Schuljahr 1964 - 65  ZeitraumOktober - Dezember

 

Sonnabend, 3. Oktober 1964

Der dritte Stormarner Tokio-Fahrer

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Mittelschullehrer Heinz Timmermann besucht als dritter Stormarner (neben Günter Maletzko und Jörn Manz) die Olympischen Spiele in Tokio. Er ist heute vormittag von München abgeflogen. Morgen gegen 15 Uhr hiesiger Zeit (21 Uhr dortiger Zeit) wird er Bangkok erreichen. Dort bleibt er bis zum Montag. Am darauffolgenden Tag gegen 9 Uhr (17 Uhr) trifft er in Tokio ein und wird dort von seinem japanischen Freund Professor Hayakawa empfangen, der ihn eingeladen hat. Professor Hayakawa war schon mehrfach in Bad Oldesloe, zuletzt in diesem Sommer. Er hat bereits Eintrittskarten für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am 10. Oktober besorgt. Außer den Spielen will Lehrer Timmermann Schulen und Universitäten besuchen und das Land bereisen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.10.1964

 

Sonnabend, 10. Oktober 1964

82 Kinder lesen plattdeutsch vor

Schulkinder aus vier Kreisen in Bad Oldesloe

82 Schulkinder aus den Kreisen Stormarn, Segeberg, Eutin und Lauenburg haben beim Schoolmeisterkrink ihre Teilnahme an dem Wettbewerb im Plattdeutschlesen angemeldet. Sie werden sich am 28. Oktober in der Königin-Luise-Schule in Bad Oldesloe treffen.

Ihrem Aller entsprechend werden sie in vier Gruppen (Zehn-, Elfjährige, Zwölfjährige, 13 bis 14jährige und 15 bis 16jährige) aufgeteilt. In der Vorentscheidung werden die drei besten jeder Gruppe ermittelt. Der Jury bleibt unbekannt, welche Art von Schule die Kinder besuchen. In einer anschließenden Feierstunde in der Aula wird der oder die Distriktbeste aus dem Kreis der zwölf Gruppenbesten ermittelt. Jedes Kind erhält einen Preis.

Der Lesewettbewerb steht unter dem Motto „Plattdüütsch leevt!“ Dieses Motto gilt auch für eine Reihe anderer Veranstaltungen in Schleswig-Holstein in diesem und im nächsten Monat. So findet am 11. Oktober in Rendsburg eine Feier statt, die Oldesloer Schüler und Schülerinnen gestalten. Hierfür hat das Motto noch einen Zusatz erhalten, Es lautet „Plattdüütsch leevt – ok bi de Kinner!“ Weitere Einladungen an die Oldesloer liegen aus Kiel und Itzehoe vor.

Im vorigen Jahr hatten sich zu dem Lesewettbewerb, der während der Stormarner Heimat- und Kulturtage stattfand, 43 Kinder gemeldet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.10.1964

 

Sonntag, 11. Oktober 1964

„Bildung entscheidet über unser Schicksal“

Kultusminister von Heydebreck sprach bei der Eröffnung des VHS-Herbstsemesters

Die Volkshochschule der Kreisstadt steht nunmehr im 14. Jahr ihrer Arbeit. Der Leiter der Volkshochschule, Artur Pusewey, begrüßte im Festsaal der Kreisberufsschule zahlreiche Bürger und Ehrengäste, die der feierlichen Eröffnung des Herbstsemesters 1961 beiwohnten.

Artur Pusewey erwähnte insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Ring Politischer Jugend. Dieser Kontakt zur jungen Generation sei wertvoll. Der VHS-Leiter verschwieg dann nicht die Schwierigketen, die sich im Mangel an geeigneten Dozenten und Mitarbeitern sowie an Räumen zeigten. Die derzeitige Arbeit werde in sieben verschiedenen Gebäuden geleistet; da sei der Wunsch nach eigenen Räumen verständlich.

Die Festrede hielt der Kultusminister von Schleswig-Holstein, Claus-Joachim von Heydebreck, der sich damit in dieser Eigenschaft in Bad Oldesloe vorstellte. Sein Thema lautete: „Aktuelle Fragen der Kulturpolitik“.

An den Beginn seiner Ausführungen stellte der Kultusminister die These, daß die Kultur- und Bildungspolitik zu einem zentralen Bereich unseres politischen Tuns geworden sei. Die Bildungspolitik von heute entscheide über das Wirtschaftspotential von morgen und damit über unsere Zukunft überhaupt. Wichtig sei in diesem Zusammenhang die Dörfergemeinschaftsschule.

Der Minister setzte sich dann mit der Frage des Schulbeginns auseinander. Soll er im Herbst oder zu Ostern liegen? In Westeuropa sei die Osterregelung nur noch in der Bundesrepublik, Lichtenstein und einigen Schweizer Kantonen In Kraft. Der Minister plädierte für die Herbst-Lösung; wir sollten uns dem „europäischen Schuljahr“ anschließen, um zum Beispiel Schwierigkeiten beim Lehrer- und Schüleraustausch zu vermeiden. Auch medizinische und psychologische Gründe sprächen für Schulbeginn im Herbst: In den Monaten September bis Januar sei die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit der Schüler am größten.

Dann behandelte der Minister die Fremdsprachen in ihrer wachsenden Bedeutung. Schleswig-Holstein sei in der Pflege dieses Zweiges der Ausbildung für alle Bundesländer beispielgebend. Er sprach sich gegen einen Abbau des fremdsprachlichen Unterrichts aus.

Die Zahl der Absolventen weiterführender Schulen müsse erhöht werden. In diesem Zusammenhang warnte von Heydebreck, den Schlagworten „Bildungskatastrophe“ und „Bildungsnotstand“ ohne weiteres Glauben zu schenken. Die Bildungsstatistiken, die Beziehungen zu den Verhältnissen in anderen Ländern herstellen, seien oft von fragwürdigem Wert. Hinderungsgründe für höhere Bildung lägen nicht nur in den Bildungsinstitutionen, sondern auch in einer weit verbreiteten „Bildungsscheu“. Vollbeschäftigung und hohe Einkommen ließen oftmals Bildung und Ausbildung als unnötig erscheinen, der „Hang zum Job“ überwiege. Der Minister hält einen in Kiel stattfindenden Versuch, Mittelschüler für die Oberschule zu gewinnen, der Unterstützung wert. An geplanten Abendgymnasien und Abendmittelschulen soll Berufstätigen Gelegenheit gegeben werden, die entsprechenden Prüfungen nachzuholen.

Bei der Frage, ob die Lehrer an der Pädagogischen Hochschule (PH) oder an der Universität studieren sollen, entschied sich von Heydebreck für ein Studium eigener Prägung an der PH.

Auch auf anderen Gebieten der Kulturpolitik sollten wir die Zeichen der Zeit erkennen. Der Minister hob die Bedeutung von Volkshochschulen und öffentlichen Büchereien hervor.

Der Kultusminister betonte den großen Wert der Erwachsenenbildung, die sich die Volkshochschule zur Aufgabe gemacht habe. Dem immer suchenden, sich ständig auf dem Wege befinden Menschen zu helfen, sei eine schöne Zielsetzung.

Der musikalische Rahmen der Feierstunde lag beim Alshuth-Quartett, dem reicher Beifall gespendet wurde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.10.1964

 

Montag, 12. Oktober 1964

Noch mit 80 im Sport aktiv

„Dann war es recht, dann stirbst du nie“, heißt es in einem alten deutschen Studentenlied. Diese Worte möchte man Studienrat a.D. Christian Ohrt, dem ältesten aktiv mitarbeitenden Freund des Sports im Kreise Stormarn, widmen.

Er begeht morgen seinen 80. Geburtstag und sieht auf ein Leben für die Leibesübungen zurück, die ihn geistig und körperlich frisch erhalten haben.

Christian Ohrt hat sein Wirken für den Sport in unserem Heimatgebiet stets unter einen bestimmten Leitgedanken gestellt: Er war und ist ein leidenschaftlicher Vertreter der Idee von der Einheit des Sports. 1916 kam der nunmehr hochbetagte als Leibeserzieher an die Oberrealschule und übernahm sogleich den Vorsitz des Männerturnvereins von 1862. Damals gab es in Bad Oldesloe mehrere Sportvereine, deren Verschmelzung der junge Lehrer sogleich anstrebte. Unter seiner maßgeblichen Beteiligung wurden von 1921 bis 1934 in Bad Oldesloe Sportwochen durchgeführt, in deren Verlauf u.a. Schwimmfeste, Hockeywettkämpfe, Kanuwettbewerbe und Kegelveranstaltungen viele Aktive und Zuschauer anzogen.

Der Träger der Goldenen Nadel des Deutschen Leichtathletikverbandes und der Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein – letztgenannte Auszeichnung wurde ihm 1963 vom Ministerpräsidenten Dr. Helmut Lemke überreicht – verfolgt und kommentiert selbst die jüngsten Sportereignisse mit erstaunlicher Genauigkeit.

Es ist hier nicht möglich, die Liste der Ehrenämter aufzuführen, die Christian Ohrt in seiner langen Laufbahn bekleidet hat. Seine Verdienste könnten noch mit vielen Einzelheiten unterstrichen werden. Wünschen wir ihm und uns, daß er noch auf Jahre hinaus seine tätige Anteilnahme den geliebten Leibesübungen erhalten kann.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.10.1964

 

Dienstag, 13. Oktober 1964

Oldesloes Stadtschule unter Denkmalschutz

„Das Gebäude der alten Stadtschule in Bad Oldesloe steht unter Denkmalschutz.“ So heißt es in der schriftlichen Begründung zum Bebauungsplan Nr. 23a „Ring um die Innenstadt“.

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Als der 1. Stadtrat Willy Mahrdt diesen Satz kürzlich auf dem Ausspracheabend des Bürger- und Verkehrsvereins vorlas, waren die meisten Zuhörer erstaunt, und einer fragte, was an diesem Schulhaus so erhaltenswert sei. Das Kieler Amt für Denkmalspflege hat, wie der Stadtrat darauf mitteilte, diese Entscheidung getroffen.

Das Gebäude ist ein Werk Christian Friedrich Hansens (1756 bis 1845), des bedeutenden Kopenhagener Baumeisters, der dem Klassizismus seine nordische Prägung gab. Altona verdankt ihm die städtebauliche Leistung einer prächtigen Straße, der Palmaille. In Bad Oldesloe schuf Hansen nach dem großen Brande im Jahre 1798 das Rathaus. Das Streben nach monumentaler Einfachheit und klarer Geschlossenheit, daß die Bauwerke des Klassizismus kennzeichnet, tritt auch an dem schlichten Oldesloer Schulbau in der Königstraße in Erscheinung.

Ein Diskussionsteilnehmer bekannte, er habe die Schule für das Gesindehaus eines ehemaligen Schloßkomplexes gehalten und vermöge nichts Schönes daran zu erblicken. Architekt Dr. Siegfried Moll belehrte ihn, daß Christian Friedrich Hansen der bedeutendste Baumeister seiner Zeit gewesen sei. Seine Häuser beispielsweise in Altona offenbarten eine Baugesinnung von Größe und Adel. Das einfache Oldesloe Schulhaus mit seinen harmonischen Proportionen möge ein Beispiel dafür sein, wie wenig Mitteln würde zu erreichen sei. Durch die Erhaltung alter Bauwerke solle der moderne Mensch an die Vergangenheit gebunden werden. Der Denkmalschutz habe die wichtige Aufgabe, das Geschichtsbewußtsein zu wecken bzw. zu fördern. Leider sei in unserer Heimat schon soviel wertvolles Altes zerstört worden.

Der Leiter des städtischen Planungsausschusses, Stadtverordneter Werner Schmacka, betonte, er fände das Gebäude ebenfalls harmonisch und schön. Auch Stadtrat Mahrdt vertrat diese Auffassung. Wenn auch die Innenräume nicht mehr den Erfordernissen des modernen Schulbetriebes entsprächen, so verdiene doch die Fassade, erhalten zu bleiben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.10.1964

 

Mittwoch, 21. Oktober 1964

Gruß aus Tokio

Nikko Tokio. Nach einer Fahrt mit dem neuen Superexpreß nach Osaka, dem Besuch der historischen Stätten in Kioto und Nara, der Besichtigung von Schulen, Universitäten und Forschungsstätten, nach dem Besuch der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele und nach einer ganzen Reihe von privaten Einladungen in verschiedenen Städten und Dörfern dem „Stormarner Tageblatt“ freundliche Grüße. Heinz Timmermann.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.10.1964

 

Freitag, 23. Oktober 1964

Zweiter Konrektor für die Stadtschule

Die Stadtschule hat auf Grund ihrer hohen Schülerzahl einen zweiten Konrektor erhalten. Das Kultusministerium berief Lehrer Hans-Georg Krüger in dieses Amt. Der aus Bandenburg an der Havel gebürtige Pädagoge ist seit dem 1. Mai 1948 an der Stadtschule tätig. Er ist einer breiteren Öffentlichkeit durch seine Mitarbeit an der Volkshochschule bekannt geworden als Leiter naturkundlicher Wanderungen und als Dozent für Rechnen und Mathematik.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.10.1964

 

Freitag, 23. Oktober 1964

25 Jahre im Dienste der Jugend

Die Lehrerin Hildegard Witzke blickt auf eine 25jährige Tätigkeit im Schuldienst zurück. Sie wirkt seit dem 1. Januar 1946 an der Stadtschule, Schulrat Heinrich Lüth überreichte ihr die Dankesurkunde des Kultusministers. Das Lehrerkollegium schloß sich mit herzlichen Glückwünschen an.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.10.1964

 

Sonnabend, 24. Oktober 1964

Sonderschulbau 1966?

Wie Bürgermeister Barth mitteilte, wird der Neubau der Sonderschule hinter der Papierfabrik wahrscheinlich erst 1966 in Angriff genommen werden können. Welche Decke der angrenzende Sportplatz bekommen wird, ist entgegen früheren Verlautbarungen noch nicht entschieden, Die Aufträge für den 1. Bauabschnitt des Sportplatzes in Höhe von rund 300 000 DM sind vergeben. Es handelt sich dabei um die Planierung des Geländes und die Drainage sowie um die Anlegung der Laufbahn und der Sprunggruben. Insgesamt ist der Sportplatzbau mit 400.000 DM ohne Gebäude veranschlagt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.10.1964

 

Sonnabend, 24. Oktober 1964

Auch Lübeckerinnen lesen vor

Zu dem plattdeutschen Vorlesewettbewerb am kommenden Mittwoch in der Mittelschule haben sich nun auch noch zwei Lübecker Mädchen gemeldet. Damit wird außer Segeberg, Eutin, Stormarn und Lauenburg auch die Hansestadt Lübeck vertreten sein. Der Hamburger Vortragskünstler Henry Kelling wird in einer Pause des Wettbewerbs Proben plattdeutscher Dichtung geben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.10.1964

 

Montag, 26. Oktober 1964

Warum so schleppend?

Im Stadtparlament bemängelte die Abgeordnete Frau Elfriede Scherschinski den langsamen Fortgang beim letzten Bauabschnitt der Klaus-Groth-Schule. „Ich habe mir sagen lassen, daß dort in der letzten Zeit nur ein Mann arbeitet.“ Stadtbaumeister Walter Heinemann versprach, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

STORMARER TAGEBLATT vom 30.10.1964

 

Dienstag, 27. Oktober 1964

Fruchtbare Begegnung mit Schriftstellern

900 Kinder waren aufmerksame Zuhörer – Warum sind die Eltern nicht interessierter?

Wie sieht ein Schriftsteller eigentlich aus? Eine Antwort auf diese Frage, die sich gewiß jedes lesefreudige Kind irgendwann einmal stellt, erhielten rund 900 Jungen und Mädchen in den Oldesloer Schulen. Drei Schriftsteller kamen zu ihnen und lasen aus ihren Werken vor: Rudolf Kinau, Hugo Kocher und Hans-Jürgen Weidlich.

Ob sie plattdeutsch sprachen wie Rudolf Kinau oder schwäbisch wie Hugo Kocher oder scheinbar ganz alltäglich und dabei doch so hintergründig verschmitzt wie Hans-Jürgen Weidlich, sie fesselten ihr in der Kunst der Verstellung noch unerfahrenes Publikum. Hier spürten die Autoren, die sonst nur auf dem Umweg über das geschriebene Wort ein Echo auf ihre Werke hören, ob sie die Jugend anzusprechen vermögen. So war ihr kurzer Besuch in Bad Oldesloe für sie wie für die jungen Zuhörer fruchtbar. Veranstalter war der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Anlaß gaben die Jugendbuchtage.

Im Namen des Börsenvereins begrüßte anschließend Buchhändler Hans Werner Meyer bei einem Empfang im Gästehaus Stadtverordnete, Pädagogen, Jugendvertreter, Buchhändler und Journalisten und vermittelte ihnen die Bekanntschaft mit Hugo Kocher, dem gebürtigen Tübinger, der seit vielen Jahren in München lebt und ausschließlich Jugendbücher schreibt, und mit Hans-Jürgen Weidlich. Er stammt aus Holzminden, lebt in Hamburg. Seine Bücher gehören in die Welt der Erwachsenen, doch „Versetzung zweifelhaft“ wendet sich auch an die Jugend.

Dieser Schriftstellerbesuch war gewiß ein Gewinn für die Jugendbuchtage, die das Kreisjugendamt zum vierten Male durch führt. Nicht alle Jugendbuchveranstaltungen stoßen auf soviel Interesse. Nur dort, wo die Lehrerschaft vorbereitend und werbend mit tätig ist und die Kinder heranführt, sind gute Besucherzahlen zu verzeichnen. Öffentliche Veranstaltungen dagegen weisen mäßigen bis schlechten Besuch auf, so fand sich zu einem Vorlesungsabend eines bekannten Autors in einer großen Stormarner Gemeinde nur eine Zuhörerin ein. Die gute Ausstellung „hobby und buch“ wurde in Bad Oldesloe im Evangelischen Gemeindesaal von nur 120 Interessierten besichtigt. Offenbar stehen viele Eltern den Bemühungen, ihre Kinder an gute Bücher heranzuführen, gleichgültig gegenüber. Welch verpaßte Gelegenheit!

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.10.1964

 

Mittwoch, 28. Oktober 1964

Plattdeutsch – sicher und schön gelesen

Die Aula der Mittelschule war voll besetzt. Schüler, Lehrer und Eltern waren ein aufmerksames und freundliches Publikum. Der Kreis der Wettkämpfer hatte sich bis 18 Uhr stark verkleinert und diese verbliebenen Teilnehmer mußten es sich gefallen lassen, noch einmal „gesiebt“ zu werden. Insgesamt nahmen an dem Vorlesewettbewerb 55 Mittelschüler, 19 Volksschüler und zwölf Oberschüler teil.

Mittelschullehrer Hafemann dankte Kindern, Lehrern und Eltern für die Bemühungen um das Gelingen der großen Veranstaltung; auch dafür, daß niemand nein gesagt hatte, als es an die Verwirklichung der Idee ging.

Die Kinder lasen mit Hingabe vor und reicher Beifall belohnte die Leistungen der Jungen und Mädchen. Rudolf Kinau war ein vielgewählter Autor.

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Dank zahlreicher Spenden war es Lehrer Hafemann möglich, viele schöne Bücher als Preise zu verteilen. Der um die Erhaltung des plattdeutschen Sprachgutes verdiente Mittelschullehrer ist seit Oktober 1962 1. Vorsitzender im Schoolmeesterkrink, der dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB) angeschlossen ist.

Der Bezirksliga für die Kreise Stormarn, Eutin, Lauenburg und Segeberg, ferner Lübeck ist Klaus-Peter Blank von der Königin-Luise-Schule in Bad Oldesloe (Klasse M 7a).

In den Gruppen siegten:

  • Gruppe 1 (zehn- und elfjährige): 1. Volksschülerin Bärbel Seemann (Bad Segeberg), 2. Mittelschüler Wolfgang Filter (Westerau), 3. Oberschülerin Manuela Sietz (Bad Segeberg).
  • Gruppe 2 (zwölfjährige): 1. Mittelschülerin Annegret Wagner (Rümpel), 2. Helmut Christensen (Aufbauzug Großhansdorf), 3. Mittelschülerin Ingelore Teegen (Tralau).
  • Gruppe 3 (13- und 14jährige): 1. Mittelschüler Klaus-Peter Blank (Bad Oldesloe), 2. Mittelschüler Kenrick Willis (Todendorf, gebürtiger Engländer), 3. Mittelschülerin Angelika Gräpel (Rümpel), 4. Volksschülerin Marion Oeltke (Lübeck).
  • Gruppe 4 (15- und 16jährige): 1. Mittelschülerin Ilse Willhöft (Barkhorst), 2. Mittelschülerin Ursula Rogge (Bad Oldesloe), 3. Volksschülerin Regina Führböter (Lübeck), 4. Mittelschülerin Gudrun Mergenthaler (Ahrensburg).
  • Mittelschüler Erhard Niemeier (Todendorf) erhielt für gutes Lesen einen Sonderpreis der Königin-Luise-Schule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.10.1964

 

Montag, 2. November 1964

Stadtverordneter rügte Nacktheit

„Sollen diese beiden Figuren so unbekleidet bleiben?“, wollte der GDP-Abgeordnete Dr. Otto Krämer im Stadtparlament wissen, als das Modell einer Bronzeplastik gezeigt wurde, die im Hof der Klaus-Groth-Schule aufgestellt werden soll. Sie stellt ein sitzendes Mädchen dar, das einem auf dem Bauch liegenden Jüngling aus einem Buch vorliest.

Der stellvertretende Bürgerworthalter Georg Schömer erklärte, daß nach dem Willen des bekannten Möllner Bildhauers Karlheinz Goedtke eine Bekleidung für die beiden Kinder nicht vorgesehen sei.

Bei der anschließenden Abstimmung enthielt sich Dr. Krämer der Stimme. Alle übrigen bewilligten zusätzlich zu dem Ankaufspreis von 6000 DM für die Ausführung der Plastik in Bronze weitere 3500 DM. Ursprünglich sollten die Figuren in Stein gehauen werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.11.1964

 

Dienstag, 3. November 1964

Oldesloer Mittelschüler im Landtag zu Gast

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Die Abschlußklassen der Königin-Luise-Schule besuchten den Landtag in Kiel. Nach der Besichtigung des Plenarsaales wurden sie im Sitzungssaal mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Hierbei hatten sie Gelegenheit, an die Landtagsabgeordneten Klaus Köberle, Fraktionsvorsitzender der CDU, und Hans Joachim Herbst (FDP) Fragen zu richten. Dritter Gesprächspartner war der Abgeordnete Otto Gramcko aus Ahrensburg (SPD). Die jungen Gäste fragten u.a. nach der Verlegung des Schulbeginns auf den Herbst und den Zensuren im Fach „Religionslehre“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.11.1964

 

Donnerstag, 5. November 1964

Umbesetzung beim Konzertabend

In dem am 19. November in der Aula des Theodor-Mommsen-Gymnasiums stattfindenden Konzert („Das Lied von der Glocke“ in der Vertonung für Soli, Chor und Orchester von Max Bruch) wird nicht Barbara Kucharski (Hamburg), sondern Sabine Schmidt zur Nedden (Hamburg) singen. Außer dem Schulchor und dem Orchester der Hamburger Symphoniker wirken fünf Gesangssolisten mit. Die Leitung hat Studienrat Alshuth.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.11.1964

 

Sonnabend, 7. November 1964

Jugenddiskussion in der Volkshochschule ohne Jugend

Kein Interesse an Schulproblemen? Das Leitziel „Wissen ist Macht“ überholt

Wissen an sich sei keine Macht, sagte Schulrat Lüth auf dem zweiten Diskussionsabend, den die Volkshochschule zusammen mit dem Ring politischer Jugend veranstaltete. Es ging um die Frage: „Ist unsere Schule reformbedürftig?“ Der Referent bejahte sie. Die moderne Gesellschaft dürfe nicht mehr nach dem Motto „Wissen ist Macht“ leben.

Eine neue Zeit stelle auch neue Aufgaben. Auch im Schulwesen sei die Zeit reif für gewisse Unistellungen. Die Vermittlung polytechnischen Wissens in den Schulen haben zu mancher Überlegung Anlaß gegeben. Leider sei der Begriff der polytechnischen Bildung in Westdeutschland in Verruf geraten, weil er Im Osten so sehr strapaziert werde. Er sei letzten Endes keine Erfindung der Kommunisten, denn bereits im vergangenen Jahrhundert seien in Paris, München und Mannheim polytechnische Anstalten gegründet worden. Im Westen spreche man vorn Berufspraktikum, das jedoch zu theoretisch aufgebaut sei.

Und wie sieht es im musischen Bereich aus? Die Kulturgesellschaft lebe in der Angst, daß die Schüler mit den Kulturgütern in nicht ausreichendem Umfang bekannt gemacht werden könnten. Nach Meinung des Referenten kommt in der heutigen Schule das Musische zu kurz.

Drittens: Im Bereich des Sports sollte vielseitigere Arbeit geleistet werden.

Somit war vom Referenten ein kleiner Katalog von Forderungen aufgestellt worden. Er widmete sich dann ausführlich dem Problem der Förderung der Schuljugend. Die Fähigkeit, beweglich lernen zu können und auch in späteren Jahren aus eigenem Antrieb weiterzulernen, müsse entwickelt werden. Dabei dürften sich die Bemühungen keinesfalls lediglich auf Mittel- und Oberschüler konzentrieren; schließlich besuchten 72 Prozent der Schuljugend in der Bundesrepublik die Volksschule. Der Redner stellte drei konkrete Forderungen: Anhebung des allgemeinen Bildungsniveaus, Erkennen der Fachbegabung, größtmögliche Förderung dieser Begabung. Wir könnten es uns nicht leisten, Begabungen brach liegen zu lassen; allerdings müsse nicht selten mit der Uneinsichtigkeit der Eltern gerechnet werden, die ihre begabten Kinder nicht auf eine weiterführende Schule schicken wollten An den deutschen Universitäten sei der Anteil der Arbeiterkinder nur sehr klein – anderen europäischen Ländern sei dieses Problem fremd. Es gebe auch Dorfschulen, die grundsätzlich keinen Schüler an die Mittel- oder Oberschule weitergeben. Also: Begabungsreserven seien vorhanden; man müsse mit ihnen nur etwas anfangen.

Hochbegabte Schüler in einer Mittelschulklasse dürften nicht auf der Mittelschule festgehalten werden, damit die Leistungen propagandistisch ausgeschlachtet werden könnten. Diese Schüler gehörten in die Oberschule. Es solle auch einem Volksschüler, der in Physik sehr gute Leistungen aufweist, die Möglichkeit eingeräumt werden, in der Arbeitsgemeinschaft Physik der Mittelschule mitzuarbeiten. Tauge auf der Oberschule jemand nicht zur theoretischen Arbeit, sollte er in die Mittelschule gehen. In allen diesen Fragen bereite der Schulegoismus große Schwierigkeiten. Jede Schule sei eine Insel. Aber es sei eine unbedingte Notwendigkeit, die jungen Menschen zu „begaben“. Begabung allein genüge nicht.

Schulrat Lüth berührte dann politische Aspekte des Schullebens. Durch die Arbeit in der Gruppe würden die demokratischen Grundtugenden erworben. Der Schüler lerne, sich als „Du“ zu fühlen.

Im Anschluß an das Referat fand eine lebhafte Diskussion, geleitet von Georg Schömer, statt, in der noch einige neue Probleme angeschnitten wurden; zum Beispiel: Sollen die Zensuren wegfallen? Wie ist der „programmierte Unterricht“ zu beurteilen? Sollen im zehnten Schuljahr die Arbeitsgemeinschaften stark in den Vordergrund treten, um den Jungen und Mädchen Gelegenheit zu geben, sich mehr „ihren“ Fächern zu widmen?

Was an diesem Abend auffiel, war die nachdenklich stimmende Tatsache des Fehlens der Jugend. Die VHS hatte die Veranstaltung doch unter den Leitgedanken „Jugend diskutiert aktuelle politische Fragen“ gestellt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.11.1964

 

Sonnabend, 7. November 1964

Hier irrt der Stadtverordnete

Gedanken über eine Oldesloer Schulhof-Plastik

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Eine Bronzeplastik des Möllner Bildhauers Karlheinz Goedtke wird auf dem Hof der Klaus-Groth-Schule aufgestellt werden. Das Tonmodell fand offenbar nicht den Beifall eines der Stadtväter. Er fragte im Stadtparlament, ob die Figuren nackt blieben, und enthielt sich bei der Abstimmung über die Kostenbewilligung der Stimme. Der Oldesloer Maler und Kunsterzieher Walther Kunau sandte uns auf unsere Bitte um eine Würdigung der Plastik die nachstehend abgedruckten Zeilen.

„Karlheinz Goedtke ist einer der angesehensten Bildhauer unseres Landes. Diesen Ruf hat er sich seit Kriegsende durch eine große Anzahl Plastiken geschaffen, die mehrere öffentliche Plätze schmücken. Ich erwähne die mir bekannten: einen Eulenspiegel für Mölln, einen prächtigen Habenichts für die Sparkasse Ratzeburg, der seine Taschen umwendet, und die Großplastik „Der Segler“ für den Kieler Seglerhafen.

Die Stadt Bad Oldesloe hat nun für die Klaus-Groth-Schule auch ein Werk Goedtkes angekauft. Es eine Arbeit, die einige Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen hat. Beanstandet wurde, die Figuren seien nackt, und deshalb könnten sie nicht auf einen Schulhof aufgestellt werden. Ob das ein Grund ist, wenn sie nackt wären, sei dahingestellt, aber sie sind es nicht. Das Mädchen trägt ein Gewand, dessen Rock plastisch besonders gut gearbeitet ist, der Junge eine schwer benennbare Bekleidung; doch hat er auf jeden Fall etwas an.

In einem figürlichen Entwurf wie dem unseren – und wir haben hier den Entwurf, nicht das fertige Werk vor uns – werden die wesentlichen Bewegungsabläufe der Gestalten festgehalten. Sie vollziehen sich in den Gliedmaßen. Darum wird jeder Bildhauer ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken. Die Bekleidung ist zweitrangig und wird auch von Goedtke entsprechend behandelt. Hinzu kommt, daß das Modell etwa so groß wie ein Ziegelstein ist. In der Größe kann man mit Ton nicht so fein arbeiten, um kleine Falten, Knöpfe u.ä. darzustellen. So etwas würde nur ein Anfänger oder Nichtskönner, nie ein Meister, machen; der bemüht sich um die große Linie, die das Werk belebt.

Worin ist hier die große Linie zu sehen? Sie scheint mir im Mittelpunkt des Geschehens zu entspringen, im Buch, läuft entlang am Oberschenkel, des Mädchens, ihren Rücken empor, über die Haare hinweg und schwingt in einem Bogen hinüber zum Kopf des Jungen, fließt in leichter Wellenbewegung über seinen Rücken hinab bis zu den Kniekehlen und federt an den Unterschenkeln hoch, als wolle sie, zurück über beide Köpfe zu ihrem Ursprung. Das ist gekonnt, das verrät echte Inspiration. Problematischer ist eher, ob die beiden Figuren außer durch diese große Linie genügend miteinander verbunden sind, so daß aus zwei Figuren ein Gebilde wird. Es scheint die Gefahr, daß die Plastik in zwei Teile zerfällt, recht groß zu. sein. Deckt man eine Figur ab, so bleibt immer eine, die allein für sich bestehen könnte. Das stimmt nachdenklich. Aus einem anderen Blickwinkel gesehen, ist jedoch der Zusammenhang eher zu erkennen. Dabei fällt ein sehr modernes künstlerisches Mittel auf, das nur vor dem Modell selbst, nicht auf einer Abbildung erlebt werden kann. (Plastiken erfordern eine Betrachtung von mehreren Seiten.) Zwischen dem vorgebeugten Mädchen und dem Oberkörper des aufgereckten Jungen entsteht ein fast kugelförmiger Luftraum. Da sie ihn gemeinsam bilden, verbindet er sie auch. Genau in die Mitte dieses Hohlraumes setzt Goedtke den geistigen Mittelpunkt des Werkes – das Buch. Das mag genügen, um den Zusammenhang beider Figuren zu erklären.

Inhaltlich entspricht schließlich das selbstvergessene Lesen dem selbstvergessenen Hören. Gerade in den erhobenen Beinen dieses Flegels, wie mancher denken mag, zeigt sich, daß der Junge voller Vergnügen zuhört. Er weiß nichts von seinen pendelnden Beinen. Darin erweist sich Goedtke als feiner Beobachter.

Mir scheint, gegen die Plastik ist weder aus moralischen noch formal-künstlerischen Erwägungen heraus etwas einzuwenden. Ich habe lediglich Bedenken gegen die sehr harmonische, etwas idyllische Art der Darstellung, die unserer Zeit nicht mehr entspricht.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.11.1964

 

Donnerstag, 19. November 1964

Skizzen auf der Visitenkarte weisen den Weg

In Japan ist vieles anders – Weißer Wasserfall schmeckt gut – Klavier in jeder Klasse

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Der Oldesloer Mittelschullehrer Heinz Timmermann fuhr nach Tokio, nicht in erster Linie zu den Olympischen Spielen, sondern um Besuche eines japanischen Freundes in Bad Oldesloe zu erwidern. In dem folgenden Aufsatz weiß er viel Interessantes über das Land der aufgehenden Sonne zu berichten.

Nach einem wundervollen Flug mit einem mehrtägigen Aufenthalt in dem bezaubernden Thailand landete unsere Maschine in Tokio-Haneda. Wenig später war ich in Suginami zu Gast bei Professor Hayakawa. Auch seine Frau Terumi und seine Töchter Sagiri und Izumi waren zugegen. Nach japanischer Sitte zogen wir die Schuhe aus und nahmen in einem europäisch eingerichteten Zimmer Platz. Ein weiteres Zimmer war japanisch eingerichtet mit niedrigem Tisch und Sitzkissen. Hohe Regale waren in den Zimmern, auf denen neben vielen japanischen fast 2000 deutsche Bücher standen. In einem Glasrahmen hing ein Strauß Heidekraut aus der Lüneburger Heide. Die Kinder hatten deutsche Puppen, und eine umfangreiche Sammlung deutscher Schallplatten war in seinem Musikschrank. Viele Bilder aus Deutschland schmückten die Wände. Frau Hayakawa bewirtete uns mit „Tempura“: Krebs und Gemüse in Sojabohnensoße, roher Thunfisch, Suppe mit Pilzen und Fisch, Reis und dazu den warmen Reiswein (Sake), zu, dem Reisgebäck mit Seetang gereicht wurde. Gegessen wurde natürlich mit Stäbchen.

In Japan ist vieles anders, das wurde auch an Kleinigkeiten deutlich. Fenster und Türen werden geschoben, die Schlüssel werden anders herumgedreht, Elektrizitätszähler sind draußen vor der Haustür. Es gibt weder Straßennamen noch Hausnummern; Visitenkarten enthalten daher auf den Rückseiten kleine Skizzen, die den Weg zu der betreffenden Wohnung weisen. Öffentliche Telefone stehen auf Ladentischen von Kiosken, geschrieben wird von oben nach unten, getanzt wird anders herum als bei uns, auf Stundenplänen stehen die Wochentage untereinander, die Stunden eines Tages nebeneinander.

Gruß aus Mädchenmund

Freundliche junge Mädchen begrüßen in Bussen, Straßenbahnen, Warenhäusern die ankommenden Gäste, und sie bedanken sich bei ihnen beim Fortgang. Auf den Expreßbahnhöfen sind Wagennummern und Eingänge an der Bahnsteigkante aufgemalt Stellt sich der Fahrgast entsprechend auf, so hält nach dem Einlaufen des Zuges die richtige Tür genau vor ihm. In den Bekleidungsgeschäften haben die Schaufensterpuppen ausnahmslos europäische Figur. Fragt man nach dem Grund, so antworten die Damen mit einem Achselzucken und die Herren mit einem vielsagenden Lächeln. In Taxen und Hotels verkünden unübersehbare Plakate, daß Trinkgelder nicht angenommen werden. Auf Bahnhöfen findet man oft Mitteilungstafeln. Wer sich dort mit jemandem verabredet und vergeblich wartet, kann dort aufschreiben, wo er zu finden ist oder andere Bemerkungen hinterlassen, zum Beispiel „Tanze, mit wem du willst“ oder „Auf Wiedersehen, Baby!“ Nach drei Stunden wird eine solche Aufschrift gelöscht.

In der Gakushuin-Universität hörte ich in einem Deutschseminar des zweiten Semesters zu. Thema war der Konjunktiv: „Wenn er rechtzeitig aufgestanden wäre, hätte er nicht den Zug verpaßt“. Sätze dieser Art wurden erläutert. In japanischen Universitäten wird nur einer von etwa 20 bis 30 Bewerbern aufgenommen. Die Gakushuin-Universität, die ehemalige Adelsuniversität, hat eine reichhaltig ausgestattete deutsche Bücherei, in der auch die Dichter unserer engeren Heimat Matthias Claudius und Klaus Groth vertreten sind. So konnte ich fern der Heimat lesen „Uns Modersprak“ und „Ick wull, wi weern noch kleen, Jehann“. In einer Ecke der Bücherei entdeckte ich zu meiner Überraschung einen Kühlschrank. „Ein ehernes Gesetz schreibt vor“, so er klärte Professor Hayakawa, „daß jeder Dozent, der Deutschland besucht, von dort einige Flaschen für diesen Kühlschrank mitbringt“: Und so sah ich darin Himbeergeist, Schwarzwälder Kirsch, Doornkaat und Oldesloer Korn. Für den deutschen Geist war also in jeder Beziehung hinreichend gesorgt.

Eine mehrtägige Rundreise, u.a. auch mit dem neuen Superexpreß, der 200 km/h erreicht, führte mich nach Kioto, Nara, Ohara, an den Strand von Yunigahama, an den Fudschijama, Kamakura, Hakone und so weiter.

Nach der Rückkehr besuchte ich in Tokio die „Asahi Shimbun“, die größte Zeitung Japans, die in Tokio und gleichzeitig auch in Sapporo, Osaka und auf Kiushu gedruckt wird. Die Setzmaschine enthält, ähnlich wie die japanischen Schreibmaschinen, 20 Tastenreihen mit je 12 Tasten. Mit jeder einzelnen Taste lassen sich 12 verschiedene Zeichen setzen, insgesamt also etwa 2800 Schriftzeichen, dazu Zahlen, Satzzeichen und so weiter.

Bei Verlagsdirektor Sato vom Hakusuisha-Verlag, der im vergangenen Sommer mit Professor Hayakawa in Bad Oldesloe war, bereitete Frau Naoko Sato nach Landessitte auf dem Tisch vor den Augen der Gäste den „Sukiyaki“ zu: geschmortes Rindfleisch, Porree und Tofu (aus Sojabohnen) und „Weißen Wasserfall“ (d.h. „Nudeln“). Man nimmt von allem einen Bissen mit den Stäbchen, taucht ihn in ein Schüsselchen mit rohem Ei und ißt ihn auf. Das geht viel einfacher und schmeckt viel besser, als es sich anhört.

An einem Vormittag war ich Gast in einer Schule in Kamitakaido. Schon längst war mir die große Musikalität der Japaner aufgefallen. Es gibt einige übersetzte deutsche Volkslieder, die jeder Japaner kennt: Heideröslein, Muß i denn zum Städtele hinaus, Am Brunnen vor dem Tore, Loreley. Hier fand ich nun des Rätsels Lösung: An allen Schulen gibt es einen gut fundierten Musikunterricht, Es gibt keine sogenannten musikalische Analphabeten. In jeder Klasse steht ein Kleinklavier, das jeder Lehrer, mindestens für den Grundschulgebrauch, spielen können muß. Im Musiksaal zählte ich elf elektrische Kleinorgeln, eine große Orgel mit Pedalen, einen Flügel, sieben Xylophone, drei Akkordeons, zehn Gitarren und zwei Trommeln. Blockflötenspiel ist Pflichtfach. – Die Schulneulinge erlernen zuerst die japanische Silbenschrift (48 Silben), dann nach und nach etwa 1800 aus dem Chinesischen stammende Kanji-Zeichen; bis zur Schulentlassung werden es insgesamt etwa 3000. Im vierten Schuljahr wird das lateinische Alphabet gelehrt.

Erzieher hoch angesehen

Der Lehrer wird in Japan nicht übermäßig gut besoldet, doch steht der Erzieherberuf in sehr hohem Ansehen. Von der Kindergärtnerin bis zum Kultusminister wird jedem, der etwas mit Erziehung zu tun hat, der Zusatz „sensei“ an den Namen gehängt, zum Beispiel Hayakawasensei, und so wird er dann angeredet. Ist man gut bekannt, Iäßt man den Namen weg und sagt nur noch „sensei“. Dieses aus dem Chinesischen stammende Wort heißt etwa „der zuerst Geborene“, „der über einem Stehende“.

Die bei den Olympischen Spielen oft gerühmte Organisation trifft auch für das japanische Schulwesen zu. So hat ganz Japan von Hokkaido bis Kiushu einen einheitlichen Schuljahresbeginn am 1. April. Wird ein Vater etwa von Sapporo in das mehrere tausend Kilometer entfernte Kagoshima versetzt, so braucht er sich wegen der Umschulung seiner Kinder keine Sorgen zu machen; denn in ganz Japan herrscht ein einheitlicher Lehrplan. Heinz Timmermann.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.11.1964

 

Donnerstag, 19. November 1964

Das „Lied von der GIocke“

Kl. – Den musikalischen Veranstaltungen des Theodor-Mommsen-Gymnasiums in Bad Oldesloe sieht man immer mit Freude und Anteilnahme entgegen, tragen sie doch das Zeichen hingebungsvollen Musizierens. Fritz Alshuth hatte diesmal Schillers Glocke, von Max Bruch für Chor, Solostimmen und Orchester komponiert, gewählt. Die eingehende einführende Vorbesprechung im Stormarner Tageblatt zur Aufführung in der Oldesloer Oberschulaula erlaubt nur noch einige ergänzende Betrachtungen,

Das Werk im Klanggewande der Spätromantik ist in den Konzertsälen weit und breit nicht mehr anzutreffen. Das mag daran liegen, daß man den Gegensatz zwischen dem, was zu Bruchs Zeiten musikalisch zu schreiben möglich war, und dem, was unserer Zeit kompositorisch wertvoll erscheint, zu deutlich empfindet, auch wohl daran, daß die lebendige Verbindung zu dem Aufführungsstil der damaligen Zeit abgerissen ist.

Und doch sollte man die monumentale Chorkomposition nicht vergessen, das Wagnis einer Aufführung nicht scheuen; immerhin macht ein stets begründeter Wechsel in der Stimmenbesetzung, in der Instrumentation und in den Klangfarben das Werk zu einem lebendigen Organismus. Gewiß stehen nicht alle Sätze auf gleicher künstlerischer Höhe, nicht immer kommen Text und Ton zur Deckung, aber tonsprachliches Vermögen ist meist zu einer Ausdrucksstärke vorgestoßen, die über das bloß Beschreibende weit hinausgeht. Das Werk lebensvoll wie irgendmöglich vor uns erstehen zu lassen, das gelang Fritz Alshuth.

Die fleißige Arbeit, mit der er seinen Chor auf dies Programm vorbereitet hat, ist zu loben. An der Hingabe des von seiner Aufgabe erfüllten Dirigenten entzündete sich in der jungen Sängerschar eine musikalische Kraft, die eine vorbildliche Wiedergabe erreichte. Man sang mit Temperament und technischem Können; erfreulich war die lntonationssicherheit, angenehm die dynamische Kontrastierung. Zurückhaltend erschien bisweilen das Klangbild, das allerdings von dem recht gut spielenden und sehr aktiven Orchester der Hamburger Symphoniker etwas überschattet wurde. Vergessen darf man dabei nicht die beengte Akustik des Raumes, der die erhebliche Klangfülle einfach nicht fassen konnte.

Die sehr beanspruchten Solisten trugen das Ihrige zum Gelingen des Ganzen bei. Alle brachten für diese Aufgabe sängerische Begabung im umfassendsten Sinne mit: Musikalität, Stimme, Ausdruck und künstlerischen Geschmack. Sabine Schmidt zur Nedden hat einen warmen, beseelten Alt, Günther Pods war künstlerisch seiner Partie glänzend gewachsen (stimmlich haben wir ihn schon besser gehört), Rudolf Aue sang mit tiefem, aber nicht überzogenem Ausdruck. Auch an Jutta Meyns Mezzosopran hatte man reine Freude. Alle wurden jedoch überstrahlt von dem leuchtenden Sopran von Käthe Möller-Siepermann. Man ist gefangen von der Stimme, deren Fülle und Schönheit. Eine bedeutende Künstlerin – nicht nur durch die unbegrenzten Mittel des Stimmaterials, sondern durch die Kultur eines absolut sicheren Geschmacks!

Fritz Alshuth leitete mit sicherer Hand. Man verfolgte mit Bewunderung, wie er die Klangfluten immer in die rechte Bahn lenkte und das Werk im Gesamtwirken aller Stimmen zu einem glücklichen Ende führte. Alle Mitwirkenden konnten sich berechtigt in den starken Schlußbeifall teilen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.11.1964

 

Sonnabend, 21. November 1964

Theateraufführung zum Theodor-Mommsen-Fest

Der Auftakt zum Theodor-Mommsen-Fest ist mit der an anderer Stelle gewürdigten Aufführung des „Liedes von der Glocke“ verklungen. Nach einwöchiger Pause folgt am 27. November als zweite Festveranstaltung eine Theateraufführung: „Des Königs Schatten“ von Bernt von Heiseler. Studienrätin Redöhl hat das Stück mit einer Schülergruppe einstudiert. Beim Festakt am Vormittag des nächsten Tages wird Oberstudiendirektor Siepermann den Festvortrag halten. Den Abschluß bildet am Abend ein Ball der Schülermitverantwortung im „Oldesloer Hof“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.11.1964

 

Mittwoch, 25. November 1964

Anmeldung der Schulneulinge nicht vergessen!

Alle Kinder, die bis zum 31. Dezember 1964 das sechste Lebensjahr vollendet haben und in die Schulbezirke für die Klaus-Groth-Schule und die Stadtschule gehören, müssen angemeldet werden. Die Anmeldezeit für die Schulneulinge der Klaus-Groth-Schule ist auf den kommenden Montag und Dienstag festgesetzt worden, jeweils in der Zeit von 14 bis 16 Uhr. Für die Stadtschule sind die Anmeldezeiten auf den kommenden Mittwoch, Donnerstag und Freitag gelegt worden, jeweils von 9 bis 12 Uhr. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.11.1964

 

Donnerstag, 26. November 1964

Verkehrserziehung im Unterricht

Zu einer Arbeitstagung hat die Kreisverkehrswacht zusammen mit dem Kreisschulamt für morgen die Konrektoren der Sonder-, Volks- und Mittelschulen eingeladen. Sie beginnt um 15 Uhr auf dem neuen ADAC-Verkehrsübungsplatz. Dabei wird eine Schulklasse unter Anleitung von Polizeimeister Kamm zeigen, wie dieser „Trainingsplatz für Autofahrer“ auch als Schulverkehrsgarten verwendet werden kann.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.11.1964

 

Freitag, 27. November 1964

Heute ausverkauft – Wiederholung am Montag

Alle Eintrittskarten für die heute abend stattfindende Theateraufführung in der Theodor-Mommsen-Schule sind verkauft. Am kommenden Montagabend in einer Wiederholungsaufführung bietet sich Gelegenheit, das von Studienrätin Redöhl mit Schülern einstudierte Stück „Des Königs Schatten“ von Bernt von Heiseler noch zu sehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.11.1964

 

Freitag, 27. November 1964

„Des Königs Schatten“

dd. – Man wußte in der vollbesetzten Aula der Oldesloer Oberschule bald, daß der Aufführung der Komödie Bernt von Heiselers „Des Königs Schatten“ durch die Spielschar des Gymnasiums zum Theodor-Mommsen-Tag1964 viele und gründliche Proben vorausgegangen waren. Denn sie „saß“ einfach. Reicher Beifall. belohnte denn auch die schauspielenden Mädchen und Jungen – und Beifall ist das „Brot“ auch des Laienkünstlers.

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Der König bestimmt eines Tages, daß sein Schatten heilig ist. Wer ihn mißachte, „und mit frechem Fuß darauf zu treten wagt“, werde zum „Verräter an der Majestät“.Der devote Hofstaat respektiert natürlich diese Anordnung. Die Höflinge springen in die Höhe, sobald die nunmehr tödliche Gefahr besteht, auf des Herrschers Schatten zu treten.

Nur einer, das heißt eine, macht nicht mit: Florinde, das Bauernmädchen. Sie verläßt das Elternhaus, um König Severin ihre Dienste anzubieten. „Ich hab ihn gern“, gesteht sie beim Abschied ihrem Bruder Carpio. „Er sieht schön aus und recht hochmütig. Wahrscheinlich ist er viel zu viel allein. Er muß einen Pagen haben, der für ihn sorgt.“

Mit diesen Sätzen im ersten Akt weist Florinde auf den Kern des Stücks hin: Ein guter Mensch will dem einsamen König, der von charakterlosen und geistig beschränkten Höflingen umgeben ist, wahre Liebe schenken. Und diese einfache Frau erreicht ihr Ziel. Am Schluß des Stücks fallen Florinde und König Severin sich in die Arme. Der Zauber des Schattens ist verflogen, der Zauber der Liebehat gesiegt.

Happy, end, ja, glückliches Ende. Aber es ist keins von der direkten „süßen“ Sorte. Auch keins von der Art, daß die füreinander Bestimmten“ in einem Rausch des Glücks förmlich zerfließen.

Claus Cummerow spielte den König ohne Fehl und Tadel. Christine Scherdin ging In ihrer Rolle als Florinde auf. Sie war witzig, schlau, selbstbewußt und geschmeidig in jeder Situation. Der Kämmerer Convenio (Heino Heiden): ein sprechendes Werkzeug des Königs. General Grimbaldus (Carsten Dreckmann): typischer Fall eines militärischen Schrumpfkopfes. Lametta (Günther Matthiessen) verkörperte die schleimige und nutzlose Existenz des Höflings, Bonzo (Rudolf Tyrell), ein anderer Höfling, weist sich durch Naivität und Tolpatschigkeit aus. Ihnen gegenüber steht der Narr (Peter Altenburg), der sich seiner Pflicht in überzeugender Weise entledigte. Er war ein Philosoph, der auch die Möglichkeiten der Gestik und Mimik benutzte. Sieglinde Voigtmann, als Ghismonde, hochfahrend und herrisch – hätte eine noch größer Portion Schlechtigkeit in ihre Rolle hineinlegen können. Gisela Albrecht, Zofe Ghismondes, bewältigte ihre reizendnaive Rolle recht gut. Barbara Nelius stellte mit geschickten Bewegungen einen kleinen Mohren dar. In weiteren Rollen spielten Manfred Brembach als besorgter Bruder Florindes und Bernd Weber und Peter Ruß als Hellebardiere.

Studienrätin Elfriede Redöhl führte Regie. Bürgermeister Barth geleitete sie unter dem Beifall der Zuschauer auf die Bühne, wo ihr Blumen überreicht wurden. Bühnenbilder und Kostüme besorgte Studienrat Gerhard Schulte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.11.1964

 

Sonnabend, 28. November 1964

Die Negerfrage der USA – ein Weltproblem

Aktuelles Thema beim Theodor-Mommsen-Fest – Enkel Dr. Bangerts hörte zu

Wie notwendig die Lösung des Negerproblems in den USA ist und welche Bedeutung ihr für die Gestaltung der Welt von morgen zukommt, wies Oberstudiendirektor Siepermann in seinem weitgespannten Vortrag anläßlich des Theodor-Mommsen-Festes im Gymnasium nach.

Eine interessante Zuhörerschaft, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Eltern, Lehrer und Schüler, füllte die Aula. Den Abschluß bildete die Verleihung der Theodor-Mommsen-Prämien an die Oberprimaner Gundula Knobloch (Elmenhorst) und Ferdinand Franck (Rohlfshagen).

Chorgesang hatte die Feier eingeleitet. In seiner Begrüßungsansprache nannte der Schulleiter die Namen zahlreicher Gäste. Zwei aus der langen Liste seien auch hier genannt: die ehemaligen Schüler Professor Dr. Scheele (Hannover), der Festredner des Vorjahres, und Dr. Bangert, ein Enkel des verdienstvollen Oldesloer Stadtchronisten Geheimrat Dr. Friedrich Bangert.

Mit einer knappen, erschütternden Schilderung einer Niggerjagd im Süden der Vereinigten Staaten, wie sie der Schriftsteller Erskine CaldweIl niedergeschrieben hat, führte Oberstudiendirektor Siepermann die Zuhörer an sein Thema „Die Rassenintegration – eine Lebensfrage der USA“ heran. In seiner Untersuchung der Ursachen für das heutige Rassenproblem ging er bis in das Jahr 1688 zurück. Damals wurde in Pennsylvania der erste Protest gegen die von den Spaniern in ihren südlichen Kolonien eingeführte und von dorther übernommene Sklaverei laut. Sie verhallte wirkungslos. Zwischen 1710 und 1780 wurden 1,4 Millionen Negersklaven, überwiegend in die Südstaaten, eingeführt. Trotz des Sieges des Nordens über den südlichen Block der Sklavenstaaten Im blutigen und grausamen Sezessionskrieg (1861 bis 1865), trotz der Entscheidung des Obersten Gerichts von 1954 und trotz der Civil Rights Bill (Bürgergesetzgebung) von 1964 ist der Neger in den USA ein Mensch zweiter Klasse geblieben.

„Man darf sich wohl“, so fuhr Direktor Siepermann fort, „keiner Täuschung darüber hingeben, daß der Kampf der Neger um Gleichberechtigung im weitesten Sinne in jüngster Zeit den Charakter einer sozialen Revolution angenommen hat, die John F. Kennedy zunächst dadurch abfing, daß er sich mit seiner berühmten Rede vom 11. März 1963 an ihre Spitze stellte.“ Sein tragischer Tod hat dazu beigetragen, seinem Bürgerrechtsprogramm eine größere Erfolgsaussicht zu verschaffen. Nun ist Präsident Johnson berufen, diese Kernfrage der amerikanischen Nation zu lösen.

Der Vortragende schloß: „Man kann nicht die Freiheit, die Gleichheit und die Menschenwürde zur Grundlage seiner Politik nach außen hin erklären und sie gleichzeitig zehn Prozent der eigenen Bevölkerung (20 Millionen Menschen) verweigern bzw. ihre Verweigerung stillschweigend dulden, ohne an innerer Kraft, an Glaubwürdigkeit und moralischem Kredit und an politischem Einfluß und Gewicht zu verlieren.“

Mit einem Ball der Schülermitverantwortung am Abend im „Oldesloer Hof“ klang des Theodor-Mommsen-Fest fröhlich aus.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1964

 

Montag, 30. November 1964

Oberschüler stellten aus

Einblick in ihren Kunstunterricht gab die Theodor-Mommsen-Schule den Besuchern ihrer Festveranstaltung am Sonnabend. Schüler hatten das Treppenhaus mit Zeichnungen, Transparenten und anderen beachtenswerten Arbeiten geschmückt. Die Fotoarbeitsgemeinschaft zeigte in einem Flur zehn gelungene Aufnahmen über das Thema Holz.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1964

 

Montag, 30. November 1964

Heute noch einmal „Des Königs Schatten“

Die am vergangenen Freitag in der Theodor-Mommsen-Schule erfolgreich aufgeführte Komödie „Des Königs Schatten“ wird heute abend wiederholt. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1964

 

Dienstag, 1. Dezember 1964

Ernst Mommsen scheute keine Mühe

Bei der Verleihung der von Hüttendirektor Ernst Mommsen, einem Enkel des großen Gelehrten, gestifteten Buchprämien zum Theodor-Mommsen-Fest des Gymnasiums erlebte die Oberprimanerin Gundula Knobloch aus Elmenhorst eine freudige Überraschung. Sie erhielt statt des erbetenen ersten Bandes von Marcel Prousts Gesamtwerk gleich alle sieben Bände. Der Preisträger der zweiten Oberprima, Ferdinand Franck aus Rohlfshagen, hatte sich den Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“von Robert Musil gewünscht und damit dem Spender eine schwere Aufgabe gestellt, denn das Buch ist in Deutschland vergriffen. Doch auch ein Telefongespräch mit Wien blieb ohne Erfolg. Schließlich fand sich ein antiquarisches Exemplar. Ernst Mommsen ließ es, wie Oberstudiendirektor Siepermann bei der Ausgabe der Prämien mitteilte, besonders in Leder bindenden. Außerdem fügte er noch zwei Bände Römische Geschichte hinzu.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.12.1964

 

Mittwoch, 2. Dezember 1964

„Des Königs Schatten“ wieder ausverkauft

Die zweite Aufführung Bernt von Heiselers Komödie „Des Königs Schatten“' durch die Spielschar des Gymnasiums am Montagabend war wieder ausverkauft. Ob eine dritte Aufführung stattfindet, wird noch erwogen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.12.1964

 

Dienstag, 15. Dezember 1964

Zur Pflege plattdeutscher Sprache und Art

Schölerkrink an der Oldesloer Königin-Luise-Schule gegründet

48 Schüler und Schülerinnen der Königin-Luise-Schule im Alter von elf bis 16 Jahren haben sich zu einem Schölerkrink zusammengeschlossen. Sie wollen plattdüütsche Art und Sprache pflegen.

Besondere Arbeitsformen sind das Stegreifspiel, das Laienspiel, das Vorlesen und der Volkstanz, und zwar plattdeutsch in jedem Fall. In größeren Abständen sollen Theaterfahrten nach Lübeck bzw. Hamburg durchgeführt werden. Insbesondere sind Fahrten nach Orten im Heimatlande Schleswig-Holstein und später auch nach Orten im nordwestdeutschen Raum vorgesehen, so zum Beispiel nach Bremen, Oldenburg in Oldenburg oder Aurich in Ostfriesland, wo ähnliche Vereinigungen bestehen. Erwartet werden Gegenbesuche von Jugendgruppen, die gleiche Ziele verfolgen.

Diese „Brückenbauten“ von Krink zu Krink, von Ort zu Ort und von Land zu Land sind in vielerlei Hinsicht wertvoll. In jüngster Zeit berichtete die Presse ausführlich über erfolgreiches Auftreten der Oldesloer Mittelschüler in Rendsburg und in Kiel.

Im Augenblick sind zwei abendfüllende Stücke und zwei Stegreifspiele in „Arbeit“, wobei den Schülern weitgehend Selbständigkeit und Selbsttätigkeit zugebilligt werden. Darin liegt der besondere Wert für die Persönlichkeitsbildung, die neben der Sprachpflege ein nicht unbedeutendes Anliegen des beratenden Lehrers ist.

Der Schölerkrink „Plattdüütsch leevt!“ ist dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund angeschlossen; er ist ein „Kind“ des Schoolmeeesterkrink, der auf Landesebene für die Erhaltung und Pflege des Plattdeutschen in vielerlei Form tätig ist.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.12.1964

 

Dienstag, 15. Dezember 1964

Letzte Aufführung besonders gut gelungen

Die letzte Aufführung der Komödie „Des Königs Schatten“ in der Theodor Mommsen Schule war zwar nicht, wie die beiden vorangegangenen, ausverkauft, doch sehr gut besucht. Die Zuschauer sahen eine besonders gelungene Vorstellung, denn die jungen Darsteller waren in prächtiger Spiellaune. Starker Beifall dankte ihnen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.12.1964

 

Mittwoch, 16. Dezember 1964

Leibeserziehung an der Schule gefährlichstes Versäumnis!

Zögernde Reform des großen Bildungsnotstandes

(Von Willi Daume, Präsident des Deutschen Sportbundes)

Die Notlage der Leibeserziehung an den deutschen Schulen ist nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt aktuell; täglich wächst sie weiter! Der Sport hat es dabei nicht leicht. Er steht mit seinen Wünschen an die Schule und an zukünftige Bildungspläne nicht allein. Und alle anderen Forderungen sind auch berechtigt, zum Beispiel die der Naturwissenschaftler, der Alt- und Neusprachler, der Kirchen und anderer. Wir haben bei uns einen allgemeinen Schulnotstand. Ein ganz harter Kritiker, der aber vom Ausland aus ein guter Beobachter ist, hat sogar gesagt, die Deutschen seien ein schul- und kinderfeindliches Volk.

Eine durchgreifende und in alle Bereiche der Leibeserziehung wirkende Reform darf sich daher nicht auf die Beseitigung einzelner Fehlentwicklungen und Schwächen beschränken, sie muß das Fernziel im Auge behalten: Eine allen Erfordernissen unseres Zeitalters angepaßte, umfassende Bildungskonzeption! Das Fehlen einer solchen Konzeption ist nicht nur in den Bereichen der elementaren und der höheren Schule erkennbar; zu beklagen ist vielmehr auch die nachrangige Behandlung des Faches „Leibeserziehung“ bei unseren Universitäten und Pädagogischen Hochschulen.

Bis heute wartet der einleitende Satz der „Empfehlungen“ aus dem, Jahre 1956, daß nämlich die Leibeserziehung ein wesentlicher Bestandteil der Gesamterziehung sei, auf seine Erfüllung. Dies ist um so weniger zu verstehen, als der Sport an anderer Stelle – zum Beispiel in der Medizin, in wachsendem Maße auch in der Soziologie – mehr und mehr Bedeutung im wissenschaftlichen Raum gewinnt.

Man muß gerecht sein und zugeben, daß die „Empfehlungen“ von 1956 der Leibeserziehung in den Schulen einen Anstoß gegeben haben. Dies gilt besonders für die höheren Schulen, die Förderung des Übungsstättenbaues und in gewissem Umfang auch für die Fortbildung der Lehrkräfte für Leibeserziehung an den allgemeinbildenden Schulen. Ohne entscheidende Auswirkungen sind die „Empfehlungen“ jedoch in folgender Hinsicht geblieben:

  • Durchführung der täglichen „Bewegungszeit“ in den beiden ersten Schuljahren. Und der angesetzten Pflichtstunden in den übrigen Klassen der Volksschulen;
  • Einbeziehung der Leibeserziehung in die Pflichtaufgaben der Schulaufsicht,
  • Bau geeigneter Übungsräume für Landschulen, die nur langsam über „erste Anfänge“ hinauskommen,
  • Behebung des Notstandes der Leibeserziehung für sämtliche Berufs- und höheren Fachschulen.

Eine inzwischen erfolgte Überprüfung der Richtlinien, Lehr- und Bildungspläne in den einzelnen Bundesländern hat ein so buntscheckiges Bild ergeben, daß die Schaffung einheitlicher Rahmenpläne für Leibeserziehung, gültig für das ganze Bundesgebiet, unerläßlich ist. Erste Entwürfe dafür liegen bereits vor. In einem Richtlinien-Ausschuß arbeiten dabei Kultusminister-Konferenz und Deutscher Sportbund wieder eng zusammen.

Dies aber ist die Grunderkenntnis: Der Notstand der Leibeserziehung in den Schulen ist nicht von heute auf morgen zu überwinden, denn er ist nur ein Teilstück des großen Bildungsnotstandes.

Gewiß sind Detaillösungen besser als gar keine. Trotzdem müssen wir mit dem Problem aus der Katechismus-Enge heraus. Es darf nicht „geregelt werden“, es muß etwas „passieren“. Es gilt, die Notwendigkeit einer umfassenden neuen Konzeption zu erkennen, die von den Erfordernissen modernen Lebens geprägt ist. Viel Zeit ist nicht mehr; man verfolge das Ergebnis der Reihenuntersuchungen unserer Schuljugend. Und man vergleiche die stark abfallende Gesundheitstendenz im Verlaufe der letzten Jahre!

Es hat wohl in der deutschen Kulturpolitik der Nachkriegszeit manche Versäumnisse gegeben, gefährlichere jedoch nicht als die in der Leibeserziehung der Schulen!

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.12.1964

 

 


 

Bis zum Jahr 1970