Spielzeit 1945 - 46
Teil 2

 

 

Samstag, 6. Okt. 1945
Lübecks Sport unter neuer Führung
Der deutsche Sport beschreitet seinen neuen Weg, der ihn wieder zur ursprünglichen Aufgabe zurückführt, die Volksgesundheit durch Stärkung von Körper, Geist und Seele zu fördern. Lübeck hat bereits den ersten Schritt getan, um ein neues Leben im deutschen Sport zu formen und zu festigen.

Sport in edelster Form. "Ein kraftvoller Wille gestattet ein neues Olympia", so erklärt Johannes Stoll, selbst aktiver Sportler, der mit der Führung des "Turn- und Sportbundes der Hansestadt Lübeck" beauftragt worden ist, im Laufe des Gesprächs mit der "Lübecker Post". "Wir wollen uns im Sportleben frei bewegen können, ohne an den alten Extremismus von links und rechts oder weltanschaulich-konfessionell gebunden zu sein." Wir fragen nach dem Sinn und Ziel des Sports und erhalten die Antwort: "Sich gesund fühlen, seinen Körper in Schwung halten und mühelos gebrauchen, seine Fähigkeiten und Leistungen durch ständige Übungen steigern, und zwar alles spielend - das ist Sport in seiner edelsten Form. Nach der Freude am gesunden Körper kommt die Leistung und schließlich die wunderbare Lust, sich mit anderen Menschen messen zu können. Wir wollen den olympischen Sport und deshalb fördern wir ihn, nur der Schießsport scheidet aus, er hat militärähnlichen Charakter."

Ein gutes Stück bereits voran. Dann nimmt Johannes Stoll, der mit sprühender Begeisterung von seiner neuen Sportaufgabe berichtet, Stellung zur zukünftigen Entwicklung des Sportlebens in Lübeck: "Wir sind schon ein gutes Stück vorwärtsgekommen. Die Sportkameradschaft, von der einst Friedrich Ludwig Jahn rühmende Worte prägte, ist nicht erloschen, sie lebt. Das zeigt die große Hilfe, die von verschiedenen Sportvereinen und Stellen dem 1933 verbotenen Arbeitersportverein zuteil geworden ist. Bisher haben 24 Vereine ihre Neuanmeldungen abgegeben, es werden noch eine Anzahl folgen.

Beamten- und Betriebssportvereine bestehen nicht mehr, sie müssen sich anderen Vereinen angliedern, wie zum Beispiel Polizei vereinigte sich mit Vorwärts zum VfB, Post mit Viktoria 08 zu Viktoria, auch der Eisenbahnsportverein wird sich mit einem anderen Verein zusammenfinden."

Fühlung mit auswärtigen Vereinen. Abschließend berichtet Johannes Stoll noch, daß die Lübecker Sportvereine bereits mit auswärtigen Vereinen Fühlung aufgenommen hätten, um mit ihnen in Wettstreit zu treten. Die Frage der Sportplatz-, Hallen- und Geräteschwierigkeiten dürfte sich in nächster Zeit auch günstiger klären, obwohl immerhin noch mit wenig Vorlieb genommen werden müßte.
LP

Samstag, 13. Okt. 1945
Die Auflösung des Nazitums
Ein Gesetz über die Beendigung und Auflösung der Nazi-Organisation beschloß der alliierte Kontrollrat in seiner achten Sitzung in Berlin. Artikel I des Gesetzes hat folgenden Wortlaut:

  • 1. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, ihre Gliederungen, die ihr angeschlossenen Verbindungen und die von ihr abhängigen Organisationen, einschließlich der halbmilitaristischen Organisationen und aller anderen Nazi-Einrichtungen, die von der Partei als Werkzeug ihrer Herrschaft geschaffen wurden, sind durch vorliegendes Gesetz abgeschafft und für ungesetzlich erklärt.
  • 2. Diejenigen Nazi-Organisationen, die auf der Liste im Anhang angeführt worden sind, oder solche, die außerdem zusätzlich bezeichnet werden sollten, sind ausdrücklich aufgelöst.
  • 3. Die Neubildung irgendeiner der angeführten Organisationen, sei es unter dem gleichen oder unter einem anderen Namen, ist verboten.

LP

Sonntag, 14. Okt. 1945
Lübecks Fußballmannschaft steht
Der HSV kommt nach Lübeck. Die besten Fußballer Lübecks traten auf dem Sportplatz der Pionierkaserne zum Auswahlspiel für das Städtespiel Lübeck gegen Hamburg an. Zum Auswahlspiel waren leider nicht alle vorgesehenen Spieler zur Stelle. Die A- und B-Mannschaften trennten sich nach einem Ergebnis von 7:0 für A.

Die für das Städtespiel gegen Hamburg, das am kommenden Sonntag voraussichtlich in Lübeck stattfinden wird, aufgestellte Mannschaft sieht folgende Fußballer vor:

Felgenhauer - Matthews, Knehaus - Hoppe, Hoffmann, Clasen (alle VfB) - Grau, Kempf (beide Viktoria), Peters (Phönix), Wenzel, Scholz (beide VfB). Wenn auch die Namen Grau, Kempf, Scholz für viele Fußballfreunde noch kein Begriff sind, so sei hervorgehoben, daß gerade diese bisher weniger bekannten Spieler beim Auswahlspiel ausgezeichnet gefielen.

Die Lübecker Spieler, wie auch die Ersatzleute Peterson (VfB), Pohl (Gut Heil) und Kropull (ATV), treffen am Freitag, dem 19. Okt., um 19 Uhr in der Auktionshalle, Schwartauer Alle 84a, zu einer Besprechung zusammen. Der HSV kommt mit repräsentativen Spielern, so daß sich kein Fußballfreund dieses Spiel entgehen lassen wird.
LNB

Mittwoch, 17. Okt. 1945
Rückblick und Ausblick
Sport im Geiste Olympias. Wir stehen nicht mehr auf dem Standpunkt des alten Virchow, daß der Körper nur aus Knochen und Muskeln sich zusammensetzt, sondern wir müssen den ganzen Menschen betrachten, seinen Körper, seinen Geist und seine Seele.

Sport ist ein Gesundungsprozeß innerhalb des Körpers mit all seinen Funktionen: er verhilft zur Gesundheit und macht selbst eine nüchterne Lebenshaltung zur Pflicht. Aber noch mehr als nur eine Körperkultur ist der Sport in seiner Vielseitigkeit, sein innerstes Gesetz ist der Wettkampf und seine Triebkraft der Siegerwille. Darum lassen sich die Begriffe des Rekords und der Meisterschaft nicht wegdenken, diese dienen auch der geringeren Leistung als Maßstab und Ansporn.

Aus der vollen Hingabe nun, der sich Mann und Frau und Jugend verschreiben sollen, ergibt sich eine besondere Art von Schönheit: die des bewegten Körpers. Durch die Wendigkeit und Beweglichkeit der Glieder soll das Ziel erreicht werden: Stärkung und Erhaltung von Körper, Geist und Seele.

So muß auch wieder ein Sport im Geiste Olympias entstehen, der alle Sportler im friedlichen Wettstreit zueinanderbringt. Das ist das Ziel des "Turn- und Sportbundes der Hansestadt Lübeck", der bereits 16 Turn- und Sportvereine sowie zehn Segler- und Rudervereine in seinen Neuanmeldungen zählen kann.
LP

Sonntag, 21. Okt. 1945
Verdienter HSV-Sieg über Lübecker Auswahl
Lübeck erlebte einen Hochtag seines Fußballsports. Auf dem Platz der Pionierkaserne standen sich der mehrfache Deutsche Meister Hamburger SV und eine Lübecker Stadtauswahl gegenüber. Vor einer über 4000köpfigen Zuschauermenge, unter der sich als Gäste Polizeipräsident Passarge und Senator Haut befanden, wurde ein prächtiges Fußballspiel vorgeführt, das sich mit 4:1 für den HSV entschied.

Um der neuen Sportbewegung einen besonderen Auftrieb zu geben, schloß der "Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck" ein Fußballspiel zwischen dem Hamburger Sportverein und einer Lübecker Auswahlmannschaft ab. Leider war der Platz der Pionierkaserne für ein solches Spiel unzulänglich, weil nun einmal ein gepflegter Rasenplatz die Voraussetzung für ein gutes Fußballspiel ist.

Beim HSV fehlten Friedo Dörfel, Adamkiewicz und Seeler. Die "Ersatzleute" wußten besonders gut zu gefallen, vor allem Spundflasche, der fast als Verstärkung erschien. Zunächst entwickelte sich ein völlig offenes Spiel, bei dem die Lübecker durchaus gut liegen. Nach halbstündiger Dauer gibt Matthews einen Ball weit nach vorn, Kempf ist zur Stelle, eilt auf das Tor zu, Warning stürzt sich ihm entgegen, kann aber den Einschuß nicht verhindern. Lübeck führt 1:0! Der HSV dreht auf; es kann der HSV immer wieder gefährlich in den Strafraum eindringen. Als der Ball bei einer solchen Gelegenheit nicht weggeschafft wird, bekommt Ebeling Schußgelegenheit und schon hängt der Ball, hart unter die Latte geschossen, im Netz. Schon stößt der HSV wieder mit Erfolg vor und führt 2:1! Wenige Augenblicke später ist Boller freigespielt und kann - völlig unbehindert - zum dritten Tor des HSV einschießen.

Nach dem Wechsel hat der HSV Waak herausgenommen. Jessen spielt rechter Läufer, Struck halbrechts. Lübeck versäumte den Zeitpunkt, für den ausfallenden Linksaußen einen Ersatzmann einzustellen. An diesem Ausfall krankte der gesamte Sturm. Zunächst ist der HSV weiterhin klar im Vorteil, obwohl sich die Lübecker Hintermannschaft redlich einsetzt. Bei einem harmlosen Schuß Jessens aus dem Hintergrund will ein Abwehrspieler Lübecks den Ball wegköpfen, verändert dadurch aber nur die Richtung. Felgenhauer ist schon in die ursprüngliche Flugrichtung gesprungen. Der Ball dringt ungehindert ins Lübecker Tor. Damit steht der Endsieg des HSV fest.

Der HSV gefiel ausgezeichnet und man muß dem "Turn- und Sportbund" dankbar sein, daß er eine solche Mannschaft herübergeholt hat. Die Lübecker Mannschaft muß vorweg für ihren guten Willen ein Gesamtlob bekommen. Felgenhauer muß Hochschüsse anders parieren. Verteidigung und Läuferreihe gefielen ausgezeichnet, jedoch mußten sie verhindern, daß der Gegner im Mittelfeld zuviel Entwicklungsmöglichkeiten hat. Hoppe muß das Zuspiel verbessern. Der Rechtsaußen war stets eifrig, muß aber häufiger flanken. Kempf und Wenzel haben ein riesiges Arbeitspensum erledigt. Peters Pläne wurden oft durchkreuzt. der Linksaußen fiel völlig aus.

Die Tatsache, daß in Lübeck noch manche Spieler vorhanden sind, die die Lücken füllen können, die sich offenbarten, lassen uns hoffnungsfroh weiteren Großspielen entgegensehen. Schiedsrichter Weinand (Phönix) amtierte einwandfrei.
LNB

Stadtauswahl Lübeck: Felgenhauer - Matthews, Knehaus - Hoppe, Hoffmann, Clasen (alle VfB Lübeck) - Grau, Kempf (beide Viktoria Lübeck), Peters (LBV Phönix), Wenzel, Scholz (beide VfB Lübeck).

Hamburger SV: Warning - Richard Dörfel, Holdt - Waak (46. Struck), Spundflasche, Rohwedder - Melkonian, Jessen, Gornick, Boller, Ebeling.

Montag, 22. Okt. 1945
Lübecker Schiedsrichterbesprechung
Die Lübecker Fußballschiedsrichter versammeln sich am Mittwoch, dem 24. Okt., um 19 Uhr bei Both, Glockengießerstraße 28, zu einer wichtigen Besprechung. Das Erscheinen aller Schiedsrichter ist dringend erforderlich.
LNB

Dienstag, 23. Okt. 1945
Vereinsregister
Zur ersten Versammlung nach dem Kriege kamen die Mitglieder des VfL zusammen. Der Vorstand wurde gewählt:

  • Helmuth Stamer (1. Vorsitzender)
  • Max Jantzen (2. Vorsitzender)
  • Hans Peter (Schatzmeister)
  • Heinrich Maybaum (Jugendwart)
  • Hans Baumgartner (Schriftführer)
  • Karl Reinhard (Leiter Fußball)
  • Heinrich Diedrichsen (Leiter Turnen und Handball).

Die Britische Militärregierung erteilte die Erlaubnis zu dieser Veranstaltung. Der VfL soll als einzige Vereinigung in Bad Oldesloe Sport treiben.

Mittwoch, 24. Okt. 1945
Eimsbüttel siegte knapp 3:2 (2:1) über VfB Lübeck
Der bessere Sturm gab den Ausschlag. Der VfB Lübeck hatte seinen Sturm noch umstellen müssen, weil Kempf und Grau, der rechte Flügel Viktorias, der ursprünglich spielen sollte, vom Bundesvorstand gesperrt wurde. Während die gleiche Hintermannschaft aus dem Städtespiel zur Verfügung stand, wurde Peterson in die Mitte gestellt, Wenzel halblinks, Cittrich halbrechts, Kühn (krasser Rechtsfüßler) nach Linksaußen. Rechtsaußen wurde ein neuer Mann erprobt, der sich gut einführte.

Eimsbüttel kam mit seiner augenblicklich stärksten Mannschaft, also:

Ring - G. Lüdecke, O. Lüdecke - Karl Manja, Schindowski, Engehusen - Ellerbusch, Haß, Kurt Manja, Risse, Kirschenstein.

Es war erfreulich, zu hören, daß Panse - allerdings krank - inzwischen aus der Gefangenschaft zurück ist und voraussichtlich demnächst wieder spielen wird. Auch vom Nationalmittelläufer Hans Rohde haben die Eimsbütteler gute Nachrichten. Er befindet sich in Ostpreußen in russischer Gefangenschaft, hofft aber, auch bald zu kommen.

Das Spiel lief zunächst recht schwer an. Die Gäste faßten zuerst Schritt und wurden mehrfach gefährlich, während die Lübecker nur vereinzelt durchkamen. Felgenhauer mußte oft eingreifen und zeigte prächtige Paraden, ließ aber bei hohen Ecken mehrfach den gleichen Fehler erkennen: er ging zu früh hoch. Das wurde schließlich zum Verhängnis. Manja erwischt einen verpaßten Hochball und schießt prompt zum Führungstor für die Gäste ein.

Fünf Minuten später kam Wenzel im Mittelfeld an den Ball, Paß zum Rechtsaußen, Rückgabe zu Wenzel, der hart angenommen wird, aber trotzdem den Ausgleich schießen kann. Als wenig später Eimsbüttels rechter Flügel die Lübecker Abwehr überwunden hat, stürzt Felgenhauer heraus und muß nun tatenlos zusehen, wie Manja erneut die Führung der Gäste herstellt.

Nach dem Seitenwechsel spielte Lübeck mit der Sonne im Rücken und drückte zeitweilig. Wenzel setzte Cittrich gut ein. Der Schuß sprang vom Pfosten ins Feld zurück. Kühn fing den Ball ab und schoß erneut zum Ausgleich ein. Nachdem beide Mannschaften mancherlei Torgelegenheiten gehabt, aber nicht genutzt hatten, hatte Eimsbüttel noch einmal Glück. Felgenhauer hatte, am Boden liegend, einen Ball kurz mit dem Fuß abgewehrt, der Ball wurde nicht weggeschafft, Haß eilte hinzu und schoß den Siegestreffer.

Eimsbüttel hat das Spiel auf Grund seiner geschlosseneren und vorbildlichen Stürmerarbeit verdient gewonnen, wenn ein anderes Ergebnis auch durchaus im Bereich des Möglichen lag.
LNB

Sonntag, 4. Nov. 1945
Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen Mannschaften in Deutschland wieder den Spielbetrieb im Fußball auf. Die Torejagd beschränkte sich allerdings auf die amerikanische Zone. In den Besatzungsbereichen der Engländer, Franzosen und Sowjets war der organisierte Sport noch nicht genehmigt. Zum Auftakt gab es folgende Ergebnisse:

  • VfB Stuttgart - Karlsruher FV 3:1
  • 1. FC Nürnberg - Bayern München 2:1
  • TSV 1860 München - BC Augsburg 2:1
  • Schwaben Augsburg - Stuttgarter Kickers 2:2
  • FC Schweinfurt 05 - SpVgg Fürth 0:0.



Sonntag, 4. Nov. 1945
Knapper Sieg des Phönix
Der gleichwertige LSV Gut Heil unterlag 3:4 (1:2). Dieses nach der Pionierkaserne verlegte Lokaltreffen hatte wohl 2000 Zuschauer angezogen, die voll auf ihre Kosten kamen. Dem etwas flüssigeren Zusammenspiel des Phönix setzten die Rothemden die größere Wucht entgegen und lieferten jederzeit ein gleichwertiges Spiel, das die glücklichere Mannschaft gewann. In den letzten Minuten glückte Peters der Siegestreffer. Beiden Mannschaften war deutlich anzumerken, daß sie, die zuletzt immer auf dem unzulänglichen Burgfeld gespielt haben, sich auf Plätzen mit normalem Ausmaß erst wieder einspielen müssen.
LNB

Mittwoch, 7. Nov. 1945
"Nordwestdeutscher Sportbund" kommt
Einheitliche Sportorganisation in der britischen Zone. Als Spitzenorganisation aller Sportverbände in der britischen Zone soll der "Nordwestdeutsche Sportbund" ins Leben gerufen werden. Die Errichtung dieses neuen einheitlichen Sportverbandes wurde auf einer Tagung der Dezernenten und Referenten für Sport bei den Regierungspräsidenten der Provinz Hannover, der Länder Braunschweig und Oldenburg und dem Oberbürgermeister der Hansestadt Bremen in Bremen bekanntgegeben.

Auf dieser Tagung wurden auch die neuen Richtlinien des kürzlich gegründeten Sportverbandes Niedersachsen veröffentlicht. Von besonderer Bedeutung sind die Bestimmungen, daß im Bereich des Sportverbandes Niedersachsen mehrere Vereine nur in mittleren Großstädten bestehen dürfen oder gebildet werden können. Die Gemeinschaften müssen ferner neue Namen tragen. Firmen-, Betriebs- und Behördensportvereine werden zur Aufnahme im Verband nicht zugelassen.
LP

Sonntag, 11. Nov. 1945
Neuaufbau des Sports
Der "Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck" hatte die Vorsitzenden der Turn- und Sportvereine zu einer Tagung im Turnerschaftshaus versammelt, um über Fragen des Neuaufbaues des Sportes in der Hansestadt zu beraten. Durch die Anerkennung der Bundessatzung bekundeten alle Vertreter der Turn- und Sportvereine ihren Willen, am Neuaufbau der neuen Sportbewegung mitzuarbeiten. Den 1933 verbotenen und jetzt wieder ins Leben gerufenen Vereinen wurde von allen Seiten sportkameradschaftliche Hilfe zugesagt.

Der Bundesvorsitzende, Johannes Stoll, gab im Schlußwort seiner Überzeugung Ausdruck, daß gerade der Sport dazu berufen sein möge, die Wunden des Krieges zu heilen und ein Meilenstein zu sein auf dem Wege in eine bessere Zukunft.
LP

Mittwoch, 14. Nov. 1945
Bad Oldesloe lebt auf
Bad Oldesloe, die Kreisstadt an der Trave, hat durch den Krieg Ende April dieses Jahres noch schwere Wunden erlitten. Heute sind fast alle Straßen wieder instandgesetzt, die Wasserversorgung funktioniert, die Stromversorgung und somit auch die Straßenbeleuchtung ist intakt und zur größten Freude der Hausfrauen liefert sogar das schwer beschädigte Gaswerk seit einigen Tagen für fast alle Häuser wieder Gas. An dem Aufbau der zerstörten Werke und Fabriken sowie landwirtschaftlichen Betrieben wird fleißig gearbeitet. Außerdem ist seit längerer Zeit eine Volksküche, in der schmackhaftes Essen zu bescheidenem Preise und gegen geringe Markenabgabe verabfolgt wird, eingerichtet. Die beiden Lichtspielhäuser sind bei dem Bombenangriff zwar zerstört worden. Es ist aber gelungen, auch auf andere Weise für Unterhaltung und Entspannung zu sorgen, vor allem dadurch, daß die Landesbühne Schleswig-Holstein verschiedentlich zu Wort kam.

Das sportliche Leben, wie Fußball, blüht ebenfalls wieder auf. Bad Oldesloe wird bekanntlich im Kreise Stormarn vermöge seiner schönen sportlichen Anlagen die "Sportstadt" genannt. Auf Veranlassung der Militärregierung wurde das Sportstadion an der Trave ausgebaut, das nun sowohl den Besatzungstruppen wie den einheimischen Sportvereinen zur Verfügung steht.
LP

Samstag, 17. Nov. 1945
VfB Lübeck unterlag Falke Putlos
Verdienter 2:5-Sieg. Wenig Chancen für den VfB. Die ausgezeichnete Fußballmannschaft Falke Putlos schlug den Ligameister VfB Lübeck in einem spannenden Spiel mit 2:5 (0:2). Mit ihrem ersten Spiel in Lübeck haben die Putloser gezeigt, was sie können, so daß sie sogar eine nicht erwartete Fußballüberraschung herbeiführten.

Falke Putlos spielte technisch und taktisch hervorragend, hielt den Ball wunderbar flach und ließ den Besten der VfB-Mannschaft keine Chancen. Vor allem trat der schnelle und gewandte Sturm der Gäste hervor. Zech (früher Polizei, dann Hubertus), der den Lübecker Fußballfreunden wohlbekannt ist, sah man wieder als Mittelläufer. Auch die übrigen Spieler von Putlos stellten ihre Fußballqualitäten unter Beweis.

Bis zur Pause hatte der VfB fast gar nichts zu bestellen. Er kam etwas besser ins Spiel, als Umstellungen vorgenommen waren, die Stürmer in die Verteidigung und Verteidiger in den Sturm brachten. Auf jeden Fall sieht nach einem solchen prachtvollen Ergebnis für Putlos Lübecks Sportgemeinde mit größtem Interesse weiteren Spielen mit Falke entgegen.
LNB

Mittwoch, 21. Nov. 1945
VfB Lübeck spielte mit neuem Sturm
Gegen den LSV Gut Heil mit 6:0 gewonnen. Nachdem am vergangenen Sonntag der VfB Lübeck gegen Falke Putlos sich mit 5:2 Toren geschlagen geben mußte, erzielten die VfBer nach der Neuaufstellung ihres Sturmes gegen den LSV Gut Heil in einem Freundschaftsspiel einen 6:0-Sieg.

Der VfB hinterließ mit seinem neuaufgestellten Sturm, in dem der von Viktoria gekommene Kempf erstmalig mitwirkte, einen guten Eindruck, aber auch die Rotweißen lieferten bis zum Seitenwechsel ein ebenbürtiges Spiel. Als dann das zweite Tor fiel und ein fälliger Elfer in einen Strafstoß außerhalb des Strafraumes abgeschwächt wurde, fiel die Gut Heil-Mannschaft auseinander. Die bis dahin gute und stabile Hintermannschaft ließ sich umherjagen, statt planmäßig die gegnerischen Stürmer zu decken.

Der schußfreudige VfB-Sturm fand immer wieder Lücken, um mit 6:0 einen imponierenden Sieg sicherzustellen. Von den Toren schossen Wenzel drei, Kempf zwei und Bahr eins. Während die VfB-Mannschaft in ihrer jetzigen Aufstellung für die Zukunft recht Gutes erwarten läßt, vorausgesetzt, daß Freispiel und Ball-Laufenlassen sich noch bessern, muß man bei den Rotweißen energisch an eine taktische Schulung der Mannschaft gehen, wenn der Anschluß an die Spitze nicht verpaßt werden soll.
LNB

Sonntag, 25. Nov. 1945
ATV Marli überraschte LBV Phönix
Durch Spieleifer dem technisch besseren Gegner 2:1 überlegen. Daß eine Mannschaft auch durch Spieleifer und besondere Hingabe seinen Gegner besiegen kann, bewies das Spiel ATV Marli gegen LBV Phönix auf der Pionierkaserne. Die ATVer gewannen 2:1 (2:0).

Vom Ballanstoß an entwickelte sich zunächst ein ausgeglichenes Spiel. Der LBV Phönix glaubte sich hierbei auf seine bessere Spieltechnik stützen zu können. Mit begeisterter Hingabe widmete sich aber die ATV-Mannschaft dem Spiel, das sich schließlich auch zu ihren Gunsten entwickelte. Die zwei einzigen Tore bis Halbzeit schoß der Rechtsaußen des ATV, Evers. Seinen stärksten Mannschaftsteil besaß der ATV in seiner Hintermannschaft, in der erstmals der neue Torwart Schmidt mitspielte und sich auch bewährte.

LBV Phönix konnte trotz größter Anstrengungen, die sich besonders nach Halbzeit zeigten, nur um ein Tor aufholen. Die Überraschung eines verdienten Sieges durch den ATV Marli blieb somit nicht aus.
LNB

Sonntag, 25. Nov. 1945 - Freundschaftsspiel
VfL Oldesloe - Britische Auswahl 5:1
Fußball im neuen Stadion in Bad Oldesloe. Der VfL Oldesloe trat gegen eine Fußballmannschaft der Royal Artillery an. Das Spiel brachte einen klaren 5:1-Sieg für den VfL. Der Reinertrag wird dem Roten Kreuz zugewiesen!
AVO/LP

Samstag, 1. Dez. 1945
Jugendvereinigungen. Auf Anordnung der Militärregierung wird darauf hingewiesen, daß alle Jugendverbände, -vereine, -bünde und sonstige Organisationen von Jugendlichen und Erwachsenen, die zum Zwecke kultureller, sportlicher und sonstiger Betätigung gegründet werden oder bereits bestehen, bei dem Kreisjugendamt Bad Oldesloe, Königstraße Nr. 32, angemeldet und genehmigt werden müssen.

Die Leiter von etwa schon bestehenden, noch nicht gemeldeten und genehmigten Organisationen vorbezeichneter Art werden ersucht, diese Anmeldung sofort schriftlich beim Kreisjugendamt nachzuholen. Der Landrat des Kreises Stormarn.
AVO

Sonntag, 2. Dez. 1945
LSV Gut Heil und LBV Phönix siegten je 7:1
Bewegter Fußballsonntag. ATV Marli schlug Schwartau 7:0. Lübecks Sportsonntag stand vor allem im Zeichen der drei Freundschaftsspiele im Fußball: LSV Gut Heil gegen FSV, LBV Phönix gegen Frisch auf Moisling und ATV Marli gegen MTV Schwartau. Die Spiele brachten durchweg schöne Kämpfe und fast gleichwertige Ergebnisse. LSV Gut Heil und LBV Phönix gewannen über ihre Gegner mit je 7:1, ATV Marli schlug Schwartau 7.0.

Am Vormittag spielte der LSV Gut Heil auf dem Sportplatz Neuhof gegen den FSV. Von Beginn an drängten die Rotweißen stark, wohl zu stark, um bei der sich entwickelnden Enge Tore erzielen zu können. Es dauerte lange, bis das überfällige erste Tor durch Mittelstürmer Reichmann geschossen wurde.

Als es dem FSV dann bald gelang, den Ausgleich zu schießen, sah es zunächst nicht nach einem hohen Sieg aus, zumal die Rotweißen bis Halbzeit mit Mühe und Not nur ein zweites Tor fertig bekamen. Nach dem Seitenwechsel fand sich der Sturm der Rotweißen besser, vor allem verstanden sie es immer wieder den Halblinken Lorenzen freizuspielen, der allein fünf Tore erzielen konnte. Der FSV wurde bis Spielende nur noch selten gefährlich.

Auf dem Sportplatz Pionierkaserne spielten am Nachmittag LBV Phönix und Frisch auf Moisling. Von Anfang an hatte Phönix das Heft fest in der Hand und schoß bis zur Pause bereits fünf Tore. Nach dem Seitenwechsel ließ die Hintermannschaft des Phönix etwas nach, so daß Moisling besser ins Spiel kam und das verdiente Ehrentor schießen konnte. Zwei weiter Tore, darunter ein von Carlinger verwandelter Elfmeter, erbrachte das Endergebnis.

Noch besser als die beiden Ligavereine verstand es ATV Marli. Der Sturm schoß auch sieben Tore, davon der jetzt als Mittelstürmer tätige Evers alleine fünf, aber das eigene Tor wurde rein gehalten. Aller Eifer der neu aufgestellten Mannschaft des MTV Schwartau reichte nicht aus, um den spielerfahrenen Marli-Sportlern gegenüber einen ernsthaften Gegner abzugeben.
LNB

Montag, 3. Dez. 1945
Militärregierung erlaubt Gründung von Sportvereinen
Sportvereine dürfen jetzt in der britischen Zone gegründet werden, ohne erst die Genehmigung der Militärregierung einzuholen. Die Vereine dürfen Sportveranstaltungen jeder Art, Fußballkämpfe oder leichtathletische Treffen ohne vorherige Genehmigung der Militärregierung durchführen. Diese Erlaubnis zählt zu den Erleichterungen bei der Durchführung öffentlicher Versammlungen, die vor Kurzem in Kraft getreten ist.

Die Kommandantur der örtlichen Militärregierung ist angewiesen, alle sportlichen und turnerischen Organisationen zu überwachen und strenge Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Erlaubnis zur freien Ausübung des Sports zu nationalsozialistischer oder militärischer Betätigung mißbraucht werden sollte. Die leitenden Offiziere der örtlichen Militärregierung sind ermächtigt, jede Sportveranstaltung oder jedes andere Zusammentreffen aufzulösen oder zu verbieten, wenn es irgendwo zu Ordnungsstörungen kommen sollte.

Alle Arten von Leibesübungen, die als vormilitärische Ausbildung anzusehen sind, bleiben weiterhin verboten, dazu gehören: Schießen, Fechten, alle Übungen mit Waffen- und Hilfswaffen, Gewaltmärsche, Zugexerzieren, Jiu-Jitsu, jede Art unbewaffneter Verteidigung und alle Arten von Feldspielen und Geländeübungen. Alle Leibesprüfungen, die dem Ausübenden körperlichen Schaden bringen können, sind ebenfalls verboten. Speer-, Diskus- und Hammerwerfen, Gewichtheben und Kugelstoßen zählen nicht zur militärischen Ausbildung und sind erlaubt.
LNB

Samstag, 8. Dez. 1945
Fußball am Sonntag
Die hier bekannte Fußballmannschaft Holstein Segeberg hat sich zu einem Freundschaftsspiel angemeldet. Das Spiel findet 13 Uhr 30 im Stadion statt.
AVO

Sonntag, 9. Dez. 1945
VfB den Briten um ein Tor voraus
Prächtiges deutsch-britisches Fußballspiel. 3:2-Sieg des VfB. Nach mancherlei Anläufen kam es in Lübeck zu einem Fußballspiel zwischen einer deutschen und einer Mannschaft der britischen Besatzungstruppe. Etwa 3000 Zuschauer zollten auf dem Buniamshof, trotz Kälte und Schnee, dem Spiel, das sich 3:2 (1:1) für den VfB entschied, größtes Interesse. Die britische Mannschaft wirkte durch ihr ausgeprägtes Stellungsspiel - übrigens mit offensivem Mittelläufer - immer schneller als die Spieler des VfB, die den gut durchgebildeten und technisch versierten Briten gegenüber oft langsam wirkten.

Seitz gab 20 Minuten nach Spielbeginn zu seinem Rechtsaußen den Ball, dieser will auf die Mitte geben, Ball wird abgefangen, kommt erneut zum Rechtsaußen, hohe Flanke zur Mitte, Kühn steht halblinks frei und schießt sofort und ungehindert zur 1:0-Führung ein. Kaum fünf Minuten später löst sich der englische Rechtsaußen von Clasen, flankt, anschließend hoher Schuß auf das Lübecker Tor, Felgenhauer schlägt den Ball mit den Händen ab. Durch Schrägschuß fällt der Ausgleich! Die leichte Feldüberlegenheit der Briten tritt nach dem Seitenwechsel noch mehr hervor. Häufig kommt der britische Sturm zum Schuß, während die Lübecker kaum gefährlich werden, obwohl während der Pause eine Umstellung vorgenommen wurde.

Als schließlich Wenzel im Mittelfeld den Ball erhielt, gelang es ihm, Bahr gut freizuspielen. Dieser lief durch, flankte hoch hinein. Seitz preschte heran, warf sich dem Ball entgegen und köpfte unhaltbar zur 2:1-Führung. Angriff auf Angriff rollte auf das Lübecker Tor. Bei einem dieser schnell aufeinanderfolgenden Angriffe klatscht Felgenhauer wieder den Ball nur ab, statt ihn durch Fausten weiter wegzubefördern. In dem Gewühle traf Kühn den Ball so unglücklich, daß er im eigenen Tor landete. Beide Mannschaften versuchten, in den Schlußminuten noch zum Sieg zu kommen. Der Rechtsaußen nahm den Ball auf, flankte nach links zurück, wo Bahr in Tornähe gelaufen war und den Siegestreffer erzielen konnte.
LNB

Sonntag, 9. Dez. 1945
Freundschaftsspiel: VfL Oldesloe - TuS Segeberg 4:1 (4:0)
Im Vorspiel standen sich die zweiten Mannschaften gegenüber. Die Segeberger gewannen 4:2.
LNB

VfL Oldesloe (Ankündigung): Krahn - Kock, Gwosdz - Artur Jantz, Ernst Hahn, Friedrich Brunk - List, Hans Reichertz, Wilhelm Stäcker, Kurt-Herbert Pump, Paul Drews.

Dienstag, 11. Dez. 1945
Fußball-Auswahlspiel in Lübeck
Der "Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck" tritt am Sonntag, dem 16. Dez., mit seinen besten Fußballern auf dem Platz der Pionierkaserne zum Auswahlspiel zur Ermittlung einer Städteelf an, die Weihnachten Lübeck bei einem Großspiel vertreten soll. Das Spiel beginnt um 14 Uhr. Platzbauender Verein ist der FSV.
LNB

Samstag, 15. Dez. 1945
Aufruf an die Bevölkerung der Stadt Bad Oldesloe
Unsere schöne Stadt Bad Oldesloe ist am 24. April 1945 durch den Luftangriff schwer mitgenommen worden. Eine große Anzahl unserer Bürger und Bürgerinnen wurde unter den Trümmern begraben. Wohnungsnot, verschärft durch Zuzug von Flüchtlingen, macht uns zur unabweisbaren Pflicht, alles zu tun, was in unseren Kräften steht, die Ruinen zu beseitigen und neues, womöglich besseres an ihre Stelle zu setzen. Dazu ist die Mitarbeit aller nötig.

Oldesloe ist arm geworden. Unser größtes Kapital ist unserer Hände Arbeit. Dieses gilt es einzusetzen. Es ist von mir ein Statut über die Leistung von Hand- und Spanndiensten in der Gemeinde Bad Oldesloe nach Anhörung der Gemeindeausschußmitglieder mit Wirkung vom 24. Nov. 1945 in Kraft gesetzt worden. Ich werde zunächst die männlichen Gemeindemitglieder im Alter von 18 bis 50 Jahren zur Mitarbeit oder zu Dienstleistungen heranziehen, gemäß den vom Ratsausschuß gegebenen Richtlinien. Ältere Männer, die mitarbeiten wollen, werden gebeten, sich beim Wiederaufbau der Stadt Bad Oldesloe zu melden.

Ich bin mir bewußt, daß es für manche der zum Einsatz herangezogenen Mitbürger eine Härte bedeutet, besonders jetzt im Winter, bei schwerer Arbeit Hand anlegen zu müssen. Selbstverständlich wird nichts Unbilliges verlangt werden.

Engelschall, Bürgermeister.
AVO

Samstag, 15. Dez. 1945
Gut Heil Neumünster hat sich für den kommenden Sonntag mit seiner starken Fußballmannschaft angemeldet. Vor dem Haupttreffen, das um 14 Uhr stattfindet, spielen unsere ersten Handball-Männer gegen Gut Heil Neumünster. Die Jungmannen beider Vereine spielen um 10 Uhr. Diese Spiele werden im Stadion ausgetragen. Unsere Handball-Damen treffen sich mit ihren Sportkameradinnen aus Neumünster um 10.30 Uhr auf dem Exer.
AVO

Sonntag, 16. Dez. 1945
VfB verlor in Kiel
Holstein Kiel war stärker. Der Lübecker VfB war trotz großer Schwierigkeiten nach Kiel gefahren, um gegen Holstein Kiel anzutreten. Das Spiel erbrachte Holstein einen sicheren Sieg. Die Lübecker konnten dem spielstarken Gegner nur wenig anhaben und mußten eine 5:1 (2:0)-Niederlage einstecken.
LNB

Sonntag, 16. Dez. 1945
Lübecks Städteelf ermittelt
Überlegener 7:2-Sieg der B-Mannschaft. Erschwertes Spiel. Das Auswahlspiel zur Ermittlung der Lübecker Städteelf erbrachte einen überlegenen 7:2-Sieg der B-Mannschaft. Infolge des Regenwetters und des aufgeweichten Bodens konnte das Spiel nur unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden.

Der Gedanke, auch einmal Spieler zu einem Spiel heranzuziehen, die man sonst nicht im Vordergrunde sieht, war richtig, doch waren in der A-Mannschaft ziemlich krasse Versager. Auch der Mittelstürmer der B-Mannschaft wirkte durch seine Hüftensteifheit hemmend in der flüssigen Angriffshandlung. Carlinger war besonders einsatzfreudig und überlegen in seiner Ballführung. Neben ihm sind Lewandowski und Peters zu nennen. Die beiden Außenläufer von "B" waren recht erfolgreich in der Störung, jedoch weniger für den Aufbau zugänglich.

Die B-Mannschaft zeigte besseres Zusammenspiel und gewann verdient. Unsicherheit und schlechte Abwehr der A-Hintermannschaft führten zu leichten Erfolgen der B-Mannschaft. Bei Spielbeginn war die B-Mannschaft im zügigen Angriff vor dem A-Tor, das sie dauernd unter leichtem Druck hielt. Bis zur Halbzeit fielen zwei Tore, die der Halbrechte und der Rechtsaußen schossen. Die A-Mannschaft konnte dem nur ein Tor entgegensetzen. Nach Halbzeit stellte "A" um: Potlitz spielte als Halbrechter, Evers Rechtsaußen, Sick schied aus. Diese Umstellung brachte dem A-Sturm aber nichts ein. Er war zu harmlos.

Die Gegenseite war dafür in regelmäßigen Abständen erfolgreich. Zehn Minuten nach dem Wechsel fiel durch Holm des dritte Tor, dem er kurze Zeit später das vierte hinzufügen konnte. Bis zum Schluß erhöhten Peters und Carlinger das Ergebnis auf 7:1. Mit dem Schlußpfiff verbesserte dann "A" das Ergebnis noch um ein Tor. Schiedsrichter Meyer (VfB) war dem Spiel ein gerechter und sicherer Leiter.
LNB

Stadtauswahl Lübeck A (Ankündigung): Schmidt (ATV Lübeck) - Heick (LSV Gut Heil), Matthies (FSV Lübeck) - Umanns, Pohl (beide LSV Gut Heil), Bollmann (ATV Lübeck) - Sick (FSV Lübeck), Kropull (ATV Lübeck), Hinzmann (Moisling), Lorenzen (LSV Gut Heil), Scharunge (Moisling), - Ersatz: Langer (ATV Lübeck), Potlitz (LBV Phönix).

Stadtauswahl Lübeck B (Ankündigung): Franck (TSV Kücknitz) - Enders (LBV Phönix), Falkenhagen (TSV Timmendorf) - Riedel (TSV Schlutup), Lewandowski (LBV Phönix), Behnke (TSV Schlutup) - Schulz (TSV Timmendorf), Peters (LBV Phönix), Brandt (TSV Timmendorf), Carlinger, Holm (beide LBV Phönix), - Ersatz: Gösch (TSV Kücknitz), Hengst (TSV Schlutup).

Montag, 17. Dez. 1945
Der Alliierte Kontrollrat befiehlt durch die Direktive Nr. 23 die Auflösung des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL). Alle deutschen Turn- und Sportverbände sowie alle Sportvereine sind damit verboten. Damit soll der Verfälschung des Sports als vormilitärischer Ertüchtigung vorgebeugt werden. Punkt 4a dieser Direktive erlaubt lediglich "das Bestehen nichtmilitärischer Sportorganisationen örtlichen Charakters auf deutschem Gebiet".

Sonntag, 23. Dez. 1945
Briten buchen nach Halbzeit ihren Erfolg
Lübecks Städteelf unterlag 4:2 (2:2). Fußball vor 4000 Zuschauern. Vor rund 4000 Zuschauern trug auf der Lohmühle die britische Auswahl ihr Spiel gegen die Lübecker Städteelf aus. Der 4:2-Sieg der britischen Mannschaft war aufgrund der Leistungen nach Halbzeit verdient.

Die Lübecker finden trotz der Glätte des Bodens sogleich Kontakt und rollen einige gefährliche Angriffe vor das britische Tor. Schnelle Flankenläufe bringen brenzlige Situationen. Vollkommen überraschend fällt das erste britische Führungstor. Die Lübecker sind etwas aus dem Konzept. In der 28. Minute ist Kempf seinem Bewacher davongezogen, seine Flanke kommt zu Wenzel, der sofort schießt. Von Hinzmann wird der Ball zum Ausgleich ins Netz gelenkt. Kaum drei Minuten später leitet Wenzel das Leder zu Carlinger, der aus vollem Lauf die Führung herstellt. Es steht 2:2. Als die Mannschaft in der zweiten Halbzeit aus der Kabine kommt, haben die Briten ihren durch Verletzung ausgefallenen Halblinken ersetzt. Das bessere Stehvermögen setzt sich jetzt durch. In der 64. Minute fällt das schönste Tor das Tages, als der britische Halblinke eine Rechtsflanke im Sprung einköpft. Mit einem vierten Tor, das unbedingt hätte verhindert werden können, wurde das Endergebnis von 4:2 hergestellt.
LNB

Stadtauswahl Lübeck (Ankündigung): Felgenhauer (VfB Lübeck) - Enders (LBV Phönix), Knehaus - Hoppe (beide VfB Lübeck), Lewandowski (LBV Phönix), Clasen - Kempf (beide VfB Lübeck), Peters (LBV Phönix), Wenzel (VfB Lübeck), Carlinger (LBV Phönix), Bahr (VfB Lübeck) - Ersatz: Bollmann (ATV Lübeck), Heick (LSV Gut Heil).

Dienstag, 25. Dez. 1945
VfB Lübeck hielt Kilia Kiel stand
Leistungsgerechtes 5:5-Spiel. Die Fußballmannschaft des VfB Lübeck trat am ersten Weihnachtstag gegen Kilia in Kiel an. Das flotte Spiel erbrachte ein leistungsgerechtes Unentschieden 5:5 (1:3).

Trotz schweren Bodens entwickelte sich von Anfang an ein flottes Spiel. VfB ging bei anfänglicher leichter Feldüberlegenheit in der 3. Minute durch Kühn in Führung, der eine Flanke von Felgenhauer aufnahm und unhaltbar einsandte. Aber schon drei Minuten darauf konnte Kilia durch seinen Halbrechten ausgleichen, als Knehaus einen Deckungsfehler beging und Cittrich seine spätere Sicherheit noch nicht gefunden hatte. Besonders die Lübecker Verteidigung vernachlässigte ihre Deckungsarbeit so sehr, daß in der 27. und 35. Spielminute Kilia zu zwei billigen Erfolgen kommen konnte.

Die zweite Halbzeit brachte dann eine Überlegenheit der Lübecker. Kempf trat aus etwa 25 Metern einen hübschen Weitschuß in die Maschen. Zehn Minuten später schaffte Felgenhauer im Alleingang den Ausgleich. Seitz erfaßte schon in der nächsten Minute in einem Gewühl vor dem Kieler Tor die Situation und sandte zum 4:3 für den VfB ein. Dann wurde Wenzel vom Kieler Mittelläufer sehr hart genommen, er blieb liegen und mußte mit Wadenbeinbruch in die Kabine getragen werden. VfB blieb auch zunächst noch mit nur zehn Mann feldüberlegen. Felgenhauer erwischte einen Abpraller und stellte auf 5:3.

Sechs Minuten vor Schluß kam der Kieler Mittelstürmer noch zu zwei Erfolgen. Seitz verpaßte vier Minuten vor dem Abpfiff die Siegeschance, indem er - 10 Meter vor dem Kilia-Tor freistehend - den Ball über die Latte ins Aus knallte.

LP

Donnerstag, 27. Dez. 1945
Britische gegen Lübecker Elf
Am Sonntag um 14 Uhr treten Lübecks Fußballer auf der Lohmühle gegen eine britische Auswahl an. Platzbauender Verein: ATV Mühlentor. Die britische Mannschaft setzt sich zusammen aus der Wachabteilung der Waldersee-Kaserne.
LP

Samstag, 29. Dez. 1945
An die Bevölkerung des Kreises Stormarn!
Ein schicksalschweres Jahr neigt sich seinem Ende zu. Zwar hat es uns den Frieden gebracht, aber dieser Frieden läßt uns Deutsche noch keine Lebensmöglichkeit für die Zukunft. Am Ende dieses Jahres gedenken wir all' der Schicksalsschläge, die deutschen Menschen Heimat, Leben oder Ehre gekostet haben. Wir wollen aber auch daran denken, daß dieses Jahr wie nie ein vergangenes die Solidarität und Hilfsbereitschaft aller Deutschen untereinander bewiesen hat. Ich möchte hierfür allen hilfreich gewesenen Einwohnern des Kreises, aber auch all' den hierher verschlagenen Volksgenossen, die tapfer bei der Beseitigung der Not Hand anlegten, danken. Besonders danken möchte ich denen, die neben ihrer eigenen Arbeit in öffentlichen oder karitativen Diensten mir geholfen haben, gegen die Not der Zeit anzukämpfen.

Verfehlen möchte ich auch nicht, den hiesigen Vertretern der Besatzungsbehörde für ihre stets faire Unterstützung, die wir von ihnen erhielten, zu danken. Möge es uns zum neuen Jahr gelingen, politischen Haß von uns fernzuhalten. Möge es uns gelingen, über unserer eigenen Not immer die größere Not des Nächsten und Deutschlands zu sehen! Dann muß sich auch für uns Deutsche wieder eine Zukunft eröffnen. Daß uns das gelingen möge, ist mein Wunsch für das Jahr 1946.

Der Landrat des Kreises Stormarn, Paasche, komm. Landrat.
AVO

Sonntag, 30. Dez. 1945
Alle Tore fielen in der zweiten Halbzeit
Lübeck führte bis acht Minuten vor Schluß. Britische Auswahl siegte 2:1. Von Spielbeginn an diktiert die britische Auswahl das Spielgeschehen durch weite Vorlagen und flaches Zuspiel. Doch ist der Lübecker Sturm in der ersten Halbzeit mit seinem Durchspiel durchaus nicht ungefährlich. Ihm boten sich drei klare Torchancen, die leider durch übergroßen Eifer oder durch mangelndes Stellungsspiel versiebt wurden.

Die Fünferreihe zeigte während des ganzen Spiels keine einheitliche Leistung, zumal Peters meist weit hinten war und von dort aus versuchte, den Sturm in Szene zu setzen. Dadurch fehlte er im richtigen Moment immer wieder vorne. Beide Hintermannschaften zeigten gute Abwehrleistungen. Die Lübecker Auswahl hielt bis acht Minuten vor Schluß trotz starken Drängens der Briten ihr Tor frei von gegnerischen Erfolgen.

In der 17. Minute der zweiten Hälfte erwischt Peters nach einer Flanke von links das Leder und schickt es, trotzdem er hart bedrängt wurde, zum Führungstreffer ein. Die Briten werden mit ihren Angriffen jetzt energischer; man merkt, sie wollen jetzt zum Ausgleich kommen. Immer mehr wird die Lübecker Auswahl zurückgedrängt.

Acht Minuten vor Schluß kann die Lübecker Deckung das Leder nicht weit genug wegbefördern, der britische Halbrechte erwischt den Ball und sendet unhaltbar zum Ausgleich ein. Eine Minute später steht es 2:1 für die Briten. Der Anstoß wird abgefangen und von Mann zu Mann wandert der Ball. Der Mittelstürmer schließt diesen Angriff mit krönendem Torschuß.
LNB

Stadtauswahl Lübeck (Ankündigung): Schmidt (ATV Lübeck) - Heick (LSV Gut Heil), Enders (LBV Phönix) - Riedel (TSV Schlutup), Lewandowski (LBV Phönix), Bollmann (ATV Lübeck) - Pinzel (TSV Kücknitz), Peters (LBV Phönix), Flemming (TSV Kücknitz), Carlinger (LBV Phönix), Scharunge (Moisling) - Ersatz: Lorenzen (LSV Gut Heil), Schröder (Viktoria Lübeck).

Sonntag, 30. Dez. 1945 - Freundschaftsspiel
VfL Oldesloe - ATV Moisling 0:2

Montag, 31. Dez. 1945
Ins neue Sportjahr!
Wünsche des "Turn- und Sportbundes". Lebensbejahend, mit der stolzen Gewißheit im Herzen, daß gerade der Sport als erster die zerschlagene Verbundenheit der Völker wieder herstellt und die Ideale der Menschheit, Ruhe und Frieden fördert, wollen wir, die geeinten Sportler Lübecks, in das neue Jahr treten. Ohne nationalsozialistische oder militaristische Tendenzen und Anweisungen wollen wir unseren Idealen, dem Staat geistig und körperlich gesunde Menschen zu geben, zustreben.

Johannes Stoll, 1. Vorsitzender des Turn- und Sportbundes der Hansestadt Lübeck.
LNB