Die Spielzeit 1952/53
Teil 3

  

Samstag, 5. Jan. 1952
VfL Oldesloe erhebt Sportgroschen.
Der Vorstand des Landessportverbandes Schleswig-Holstein hatte beschlossen, zur Deckung der Versicherungsgebühren für alle Sportler am 1. Feb. 1952 mit der Erhebung des Sportgroschens zu beginnen. Dieser Termin wird nicht eingehalten werden können. Da die Unfallversicherungen alle Verträge zum 31. Dez. 1951 gekündigt haben, hat der VfL Oldesloe den Schutz seiner Sportler in eigene Regie genommen.

Mit Genehmigung des Magistrats der Stadt Bad Oldesloe erhebt der VfL mit sofortiger Wirkung auf jede Eintrittskarte zu seinen Veranstaltungen eine Sondergebühr von zehn Pfennig. Die einkommenden Beträge werden auf einem Sonderkonto geführt und dienen lediglich für eintretende Fälle, die bisher dem Versicherungsschutz unterlagen. Der VfL Oldesloe hofft, daß die Oldesloer Sportgemeinde die getroffene Regelung in allen Teilen gutheißt.
ST

Montag, 21. Jan. 1952
2. Division im nächsten Jahr?
Der Norddeutsche Fußballverband hat jetzt an seine Vereine eine Mitteilung über die Einführung der 2. Division in Norddeutschland herausgegeben, die folgenden Wortlaut hat: Der NFV-Vorstand beabsichtigt, mit Beginn des Spieljahres 1952/53 für das Gebiet des Norddeutschen Fußballverbandes die sogenannte 2. Division der Vertragsspieler (2. Liga Nord) einzuführen. Ein Verein kann unter folgenden Bedingungen und Voraussetzungen zu den Spielrunden der 2. Liga Nord melden:

  1. Der Verein muß gemeinnützig sein und ehrenamtlich geleitet werden. Seine Satzungen müssen die ausschließliche Verwendung der Einnahmen für Sportzwecke gewährleisten.
  2. Die wirtschaftliche Lage des Vereins muß gesund sein.
  3. Der Verein muß über einen Platz verfügen, der die vorgeschriebenen Ausmaße besitzt. Die Zuschauer müssen durch eine feste Barriere in genügendem Abstand vom Spielfeld gehalten werden.
  4. Der Verein muß eine Anzahl von Jugend- und Amateurmannschaften haben.
  5. Der Verein muß der ersten Amateurklasse des Landesverbandes angehören und mindestens eine Doppelserie in dieser Klasse gespielt haben.
  6. Zuschüsse aus Totomitteln stehen nicht zur Verfügung.
  7. Der Meldung ist der Beschluß der Mitgliederversammlung beizufügen, nach der der Verein zustimmt, eine Vertragsspielermannschaft aufzustellen.
  8. Meldungen sind bis zum 28. Feb. 1952 abzugeben.


ST

Samstag, 9. Feb. 1952
Prinz Karneval beim VfL.
Die Maskerade des VfL hatte einen ungewöhnlich guten Besuch aufzuweisen. Rund 700 Personen, darunter 250 Masken, füllten die prächtig dekorierten Räume des "Oldesloer Hofes". Den Höhepunkt erlebte das Fest, als Prinz Karneval (Herr Wilken) mit seinem Gefolge einzog und seine närrischen Untertanen begrüßte.
ST

Montag, 24. März 1952
VfL-Fußballer zogen Bilanz.
Glückwünsche zur Staffelmeisterschaft. Leichtathletik ohne Nachwuchs. Kritik am Turnunterricht der Schulen. In der Jahreshauptversammlung der Fußballabteilung des VfL Oldesloe konnte der Spartenleiter Dr. Erwin Lüders mit Genugtuung auf die erfolgreiche Aufbauarbeit hinweisen. Im Rahmen seiner Betrachtungen sprach er dem ehemaligen Trainer der VfL-Liga, Erwin Seeler, der jetzt beim Heider SV fungiert, seinen Dank aus. Mit kurzen Worten kritisierte der Obmann die Zusammenarbeit des Kreissportverbandes Stormarn mit dem Verein. Er fand dabei die volle Zustimmung aller Anwesenden. Anschließend dankte der Obmann dem Sportfreund Petersen für die geleistete Arbeit bei dem Aufbau unseres Stadions.

Anschließend gab Sportfreund Knickrehm einen kurzen Bericht über den Stand der unteren Mannschaften. Er hob den guten Zusammenhalt der Reserve hervor, die die Tabelle der Kreisliga unangefochten anführt. Er bedauerte, daß sich bisher noch keine Mitglieder gefunden haben, die als Betreuer der unteren Mannschaften einmal sonntags diesen zur Verfügung stehen.

Sportfreund Peter Frandsen, der Leiter der Leichtathletikabteilung, erklärte in seinem Bericht, daß es traurig um den Nachwuchs aussehe, da der Rasensport in unserem Ort vorherrsche. Von mehreren Herren wurde die Vernachlässigung der Turnstunden an den Schulen kritisiert. Sportfreund Kindt führte in seinem Bericht für die Jugend aus, daß es Wunsch der Abteilung sei, endlich wieder mit den Mannschaften des Kreises Lübeck zusammenspielen zu können.

In Abwesenheit von Heinrich Steinen verlas Dr. Lüders den Bericht der Boxabteilung und dankte Steinen für die erfolgreiche Wiederaufbauarbeit dieses männlichen Sports. Anschließend gab Wilhelm Hoppe den Kassenbericht und stellte dabei fest, daß sich die Schulden des Vereins erheblich verringert hätten. Eine genaue Entschlüsselung der einzelnen Ausgaben gab jedem Mitglied eine Einsicht in die finanzielle Lage der Fußballsparte.

Sportfreund Dubslaff wurde sodann zum Schiedsrichterobmann gewählt. In seinem Schlußwort gratulierte Dr. Lüders der Liga zur diesjährigen Meisterschaft, die zum ersten Male nach 15 Jahren wieder nach Bad Oldesloe gebracht wurde, unter der Führung der beiden HSV-Trainer Erwin Seeler und Walter Warning. Mit warmen Worten sprach er dem Senior der Mannschaft, Heinz Mandelkau, seinen Glückwunsch aus. Mit gleichem Beifall wurde auch Egon Lutzke, der talentierte Norddeutsche Meister im Halbmittelgewicht, bedacht.

Zum Schluß dankte der Vorsitzende des VfL, Leo Seipelt, Dr. Lüders als dem Bevollmächtigten der Sparte Fußball für die geleistete Arbeit und die Erfolge des Oldesloer Fußballsports.
ST

Freitag, 28. März 1952
Platzt die 2. Division wieder?
Hart umstritten. Totozuschüsse fallen weg. Nicht lebensfähig. Das Echo über die jüngsten Anordnungen des Norddeutschen Fußballverbandes für die Einrichtung einer 2. Vertragsligadivision ist geteilt. Bei den meisten Vereinen trat eine Ernüchterung ein, zunächst einmal darüber, daß nicht alle namhaften Vereine der unsicheren Zukunft entgegengehen wollten und zum anderen über die räumlichen Bedingungen des Verbandes. Was dann - räumlich gesehen - in der Zwölferstaffel mitmacht, erhöht nur das Risiko.

Inzwischen dürften die Versuche verstärkt werden, die noch abseits stehenden Vereine zur Teilnahme zu bewegen. Die stärksten Interessenten sitzen in den Mittelstädten der Provinz, wo sie das "Monopol" besitzen und mit einem guten Zuschauerstamm rechnen könne. Für diese Klubs gibt es kaum Finanzierungssorgen. Schlimmer sieht es bei den "räumlichen Außenseitern" aus: von dem VfB Braunschweig, VfL Wolfsburg und VfB Oldenburg sagt man, daß sie bereits wieder abgesprungen seien. In den Großstädten haben die Vereine durchweg verzichtet, da ihnen die Amateurliga eine sichere Existenz verspricht. Der Norddeutsche Fußballverband hält die 2. Division auch heute noch nicht für lebensfähig, zumal sich gerade im benachbarten Westdeutschen Fußballverband mit den dichtbevölkerten Gebieten die Zeichen eines wirtschaftlichen Ruins mehrten und ein Verein bereits auf die Fortsetzung der Spiele verzichtete. Da die Totozuschüsse wegfallen, empfehlen viele Vereine, sich den Beitritt zur 2. Division noch reiflich zu überlegen, zumal die Reamateurisierung mit einer Karenzzeit von 18 Monaten verbunden ist und die aus der 2. Division ausscheidenden Mannschaften in der Kreisklasse anfangen müßten.
ST

Montag, 31. März 1952
Fußballtrainer werden geprüft.
Um dem wilden Trainerunwesen Einhalt zu gebieten, hat der Deutsche Fußball-Bund Anordnungen erlassen, nach denen die zur Zeit tätigen Fußballtrainer und -lehrer sich einer erneuten Prüfung zu unterziehen haben und der Weg zum Erwerb einer DFB-Lizenz genau vorgezeichnet ist. Nach einem Beschluß des DFB darf vom 1. August an kein Verein einen Fußballtrainer oder -lehrer verpflichten, der nicht im Besitz dieser DFB-Lizenz ist. Der DFB kommt auf eine Regelung zurück, die schon in den Jahren bis 1945 bestand. Danach erhielten lediglich die Absolventen der Hochschulen für Leibesübungen in Berlin-Charlottenburg, der Reichsakademie und der Prüfungslehrgänge des DFB diese Lizenz.

Für die Prüfung der Verbände Hamburg und Schleswig-Holstein sind die schon zur Zeit tätigen Fußballtrainer und -lehrer zugelassen. Dieser Prüfungslehrgang, der vom Hamburger Verbandslehrer Hans Sauerwein geleitet wird, findet vom 31. März bis zum 5. April in Hamburg statt. Der zweite Lehrgang läuft vom 7. bis 10. April in Hamburg.

Auch in der Wahl der Fußballtrainer und -lehrer für die kleineren Vereine wurden neue Bestimmungen erlassen. Danach ist in Zukunft zwischen Übungsleitern erster und zweiter Klasse sowie ehrenamtlichen Übungsleitern zu unterscheiden. Die Übungsleiter (erste und zweite Klasse), die dagegen bezahlt werden, für die erste Klasse wurde eine monatliche Höchstsumme von 200 Mark zugestanden, werden von den jeweiligen Landesverbänden lizensiert. Nach dreijähriger Tätigkeit als Übungsleiter erster Klasse haben diese die Möglichkeit, durch den DFB die Trainerlizenz zu erwerben. In Zukunft darf ein Verein den Trainer für seine Mannschaft nicht aus den eigenen Reihen stellen.
SPM

 

Bis zum Jahr 1960