Spielzeit 1945 - 46
Teil 1

 

Dienstag, 8. Mai 1945
Der Krieg ist vorüber!
Bedingungslose Ergebung aller deutschen Streitkräfte. Die Völker aller Nationen feierten den alliierten Sieg, den König Georg von England einen vollständigen und überwältigenden Sieg genannt hat. Deutschland hat vor Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Rußland bedingungslos kapituliert. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands wurde in der Nacht vom Sonntag zum Montag um 2.41 Uhr in Reims in einem kleinen roten Schulhause unterzeichnet, in dem sich General Eisenhowers Hauptquartier befand. Generaloberst Alfred Jodl und Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg unterschrieben für das Deutsche Reich und Generaloberst Jodl sagte: "Mit dieser unserer Unterschrift sind das deutsche Volk und die deutsche Wehrmacht auf Gnade und Ungnade den Siegermächten in die Hand gegeben." Entsprechend den Vereinbarungen zwischen den drei Großmächten gab der britische Premierminister Winston Churchill gestern nachmittag um 3 Uhr über den Rundfunk eine offizielle Erklärung ab. Englands König sprach um 9 Uhr zu den Völkern des britischen Weltreiches und der britischen Völkerfamilie. - Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sprach zur gleichen Zeit wie Premierminister Churchill, und die Oberhäupter vieler Nationen richteten sich zu dieser weltgeschichtlichen Stunde an ihre Völker.
HNB

Donnerstag, 10. Mai 1945
Waffenruhe in Europa
König Georg VI. sprach am Dienstagabend zu den Völkern des Empires. Er sagte in seiner Ansprache unter anderem: "Ich spreche zu Euch aus London, das die Narben des Krieges trägt, und bitte Euch, sich mit mir im Dankgebet zu vereinigen. Deutschland, das ganz Europa in den Krieg stürzte, ist niedergeschlagen. Im Fernen Osten müssen wir den Kampf gegen Japan noch durchführen. Das wird mit äußerster Entschlossenheit und mit aller uns zur Verfügung stehender Kraft geschehen.

Aber in dieser Stunde, da die düsteren Schatten des Krieges von den Heimstätten unserer Bevölkerung genommen sind, können wir einen Augenblick rasten, um uns vor Gott zu neigen. Aber dann müssen wir an die Aufgaben denken, die noch vor uns liegen. Unser Dank gebührt in diesem Augenblick vor allem jenen, die nicht mehr zu uns zurückkehren. Wir müssen auch all denen danken, die in der Heimat im Dienste des Vaterlandes standen. In stolzer Dankbarkeit gedenken wir unserer Armee, die den Sieg für uns errungen hat. Laßt uns in dieser Stunde des Sieges darüber nachdenken, daß wir in fast sechs Jahren des Leides dem größten Widerstand standgehalten haben. Wenn wir uns fragen, was uns die Kraft dazu gab, dann war es das Bewußtsein, daß es nicht allein um uns ging, um unsere Freiheit, um unsere Unabhängigkeit, ja um unseren Fortbestand als Nation, sondern daß wir die Freiheit der ganzen Welt verteidigten, daß unser Sieg der Sieg jener Welt ist, die die Idee der Freiheit und die Sache der Gerechtigkeit anerkennt.

Auf uns richteten sich die Hoffnungen all jener europäischen Völker, die ihrer Freiheit beraubt wurden. Ihre Hoffnung war unsere Hoffnung, ihr Vertrauen stärkte unseren Glauben. Wir wußten, sollten wir wanken und schwach werden, dann würde das letzte Bollwerk gegen eine weltweite Tyrannei zusammenbrechen. Aber wir wankten und wir wichen nicht. Laßt uns unseren Blick jetzt den vor uns liegenden Aufgaben zuwenden und sie mit dem gleichen Vertrauen in Angriff nehmen. Schwere Arbeit erwartet uns, Arbeit bei der Wiedergutmachung der Wunden, die uns geschlagen sind, bei der Wiedererrichtung von Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt, die in ihren Grundfesten erschüttert ist.

Ein tiefer Trost liegt in dem Gedanken, daß die dunklen Jahre der Gefahr, in denen unsere Kinder aufwachsen mußten, für immer zu Ende sind. Dafür, sei Gott unser Dank! Wir würden unsere Aufgabe nicht erfüllt haben und das Blut unserer Lieben würde umsonst geflossen sein, wenn der Sieg nicht zu einem dauernden Frieden führen würde, einem Frieden der Achtung und Gerechtigkeit. Auf diesen Frieden soll sich unser Blick richten an diesem Tage eines berechtigten Triumphes und stolzer Trauer. Wenn wir jetzt alle wieder an die Arbeit gehen, dann soll es in dem Entschluß sein, eine Welt zu schaffen, die wir ersehnt haben für unsere Kinder und für uns."
LNB

Donnerstag, 10. Mai 1945
Täglich Plakatsäulen beachten!
Die Militärregierung hat eine Anzahl wichtiger Bekanntmachungen und Gesetze erlassen, die an den Plakatsäulen angeschlagen sind. Es ist dringend erforderlich, daß die Bevölkerung diese Anschläge in vollem Wortlaut zur Kenntnis nimmt und auch weiterhin die Plakatsäulen auf neue Anordnungen hin täglich beobachtet. Aus den bisherigen Bekanntmachungen ergeben sich neue Verhaltensmaßregeln.

Auflösung der NSDAP. Durch Gesetz der Militärregierung ist die NSDAP mit sämtlichen ihr angeschlossenen Organisationen aufgelöst worden.

Ausweiskarte. Jedermann hat ständig seine behördliche Personalausweiskarte bei sich zu tragen und sie auf Verlangen vorzuzeigen.

Alle durch Aushang bekanntgegebenen Gesetze und Anordnungen müssen sorgfältig befolgt werden. Verstöße werden gerichtlich verfolgt und geahndet, wobei in bestimmten Fällen Bestrafungen bis zur Todesstrafe vorgesehen sind. Deshalb: täglich die Plakatsäulen beachten!
LNB

Dienstag, 15. Mai 1945
Ein Appell der Militärregierung
Auf die dringende Notwendigkeit der weiteren Entwicklung der Landwirtschaft im Lübecker Raum und dessen Umgebung wird von der Alliierten Militärregierung jetzt mit besonderem Nachdruck hingewiesen. Obgleich die gegenwärtige Ernährungslage mindestens für die nächsten Wochen nicht ungünstig erscheint, würde, so äußert sich ein Vertreter der Militärregierung, eine empfindliche Knappheit im kommenden Winter eintreten, wenn während der nächsten Monate nicht das Äußerste aus allen Ländereien herausgeholt wird. Die Militärbehörden fordern deshalb die Bauern und Landarbeiter auf, sich mit aller Kraft einzusetzen. Es wird auch darauf hingewiesen, daß ein freiwilliger Einsatz zur Verstärkung der auf dem Lande Schaffenden dringend erforderlich ist. Besonders wichtig ist die äußerste Sparsamkeit mit Treibstoffen. Auch die Kohlenvorräte sind knapp und jede nur mögliche Sparmaßnahme muß angewendet werden. Die Entwicklung auf dem Gebiete der Stromversorgung wird dagegen von der Militärregierung als günstig betrachtet. Treibstoff für den Transportverkehr ist aber ebenfalls nur begrenzt vorhanden. Alle verfügbaren Ziviltransportmittel werden für besonders wichtige Zwecke benötigt, was zu einer starken Anspannung des Treibstoffverbrauchs geführt hat. Große Mengen von Kleidung werden an die Tausende von Fremdarbeitern im Lübecker Raum verteilt. Besonders mangelt es in dieser Hinsicht den russischen Arbeitern. An diese ist bisher bereits eine große Anzahl von Kleidungsstücken ausgegeben worden.
LNB

Dienstag, 15. Mai 1945
Ausgehverbot
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß von 21.00 bis 6.00 Uhr Ausgehverbot besteht. Jedermann, der sich ohne besonderen Ausweis innerhalb dieser Zeit auf der Straße aufhält, wird festgenommen. Alle Einwohner der Hansestadt Lübeck dürfen sich nur bis zu fünf Kilometer über das Stadtgebiet hinaus begeben.
LNB

Mittwoch, 16. Mai 1945
Die heutige Lage in Lübeck
Nach zwei Wochen Besetzung. Eine Übersicht, die ein Sprecher der alliierten Militärregierung heute gegeben hat, stellt erfreuliche Fortschritte in der Verwaltung und Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in Lübeck fest, nachdem nun zwei Wochen seit dem alliierten Einmarsch vergangen sind. Die verschiedenen Zweige der Zivilverwaltung funktionieren wie sonst, und verschiedene öffentliche Dienststellen sind in Betrieb. Die Aufräumung der bombenbetroffenen Stadtteile ist wieder aufgenommen worden und in gutem Fortschreiten. Arbeitstrupps, verstärkt durch deutsche Kriegsgefangene, sind für diese Arbeit eingesetzt.

Der amtliche Sprecher betonte, daß auch der Fernsprechverkehr Zug um Zug wieder in Betrieb gesetzt wird. Eine Zeitung der Militärregierung trägt täglich die neuesten Nachrichten aus aller Welt und auch die amtlichen Bekanntmachungen der Behörden in jedes Haus. Die Bankinstitute sind ebenfalls offen für den Geschäftsverkehr, und die Anlagen des Lübecker Hafens werden jetzt für die Inbetriebnahme instandgesetzt. Auch die Transportschwierigkeiten werden allmählich überwunden. Alle deutschen Transportmittel sind von der Militärregierung übernommen worden und werden jetzt zum Einsatz für lebenswichtige Zwecke fahrbereit gemacht. Wie der amtliche Sprecher noch hinzufügte, hat bereits eine Arbeitslenkungsstelle ihre Tätigkeit für den Einsatz deutscher Arbeiter aufgenommen.

Die deutsche Zivilpolizei erfüllt ihre Pflicht und hat einen Teil der zunächst von der alliierten Militärpolizei wahrgenommenen Aufgaben wieder übernommen. Die Lage hinsichtlich der allgemeinen Gesundheitsverhältnisse in Lübeck wurde vom Vertreter der Militärregierung im großen und ganzen als günstig bezeichnet.
LNB

Freitag, 18. Mai 1945
Neue Erziehung der Jugend
Vom alliierten Hauptquartier wurde bekanntgegeben: In der Frage der Erziehung der deutschen Jugend sind die ersten Schritte unternommen worden. In Aachen hat der Unterricht in den vier untersten Klassen der Volksschulen begonnen, auch in allen übrigen Volksschulen soll der Unterricht beginnen. Sieben von den Alliierten herausgegebene Schulbücher sind im Gebrauch. Der Unterricht in den oberen vier Volksschulklassen wird aufgenommen, sobald die Schulbücher verfügbar sind. Der Gebrauch von nationalsozialistischen Schulbüchern ist verboten, dagegen können einige Schulbücher von vor 1933 benutzt werden, wenn sie keine militärische Tendenz haben. Die höheren Schulen werden nicht vor dem Herbst geöffnet.
LNB

Samstag, 19. Mai 1945
Ab heute ist das Reiseverbot für Zivilisten zu Fuß und per Rad innerhalb des Bezirkes von Schleswig-Holstein aufgehoben, welcher unter Kontrolle des 8. Corps Military Government liegt. Besondere Pässe sind notwendig, a) den Kaiser-Wilhelm-Kanal zu überqueren in jeder Richtung, b) Erlaubnis, die Grenze des 8. Corps zu überschreiten. Das Verbot, die dänische Grenze zu überschreiten, bleibt bestehen.
LNB

Dienstag, 22. Mai 1945
Lockerung des Reiseverkehrs
Die im Stadtkreis Lübeck sich aufhaltende deutsche und ausländische Bevölkerung darf von Lübeck aus folgende Gebiete ungehindert, auch mit Fahrrad, aufsuchen: Das Gebiet des südlichen Schleswig-Holsteins, begrenzt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal, mit Ausnahme der Landkreise Steinburg, Pinneberg und Teile des Landkreises Rendsburg. In den nördlichen Teilen Schleswig-Holsteins - nördlich des Kaiser-Wilhelms-Kanals - kann nur mit einem Paß, der für die Überschreitung des Kaiser-Wilhelm-Kanals notwendig ist, gereist werden und auch dort nicht in die Kreise Eiderstedt, Süder- und Norderdithmarschen. Die Ausgehverbote (curfew), die örtlich erlassen sind, werden durch die Aufhebung der 5-Kilometer-Sperrgrenze und so weiter nicht berührt.
LNB

Samstag, 26. Mai 1945
Ausgehverbot beachten!
Der Oberbürgermeister der Hansestadt Lübeck gibt bekannt: Die Alliierte Militärregierung hat darauf hingewiesen, daß die Bestimmungen über das Ausgehverbot genauestens zu beachten sind. Sie hat darauf hingewiesen, daß ohne Ausnahme alle Personen, die ohne Berechtigung während des Ausgehverbotes auf der Straße angetroffen würden, verhaftet werden. Außer der Verhaftung werde ein Bestrafung erfolgen. Es ergeht an die Lübecker Bevölkerung nochmals die strikteste Anweisung, im eigensten Interesse die in Ansehung des Ausgehverbots erlassenen Vorschriften genauestens innezuhalten.
LNB

Dienstag, 29. Mai 1945
Das Ausgehverbot
Eine Verlautbarung der Militärregierung Lübeck warnt die Bevölkerung vor einer Verletzung der Ausgehbeschränkungen. Es sind Fälle berichtet worden, in denen solche Überschreitungen des Gesetzes vorkamen. Ein Sprecher der Militärregierung erklärte: "Wir werden dies nicht zulassen. Personen, welche sich schuldig machen, werden streng bestraft werden." Das Ausgehverbot ist von 9 bis 5 Uhr.
LNB

Donnerstag, 31. Mai 1945
Proklamation Montgomerys
Persönliche Botschaft des britischen Oberbefehlshabers. An die Bevölkerung des britischen Besatzungsgebietes in Deutschland.

  • 1. Ich bin von der britischen Regierung mit der Befehlsgewalt und Kontrolle des britischen Besatzungsgebietes in Deutschland betraut worden. In diesem Gebiet waltet zunächst eine Militärregierung unter meinem Befehl.
  • 2. Mein unmittelbares Ziel ist es, für alle ein einfaches und geregeltes Leben zu schaffen. In erster Linie ist dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung folgendes hat:
    • a) Nahrung
    • b) Obdach
    • c) Freisein von Krankheiten.
    Die Ernte muß eingebracht werden. Das Verkehrswesen muß neu aufgebaut werden. Das Postwesen muß in Gang gebracht werden. Gewisse Industrien müssen wieder die Arbeit aufnehmen. Dieses wird für Jedermann viel schwere Arbeit bedeuten.
  • 3. Diejenigen, die nach internationalem Recht Kriegsverbrechen begangen haben, werden gesetzmäßig abgeurteilt und bestraft werden. Das deutsche Volk wird unter meinen Befehlen arbeiten, um das, was zum Leben der Volksgemeinschaft notwendig ist, zu schaffen und um das wirtschaftliche Leben des Landes wieder aufzubauen.
  • 4. In dem britischen Besatzungsgebiet sind viele deutsche Soldaten, Flieger und Matrosen. Sie werden zur Zeit in besonderen Gebieten versammelt. Die deutsche Wehrmacht sowie alle anderen bewaffneten Verbände werden entwaffnet und aufgelöst. Alle deutschen Soldaten, Flieger und Matrosen werden nach ihren Handwerken und Berufen gemustert. In wenigen Tagen wird damit angefangen werden, sie von der Wehrmacht zu verabschieden, damit sie mit der Arbeit beginnen können. Vorrecht in der Dringlichkeit hat die Ernte; darum werden Landarbeiter zuerst entlassen. Die Entlassung von Männern in anderen Handwerken und Berufen erfolgt, sobald es praktisch möglich ist.
  • 5. Ich werde dafür sorgen, daß alle deutschen Soldaten und Zivilisten mittels Rundfunk und Presse über den Fortgang der Arbeit auf dem Laufenden gehalten werden. Der Bevölkerung wird aufgetragen, was zu tun ist. Ich erwarte, daß sie es bereitwillig und wirksam tut.

Bernhard L. Montgomery, Feldmarschall, Oberbefehlshaber des britischen Besatzungsgebietes.

LNB

Donnerstag, 23. Aug. 1945
Englisch deutsches Fußballspiel in Lübeck
In Lübeck kommt es am nächsten Sonntag zum ersten Zusammentreffen zwischen einer deutschen und einer englischen Fußballmannschaft. Die Gau-Mannschaft der Lübecker Polizei spielt gegen eine Auswahl der Lübecker Besatzungsstreitkräfte.
LNB

Sonntag, 26. Aug. 1945
Englisch-deutscher Fußball: Hamburg schlägt RAF 3:1
Das erste Fußballspiel nach Kriegsende wurde in Hamburg zwischen einer deutschen und einer englischen Mannschaft vor vollen Tribünen zwischen der Reservemannschaft des Hamburger SV und einer Kombination der Royal Air Force ausgetragen. 8000 bis 10000 Zuschauer, englische Soldaten und deutsche Zivilisten, wohnten dem Spiel bei. Die Hamburger gewannen nach einem interessanten und harten Kampf 3:1. - Das für Lübeck angekündigte Fußballspiel findet vorläufig nicht statt.
LNB

Montag, 27. Aug. 1945
Es gibt wieder Sport
Der Sport kommt in der britischen Zone langsam wieder in Gang. In vielen Städten wird schon wieder Fußball und Handball gespielt, die Schwimmer halten Wettbewerbe ab, Leichtathletiktreffen, Rad- und Pferderennen finden wieder statt. In Oldenburg ist es bereits zu einem sportlichen Treffen mit Mannschaften der Besatzungsarmee gekommen. Hamburg beginnt Ende September mit den Meisterschaftsspielen im Fußball und Handball, und zwei umfangreiche Veranstaltungen haben die Leichtathleten und die Boxer vor. Die berühmte Kieler Woche der Segler wird trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit noch in diesem Jahre stattfinden.

Im Aufbau befindet sich der Sport noch in den westdeutschen Gebieten. Zahlreiche Sportstätten sind durch Kriegseinwirkung zerstört oder beschädigt. Die Mitglieder der Sport- und Turnvereine haben sich an die Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten gemacht, um sobald als möglich wieder Sport und Spiel beginnen zu können.
LNB

Sonntag, 9. Sept. 1945
Gründung TSB Lübeck

Mittwoch, 12. Sept. 1945
Britisch-deutsches Fußballtreffen in Bad Oldesloe
In Bad Oldesloe trafen sich die Mannschaft der britischen Besatzungstruppe von Trittau-Grönwohld und die deutsche Elf von Bad Oldesloe im neuen Stadion. Das Spiel endete unentschieden 3:3.
LP

Samstag, 15. Sept. 1945
Ordnungspolizei gegen VfL Oldesloe
Die frühere Gauliga-Mannschaft der Sportgemeinschaft der Ordnungspolizei trägt am Sonntag auf dem Sportplatz am Burgfeld ein Fußballfreundschaftsspiel gegen den VfL Oldesloe aus. Spielbeginn 15 Uhr. Die Polizei verfügt zur Zeit über eine sehr gute Mannschaft, so daß dem Spiel ein zahlreiches Publikum zu wünschen wäre.
LP

Samstag, 15. Sept. 1945
Wieder Sport in Lübeck
LSV Gut Heil und Post maßen ihre Kräfte. Das Fußballspiel endete nach abwechslungsreichem Verlauf 5:4 (2:1) für die Post. Das Spiel der Rothemden war im Sturm zu umständlich im Gegensatz zu dem flüssigen Sturmspiel der Post. Bemerkenswert ist, daß bei Gut Heil nur Spieler mitwirkten, die schon seit der Knabenzeit im Verein spielen.
LNB

Sonntag, 16. Sept. 1945
Die Polizei hatte für Sonntag mit dem VfL Oldesloe abgeschlossen. Leider konnte aus der Reise der Oldesloer nichts werden. Die Post sprang bereitwillig ein, hielt sich bis zur Pause sehr gut, wies dann aber Ermüdungserscheinungen auf und unterlag schließlich 4:0 (1:0).
LNB

Mittwoch, 19. Sept. 1945
Sport im Zeichen des Friedens
Die seit kurzem wieder zu beobachtende rasche Zunahme an Veranstaltungen auf nahezu allen Gebieten sportlicher Betätigung innerhalb der britischen Besatzungszone Deutschlands darf als ein sicheres Zeichen dafür angesehen werden, daß die deutsche Bevölkerung langsam aber sicher zu normalen Lebensverhältnissen zurückfindet. Eher als man gedacht hat, lebt der Sport wieder auf. Fußballwettkämpfe gehören bereits wieder zu den regelmäßigen Sportveranstaltungen des Sonntags, Schwimmsport und Leichtathletik kommen erneut zu ihrem Recht.

Hamburg ist wieder Schauplatz eines Tennisturniers, das durch das Spiel des Weltmeisters Gottfried von Cramm seine besondere Note empfängt. Box-Europameister messen sich in der Hansestadt, und Hannover kündigt ein Reitturnier an. Dies alles ist mehr als noch vor wenigen Monaten eine durch die katastrophalen Ereignisse in Lähmung versetzte Bevölkerung erwarten oder erhoffen konnte; und wenn heute bereits wieder das Erwachen eines gesunden, von militaristischen Ambitionen und Tendenzen freien Sportgeistes in der deutschen Bevölkerung festzustellen ist, so darf dabei ein wichtiger Faktor nicht übersehen werden.

Neben der Initiative deutscher Sportler ist es vor allem die britische Militärregierung gewesen, die durch bereitwilliges und verstehendes Entgegenkommen entscheidend dazu beigetragen hat, daß der Sportbetrieb in Deutschland bereits vier Monate nach Kriegsende wieder auf dem Wege zu einer verheißungsvollen Zukunft gebracht werden konnte. Nichts erscheint geeigneter als der Sport, der Bevölkerung jene körperliche und damit auch geistige Gesundheit wiederzugeben, ohne die sie ihre noch bevorstehende schwere Aufgabe des Wiederaufbaus nicht bewältigen kann.
LP

Sonntag, 23. Sept. 1945
Verdienter Sieg des ATV Marli
Auf dem Lübecker Burgfeld trugen die Fußballmannschaften Marli (früher Schwarz-Weiß) und Moisling ein Freundschaftsspiel aus, das Marli verdient mit 6:3 (3:2) gewann. Die begeisterte Zuschauermenge folgte aufmerksam dem Spielverlauf, aus dem deutlich zu erkennen war, daß die Spieler nach der langen Spielunterbrechung eifrig bemüht waren, ihr Bestes zu geben. Marli wies den besseren Spielaufbau und zeigte auch die größere Gefährlichkeit im Sturm, mußte aber dennoch zunächst zwei Tore hinnehmen, ehe seine Spieler zum ersten Torstoß bei Moisling kamen. Nach der Pause waren die Schwarzweißen den Rothosen überlegen.
LNB

Samstag, 29. Sept. 1945
Turn- und Sportbund Lübeck
"Sport für alle auf demokratischer Grundlage", unter diesem Motto haben sich alle Sportler Lübecks, auch die 1933 verbotenen und aufgelösten Arbeitersportler, im "Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck" vereinigt. Nach den der Militärregierung vorgelegten Satzungen müssen sich alle Vereine neu gründen, das Vereinsstatut und die Anschriften des gewählten Vorstandes an den Vorstand des Bundes einsenden. Beamten- und Betriebssportvereine finden keine Aufnahme. Um den Spiel- und Sportbetrieb wieder in geregelte Bahnen zu lenken, sind die Meldungen baldigst abzugeben.

Der Vorstand des Bundes setzt sich wie folgt zusammen:

  • Johannes Stoll (1. Vorsitzender)
  • Walter Wulff (2. Vorsitzender)
  • Heinrich Nehlsen (Kassierer)
  • Friedrich Koop (Schriftführer)
  • Fritz Ehlers (Sportwart)

LP

Samstag, 29. Sept. 1945
Doppelspiel auf dem Burgfeld
Lübecker Fußballanhänger kommen am Sonntag voll auf ihre Kosten. Auf dem Burgfeld wird ein Doppelspiel ausgetragen. Um 14.30 Uhr beginnen Gut Heil und Schlutup. Anschließend spielt der ATV Marli gegen die neue Vereinigung der ehemaligen Vereine Post/Viktoria. In Kücknitz spielt LBV Phönix gegen Kücknitz am Sonntag um 15.30 Uhr.
LP

Sonntag, 30. Sept. 1945
Fußballspiele von Format
Das Doppelspiel auf dem Burgfeld entwickelte sich zu einem Musterfußball. Das Treffen LSV Gut Heil gegen Schlutup, unter Leitung von Hess (Phönix), brachte nach einem dramatischen Wettkampf das Ergebnis 2:2 (1:2). Die Rothemden gaben sich technisch besser. Mittelläufer Pohl brachte System in das Spiel, jedoch verstand der Sturm der Rotweißen es nicht, sich in aussichtsreicher Weise durchzusetzen. Schlutups Sturm war gefährlicher und erzielte nach einem Abwehrfehler die Führung. Nachdem Gut Heil den Ausgleich geschossen hatte, sah es nach einem sicheren Siege der Rotweißen aus, aber eine wegen harten Rempelns im Strafraum, verhängter Elfmeter brachte die Schlutuper erneut nach vorn.

Nach dem Platzwechsel drängte Gut Heil zunächst wieder, doch fiel die Mannschaft später zurück, als der gute Verteidiger Heick wegen einer Prellung ausscheiden mußte. Kurz vor Schluß glückte Lorenzen der Ausgleichstreffer. Eine große und freudig aufgenommene Überraschung brachte das Spiel VfB gegen Viktoria, 5:2 (3:1), das unter Leitung von Weinand II stand. Es spielte nicht der angekündigte ATV Marli gegen Viktoria (Post), sondern der VfB (Polizei), in dessen Reihen auch der bisherige Gutheiler Peterson stand. Die VfBer führten, obwohl die Viktorianer ebenfalls ein gutes Spiel lieferten, einen ausgezeichneten Fußball vor, und man darf schon nach diesem ersten Auftreten der Grünweißen für die Zukunft großes von ihnen erwarten.

Durch Wenzel ging der VfB in Führung, jedoch gelang Viktoria alsbald überraschend der Ausgleich. Wenzel stellte erneut die Führung her und Kühn brachte die Grünweißen bis zur Pause auf 3:1 in Führung. Nach dem Seitenwechsel schoß der Linksaußen des VfB den vierten Treffer und Peterson erzielte nach einem gelungenen Alleingang das 5:1. Am Ende holte Viktoria auf und verbesserte das Ergebnis durch den Halbrechten auf 5:2.

Der LBV Phönix lieferte in Kücknitz ein ausgezeichnetes Spiel, dem die Kücknitzer Sportkameraden nicht gewachsen waren. Lewandowski als Mittelläufer war der bislang fehlende Einfädler, Potlitz (6 Tore), Peters und Carlinger die Vollstrecker. Das Spiel endete 9:0 (5:0).
LNB