Die Spielzeit 1949/50 Teil 1

Freitag, 1. Juli 1949
Der Deutsche Fußball-Ausschuß führte in Stuttgart-Bad Cannstadt den ersten Nachkriegsbundestag durch. Die Wiedergründung des Deutschen Fußball-Bundes wurde beschlossen und in einem Festakt öffentlich proklamiert. Die Vertragsspielerklasse wird amtlich anerkannt. Die Organisationsform des DFB wird festgelegt und das Stimmrecht neu geregelt.
DFB Geschichte

Dienstag, 5. Juli 1949
...und nun die Praxis: Wie jedoch Pflege, Unterhaltung und Ausbau der Sportplätze in der Praxis aussehen, so lange die "Ämter" regieren, zeigt das folgende Schreiben des Lübecker Arbeitsamtes an das Amt für Leibesübungen vom 20. Mai 1949:
"Betr.: Herrichtung der Sportplätze. Der Beratungsausschuß des Arbeitsamtes Lübeck hat in seiner Sitzung am 19. Mai 1949 über ihren Antrag auf Durchführung gemeinnütziger Arbeiten für die Herrichtung der Lübecker Sportplätze beraten und den folgenden Beschluß gefaßt: Die für die Herrichtung der Lübecker Sportplätze geplanten Arbeiten können nicht als zusätzliche Arbeiten angesehen werden. Es sind allgemeine Unterhaltungsarbeiten, die fortlaufend die Tätigkeit von Arbeitnehmern beanspruchen und daher nicht im Wege gemeinnütziger Arbeiten ausgeführt werden können."
LN

Dienstag, 12. Juli 1949
DFB für Fußball-Vertragsspieler. Wie wir bereits berichteten, wurde in Stuttgart der deutsche Fußball-Bund gegründet. Auf den 23 Stunden dauernden Beratungen entschied man sich nach langer Debatte für den Vertragsspieler nach süddeutschem Muster, nachdem der Antrag, einen Vollprofi zu schaffen, mit überwiegender Mehrheit abgelehnt worden war.

Folgende Einzelheiten wurden auf der Gründungstagung festgelegt: Für jeden Vertragsspieler hat der betreffende Verein eine Kaution in Höhe von zwei Monatsgehältern zu stellen. Als Mindestalter wurde 21 Jahre bestimmt. Eine Ausnahme hiervon kann nur gemacht werden, wenn der Spieler vorher zwei Jahre in der Jugendmannschaft des Vereins gespielt hat. Der Mindestsatz beträgt 160 Mark, der Höchstsatz 320 Mark. Ferner dürfen in einer Vertragsspielermannschaft keine Amateure mitspielen, die von einem anderen Verein übergetreten sind. Alle Vertragsspieler sind verpflichtet, an Auswahl- und Repräsentativspielen teilzunehmen, jedoch nicht mehr als viermal innerhalb einer Spielzeit.

Das Amateurstatut wurde gutgeheißen, wobei als Amateur gelten soll, wer Fußball spielt, ohne dafür direkt oder indirekt ein materielles Entgelt zu erhalten. Ein Ersatz von Auslagen (Sportkleidung, Ausrüstung, Fahrt, Übernachtung und Lohnausfall), ein Taschengeld von drei bzw. fünf Mark kann gewährt werden. Darlehen und Geschenke sind nicht gestattet. Verboten ist weiterhin, Spieler durch direkte oder indirekte Stellenvermittlung zu einem Übertritt in einen anderen Verein zu bewegen.

In den Oberligen Nord, West und Süd sollen im kommenden Jahr nur Vertragsspielervereine spielberechtigt sein. Wichtig ist in dieser Hinsicht der Termin des 31. Aug. 1949. Bis dahin müssen sich die Vereine nämlich entschieden haben, ob sie Amateur- oder Vertragsspielerverein werden wollen. Alle drei Oberligen können je 16 Mannschaften enthalten.

Das Stillhalteabkommen wurde bis zum Ende der kommenden neuen Spielzeit verlängert. Dadurch sind alle sogenannten Spielereinkäufe der letzten Zeit nichtig geworden.
LN

Samstag, 23. Juli 1949
Tagung des Kreissportverbandes. Der KSV hat zum Sonntag die Vereine zu einer außerordentlichen Tagung nach Trittau eingeladen und wird mit einer reichhaltigen Tagesordnung wieder vor schweren Beschlüssen stehen. Die gehaltenen Berichte des Vorstandes und der Kreisspartenleiter werden den Vereinsvertretern über das erfolgreich verlaufene Jahr Rechenschaft geben.

Im Anschluß an die Tagung kommt ein Repräsentativspiel zur Durchführung. Als Gegner der Kreisauswahlmannschaft, die hauptsächlich aus den Südvereinen stammt, wurde der FC Altona 93 eingeladen, der schon seit Jahren die Verbindung mit Stormarner Vereinen aufrechterhält. Auf den Ausgang dieses Treffens wird man nicht nur in Stormarn, sondern über die Kreisgrenze hinaus gespannt sein. besonders werden sich die im Süden des Kreises liegenden Vereinen, mit ihren Zuschauern einstellen. Wenn sich die Kreismannschaft schnell findet, dürfte es zu einem gleichwertigen Kampf kommen.
LN

Samstag, 23. Juli 1949
Das wichtigste Ergebnis des diesjährigen Verbandstages des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes liegt weniger in der Tatsache der verabschiedeten Entschlüsse, als darin, daß die bisher oftmals hochgehenden Wogen der Erregung sich in diesem Jahre wesentlich geglättet haben. Die durch die Verhältnisse der Nachkriegsjahre hervorgerufenen Spannungen sind zum großen Teil ganz ausgeschaltet. Das einzige Problem, die Frage nach der 2. Division, ist ein so heißes Eisen, daß der Verband die Entscheidung übergeordneter Instanzen zunächst abwarten will. Für die Amateurliga bleibt es bei der Zwölferstaffel.

Sonntag, 24. Juli 1949
Der Vorstand des Kreissportverbandes berief die Verbandstagung nach Trittau ein. Trotz des großen Anmarschweges stellten sich 22 Vereinsvertreter ein, die von dem 1. Vorsitzenden Peter Metzmacher herzlichst begrüßt wurden. Nach den Berichten des Vorstandes und Kassenwarts konnte Entlastung erteilt werden. Zur Neuwahl stand nur die Wahl des Kassenleiters auf der Tagesordnung, Sportfreund Karl Reinhard (Oldesloe) wurde als Kreisverbandskassenwart, außerdem wurden drei Mitglieder als Beisitzer in den geschäftsführenden Vorstand gewählt.

Eine rege Debatte entwickelte sich bei der Klasseneinteilung. Doch wurde der Antrag des Spielausschusses einstimmig angenommen. Danach werden die Vereine des KSV in eine Kreisliga und eine Kreisklasse, letztere mit einer Nord- und Südstaffel eingeteilt.
LN

Dienstag, 26. Juli 1949
Fußballverbände überwachen Vertragsspieler.
Der Norddeutsche Fußball-Ausschuß faßte auf seiner Tagung in Celle eine Reihe wichtiger Beschlüsse, die in erster Linie die vom Deutschen Fußball-Bund beschlossenen Statuten über Vertrags- und Amateurspieler in einzelnen Fragen klärten und die spieltechnische Gestaltung der kommenden Saison vorbereiten sollten. Den Landesverbänden wurden dabei weitgehend Rechte zur Überwachung des Vertragsspielerstatuts gewährt.

Über die endgültige Zusammensetzung der norddeutschen Oberliga war man sich zunächst nicht einig, faßte jedoch am Ende der mehrstündigen Sitzung den Beschluß, die Zugehörigkeit von Göttingen 05 und Bremerhaven 93 zur Oberliga auch für die kommende Saison anzuerkennen. Nunmehr wird die Oberliga Nord in der bevorstehenden Saison aus folgenden 16 Vereinen bestehen:

  • Hamburger SV
  • FC St. Pauli
  • Concordia Hamburg
  • Eimsbüttel
  • Harburger TB
  • Werder Bremen
  • Bremer SV
  • Bremerhaven 93
  • VfL Osnabrück
  • Eintracht Braunschweig
  • Arminia Hannover
  • Hannover 96
  • Göttingen 05
  • VfB Oldenburg
  • VfB Lübeck
  • Holstein Kiel


Bei der Beratung der Vertragsspielerfrage wurde zunächst festgestellt, daß der Norddeutsche Fußballverband (NFV) die Spiele durchführen wird, bis auf dem für den 8. Okt. in Bad Harzburg vorgesehenen ordentlichen Verbandstag neue Ausschüsse des NFV gewählt sind.

Die Vertragsspielerverträge sollen von den Verbänden abgeschlossen werden unter gleichzeitiger Meldung an den NFV. Zu diesem Zweck wird ein neuer Spielerpaß für die Vertragsspieler eingeführt. Der Paß wird einheitlich im gesamten Raum des NFV ausgegeben und verbleibt als Erstausfertigung auch beim Vereinswechsel beim Spieler. Als Vertragsgebühr sollen zehn Mark erhoben werden, die je zur Hälfte dem Landesverband und dem NFV zufließen. Über eine Ablösesumme bei Vereinswechsel entscheidet der abgebende Verband. Als Grenzen dieser Ablösebeträge wurden 500 bis 5000 Mark festgelegt. Wenn der Verband mit den beiden beteiligten Vereinen keine Einigung über die Höhe dieser Summe erzielt, entscheidet das Bundesgericht. Im übrigen wurde bestätigt, daß die einzelnen Landesverbände für die Ahndung von Verstößen gegen den Vertragsspielervertrag durch einen Spieler zuständig sind, und daß als Amateur in einer Vertragsspielermannschaft nur derjenige spielen kann, der am 1. Juli als "vereinseigen" zu bezeichnen war. Die Kontrolle der Kostenabrechnung obliegt ebenfalls den Landesverbänden.

Der Spielausschuß des NFV wurde mit der Ausarbeitung einer Spielordnung beauftragt. Die Verteilung der Spieleinnahmen soll mit den Vertretern der Oberliga-Vereine noch geregelt werden.

Aus der Oberliga sollen nach der Spielzeit 1949/50 zwei Vereine absteigen. Aufsteigen werden die beiden Erstplazierten einer Ausscheidungsrunde der sieben Meister der Amateurliga. Der Sieger dieser Runde ist norddeutscher Amateurmeister. Die Bezeichnung Amateurliga wurde für die oberste Klasse der Amateurmannschaften (bisher Landesliga) gewählt. Als weitere untere Klassen folgen: Bezirksklasse, Kreisklasse, A-, B-, C-Klasse. Eine längere Debatte ergab die Frage, ob die nach dem Amateurstatut vorgesehenen 14 Mark Spesenersatz pro Spiel und Spieler in bar auszuzahlen seien oder ob lediglich Verpflegung, Fahrtkosten und so weiter zu gewähren sind. Auf Grund der unterschiedlichen Meinungen der Delegierten wurde beschlossen, Dr. Peco Bauwens als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes dahingehend zu informieren, daß der NFV das Amateurstatut von seinen Vereinen nicht unterschreiben lassen wird, da in der Praxis eine restlose Streichung der bisher auch an Verbandsliga-Spieler gezahlten Spesen nicht durchführbar sei.
LN

Donnerstag, 28. Juli 1949
Die neuesten Celler Beschlüsse scheinen das Rätselraten um die Gestaltung und Ordnung der neuen Spielsysteme einer Lösung nicht näher gebracht zu haben. Aus dem Wirrwarr von Beschlüssen und Gegenbeschlüssen läßt sich allmählich kaum noch etwas Eindeutiges erkennen, um so mehr, als einige Entscheidungen in krassem Gegensatz zu der Entwicklung im Süden und Westen stehen und überdies einige Neuregelungen des Norddeutschen Fußball-Ausschusses (Ablösesumme) ebenso nicht in Einklang mit den Verhältnissen im Westen und Süden zu bringen sind. Wenn man überdies erkennen muß, daß manches Problem ungelöst und manche Frage der betreffenden Vereine unbeantwortet blieb, dann dürfte es nicht überraschen, wenn die Vielzahl der Interessierten nur kopfschüttelnd und mißtrauisch derartigen Geschehnissen gegenübersteht. Anfang und Ende sind jedenfalls noch nicht abzusehen.
LN

Samstag, 30. Juli 1949
Am 6. Aug. führt die Sparte Fußball im Kreissportverband eine Tagung durch, auf der der Vorschlag Oldesloes auf Teilung der Bezirksliga beraten werden soll.
LN

Donnerstag, 4. Aug. 1949
Um eine reinliche Scheidung im Fußballsport
DFB erläßt Ausführungsbestimmungen. Zweite Vertragsklasse nur 50 Mark Gehalt. Amateure ohne Barauszahlung. Der Amateur- und Profi-Ausschuß des Deutschen Fußball-Bundes hat nach eingehender Prüfung der Bundestagsbeschlüsse bei seiner Zusammenkunft in Stuttgart nunmehr Ausführungsbestimmungen erlassen. Er hat sich dabei auch mit dem beschlossenen Mindesteinkommen von 160 Mark monatlich beschäftigt und festgestellt, daß dieses Mindesteinkommen nur in der Oberliga tragbar ist.

In der zweiten Vertragsspielerklasse würde der Zwang zur Zahlung eines Mindesteinkommens von 160 Mark dazu führen, daß die beabsichtigte reinliche Scheidung in Frage gestellt wird. Es besteht aus naheliegenden Gründen die Gefahr, daß die Vereine, durch die Höhe der Mindestentschädigung veranlaßt, mit Scheinamateuren den Versuch machen und unter Umgehung der Amateurbestimmungen den bisherigen unsauberen Zustand aufrechterhalten.

Die Vereine der zweiten Klasse sind auch nicht imstande, die Spieler durch Leistungsprämien zu höherer Leistung anzureizen, es sei denn, sie gingen über den Mindestbetrag von 160 Mark hinaus. Der Ausschuß schlägt daher dem DFB-Vorstand vor, durch Befragung der Landesverbände eine Herabsetzung des Mindestpauschalsatzes in der zweiten Vertragsspielerklasse auf 80 Mark herbeizuführen. Zu diesem Betrag kämen noch die Aktivitätszulage von 40 Mark und die Leistungsprämien, so daß der Spieler bei guten Leistungen auch den Betrag von 160 Mark erreicht. Nach dem Vorschlag der Kommission soll also nur die Garantie eines Betrages von 160 Mark auch bei schlechtester Leistung des Spielers in der zweiten Klasse wegfallen. Für eine dritte etwa notwendig werdende Vertragsspielerklasse müßte eine Herabsetzung des Pauschalsatzes auf 50 Mark notwendig werden.

In den Ausführungsbestimmungen zum Amateurstatut wird klar zum Ausdruck gebracht, daß sich die zulässigen Aufwendungen durch den Verein im Rahmen der für die ehrenamtlichen Mitarbeiter festgesetzten Spesensätze zu bewegen haben. Barauszahlungen an Spieler sind verboten, abgesehen von Fällen begründeten Lohnausfalls. Die im Rahmen des zulässigen Spesenersatzes notwendigen Ausgaben bestreitet grundsätzlich der Mannschaftsbegleiter für die gesamte Mannschaft.

Die Verbände sollen schnellstens die für die ehrenamtlichen Mitarbeiter geltenden Spesensätze festlegen und aufgliedern in

  • Spesen am Ort und in unmittelbarer Nachbarschaft
  • Spesen nach auswärts, gestaffelt nach der Dauer der Abwesenheit.


Amateurvereine werden nur dann zu Spielen zugelassen, wenn sie das Amateurstatut mit den Ausführungsbestimmungen vorbehaltlos anerkennen und den Amateurschutzvertrag bis zum 31. Aug. unterzeichnen. Verbände, die diese Bestimmungen nicht zur Anwendung bringen, müssen mit Maßnahmen gemäß den DFB-Satzungen rechnen. Als spätester Termin für die Unterzeichnung des Amateurschutzvertrages hat der Bundestag den 31. Aug. 1949 festgesetzt. Die Verbände werden gebeten, bis zum 15. Sept. 1949 Vollzugsmeldung an das Sekretariat des DFB zu erstatten.

In den Ausführungen zum Vertragsspielerstatut tritt eindeutig hervor, daß ein Vertragsspielerverein nur dann anerkannt wird, wenn er eine ausreichende Anzahl von Jugend- und Amateurmannschaften hat. Hieraus ergibt sich zwingend, daß diese Jugend- und Amateurmannschaften an den Spielreihen der Amateure uneingeschränkt teilnehmen können.

Die Spielordnung für Vertragsspielervereine bringt als notwendige Voraussetzung die Bedingungen, daß ein Vertragsspielerverein mindestens eine vollständige Mannschaft mit einem Ersatzmann zu unterhalten hat. Die Zahl der verpflichteten Spieler ist nicht nach oben begrenzt. Zur Durchführung der Spiele der Vertragsspielermannschaften werden besondere Spielreihen gebildet. Es werden eine Oberliga, eine zweite und im Bedarfsfalle eine dritte Vertragsspielerklasse festgelegt.
LN

Samstag, 6. Aug. 1949
Bezirksliga mit 14 Vereinen
In Lübeck tagte ein außerordentlicher Bezirkstag, der auf Antrag des VfL Oldesloe einberufen wurde. Der Vorsitzende des VfL Oldesloe (Christian Ohrt, d.Verf.) gab seine Gründe für die Einberufung und die Antragstellung auf eine Zweierstaffelung der Lübecker Bezirksliga kund. Nach längerer Debatte waren 99 Stimmen für den Antrag, dagegen 190 bei 14 Enthaltungen. Die Aufteilung der Bezirksliga in zwei Staffeln war also abgelehnt. Angenommen wurde nach heftiger Diskussion ein Antrag vom TSV Schlutup, die Bezirksliga mit 14 Vereinen weiter spielen und am Ende der Serie die beiden letzten Vereine ab und die beiden besten Kreismeister aufsteigen zu lassen. 163 Stimmen waren für diesen Antrag, 120 dagegen bei 14 Enthaltungen. Nach Annahme dieses Antrages ergab sich die Konsequenz für neue Aufstiegsspiele. Die Spiele werden in einer einfachen Punktrunde in zwei Staffeln ausgetragen. Gesetzt wurden die abgestiegenen Bezirksligamannschaften, zu denen je zwei Kreismeister durch Los hinzukamen.

Staffel 1:

  • VfL Oldesloe
  • Ratzeburger SV
  • SSV Pölitz
  • SC Leezen

Staffel 2:

  • Oldenburger SV
  • Reinfelder TSC
  • TSV Malente
  • SV Breitenfelde

Am 14. August beginnen die Aufstiegskämpfe auf neutralen Plätzen.
LN

Dienstag, 9. Aug. 1949
Im "Stadtkrug" fand die fünfte erweiterte Sitzung des Vorstandes des VfL Oldesloe statt. Der Vorsitzende Christian Ohrt berichtete über den vom Verein einberufenen außerordentlichen Bezirkstag. Der gestellte Antrag auf Bildung von zwei Staffeln mit je zehn Mannschaften wurde mit 190 zu 99 Stimmen abgelehnt.

Die Fußballsparte ist wieder im Aufbau begriffen. Liga und Reserve machen dabei gute Fortschritte. Für die Liga dürfte jedoch die schwerste Aufgabe darin bestehen, daß die Aufstiegsspiele gewonnen werden, um dadurch in der Bezirksliga zu verbleiben. Die unteren Mannschaften - insbesondere die Jugend - sind die Schmerzenskinder.

Bei den Boxern hat Georg Feige aus Reinfeld für Alfred Musolf die Leitung des Trainingsbetriebes übernommen. Mit dem Sportverein Reinfeld wurde eine Kampfgemeinschaft gebildet. Als Gegenleistung erhält Reinfeld kostenlos den Ring.

Donnerstag, 11. Aug. 1949
Vertragsspieler und Amateure.
Der Spielausschuß des Deutschen Fußball-Bundes befaßte sich auf seiner Sitzung in Rodewald bei Hannover mit einer Reihe wichtiger technischer Fragen. So beschloß man unter anderem, die Deutsche Meisterschaft 1950 getrennt für Vertragsspieler und Amateure auszutragen. Bei den Vertragsspielern nehmen die Meister der Oberliga Nord, West, Süd, Berlin, der französischen Zone und der Ostzone teil. An der Amateurmeisterschaft sind sämtliche Meister der Landesverbände teilnahmeberechtigt. Für die einzelnen Spielrunden im Länderpokal wurden die Termine festgelegt. Die Runde der Ausscheidungsspiele steigt am 21. Aug. (mit der Begegnung Bremen gegen Schleswig-Holstein, d.Verf.).
LN

Dienstag, 16. Aug. 1949
Turbulente Fußballtagung in Celle: Oberliga stellt Forderungen an den Fußball-Toto.
Lohnausfall für Schiedsrichter. Gründung des NFV am 8. Okt. in Bad Harzburg. Die Vertreter der norddeutschen Oberliga-Vereine tagten in Celle zusammen mit dem Norddeutschen Fußball-Ausschuß (NFA), um über die aus der Einführung des Vertragsspielers sich ergebenden Probleme zu beraten und den Spielplan der Oberliga Nord für die kommende Saison festzulegen. Nach anfänglich friedlichem Verlauf der Sitzung kam es bei der Festlegung des letzten Termins für die Verpflichtung der Vertragsspieler zu erregten Debatten und turbulenten Szenen, die fast zu Handgreiflichkeiten führten und einer solchen Sporttagung unwürdig waren.

Nach dem Vorbild Süddeutschlands bildeten die Oberliga-Vereine eine "Interessengemeinschaft Norddeutsche Fußball-Oberliga". Die "IG" will mit den Toto-Gesellschaften über eine Gewinnbeteiligung verhandeln. Aus diesem Grunde, und um den weiteren Ausgang der Länderpokalspiele abzuwarten, wurde auch der Spielplan zunächst nur bis zum 23. Okt. veröffentlicht. Die Absichten der "IG" laufen darauf hinaus, eine eineinhalbprozentige Beteiligung am Umsatz der Toto-Gesellschaften zu erzielen. Dementsprechende Verhandlungen sollen umgehend aufgenommen werden.

Bei der Debatte um den Stichtag für die Abschlüsse von Verträgen schlugen die Wellen der Erregung höher und höher. Anlaß dazu gab die Handlungsweise einiger Hamburger Vereine, die noch nach dem festgesetzten Stichtag, dem 31. Juli, Spieler aus fremden Vereinen unter Vertrag genommen hatten. Um diese Maßnahmen zu sanktionieren, hatte der Spielausschuß entschieden, den Stichtag bis zum 21. August hinauszuziehen. Dagegen wandten sich in erster Linie die niedersächsischen Vereine und der Spielausschuß sah sich gezwungen, alles wieder zurückzunehmen, und den Stichtag am 31. Juli zu belassen. Lediglich für den erst am 24. Juli aufgestiegenen Harburger Turnerbund wurde der Termin bis zum 21. Aug. verlängert.

Von den Bezügen der Vertragsspieler angereizt, wollen nunmehr auch die Oberliga-Schiedsrichter sowie die Funktionäre nicht mehr mit der Erstattung der Fahrtunkosten und Spesen zufrieden sein. Ihnen wurde die Erstattung des Lohnausfalls für einen Tag zugebilligt.

Neben diesen Punkten, die sich um rein "geschäftliche" Dinge drehten, wurde noch der Spielplan bis zum 23. Okt. festgelegt und bekanntgegeben. Die Einnahmen der Spiele verbleiben wie bisher bei den Platzvereinen, die lediglich dem Gastverein jeweils eine Summe von 1500 DM zu zahlen haben. Im Gegensatz zum Westen erklärten die in Celle versammelten Vertreter des norddeutschen Fußballs, daß sie keine Änderung oder Trübung des bestehenden Verhältnisses zu den übrigen Sportverbänden (Fachverbände, Landessportbünde, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sport usw.) wünschten. Der Norddeutsche Fußballverband soll auf einer Tagung am 8. Okt. in Bad Harzburg endgültig konstituiert werden. Bis zu den dann stattfindenden Neuwahlen soll eine vierköpfige Vertretung der Oberliga-Vereine stimmberechtigt im Spielausschuß des NFA vertreten sein.
LN

Donnerstag, 25. Aug. 1949
Lübecks Fußballer fordern außerordentlichen Verbandstag
Auf einer in sportlich fairem Geiste und durchweg nur von betonter Sachlichkeit getragenen Zusammenkunft, die von einigen Teilnehmern selbst treffend als "Klönschnack" bezeichnet wurde, besprachen Vertreter Lübecker Fußballvereine die aus der Einführung des Vertragsspielers für sie entstehenden Konsequenzen. Man machte vor allen Dingen der Unzufriedenheit über die mangelhafte Aufklärung und Unterrichtung von seiten des Verbandsvorstandes Luft und forderte daher einen außerordentlichen Verbandstag, auf dem die Vorstandsmitglieder Rechenschaft darüber ablegen sollen, wie sie sich auf der Tagung anläßlich der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes in Stuttgart verhalten haben.
LN

Montag, 5. Sept. 1949
Sind Fußballer Schwerarbeiter?
Es soll hier nicht gefragt werden, ob Fußballspielen eine schwere Arbeit ist. Wenn schon, dann doch wohl eine Arbeit aus Leidenschaft. Wie steht es denn aber mit dem Kräfteverzehr eines Fußballers. Geht das alles so leicht an ihm vorüber, wie es sich (manchmal) ansieht? Ganz und gar nicht. Der Fußballer hat während eines Spiels einen ziemlichen Gewichtsverlust. Nachwiegungen, die das französische Fachblatt "France Football" jüngst angestellt hat, ergaben, daß ein Feldspieler durchweg zwei bis drei Kilogramm während eines Spiels verliert, während der Tormann, der ja kaum ein Laufpensum zu erledigen hat, man höre und staune, genau soviel verliert. Sein Nervenverbrauch setzt sich also auch in Verlustkilogrammen um.
SPM

Dienstag, 5. Sept. 1950 - Freundschaftsspiel
VfL Oldesloe AH - Hamburger SV AH 2:3 (1:1)

Hamburger Alt-Repräsentative sind immer noch Klasse. Im Spiel und Körpergewicht waren die Hamburger Gäste den Oldesloer Alten Herren überlegen. Der Stamm der Gastgeber war leider nicht zur Stelle. Nachdem die Gäste mit einem Blumenstrauß geehrt waren, tauschte man den Erfrischungstrunk aus. Zahlreiche Schlachtenbummler aus Hamburg begleiteten ihre Mannschaft.

Im Spiel selbst, das die Hamburger mit 3:2 Toren für sich entschieden, gab es oft Szenen, die die rund 300 Zuschauer begeisterten. Nach etwa 20 Minuten Spielzeit schoß Peemöller aus vollem Lauf den Führungstreffer für den VfL. Auf ebenso raffinierte Weise fiel der Ausgleich der Hamburger durch Ploog. Wenn es an Schnelligkeit auch bei den meisten Spielern fehlte, dafür war die Wucht, mit der die Tore erzielt wurden, um so größer. Luftmangel setzte sich nach dem Wechsel bei allen 22 Spielern ein. Durch Henneberg fiel der zweite Treffer für Hamburg. Schuldt schoß dann an dem am Boden liegenden Oldesloer Torhüter vorbei ins Netz. Vorher hatte Jantz ein indirektes Tor für Oldesloe erzielt. Seinen scharfen Schuß lenkte ein Hamburger Abwehrspieler mit dem Kopf ins eigene Tor.

OL

Donnerstag, 8. Sept. 1949
Amnestie in Schleswig-Holstein
Wie wir amtlich vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband erfahren, sind alle Spieler, die ihren Verein ordnungsgemäß gewechselt haben und von ihrem alten Verein freigegeben wurden, ab 21. Aug. spielberechtigt. Diese einheitliche Regelung im Lande Schleswig-Holstein wurde nach Einführung des Vertragsspielers und der dadurch entstandenen Unklarheiten beim Vereinswechsel notwendig.
LN

Samstag, 10. Sept. 1949
Erweiterte Beiratssitzung des Landesfußballverbandes.
Am 17. Sept. findet in Neumünster eine erweiterte Beiratssitzung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes statt, zu der die Vorsitzenden der Bezirke und Kreise, sowie die Mitglieder der Verbandsspielausschusses eingeladen worden sind. Im Mittelpunkt der Beratungen steht die augenblickliche Lage im deutschen Fußballsport.
LN

Samstag, 10. Sept. 1949
Fußballverband.
Der Norddeutsche Fußballverband tagte in Hamburg. Die Satzungen des NFV, die ein Ausschuß in mühevoller Arbeit ausgearbeitet hatte, standen in erster Linie zur Debatte. Ehe sich aber die Vertreter der vier Landesverbände Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachen und Bremen im "Reichshof" mit diesem Thema beschäftigten, mußte die Luft von einem Gewitter gereinigt werden, das die Kenner der Dinge erwarteten.

Der mißliche Ausklang der Celler Tagung vor einigen Wochen, bei der ein einstimmiger Beschluß, den Vertragsspieler-Endtermin auf den 31. Aug. festzulegen, später wieder rückgängig gemacht und auf den 31. Juli zurückdatiert wurde, dann die Handlungen Hamburgs, doch den 21. Aug. anzuerkennen, waren der Grundstock. Es ging ziemlich turbulent zu, und man glaubte zeitweise, nicht in einem Fußballbund mit vernünftigen Männern zusammen zu sein. Debatten, Reden und sonstige Geschichten wechselten ab. Aber dann siegte die Vernunft.

So beschloß der Norddeutsche Fußballverband: "Die auf der Tagung des Norddeutschen Fußballverbandes am 10. Sept. in Hamburg anwesenden vier Landesverbände treten der Auffassung des Profiausschusses des Deutschen Fußball-Bundes bei, wonach die einzelnen Landesverbände das recht haben, von sich aus den Endtermin von Spielerverträgen festzulegen. Diesen Termin hat Niedersachsen auf den 31. Juli, die übrigen Landesverbände haben ihn auf den 21. Aug. festgelegt. Die vier Landesverbände beschließen, daß alle Spieler, denen bis zum Endtermin des betreffenden Landesverbandes die Lizenz erteilt worden ist, spielberechtigt sind."

Die Beratungen und die Sitzung des Norddeutschen Fußballverbandes wurden anschließend in einer guten Harmonie zu Ende geführt. Es gab auch nur wenige Änderungen in den einzelnen Punkten. Wenn am 8. Okt. der Vorstand des Norddeutschen Fußballverbandes gewählt wird, dann heißt der § 1 der Allgemeinen Bestimmungen:
"Der Norddeutsche Fußballverband e.V. (NFV) ist der Rechtsnachfolger des am 15. April 1905 gegründeten Verbandes gleichen Namens, später Deutscher Sportverband genannt, und des früheren Arbeiter-Turn- und Sportbundes e.V. Sitz des Verbandes ist Hamburg, er ist in das Vereinsregister des dortigen Amtsgerichts eingetragen. Seine Fahnen sind rot-weiß-rot."

Der § 2 lautet:
"Der Zweck des Norddeutschen Fußball-verbandes ist es, in seinem Bezirksbereich sämtliche Fußballverbände der Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen zusammenzufassen. Er fördert die Bestrebungen der diesen Verbänden angeschlossenen Vereine, ihre Mitglieder durch Leibesübungen und Jugendpflege sittlich und körperlich zu ertüchtigen. Er ist politisch, religiös und rassisch neutral."
SPM

Donnerstag, 15. Sept. 1949
DFB: Keine Begegnungen Vertragsspieler - Amateure
Auf dem außerordentlichen Kreistag der Lübecker Fußballer im "Brolingskrug", der durch die Anwesenheit des Schatzmeisters des Deutschen Fußball-Bundes, Carl Arpe (Kiel), des 1. Vorsitzenden des Landessportverbandes, Johannes Stoll (Lübeck), und des 1. Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Willi Steffen (Lübeck), eine besondere Bedeutung erlangte, gab Vorsitzender Steffen im Laufe der mehrstündigen Debatte bekannt, daß der Profi- und Spielausschuß des DFB am 5. Sept. weitere Ausführungsbestimmungen erlassen habe. Unter anderem sei bestimmt worden, daß zukünftig Spiele zwischen Vertragsspieler- und Amateurmannschaften verboten sind. Derartige Begegnungen dürften nur mit Genehmigung der zuständigen Landesfußballverbände durchgeführt werden.

Die Delegierten waren naturgemäß überrascht, von einer derart entscheidenden Bestimmung erst nahezu 14 Tage später zu erfahren. Vorsitzender Steffen erklärte daraufhin, daß man, um solche Versäumnisse fortan zu vermeiden, nunmehr in Kiel eine Geschäftsstelle des Fußballverbandes eingerichtet habe, die die Vereine schnell und genauestens von allen Neuerungen in Kenntnis setzen soll.

Weiter verwahrten sich Arpe und Steffen gegen den Vorwurf, daß sie in Stuttgart für den Vertragsspieler gestimmt hätten. Mit wenigen anderen Delegierten seien sie die einzigen gewesen, die bei der Wahl ihre Stimmen gegen den Vertragsspieler abgegeben hätten. Auf Grund der Ausführungen von Arpe und Steffen zogen die Lübecker Vereine ihren Antrag auf Abhaltung eines außerordentlichen Verbandstages zurück.
LN

Samstag, 17. Sept. 1949
Beirat des SHFV tagte in Neumünster
Auf einer in Neumünster abgehaltenen Tagung des erweiterten Beirats des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes wurden die schleswig-holsteinischen Vertreter für die am 8. und 9. Okt. in Bad Harzburg geplante Gründungsversammlung des Norddeutschen Fuß-ballverbandes gewählt. Neben den bisherigen Beiratsmitgliedern im NFA, Willi Steffen (Lübeck), Carl Arpe, Karl Heuck und Heinrich Panitzki (Kiel) sowie Hans Frühauf (Flensburg), wurden noch die vier Bezirksvorsitzenden Hans Rix (Kiel), Petersen (Husum), Eduard Czekala (Itzehoe) und Peter Tietz (Lübeck) als Delegierte gewählt. Diese Vertreter werden die insgesamt 17 Stimmen des SHFV in Bad Harzburg auf sich vereinigen. Es wurde beschlossen, daß sämtliche Vertreter in allen Fragen nach entsprechender vorheriger Absprache als geschlossene "Fraktion" zu stimmen haben.

Weiter wurde einem Vorschlag zugestimmt, daß bis zu einer Ratifizierung durch den Verbandstag bei Repräsentativspielen, wo Amateure und Vertragsspieler in einer Mannschaft zusammenspielen, die Amateure dieselben Bezüge wie die Vertragsspieler erhalten sollen. Das Geld soll jedoch nicht an die Spieler selbst, sondern an ihre Vereine für Zwecke der Jugendförderung u.ä. ausgezahlt werden.

Die Geschäftsstelle des SHFV ist jetzt in Kiel, Küterstraße 4 - 6, eingerichtet worden. Zum hauptamtlichen Geschäftsführer wurde der Schriftwart Anton Haase (Kiel) bestellt.
LN

Montag, 19. Sept. 1949
Mehr Stolz, Ihr Amateure!
Im Hintergrund: Kampf um die Spesen. Die beiden Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Willi Steffens (Lübeck) und Carl Arpe (Kiel), hatten am vergangenen Wochenende wieder einmal viel zu reisen und zahlreiche aufgeregte Gemüter zu besänftigen. Zunächst den außerordentlichen Kreistag in Lübeck, dann den Beirat des SHFV in Neumünster. Und im Grunde genommen war alles, was sie sagten, sattsam bekannt. Bis auf zwei Ausnahmen: selbstverständlich haben beide in Stuttgart gegen die Einführung des Vertragsfußballs gestimmt und zweitens ist es grundsätzlich verboten, daß Vertragsspielermannschaften gegen Amateurmannschaften spielen, es sei denn, daß eine ausdrückliche Genehmigung des zuständigen Landesverbandes für ein solches Spiel vorliegt. Womit wiederum an sich nichts verboten ist.

An konkreten Ergebnissen brachten diese Tagungen noch, daß Steffen und Arpe es in Stuttgart für richtig gehalten haben, sich nicht wie ihre Hamburger Kollegen lächerlich zu machen, sondern aus der Erkenntnis der klaren Unterlegenheit die Konsequenz zu ziehen, zu schweigen und gemäß dem Beschluß des Flensburger Verbandstages abzustimmen. Das Stimmergebnis war dann etwa 10:1 für den Vertragsspieler.

So weit die konkreten Ergebnisse der Tagungen. Weit wesentlicher erscheint uns aber der Extrakt aus den verschiedenen Debatten, man kann vielleicht sagen die "Hefe", um bei einem Beispiel des massigen Spielausschußleiters Frühauf aus Flensburg zu bleiben, ein Mann, der seinen Namen eigentlich gar nicht verdient, denn er steht - wenigstens in Versammlungen - nie zu "früh auf", sondern weiß seine treffenden Worte mit südländischem Temperament stets im rechten Augenblick in die Debatten zu werfen. So auch in Neumünster, wo er davon sprach, daß "junger Wein gären muß", ehe er zu einem guten Tropfen wird. Wichtig dabei ist aber die Hefe. Und diese Hefe ist im Augenblick leider der Kampf der Amateure um ihre Spesen. es wurde im Amateurstatut und am Schutzvertrag herumgenörgelt und mit Spitzfindigkeiten operiert, die einem Juristen alle Ehre gemacht hätten. Leider aber nur darum, weil man es den Vertragsspielern nicht gönnt, daß sie nunmehr öffentlich und rechtlich das Geld einstecken, was sie schon immer bekommen haben und auf der anderen Seite den eigenen "blütenreinen" Amateurschäfchen nichts mehr zustecken darf, es aber gern möchte.

Es wurde am Beispiel eines Repräsentativspiels zitiert, wo Amateure und Vertragsspieler in einer Mannschaft mitwirken und hinterher die "armen" Amateure dabeistehen und zusehen müssen, wie der "böse" Vertragsspieler sein Geld bekommt. Und es wurde beschlossen, vorbehaltlich einer späteren Genehmigung durch den Verbandstag, die Amateure sollen dasselbe Geld in diesen Fällen bekommen. Allerdings sollen sie es nicht selbst in die Hand bekommen, sondern der Verein, der den Spieler abstellt, soll es erhalten, zur Jugendförderung, usw. - wie es immer so schön heißt.

Nein, liebe Sportfreunde, so kommen wir nicht weiter, wenn der Amateur immer nur danach schielt, ob der Vertragsspieler auch nicht zu viel Geld bekommt. Erst wenn sich die Amateure darauf besinnen, daß sie eigentlich vom ethischen und ideellen Standpunkt diesen bezahlten Berufssportlern turmhoch überlegen sind. Erst wenn sie beginnen stolz darauf zu sein, daß sie noch Amateure sind. Erst wenn sie alle sich bewußt sind, daß sie ihren Sport - ganz gleich, ob Fußball, Boxen, Handball oder was es sonst sein mag - ausüben, weil es ihnen Freude macht, weil sie ihrer Gesundheit damit dienen und wenn Zuschauer dabei sind, diesen zeigen, was man leisten kann, wenn man regelmäßig Sport treibt. Erst wenn alle Amateure fühlen, welche freie Menschen sie gegenüber diesen von Verträgen und Geld eingeengten Vertragsspielern sind, erst dann hört unser junger Wein auf zu gären. Erst dann werden die Spannungen zwischen den beiden Lagern gänzlich verschwinden. Erst dann werden die Vertragsspieler merken, welche Freiheit und welches Glücksgefühl sie in dem Moment aufgaben, als sie die Hand nach dem Geld ausstreckten.

Es wird wahrscheinlich noch lange bis zu diesem Zeitpunkt dauern. Es wird vielen erst klargemacht werden müssen, daß es mit den Zeiten, wo man vor und nach jedem Spiel erst die Hand aufhielt, vorbei ist. Manche werden es nicht begreifen und werden verschwinden müssen, ehe es eines Tages so weit sein wird, daß man ihnen nicht mehr wie heute zurufen muß: mehr Stolz, Ihr Amateure!
SPM

Freitag, 29. Sept. 1950
Die „alte HSV-Garde“ beim VfL Oldesloe.

Am Samstag kommt eine Mannschaft nach Oldesloe, die die alten HSV-Fußballschule vorführen wird. Jedem Oldesloer Sportler sind die Spieler Brenning, Dörfel, Timm, Ploog, Seeler, Stave, Melkonian I, Melkonian II, Holdt, Jessen und Rohwedder Rohwedder bekannt. Die Elf tritt um 16.30 Uhr im Stadion gegen eine kombinierte VfL-Mannschaft an.

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Samstag, 30. Sept. 1950 - Freundschaftsspiel
VfL Oldesloe AH - Hamburger SV Altliga 0:8

Leider wohnten diesem Spiel nur etwa 200 Zuschauer bei, die aber voll auf ihre Kosten kamen.

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Bis zum Jahr 1960