennt, setzt im 20. Jahrhundert das Streben ein, die Volksschule zum Unterbau der Höheren Schule zu machen. Das führt zur Grundschule in der Weimarer Verfassung, bis 1934 die vierjährige Grundschule allgemein eingeführt wird.

Die gegenwärtigen Probleme des deutschen Bildungswesens sind:

  • Das Problem des Überganges von der Volksschule zu weiterführenden Schulen, mit den weiteren Problemen des starken Zudrangs zu diesen und der Auslese mit ihren Lösungsmöglichkeiten, die im Rahmenplan ihren Niederschlag gefunden haben.
  • Das Problem des Abschlusses der Volksschulen mit seinen Bemühungen, sie auszubauen.
  • Die Aufgliederung der weiterbildenden Schulen.
  • Die Gestaltung der oberen Klassen des Gymnasiums.

Die Bewältigung aller genannten Aufgaben beherrscht die pädagogische Gegenwart. Noch ist man von der Lösung aller Probleme weit entfernt. Der Vortrag von Professor Blättner fand den starken Beifall der zahlreichen Zuhörer.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.10.1961

 

Mittwoch, 1. November 1961

Morgen beginnt Oldesloes Jugendbuchwoche

Vielseitige Veranstaltungsfolge – „Eltern waren ahnungslos“ – Ausstellung im Jugendheim

st. – „Sage mir, was Du liest, und ich sage Dir, was du wirst.“ unter dieses Motto könnte man die Jugendbuchwoche 1961 in Bad Oldesloe stellen, die auf eine Anregung des Ortsjungendringes zurückzuführen ist. Sie soll Eltern, Erziehern und vor allem der Jugend selbst Gelegenheit bieten, mit gutem jugendgemäßem Schrifttum bekannt zu werden. Zugleich soll der Einfluß der weitverbreiteten Schundhefte eingedämmt werden. Der Arbeitskreis für die Jugendbuchwoche, dem Kreisjugendpfleger Georg Bendrien und der Vorsitzende des Ortsjugendringes, Ernst Iwohn, vorstehen, hat ein umfangreiches und vielseitiges Veranstaltungsprogramm vorbereitet, das morgen seinen Anfang nimmt.

  • Der Theodor-Mommsen-Schule ist es durch Entgegenkommen der Büchereizentrale Rendsburg möglich, morgen eine Ausstellung neu erschienener Jugendbücher zu zeigen. Am Vormittag wird den Klassen der unteren Mittelstufe in Vorlesestunden ihrem Alter entsprechende wertvolle Unterhaltungsliteratur nahe gebracht. Anschließend werden die auswärtigen Schüler durch die Ausstellung geführt; den Einheimischen steht sie am Nachmittag offen. Am Abend findet um 20 Uhr im Festsaal der Schule eine Veranstaltung „Aus neuen Jugendbüchern“ statt. Fräulein Gertrud Mielitz von der Büchereizentrale Rendsburg wird den Eltern Leseproben bieten und sie dann durch die Ausstellung führen. Die Theodor-Mommsen-Schule ladet alle Eltern sechs-bis 14jähriger Kinder ein, ganz gleich, welche Schule diese besuchen.
  • Der Arbeitskreis für die Jugendbuchwoche weist auf die am Freitag, dem 3. November, um 17 Uhr im Deutschen Fernsehen erscheinende „Bundesentscheidung im Jugendvorlesewettbewerb 1961“ im Goethe-Haus in Frankfurt am Main hin.
  • Die Ausstellung „Bücher für die Jugend“ im Jugendheim (Bürgerpark) wird einen Ausschnitt aus dem reichhaltigen Angebot empfehlenswerter Jugendliteratur bieten. Sie ist zusammengestellt von den Schulbüchereien der Oldesloer Schulen, der Stadtbücherei Bad Oldesloe und der Jugendleiterhandbücherei des Kreisjugendringes Stormarn. Der Buchhandel ergänzt diese Auswahl durch Neuerscheinungen. Die Ausstellung wird am Sonnabend, dem 4. November, um 16.30 Uhr eröffnet und ist dann vom Montag, dem 6. November, bis Sonnabend, dem 11. November, zugänglich. …
  • „Die Eltern waren ahnungslos“ist das Thema eines Diskussionsabends der Volkshochschule mit Vorführung der Tonbildreihe gleichen Titels. Er findet am Montag, dem 6. November, im Festsaal der Kreisberufsschule statt Diskussionsleiter: Georg Bendrien.
  • „Im Dutzend billiger“ heißt der Film, der am Dienstag, dem 7. November, um 15 Uhr, in der Thalia-Filmbühne im Rahmen einer Jugendfilmstunde des Ortsjugendringes gezeigt wird. Abends um 20 Uhr liest der niederdeutsche Schriftsteller Hans Moritzen auf einem Gruppenabend der DAG-Jugend „Und liekers ward dat Dag“.
  • Die Abschlußveranstaltung am Freitag, dem 10. November, um 16 Uhr, wird gemeinsam vom Ortsjugendring und den Oldesloer Schulen gestaltet. Kreisschulrat Heinrich Lüth hält ein Kurzreferat „Das Jugendbuch im Unterricht“. Dann lesen die drei Sieger aus dem Kreis Stormarn im Jugendvorlesewettbewerb 1961. Darauf findet die Preisverteilung für den Schaufensterwettbewerb der Oldesloe Schulen anläßlich der Jugendbuchwoche statt. Er wird in der Weise durchgeführt, daß Schüler der achten Klassen der Stadtschule, der Klaus-Groth-Schule, der Königin-Luise-Schule und der Theodor-Mommsen-Schule je ein Schaufenster der beiden Buchhandlungen L.H. Meyer, Bahnhofstraße, und Stiller‘sche Hofbuchhandlung, Hude, ausgestalten. Für die Beurteilung ist eine kleine Jury gebildet worden.
  • Heinz Baumann liest am Dienstag, dem 28. November, um 20 Uhr im Festsaal der Kreisberufsschule auf Einladung der Volkshochschule aus eigenen Werken.

Der Ortsjugendring fand bei der Gestaltung der Jugendbuchwoche Unterstützung durch die Oldesloer Schulen, die Volkshochschule, die Kreisberufsschule, die Stadtverwaltung, den Kreisjugendwohlfahrtsausschuß, den Kreisjugendring und zahlreiche weitere Organisationen und Einzelpersönlichkeiten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.11.1961

 

Freitag, 3. November 1961

Wo blieben die Mütter und Väter?

Jugendbuchabend im Gymnasium fast ohne Echo

z. – Der Einladung zu einem Elternabend im TheodorMommsen-Gymnasium zur Eröffnung der Jugendbuchwoche waren leider nur wenige gefolgt. Es ist sehr schade, daß weder Mütter noch Väter Zeit fanden, um hier mit Lehrern und Fachkräften des Buchhandels über ein seit Jahren vieldiskutiertes Problem, nämlich das der Jugendliteratur, ins Gespräch zu kommen.

Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann begrüßte den kleinen Kreis seiner Gäste sehr herzlich. Er betonte, daß es das Anliegen der Vertreter der Schulen sei, den jungen Menschen die gute moderne Unterhaltungsliteratur nahezubringen, um ihnen auf diese Weise die rechte Kost für ihren Lesehunger bieten zu können.

In einer mit viel Sorgfalt, Verständnis und Liebe ausgerichteten Buchausstellung waren Bücher für alle Altersstufen zu finden. Die Leiterin der Jugendabteilung der Landesbüchereizentrale Rendsburg, Fräulein Gertrud Mielitz, sprach zu dem Thema „Aus neuen Jugendbüchern“ und gab anschließend Leseproben.

Aus der reichen Auswahl hier einige Hinweise: Von Astrid Lindgren für Zehn- bis Elfjährige „Mio, mein Mio“, eine abenteuerliche phantasievolle Dichtung! James Krüss, der mit einem Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde, hat für Elf- bis 13jährige das fesselnde Buch „Der Urgroßvater und ich“ geschrieben; für größere Kinder von Edith Nesbit „Das verzauberte Schloß“ und von Hans Baumann die Bücher „Steppensöhne“, „Der Sohn des Kolumbus“ und „Ich zog mit Hannibal“; von Kurt Seelmann Aufklärungsbücher schon für junge Leser „Woher kommen die kleinen Buben und Mädchen“ und „Was Mädchen wissen sollen – was Jungen wissen wollen“.

Auf ausgelegten Listen war das Buchmaterial für die Eltern zusammengestellt nach den verschiedensten Gesichtspunkten: Erlebnisberichte, Tierbücher, Abenteuerliches, Besinnliches und Nachdenkliches. Es wäre sehr schön, wenn die nächsten Veranstaltungen der Jugendbuchwoche auf größeres Interesse der Eltern stießen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.11.1961

 

Freitag, 3. November 1961

Jugendbuchwoche im NDR

st. – Über UKW-Nord brachte der Norddeutsche Rundfunk in der Umschau am Abend aus Flensburg eine Reportage über die Oldesloer Jugendbuchwoche. Dabei kam der Vorsitzende des Ortsjugendringes, Ernst Iwohn, und Oberlehrer Schmidt von der Kreisberufsschule als Leiter der Ausstellung „Bücher für Jugend“ im städtischen Jugendheim zu Wort. Die Sendung war mittags im Jugendheim aufgenommen werden. Ein Interview mit Kreisjugendpfleger Bendrien wird der Norddeutsche Rundfunk am Montag um 17.05 Uhr auf der Mittelwelle im Rahmen der Sendung „Lebendige Jugend“ bringen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.11.1961

 

Sonnabend, 4. November 1961

Schüler dekorierten Schaufenster

st. – Mit großem Eifer dekorierten gestern nachmittag Mädchen und Jungen des achten Jahrganges der Oldesloer Schulen unter der Anleitung von Lehrkräften die Schaufenster der Buchhandlung L.H. Meyer und der Stiller'schen Hofbuchhandlung für den Schaufensterwettbewerb der Jugendbuchwoche. Was sie bis dahin unter dem Siegel größter Verschwiegenheit in ihren Klassengemeinschaften entworfen, gebastelt, gezeichnet und geklebt hatten, trat nun an das Licht der Öffentlichkeit. Allerdings verschweigen sie auch weiterhin ihre Urheberschaft, bis die Jury am Montag ihr Urteil gesprochen haben wird. Am kommenden Freitag ist Preisverteilung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.11.1961

 

Sonnabend, 4. November 1961

„Messias“-Aufführung zum Mommsen-Fest

st. – Zum Mommsen-Fest des Theodor-Mommsen-Gymnasiums am 1. Dezember wird die Aufführung des Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel vorbereitet. Die Leitung hat Studienrat Fritz Alshuth.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.11.1961

 

Sonnabend, 4. November 1961

Oldesloer Jugendbuchwoche eröffnet

Die Ausstellung „Bücher für die Jugend“ im städtischen Jugendheim am Bürgerpark gewährt einen Einblick in die Jugendliteratur, die in den Schulen und in der städtischen Bücherei entliehen werden kann.

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Sie ist den Kindern leicht zugänglich und man kann nur wünschen, daß sie recht viel gelesen wird. Die Schuljugend erhält im Laufe dieser Woche vormittags Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Ausstellung. Für Eltern und Jugenderzieher ist sie von 15 bis 20 Uhr geöffnet. …

Zu der Eröffnungsfeier am Sonnabendnachmittag hatte sich neben dem Bürgermeister ein Kreis von Persönlichkeiten zusammengefunden, die in der Jugenderziehung und -pflege tätig sind. Der 1. Vorsitzende des Ortsjugendringes Ernst Iwohn dankte für die Mitarbeit an der Ausrichtung der Jugendbuchwoche, in deren Rahmen die Ausstellung stattfindet. Dieser Dank galt vor allem Berufsschuloberlehrer Schmidt, der die Ausstellung fast allein aufgebaut hat. Sie ist durch Leihgaben der Buchhandlungen über die Auswahl aus den Schulbüchereien und der städtischen Bücherei hinaus erweitert worden.

In einem kurzen Vortrag bezeichnete Kreisjugendpfleger Bendrien die Jugendbuchwoche als Ausdruck positiven Jugendschutzes. Für alles, was die Kinder täten, trügen die Eltern die Verantwortung. Der Kreisjugendpfleger bedauerte deshalb die vielfach anzutreffende Gleichgültigkeit der Eltern gegenüber dem Lesestoff ihrer Kinder. Ob die Buchwoche, so sagte er weiter, ein Erfolg werde, hänge von dem Verständnis ab, das ihr die Eltern entgegenbrächten.

Die Feier wurde von Liedern des Oldesloer Jugendchors unter Leitung von Musikdirektor König umrahmt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.11.1961

 

Freitag, 10. November 1961

Buchausstellung nur noch bis morgen

st. – Die Ausstellung „Bücher für die Jugend“ im Jugendheim wird morgen um 19 Uhr geschlossen. Sie hatte bisher über 1000 Besucher, hauptsächlich Jugendliche. Zahlreiche Kinder kamen, nachdem sie die Ausstellung vormittags mit ihrer Klasse besucht hatten, am Nachmittag allein wieder und stellten eine lange Wunschliste für die Eltern auf. Neben klassischen Werken (Mark Twain, Märchen und Sagen) war darauf am häufigsten das Buch „Mein Großvater und ich“ von James Krüss zu finden. So mancher junge Besucher bedauerte das Fehlen einer Schmökerecke.

Heute um 16 Uhr wird der Ortsjugendring gemeinsam mit den Schulen die Jugendbuchwoche mit einer Feierstunde im Festsaal der Kreisberufsschule beenden. Nach einem Kurzreferat nun Schulrat Lüth über das Jugendbuch im Unterricht werden die drei Sieger des Jugendvorlesewettbewerbs Leseproben geben. Anschließend findet die Preisverteilung für den Schaufensterwettbewerb statt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.11.1961

 

Freitag, 10. November 1961

Nur das gute Buch soll Partner sein

Gelungener Abschluß der Oldesloer Jugendbuchwoche

st. – Fast vollbesetzt mit Schuljugend war der Festsaal der Kreisberufsschule am nachmittag bei der Abschlußfeier für die Jugendbuchwoche. Ortsjugendringvorsitzender Iwohn begrüßte die Mädchen und Jungen herzlich. Schulrat Lüth sprach von den Ansprüchen, die die Erzieher an das Jugendbuch stellen.

Er bezeichnete das Buch als Partner, von dem Wirkung ausgeht, ob gute oder schlechte, das sei die entscheidende Frage.

Nachdem die drei Besten des Stomarner Jugend-vorlesewettbewerbs, Karin Pitzer (Bad Oldesloe), Andreas Rautenberg (Ahrensburg) und Jürgen Selonke (Reinbek), kurze Abschnitte aus selbstgewählten Büchern vorgelesen hatten, vorteilte OJR-Vorsitzende Iwohn die Urkunden und Prämien an die Teilnehmer des Schaufensterwettbewerbs und je ein Foto. Besondere Freude herrschte bei der Stadtschule. Sie hatte nicht mit dem ersten Preis gerechnet. Um so stolzer nahmen zwei Angehörige der beteiligten Klasse die Bücher entgegen, die ihnen als Preis für ihre Schulbücherei zufiel und die sie selbst hatten aussuchen dürfen. Der Ortsjugendring hatte 50 Mark hierfür zur Verfügung gestellt. Hinzu kam je eine Buchspende des Kreisjugendamtes und des Buchhandels. Auch die drei anderen Teilnehmer: Theodor-Mommsen-Gymnasium, Mittelschule und Klaus-Groth-Schule, wurden mit Büchern, Urkunde und Schaufensterfoto belohnt.

Mit Werken von Haydn und Mozart umrahmte das Stormarner Kammerorchester unter Leitung von Peter Schmidt die gelungene Feier, in deren Mittelpunkt das gute Jugendbuch stand.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.11.1961

 

Mittwoch, 15. November 1961

Schüler sammeln für die Kriegsgräberfürsorge

st. – In dieser Woche vor den beiden Totengedenktagen sind die Sammler des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge – in der Kreisstadt die Schulkinder – unterwegs, um Spenden für die Arbeit des Volksbundes zusammenzutragen. Er ist in 53 Ländern der Erde in allen fünf Erdteilen bemüht, toten deutschen Soldaten eine würdige letzte Ruhestätte zu geben. Ihre Grabkreuze sollen die Welt zum Frieden mahnen. Darum rechnet der Volksbund auf die bereitwillige Unterstützung seiner Arbeit. Wer im Ausland gesehen hat, wie andere Völker ihre Soldaten Friedhöfe ausbauen und pflegen, der weiß, was wir Deutschen noch nachzuholen haben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.11.1961

 

Mittwoch, 15. November 1961

Leibeserziehung als Unterrichtsthema

n. – Die Leiter der Junglehrer-Arbeitsgemeinschaft haben auf Anregung von Schulrat Lüth neben der pädagogisch-fachlichen Weiterbildung der Junglehrer nun auch die Leibeserziehung in ihren Arbeitsplan aufgenommen. Schulrat Lüth leitete in der vorigen Woche eine Sporttagung in der Mittelschule Bad Oldesloe. Gestern fand die Arbeitstagung der Junglehrer aus Nordstormarn unter der Leitung von Meyer-Jungelaussen in der Turnhalle der Mittelschule statt. Für die Themenbehandlung „Leibeserziehung in der Volksschule unter einfachen Verhältnissen“ sowie für den praktischen Unterricht hatte sich Kreissportlehrer Nowak zur Verfügung gestellt. Hinweise für das Mädchen Turnen gab die Kreisvertreterin Cors. Fragen des Unterrichts, der Organisation, Ausstattung, Aufsichtspflicht und Literatur waren weitere Diskussionspunkte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.11.1961

 

Mittwoch, 15. November 1961

Heizungspanne in der Mittelschule

n. – Als im Neubau der Mittelschule am 30. Oktober mit dem Heizen begonnen wurde, platzte einer der Doppelkessel. Damit war die Heizungsanlage stillgelegt. Vier Tage fiel der Unterricht im Wechsel für die Ober- und die Unterstufe aus. In dem bereits im Vorjahr reparierten Kessel mußte ein Schieber eingebaut werden, um die Heizung wenigstens mit halber Kraft arbeiten zu lassen und den Unterricht fortführen zu können. Nach dem letzten Schulausfall am 11. und 13. November ist in Kürze die Beendigung der Kesselreparatur und somit ein wohlgeordneter Unterricht zu erwarten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.11.1961

 

Sonnabend, 18. November 1961

Amerikaner hält die Festrede

st. – Auf der Theodor Mommsen Feier unserer Oberschule am 2. Dezember wird der gegenwärtig als Gastlehrer dort tätige Amerikaner Robert Gericke die Festrede halten. Sein Thema lautet: „Lincolns Wirken für die politische Einheit der USA – Vorbild für Europa?“

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.11.1961

 

Sonntag, 19. November 1961

Oberstudienrat Schlegel 40 Jahre Pädagoge

st. – Oberstudienrat Georg Schlegel von der Theodor-Mommsen-Schule beging sein 40jahriges Dienstjubiläum. Er begann seine berufliche Laufbahn in Leipzig, wo er an drei verschiedenen Schulen, zuletzt an der berühmten Thomasschule, tätig war. Während des zweiten Weltkrieges stand er als Flakoffizier an der Front. Noch in der Kriegsgefangenschaft nahm er seine Lehrtätigkeit wieder auf und unterrichtete an der Oberschule für ehemalige Soldaten in Büsum. 1947 trat er dann in den Lehrkörper der Theodor-Mommsen-Schule ein und wurde 1956 in Würdigung seiner pädagogischen Leistungen und organisatorischen Fähigkeiten zum Oberstudienrat befördert und zum stellvertretenden Direktor ernannt.

Am Sonnabend wurde der Jubilar in einer Feierstunde geehrt, an der außer dem gesamten Kollegium Bürgermeister Barth, Vertreter der Elternschaft und eine Abordnung der Schülerschaft teilnahmen. Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann überreichte dem Jubilar die Urkunde des Ministerpräsidenten, bedankte sich bei seinem Stellvertreter für die verständnisvolle Unterstützung bei der Leitung und Verwaltung der Schule und brachte die Verbundenheit des Jubilars mit dem Kollegium durch Überreichung eines Geschenkes zum Ausdruck. Sodann dankte Bürgermeister Barth dem Jubilar für die aufopferungsvolle Arbeit zum Wohle der Oldesloer Jugend und erfreute ihn mit der Ehrenvase der Stadt. Die Eltern ließen durch den Vorsitzenden des Elternbeirats, Dipl.-Ingenieur Pawelzik, ebenfalls ein Ehrengeschenk überreichen.

Zum Abschluß der Feier gratulierte eine Primanerin mit einem großen Blumenstrauß als Zeichen für die große Achtung und Verehrung, die die Schülerschaft dem Jubilar entgegenbringt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.11.1961

 

Sonntag, 19. November 1961

Theodor-Mommsen-Schüler musizierten

Kl. – Das Schülerkonzert zum Tag der deutschen Hausmusik gehört zum festen Programm in der Veranstaltungsreihe der Theodor-Mommsen-Schule. Offensichtlich wird die geleistete Arbeit von dem Vertrauen der Elternschaft und der Freunde der Schule getragen, das solche Arbeit auch mittragen muß: Die Aula des Gymnasiums war bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Zielsetzung der Schüler Konzerte ist bekannt: Man will zu eigenem Singen und Musizieren wie zu aktivem Hören anregen, das Verständnis für die rechte Aufführungsart jeglicher Musik fördern und pflegen. Niemand wird bestreiten, daß die Anregung zu eigener musikalischer Betätigung heute wichtiger und wünschenswerter ist denn je.

Das Schulorchester unter Leitung von Studienrat Fritz Alshuth gab den festlichen Auftakt mit einer Sinfonia von Georg Friedrich Händel. Zwei weitere Orchesterstücke, die Sinfonie in G-Dur von Gluck und die Ouvertüre und Sinfonia aus „Xerxes“ von Händel, bildeten den Rahmen für eine Fülle von Einzelleistungen der Schüler. Es ist eine Freude, den jungen Musikanten zuzuhören, auch zuzusehen, und man nimmt kleine musikalische Unzulänglichkeiten gern in Kauf.

Unter den solistisch hervortretenden Schülern bereitete Helmut Riedell – begleitet von Studienrat Alshuth – mit der Sonate D-Dur Nr. 1, 1. Satz, von Beethoven einen besonderen Genuß. Das war ein geradezu vorbildliches Spiel. Was dem jungen Geiger heute vielleicht an Tonfülle noch fehlt, das wird durch die Wärme und Genauigkeit seines Spiels vollkommen ausgeglichen. Mit Erwartungen sehen wir hier einen guten Musiker heranreifen.

Drei sehr schöne Leistungen am Klavier boten Wolf Leichsenring in Mozarts D-Moll-Fantasie, Barbara Kiesler in dem Moment musical F-Moll von Schubert und Klaus-Peter Schmidt-Kufeke in der A-Moll-Mazurka von Chopin. In einer barocken Sonata von Erlebach zeichneten sich aus Helmut Riedell (Violine), Ulrike Alshuth (Viola) und Ingrid Folkens (Cembalo), hier wie in den Orchesterstücken eine sichere, zuverlässige Stütze. Christian Roes spielte zwei Sätze aus dem A-Dur-Konzert von Leonardo Leo, technisch mit guten Ansätzen.

Erfreulicherweise trat diesmal auch der Liedgesang hervor. Ungezwungen, schlicht, ganz im Sinne echter Hausmusik, hörten wir Birgit Hormann (Bach, „Willst du dein Herz mir schenken“), Heidrun Baus, Ulrike Alshuth, Karen Rodeck und Jochen Schülke in vier prächtigen Schumann-Liedern und Bernd Gottschalk in einem Lederstrauß von Liszt, all das mit einem anerkennenswerten Können und schönem Wohlklang.

Herzlicher Beifall war der Dank für den genußreichen Abend.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.11.1961

 

Freitag, 1. Dezember 1961

Gymnasium führte „Messias“ auf

Kl. – Im Gegensatz zu einem Bach‘schen Oratorium, das sich durch eine sich entwickelnde dramatische Handlung auszeichnet, sind es rein gedankliche und stimmungshafte Elemente die Händels „Messias“, seinem volkstümlichen Oratorium. das Gepräge geben. Allein durch die Macht der christlichen Idee wird es zusammengehalten. Händel soll nach der Niederschrift des „Halleluja ausgerufen haben „Ich glaubte den Himmel offen und den Schöpfer aller Dinge selbst zu sehen.“ Darin ist wohl auch jener Zug ausgedrückt, der den Hörer beim Erlebnis des „Messias“ unwiderstehlich mitreißt.

Das Werk fordert einen bestimmten musikalischen und technischen Standard. Das Ergebnis der Wiedergabe befriedigte. Solche Schulaufführung wird vom Geist bestimmt, erst in zweiter Linie von der musikalischen Leistung. Hier gilt es, der heranwachsenden Schülergeneration die unmittelbare Begegnung mit den musikalischen Großwerken zu verschaffen, sie darüber hinaus mit dem gesamten Kunst- und Geistesleben vertraut zu machen. Die Auseinandersetzung mit den großen Schätzen der künstlerischen Tradition ist fruchtbringend, und das bleibt im Streit der Meinungen über das Für und Wider einer Oratoriumsaufführung in Schulen ein Positivum.

Daß die Aufführung gelang, war das Verdienst den Chores. Womit er uns immer erfreut, ist seine Einsatzfreudigkeit und Frische. Die Einsätze sind pünktlich, de Intonation ist klar, die rhythmische Genauigkeit läßt nichts zu wünschen übrig. Seine Vorzüge sind ein natürliches, elementares Musizieren. Auch bei größter Kraftentfaltung spürt man kaum Scharfen. Den Tenören und Bässen wünschte man neben zahlenmäßiger Verstärkung eine makellosem Abrundung von Stil und Klang. Im ganzen ein lebendiges, zuchtvolles, innerlich erfülltes Singen.

Ebenbürtig fügten sich die Leistungen der Solisten ein. Ingeborg Stumpfs schöner Sopran hat Wärme und Innigkeit. Selbst die funkelnden Spitzentöne haben Glanz. Der Liedgesang ist ihre Stärke, darum konnte die Arie „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“ auch so wohl gelingen. Elisabeth Thomsen (Alt) zeigte in der Verwendung aller vokalen Gegebenheiten Musikalität sind Ausdruckskraft, besonders deutlich in der Arie „Er weidet seine Herde“, die sie sich mit Ingeborg Stumpf teilte. In der Tiefe blieb die Resonanz matt – das ist eine Feststellung, kein Urteil, Günther Pods (Tenor) gab durch die Genauigkeit seiner Intonation dem Oratorienstil die charakteristische Prägnanz: klar, ohne Pathos, beseelt, doch ohne Sentimentalität. Rudolf Aue sang mit sympathischer Würde. Sein Baß wächst zu großer stimmlichen Entfaltung und erschließt damit die Eindringlichkeit des biblischen Textes.

Das Orchester, zusammengesetzt aus Oldesloer, Lübecker und Hamburger Instrumentalisten, erwies sich als schwächstes Glied In der Kette. Weder klanglich noch spieltechnisch auf der Höhe, war das Zusammenspiel nicht sauber und akkurat. Der Zusammenhalt geriet teilweise in Gefahr, so daß beispielsweise das Fundament der Rezitation nicht das Orchester, sondern Hildegard Nöltings sicheres Cembalo blieb.

Studienrat Fritz Alshuth leitete die schwierige Aufführung mit gespanntester Aufmerksamkeit. Am hervorstechendsten waren der Ernst und die Verantwortung, mit denen er seinen erzieherischen und künstlerischen Auftrag erfüllte. Blumen für ihn und die Solisten und reicher Beifall waren echter Ausdruck des Dankes: Die Zuhörer waren zu nachdenklichem Mitgehen aufgefordert, und das war das bestimmende Merkmal der Aufführung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.12.1961

 

Sonnabend, 2. Dezember 1961

Gymnasium feierte im Geiste Mommsens

Gastlehrer aus Amerika wies auf die Notwendigkeit der Geschichtskenntnis hin

st. – Im Mittelpunkt der Theodor-Mommsen-Feier in der voll besetzten Aula des Gymnasiums standen der Vortrag des amerikanischen Lehrers Dr. Robert Gericke über Lincolns Woirken und die Verteilung der Theodor-Mommsen-Buchprämie an drei Oberprimaner Ingrid Folkens (Bad Oldesloe), Gustav Roden (Poggensee) und Gisela Johannsen-Ling (Tangstedt).

Oberstudiendirektor Dr. Tiedemann knüpfte in seinem Willkommengruß an Bürgerworthalter Rosch, Bürgermeister Barth, den Vorsitzenden des Schul- und Kulturausschusses Schömer und weitere Stadtverordnete humorvoll an das zuvor vom Schulchor gesungene Lied „Mit Freuden tretet in das Haus, das uns der Meister hat gebaut“ an. „Ich möchte an die Stelle des Wortes Meister das Wort Stadt setzen. Sie hat dies Haus gebaut. Wir hoffen, daß sie 1962 weiter daran bauen wird.“ Die Angesprochenen lachten. Erneutes Lachen, als Dr. Tiedemann Landrat Dr. Haarmann mit dem deutlichen Hinweis begrüßte, daß die Schule 40 Prozent auswärtige Kinder unterrichtet und somit auch eine Kreisaufgabe erfülle.

In seiner weiteren Begrüßungsworte schloß der Direktor die Pastoren, Schulrat Lüth, die Leiter der anderen Oldesloer Schulen und den Leiter des Kern’schen Institutes in Blumendorf, ehemalige Lehrer, unter ihnen als ältesten Oberstudienrat Dr. Ursinus und als jüngsten Oberstudiendirektor Staberock, den Vesdoro-Vorsitzenden Meyer und die Eltern, im besonderen den Vorsitzenden des Elternbeirates Dipl.-Ingenieur Pawelzik ein.

Mit dem Hinweis, daß den zur Zeit in Bad Oldesloe unterrichtenden Lehrer Dr. Gericke die gleiche Liebe zur Geschichte beseele wie einst Theodor Mommsen, überließ Dr. Tiedemann dem Gast aus Amerika das Rednerpult. Dessen Thema: „Lincolns Wirken für die politische Einheit der USA – Vorbild für Europa?“

Wie Dr. Gericke einleitend in gut verständlichem Deutsch betonte, werde diese Welt durch den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt immer kleiner. „Mehr und mehr müssen wir lernen, miteinander zu leben.“ Zur Förderung dieses notwendigen Miteinanderlebens empfahl der Vortragende die Kenntnis der Geschichte, und zwar eine umfassende Kenntnis.

Heute herrsche in Europa Uneinigkeit, obschon es scheine, daß viele die Vereinigung wünschen. 1861 hätten die USA vor der großen Probe gestanden, ob es ihnen gelingen werde, ihren Staatenbund vor dem Auseinanderfallen zu bewahren. Daß sie die Probe bestanden, sei das Verdienst des Präsidenten Lincoln gewesen. In viereinhalbjährigem Bürgerkrieg zwischen den abtrünnigen Südstaaten und dem Norden des Landes habe er strenge Gewalt milde ausgeübt. Ihm sei es darauf angekommen, die demokratische Verfassung seines Landes, die damals in der übrigen Welt als ein Experiment angesehen worden sei, gegen den Versuch des Sturzes zu behaupten. Die Rassenfrage sei von zweitrangiger Bedeutung gewesen.

Dr. Gericke nannte einige Grundsätze Lincolns, unter anderem (dem Sinne nach): Die Menschen müssen lernen, daß sie das, was sie durch den Stimmzettel nicht erreichen können, auch durch Krieg nicht erreichen. Eine Herrschaft durch das Volk kann nicht besser sein als das Volk selbst. Also: die ideale Demokratie kann niemals verwirklicht werden, aber die Kraft der Menschen, danach zu streben muß gestärkt werden. Mit Fairneß und Großmut vermögen sich die Menschen letztlich am besten zu dienen. Den Versuch des Abfalls der Südstaaten faßte Lincoln als eine Herausforderung an die Demokratie auf. Er nahm sie an.

Des Sieges konnte er sich nur kurz erfreuen, denn fünf Tage nach der Kapitulation des Südens setzte der Pistolenschuß eines Attentäters seinem Leben ein Ende.

Starker Beifall dankte doch Dr. Gericke für seinen beziehungsvollen Rückblick auf einen wichtigen Abschnitt amerikanischer Geschichte.

Bei der anschließenden Prämienverteilung betonte Dr. Tiedemann, daß Ernst Wolf Mommsen, ein Enkel des großen Gelehrten, seine Buchspenden nicht persönlich den drei Oberprimanern überreichen konnte. Er weilt gegenwärtig als Präsident der Deutschen Industrieausstellung im Sudan.

Außerdem erhielten Sigrid Volkmann, Heiko Schlotfeldt und Christian Schwarck, Sieger eines Quizabends des Kuratoriums Unteilbares Deutschland und der Volkshochschule im April dieses Jahres, je eine von Minister Dr. Lewerenz unterschriebene Siegerurkunde.

Mit dem frisch gesungenen Lied „Zuvor so laßt uns grüßen“, klang die schöne Feier aus. Zur musikalischen Umrahmung hatte außer dem Chor auch das Schulorchester unter Leitung von Studienrat Alshuth beigetragen. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.12.1961

 

Dienstag, 5. Dezember 1961

Sammelerfolg der Mittelschüler

st. – Schüler der 10b der Mittelschule stellten sich freudig in den Dienst der Sammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Im Stadtgebiet Bad Oldesloe und in den Randgemeinden Blumendorf, Fresenburg, Poggensee, Wolkenwehe und Seefeld betrug das Sammelergebnis 1764,92 DM; es lag damit weit höher als in den Vorjahren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.12.1961

 

Mittwoch, 13. Dezember 1961

Vor dem NDR-Mikrophon

st. – Der Norddeutsche Rundfunk war mit seinem Aufnahmewagen in der Kreisstadt. Vor dem Mikrophon unterhielt sich Reporter Ernst A. Stolte mit Kreisjugendpfleger Bendrien und Mittelschullehrer Hafemann über den neuen Jugendkulturring Stormarn und die Theaterfahrten. In einer zweiten Aufnahme für eine Sendung „Eine Stunde für Einsame“ sprach Kreisjugendpfleger Bendrien über diese gemeinsame Aktion von Kreisjugendring und Kreisjugendamt. Die beiden Reportagen werden morgen in den Sendungen „Umschau am Abend“ (UKW-Nord und „Von Binnenland und Waterkant“ (Mittelwelle) zu hören sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.12.1961

 

Sonnabend, 16. Dezember 1961

Vesdoro-Vorstand wiedergewählt

st. – Auf der Generalversammlung im „Deutschen Haus“ wurde der Vorstand des Vereins ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe mit Hans Werner Meyer als 1. Vorsitzenden, Willi Wigger als 2. Vorsitzenden, Herbert Schüthe als Schriftführer und Paul Möller als Kassenführer wiedergewählt. Wie Vorsitzender Meyer in seinem Jahresrückblick berichtete, hat der Vesdoro zehn neue Mitglieder gewonnen. Aufschlußreich waren Leseproben aus dem umfangreichen Schriftwechsel des Vereins, so dem mit Ehrenmitglied Wilhelm Schoer (Hamburg) anläßlich seines 75. Geburtstages. Die Versammlung beschloß, das traditionelle Grünkohlessen am 20. Januar zu veranstalten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.12.1961

 

Montag, 18. Dezember 1961

Schulkinder neurotisch gestört

n. – Vor dem Kollegium der Mittelschule hielt Frau Dr. Hirschmann-Günzel ein Referat über Phasen der Jugendentwicklung und neurotische Störungen. Sie wies darauf hin, daß sich heute über das Grundschulalter hinaus mit dem Fortschritt der psychologischen Reifung eine unterschiedlich starke Änderung im psychologischen Leben vollziehe und die augenblicklichen Umweltbedingungen dem Kind den Weg zur Lebensform der Erwachsenen erschwerten. Wenn heute 30 bis 60 Prozent der Kinder neurotisch gestört seien, würde dieser Zustand die Schularbeit des Pädagogen schwieriger gestalten. In der Diskussion stellte man fest, daß mit dem Erkennen typischer Symptome der Neurotik und dem engeren Kontakt mit dem Elternhaus die Einrichtung staatlicher Stellen notwendig sei, um den Kindern zu helfen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.12.1961

 

Mittwoch, 20. Dezember 1961

Abschiedsstunde für verdienten Lehrer

n. – Nach einem Flötenquintett leitete „Stilles Reifen“ von Christian Morgenstern zu der Verabschiedung des Lehrers Dr. Hirschmann-Günzel über, der fast 15 Jahre an der Königin-Luise-Schule tätig war. Schulrat Lüth würdigte die Verdienste dieses Pädagogen, der sich allgemeiner Beliebtheit bei Schülern und Lehrern erfreute, weil er die heute so selten gewordene Fähigkeit des Zuhörens und des Verstehens hatte und im Schulleben mit einem Scherzwort oder Verslein die richtige Wertordnung herzustellen wußte.

Bürgermeister Barth dankte im Namen der Stadt. Er überreichte dem Scheidenden den Ehrenkrug mit dem Wappen der Stadt, und dessen Gattin einen Chrysanthemenstrauß.

Darauf sprach Rektor Hiller seinen Dank aus für die aufopfernde Arbeit in der Schule, insbesondere für die Liebe, Güte und väterliche Einstellung, mit der er aus der Tiefe seines Wesens und seiner Lebenserfahrung jungen Menschen Rat schenkte. Als Erinnerungsgabe überreichte er einen Künstlerband „Unteilbares Sein“ von Franz Marc.

Eine besondere Überraschung bedeutete die auf Tonband aufgenommene Würdigung der Persönlichkeit Dr. Hirschmann-Günzels durch seinen Jugend- und Studienfreund Schulrat Schulze aus Wilhelmshaven.

Für den VDM verlas Mittelschullehrer Bahnsen ein Schreiben des Vorsitzenden Thomsen aus Flensburg, der darin für treue Mitarbeit im Mittelschullehrerverband dankt.

Dr. Hirschmann-Günzel wurde am 22. Oktober 1895 in Schlesien geboren, besuchte die Lehrerbildungsanstalt, wurde als Freiwilliger 1919 verwundet, war als Volksschullehrer und später als Hilfsschullehrer in Küstrin tätig, studierte dann in Berlin und promovierte 1930. Seit 1936 unterrichtete er in einer Heeresfachschule, kam als Major der Reserve in amerikanische Gefangenschaft und fand seine Frau in Reinfeld wieder, die ihren Fluchtweg von Berlin zu Fuß zurückgelegt hatte Nach kurzer Hilfsarbeitertätigkeit trat er 1947 in den Schuldienst.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.12.1961

 

Donnerstag, 21. Dezember 1961

Zum Oberstudienrat ernannt

st. – Dr. Günther Marquardt vom Theodor-Mommsen-Gymnasium wurde vom Ministerpräsidenten auf Vorschlag des Kultusministers zum Oberstudienrat ernannt. Er wird demnächst an die Dahlmann-Oberschule in Bad Segeberg versetzt werden. Die Theodor-Mommsen-Schule hofft, ihn nicht vor Ostern, zumindest nicht vor Beendigung des Abiturs zu verlieren.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.12.1961

 

Sonnabend, 23. Dezember 1961

Jeder zweite Abiturient studiert

lno. – Eine deutliche Abkehr von den nichtakademischen Berufen zeigt sich bei der Berufswahl der schleswig-holsteinischen Abiturienten in den vergangenen zehn Jahren.

Jetzt studiert jeder zweite Abiturient. Vor zehn Jahren aber immatrikulierte sich nur jeder dritte Abiturient (30,9 Prozent). Wie das Kultusministerium mitteilte, spürten den verstärkten Andrang zum Studium vor allem die Universitäten, aber in der letzten Zeit auch die pädagogischen Berufe. 1952 entschloß sich nur jeder zehnte Abiturient, eine Pädagogische Hochschule zu besuchen, um Lehrer zu werden. ln diesem Jahr schon jeder sechste. Dagegen zeigte sich bei der Immatrikulationen auf den Technischen Hochschulen sogar ein geringfügiger Rückgang. 1952 gingen 15,2 Prozent der schleswig-holsteinischen Abiturienten einer Technischen Hochschule, während es in diesem Jahr nur 13,6 Prozent waren.

Über die Verlagerung der Berufswünsche unter den höheren Schülern, die sich nach Schulabschluß für einen nichtakademischen Beruf entschließen, gibt es keine eindeutigen Feststellungen. Die Angaben, die die Oberprimaner für ihre beabsichtigte Berufswahl machen, können nicht durchweg als stichhaltig gelten, weil erfahrungsgemäß erst nach dem Verlassen der Schule ein anderer Beruf gewählt wird, als vorher beabsichtigt war.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.12.1961

 

Mittwoch, 27. Dezember 1961

Schule und Sport haben das gleiche Ziel

Zusammenarbeit sollte noch viel enger werden – Teil des „Zweiten Weges“

K.M. – Es führt kein Weg an der Tatsache vorbei, daß Hunderttausende von Schulkindern, angefangen bei den ABC-Schützen bis zu den Abiturienten, das Gros der Berufsschüler nicht ausgenommen, nur in einem höchst unzureichenden Maße mit den Leibesübungen im weitesten Sinne in Berührung kommen. Das liegt keineswegs nur an den fehlenden Sportlehrern und Turnhallen, sondern auch an der recht selten geübten Zusammenarbeit zwischen Schule und Sport. Die wenigen positiven Beispiele, die sich aufführen lassen, beschränken sich im wesentlichen auf höhere Schulen, in denen es gute Arbeitsgemeinschaften für die Sportarten Rudern, Leichtathletik, Handball oder Basketball gibt, die wiederum oft das Reservoir einzelner Vereine bilden.

Eine solche Zusammenarbeit ist aber ein Teil des „Zweiten Weges“und nicht der unwichtigste, denn ältere Menschen lassen sich normalerweise kaum noch für den aktiven Sport gewinnen. Das muß in der Jugend erfolgen, und wer als junger Mensch wirklich den Wert vernünftig betriebener Leibesübungen kennen gelernt hat, der schätzt auch im fortgeschrittenen Alter noch den Sport als Mittel zur Erholung und Entspannung.

Wie aber sieht es heute in der Praxis aus? Mit Mühe und Not werden in einer steigenden Zahl von Schulen wöchentlich zwei Turn- oder Sportstunden abgehalten. In vielen Schulen – auf dem Lande wie in der Stadt – sind diese zwei Turnstunden nach wie vor ein kühner Traum. Es gibt auch hin und wieder Schulen, in denen sogar drei und mehr Turnstunden pro Woche auf dem Stundenplan stehen.

Das größte Problem aber stellen nach wie vor die Berufsschulen dar, in denen kaum Sportunterricht vorgesehen ist. Es gibt zwar inzwischen auch hier einige positive Ansätze. Haben aber nicht gerade junge Menschen, die mit 15 oder 16 Jahren schon voll und ganz von einer modernen Industriegesellschaft erfaßt worden sind, die Leibesübungen als Ausgleich für die Anforderungen im Büro oder Werkstatt besonders nötig? Gerade unter den jungen Menschen, die schon im Berufsleben stehen, die in der Lehre sind, ist der Prozentsatz wirklich Sporttreibender erheblich niedriger als unter Schülern. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß die Reifeprüfung oder auch der Abgang von der Mittelschule bei vielen Jugendlichen gleichbedeutend mit dem Ende ihrer sportlichen Laufbahn ist. Viele Vereine können davon ein Lied singen; Jahr für Jahr haben sie hervorragende Nachwuchs, doch kaum sind diese Jungen und Mädchen „flügge“ geworden, haben sie eine Lehre aufgenommen oder mit dem Studium begonnen, kann der Verein nicht mehr auf sie rechnen. Nur relativ wenige bleiben dem Sport erhalten und nicht immer sind es die besten Talente, die dem Sport treu bleiben.

Hier aber liegt für die Vereine noch ein weites Feld. Doch es muß früh bestellt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Sport darf nicht erst dann beginnen, wenn es darum geht, beim Schuldirektor um Extraurlaub für einen Spitzensportler zu bitten. Viel früher müssen – im Interesse des Sports und als eine Ausdrucksform des „Zweiten Weges“ – Schule und Sport mit ihrer Zusammenarbeit beginnen. …

Kluge Vereinsführer sind längst dazu übergegangen, schulsportliche Arbeitsgemeinschaften uneigennützig zu unterstützen. Den Nutzen haben am Ende beide Teile, Sport und Schule. Nur, sie sollten nicht die Berufsschulen vergessen, auch wenn sie wegen der meist fehlenden Übungsstätten hier besondere Hindernisse auftürmen. Doch die Mühe lohnt sich am Ende immer. Hier ist ein riesiges Reservoir für den Sport im weitesten Sinne vorhanden. Es kommt nur darauf an, es richtig zu nutzen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.12.1961

 

Donnerstag, 28. Dezember 1961

Höhere Gastschulbeiträge

st. – Das Land hat die Erstattungssätze für Gastschüler erhöht, und zwar je Mittelschüler um 30 Mark auf 160 Mark jährlich und die Oberschüler um 40 Mark auf 200 Mark jährlich. Dadurch erhöhten sich in diesem Jahr die der Stadt als Schulträger zufließenden Gastschulbeiträge bei der Mittelschule auf 31.680 Mark und bei der Oberschule auf 26.460 Mark.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.12.1961

 

Freitag, 29. Dezember 1961

Studienrat i.R. Dr. phil. Hans Kahl im Alter von 72 Jahren gestorben.

 

Sonnabend, 30. Dezember 1961

Dr. phil. Hans Kahl gestorben

st. – Im Alter von 72 Jahren starb gestern Studienrat i.R. Dr. Hans Kahl.

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Er entstammte einer alten schleswig-holsteinischen Bauernfamilie, deren Stammbaum mütterlicherseits bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Er studierte in München, Berlin und Kiel, u.a. unter Professor Max Planck und Professor Röntgen. Im gleichen Jahr, in dem er sein Doktorexamen in Physik ablegte, nämlich 1915, löste er In einer wissenschaftlichen Arbeit das Problem des luftelektrischen Potentialgefälles als Funktion der Höhe. Diese Arbeit wurde zuerst von dem Carnegie-Institut Washington als Grundlage für den Bau von Rundfunkstationen in Amerika und später auch in Deutschland verwandt. 1921 legte Dr. Kahl die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Nachdem er in Flensburg und Plön unterrichtet hatte, wurde er Ostern 1924 an die Oberrealschule in Bad Oldesloe versetzt.

Er war Gründer und Vorsitzender des Radiobastelklubs Bad Oldesloe von 1925 und hat sich mit seinen Schülern die ersten Radiogeräte in der Kreisstadt gebastelt. Im Kriege erhielt er den Auftrag zur Beseitigung von Kampfstoffen. 1943 hat er mit seinen Entgiftungstrupps 559 Phosphorbrandbomben im Kreise Stormarn unschädlich gemacht. Die Tätigkeit Im Luftschutz trug ihm jahrelange Entfernung aus dem Schuldienst ein, in den er erst 1948 zurückkehrte. Er wirkte dann bis zum 30. März 1955 an der Theodor-Mommsen-Schule als ein bei seinen Schülern wegen seiner humorvollen Unterrichtsweise sehr beliebter Lehrer.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.12.1961

 

Sonnabend, 30. Dezember 1961

Vortrag über Schul- und Bildungsmöglichkeiten

st. – Auf einem Ausspracheabend des DGB am kommenden Mittwoch im Hotel „Stadt Kiel“ wird Schulrat Heinrich Lüth über das Thema sprechen „Was muß ich von der weiterführenden Schule (zweiter Bildungsweg) wissen, um für mein Kind die Schul- und Bildungsmöglichkeiten am besten nutzen zu können?“' An dem Ausspracheabend nimmt auch ein Berufsberater des Arbeitsamtes teil.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.12.1961

 

Bis zum Jahr 1970