Die Spielzeit 1951/52
Teil 4

  

Donnerstag, 3. April 1952
Abschied von Oldesloe.
Der über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Diplom-Turn- und Sportlehrer Wilhelm Rottgardt hat Bad Oldesloe verlassen und eine Planstelle an der Ratzeburger Mittelschule angetreten. Mit ihm verliert nicht nur die Stadtschule einen Könner auf seinem Gebiete, sondern der Sport einen seinen aktivsten Förderer. Rottgardt gehörte zum Vorstand des Kreissportverbandes.
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Donnerstag, 3. April 1952
Bademeister schon im Dienst.
Seit dem 1. April hat wieder der Bademeister Hans Hommes ...

Montag, 7. April 1952
Jahreshauptversammlung des VfL.
Sportstadt Bad Oldesloe. Fußballabteilung sportlich und zahlenmäßig führend. In der Jahreshauptversammlung des VfL im "Central-Cafe" konnte der Vorsitzende Leo Seipelt auch Bürgermeister Hermann Barth unter den Erschienenen begrüßen. Der Verein hat sich weiter erfreulich entwickelt, wie aus den Berichten der Sparten hervorging. Sportlich und zahlenmäßig führend ist die Fußballabteilung, die allein 565 Mitglieder zählt.

Der Vorsitzende berührte in seinem Rückblick und Ausblick die Sorgen, die die Unfallversicherung dem Vorstand bereitet habe. Die Versicherung wollte nur noch für Todesfall und Invalidität eintreten, aber keine Heilkosten erstatten. Da eine einheitliche Regelung durch den Landessportverband erst zum Juli erfolgen wird, wäre eine mißliche Lage entstanden. Durch das Entgegenkommen der Stadt ist es möglich geworden, die Frist bis zum 1. Juli durch eine angemessene Lösung zu überbrücken. Der Vorsitzende hob den stolzen Erfolg der Fußball-Ligamannschaft hervor, die zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder eine Meisterschaft gebracht habe. Ihr Beispiel habe die anderen Mannschaften mitgerissen. Anerkennung zollte der Vorsitzende besonders auch den Boxern, während er bedauerte, daß die Leichtathletik immer noch ein Sorgenkind des Vereins ist. In gewissem Sinne gelte dies auch vom Turnen, was sehr bedauerlich sei, da die dort betriebene Körperschulung auch dem Spezialisten auf anderem sportlichen Gebiete zugute komme. Die Handballer seien im Begriff, sich langsam von ihrer schweren Krise zu erholen. Für die Leistungen im Tischtennis sprach die Tatsache, daß Seipelt den Schülern Heinz Stanschewski und Bernd Maske die Ehrenurkunden zu ihrem zweiten Platz im Jugend-Doppel bei den Landesmeisterschaften überreichen konnte. Der Vorsitzende schloß seinen Bericht mit einem Dank an alle, die für den Verein tätig waren, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Oldesloe als Sportstadt wachsenden Ruf gewinnen möge.

Anschließend erstatteten die Spartenleiter ihre Berichte. Dr. Erwin Lüders sprach über die Fußballabteilung, Karl-Heinz Schmidt für deren Jugend, Heinrich Steinen für die Boxer, Peter Frandsen für die Leichtathleten, Heinrich Diedrichsen und Oberturnwart Heinrich Schop für die Turner, Edgar Leesch für die Handballer, Fritz Mittelstaedt für die Tischtennisspieler und der Vereinsjugendwart Karl-Heinz Schmidt für die Gesamtjugendabteilung.

Kassenwart Mittelstaedt berichtete über die zufriedenstellende Kassenlage und erhielt einstimmig Entlastung. Anschließend folgte, ebenfalls einstimmig, die Entlastung des Vorstandes, dem der Senior Wohlers den Dank der Mitglieder aussprach. Der Haushaltsplan für 1952 wurde verabschiedet. Als 1. Schriftführerin wurde Else Wolgast gewählt, zum Kassenprüfer Wegener. In das Ehrengericht berief die Versammlung Wilhelm Wohlers, Emil Wohlers, Cummerow und Robert Dahm.
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Samstag, 12. April 1952
Anzeige.
VfL Oldesloe von 1862 (Fußballabteilung. 1. Ostertag, 20.00 Uhr, Oldesloer Hof: Tanzvergnügen für alle Mitglieder. Eintritt: 1,50, Erwerbslose 1,00. Tombola. Der Vergnügungsausschuß: Adolf Kröger, Hans Fokuhl.
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Samstag, 19. April 1952
Stormarner mit Steckenpferd.
Alle Neune. Als am letzten Sonntag in Wandsbek die Landesmeisterschaften der schleswig-holsteinischen Kegler ausgetragen wurden, da war auch der Oldesloer Maschinensetzer Heinrich Bertram dabei. Zweihundertmal den Körper zu einem Bogen spannen, mit ihm die Kugel "abschießen", auf den Zentimeter genau stets von derselben Stelle der Bahn, immer mit dem gleichen Drall - das ist schon eine sportliche Leistung. Der 57jährige hatte nach knapp einer Stunde 1476 Holz geworfen und sich damit unter den zehn besten Keglern des Landes plaziert.

Drei Jahrzehnte lang war das Kegeln Heinrich Bertrams Steckenpferd. Er brauchte viele Jahre, um zur Spitzenklasse vorzudringen, woraus man ersehen mag, daß Sportkegeln kein Murmelspiel ist. Er ist Inhaber des Deutschen Kegler-Sportabzeichens in Silber. Seit 1947 hat er den Titel des Oldesloer Verbandsmeisters in Erbpacht.

Er denkt noch nicht daran, der Kegelbahn Ade zu sagen. Das würde auch für ihn noch ein schmerzlicherer Abschied sein als einst aus der Fußball-Ligamannschaft des Oldesloer SV, dessen Tor er viele Jahre mit Erfolg hütete. Und etwas wenigstens von jener körperlichen Elastizität möchte er sich durch den Kegelsport bewahren.
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Donnerstag, 1. Mai 1952
Mit Beendigung der Meisterschaftsrunde der Lübecker Bezirksliga fand auch der von den "Lübecker Nachrichten" ausgeschriebene "Fair-play-Wettbewerb" seinen Abschluß. Als Sieger aus diesem Rennen gingen der vorjährige Pokalgewinner SSV Pölitz und der SV Rickling, also zwei ausgesprochene "Dorfvereine" hervor. Beide Mannschaften brauchten in den 22 Meisterschaftsspielen nur acht Strafpunkte einzustecken und bewiesen damit eine vorbildliche sportliche Haltung. Die gesunde Einstellung des SSV Pölitz, der von dem früheren Oldesloer Ligaspieler Wilhelm Stäcker betreut wird und dessen Durchschnittsalter 25 Jahre beträgt, wird durch die Tatsache unterstrichen, daß sämtliche Fahrten und Anschaffungen von den Spielern aus eigener Tasche bezahlt werden. Ein Beweis mehr: keine würdigere Mannschaft konnte den Pokal gewinnen. Mit 44 Punkten landete Staffelmeister VfL Oldesloe an siebenter Stelle.

Samstag, 3. Mai 1952
Das 40jährige Dienstjubiläum begeht der Eisenbahnassistent Heinrich Diedrichsen, Schützenstraße. Der Jubilar ist seit Jahren Aufsichtsbeamter auf dem Oldesloer Bahnhof und führend in der Sportbewegung tätig.
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Samstag, 10. Mai 1952
Kreissportverband stellt fest: Vereine leisten gute Jugendarbeit.
Verbandstag in Bargteheide. In der "Sportklause Relling" in Bargteheide tagte der Kreissportverband Stormarn, um die Berichte des Vorstandes über die Arbeit der beiden letzten Jahre entgegenzunehmen und den neuen Vorstand zu wählen. Der Bericht des Vorsitzenden Jost (Reinfeld) behandelte die organisatorische Arbeit des KSV als Dachorganisation im Kreise und brachte das Bemühen der Sparten zum Ausdruck, der Bevölkerung in Stadt und Land die Bedeutung der Leibeserziehung näher zu bringen und sie von dem erzieherischen Wert zu überzeugen. Aus den Ausführungen des Geschäftsführers Reinhard (Oldesloe) erkannte man die schwierige finanzielle Lage des Kreissportverbandes, der wohl der ärmste im Lande Schleswig-Holstein ist.

Erfreulich waren die Erfolge in der Jugendarbeit. Jugendwart Berg zeigte die Vielgestaltigkeit der Vereinsarbeit mit der besonderen Zielsetzung jugendpflegerischer Arbeit auf. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis:

  • 1. Vorsitzender Erich Jost (Reinfeld)
  • 2. Vorsitzender Christian Ohrt (Oldesloe)
  • Schriftführer Gustav Rausch (Reinfeld)
  • Kassierer Karl Reinhard (Oldesloe)
  • Jugendwart Hansjoachim Berg (Siek)

Der 1. Vorsitzende dankte den ausscheidenden Herren Stupka (Pölitz) und Kerk (Todendorf) für ihre treue Mitarbeit.
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Montag, 19. Mai 1952
Karl-Heinz Schmidt tritt vom Posten als Jugendwart der VfL-Fußballabteilung zurück. Seine Arbeit in der Jugendherberge läßt ihm nicht mehr die nötige Zeit. Er bleibt aber Vereinsjugendwart.

Samstag, 24. Mai 1952
Stormarner mit Steckenpferd.
Das nasse Element. Bad Oldesloe hat zwei frühere Meister des deutschen Sports in seinen Mauern. Der eine ist Peter Frandsen, einstiger Titelträger im 5000-Meter-Lauf, der andere Hans Hommes, 1927 im Berliner Grunewald-Stadion Gewinner der Mehrkampfmeisterschaft im Schwimmen.

Hommes hat aus seiner Leidenschaft seinen Beruf gemacht: Im gleichen Jahre, in dem er die höchste Würde errang, die der Deutschen Schwimmverband zu vergeben hat, legte er die staatliche Prüfung als Schwimmeister ab. Schon sein Vater war Badeverwalter. Er selbst betätigte sich dann in modernen Hallenbädern, zuletzt in Stargard in Pommern, wo er die Schwimmlehrgänge für die Studenten der Universität Greifswald leitete. Dann verschlugen ihn die Wirren der Nachkriegszeit nach Bad Oldesloe.

Ungeduldig wartet er, nunmehr in der Saison Betreuer der Wasserfreunde in der städtischen Badeanstalt auf die Eröffnung. Als technischer Leiter der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat er eine Wettkampfgruppe gebildet.

Der hagere 50jährige krault selbst noch einmal gern im Rekordtempo über eine Bahnlänge. Das reicht ihm aber; die Zeiten, in denen er sich in allen Stilarten, im Streckentauchen und im Springen seinen Mitbewerbern überlegen zeigte, sind vorbei.
ST

Samstag, 7. Juni 1952
Verteilung der Toto-Gelder heftigst kritisiert.
Der Bezirk Süd im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband führte in Lübeck seinen ordentlichen Bezirkstag durch. Dabei wurde die geleistete Arbeit des Gesamtvorstandes durch eine einstimmige Entlastung und durch die Wiederwahlen von Becker (Timmendorf) als 2. Vorsitzenden, Probst (LSV Gut Heil) als Pressewart, Freytag (SSV Pölitz) als Beisitzer und Paul Schumacher (VfB Lübeck) als Spielausschußobmann hinreichend gewürdigt. Peters (Kücknitz) übernahm den freien Posten des Kassierers.

Ein Antrag des ATSV Mölln, die beiden Bezirksliga-Staffeln von 12 auf 14 (zuerst sogar auf 16) Vereine zu erhöhen, wurde nach zum teil leidenschaftlicher Aussprache mit 210 zu 1777 Stimmen abgelehnt. Lediglich die Absteiger ATSV Lübeck und Eutin 08 kommen als 13. Vereine hinzu. Die Einteilung der Staffeln soll im Juli erfolgen. Heftige Wellen schlugen die mehrstündigen Diskussionen über die Verteilung der Toto-Gelder und die Arbeit des Sportförderungsausschusses, wobei sehr starke Angriffe gestartet und Anschuldigungen erhoben wurden.
SPM

Samstag, 21. Juni 1952
Das Fußballparlament tagte.
Der Kreisfußballverband Stormarn hielt im "Restaurant Haberland" seine diesjährige außerordentliche Tagung ab, zu der 20 Vereine Vertreter entsandt hatten. Der Vorsitzende des Fußballverbandes, Erwin Gesche, konnte den Vorsitzenden des Bezirks IV, Peter Tietz, und den Vorsitzenden des Kreissportverbandes Stormarn, Erich Jost, willkommen heißen.

Die Berichte des Vorsitzenden und der Ausschüsse wurden den Delegierten schriftlich vorgelegt und fanden die volle Zustimmung der Versammlungsteilnehmer. Auch dem Kassenbericht, der trotz der schlechten Finanzlage einen Überschuß aufwies, wurde zugestimmt. Vorstand und Kassenwart konnten entlastet werden. Bei der Neuwahl des 2. Vorsitzenden wurde Max Scuras (TSV Mollhagen) einstimmig gewählt. Als Beisitzer kamen in den Vorstand Richard Kickbusch (TSV Lütjensee) und Heinz Peters (ATSV Oldesloe).

Folgenden Mannschaften wurde die Meisterschaftsurkunde überreicht:

  • TSV Bargteheide (Meister der Kreisliga)
  • ATSV Oldesloe (Meister der A-Klasse)
  • VfL Jungmannen (Kreismeister)
  • VfL Jugend (Kreismeister)
  • VfL Schüler (Kreismeister)

Zum Abschluß der Tagung wurde über die beim Landesverbandstag in Itzehoe zu stellenden Anträge über die Finanzierung der Kreisverbände beraten. Es kann mit einer starken Kreisvertretung beim Landesverbandstag gerechnet werden. Neu festgesetzt wurden die Meldegelder und Spielabgaben. Für den ATSV Oldesloe zeichnen sich Schwierigkeiten ab, diese Gelder zu entrichten. Deswegen hat der Verein bereits bei der Stadt Bad Oldesloe beantragt, ihm "das Stadion zur Verfügung zu stellen, damit kassiert werden kann."
ST

 

Bis zum Jahr 1960