Spielzeit 1952 - 53
Teil 2

 

Samstag, 11. Okt. 1952
Steffen wurde kaltgestellt.
Der Vorstand des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes hat beschlossen, dem früheren 1. Vorsitzenden des Verbandes, Willi Steffen, wegen Nichtachtung eines Vorstandsbeschlusses und verbandsschädigenden Verhaltens einen Verweis zu erteilen und ihm die Fähigkeit, ein Amt im Fußballsport zu bekleiden, auf die Dauer von zwei Jahren abzuerkennen. Der Vorstand hat die Gründe hierfür bisher nicht formuliert, doch ist der Beschluß darauf zurückzuführen, daß Steffen als früherer 1. Vorsitzender Material des Fußballverbandes und des Sportförderungsausschusses der Presse zugängig gemacht hatte.
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Donnerstag, 30. Okt. 1952
Freibad Poggensee.
Bei der Geländebegehung prüften die Stadtverordneten am Poggensee die Möglichkeit, eine Freibadegelegenheit einzurichten. Grundsätzlich war Stimmung dafür. Das Bauamt wurde beauftragt, einen Kostenanschlag für entsprechende Einrichtungen in mehreren Teilabschnitten auszuarbeiten. Auf jeden Fall sollen aber schon im kommenden Sommer Erleichterungen für die Badelustigen geschaffen werden.
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Freitag, 31. Okt. 1952
Tornetze für den Exer.
Die Stadt wird den Sportlern, die auf dem Exer Ballspiele durchführen wollen, zwei Netze für die Tore zur Verfügung stellen. Ausgegeben werden die Netze, die einen Wert von 200 DM haben, durch den Jugendheimleiter.
ST

Samstag, 1. Nov. 1952
Aus der Geschichte des VfL Oldesloe.
Die Verschwörung unter den Pappeln. Erinnerungen - wachgerufen zum heutigen 90. Stiftungsfest. An einem Nachmittag im Oktober des Jahres 1902 trafen sich fünf, sechs Schüler unter den Pappeln, an deren Stelle heute die städtische Freibadeanstalt steht. Eltern und Lehrer durften nicht wissen, was sie vor hatten. In aufgeregter Heimlichkeit berieten sie. Dann stand der Entschluß fest. Wollten sie die Sparkasse berauben? Oder planten sie eine Majestätsbeleidigung. Nichts von alledem: In dieser Stunde wurde der Oldesloer Fußballsport geboren!

Die Jungen gründeten einen Verein. Einer von ihnen, Paul Relling, war gerade von einer Studienreise aus England zurückgekehrt. In einer Londoner Gaststätte hatte er einen Prägeautomaten gesehen. Da war er auf den Gedanken gekommen, "FC Teutonia" auf den Metallstreifen zu drucken. So wurde "FC Teutonia" der Name des neuen Vereins. Auch der Verleger des "Stormarner Tageblattes", Otto Schüthe, gehörte zu den Gründern, die nicht ahnten, daß sie hier in Oldesloe mithalfen, eine Revolution einzuleiten. Eine Revolution zwar nur auf dem Gebiete der Leibesübungen, aber doch einen Umsturz, von dessen Jahrzehnt um Jahrzehnt stärkeren Auswirkungen heute fast jeder von uns - man denke nur an den Toto! - mehr oder weniger erfaßt ist.

Damals gab es in Oldesloe nur eine Form der Leibesübung: das Turnen. Seit 1862 beherrschte der Männerturnverein, dem seit 1889 die städtische Turnhalle zur Verfügung stand, die Jugend. Wenige Jahre vor dem heimlichen Treffen der jugendlichen Oldesloer Fußballfreunde - 1898 - war in Hamburg das Deutsche Turnfest gefeiert worden. Die Kurparkkapelle hatte die 30 aktiven Oldesloer Teilnehmer in festlichem Zuge zur Bahn geleitet. Und obgleich nun bald regelmäßig Fußball gespielt wurde und 1906 der Oldesloe Ballspiel-Club entstand (unter Mithilfe von Adolf Kröger), auch die damals in unserer Stadt befindlichen Präparanden sich für das Spiel mit dem Lederball interessierten, blieb Turnen Trumpf. 1912 feierte der Männerturnverein glanzvoll sein 50. Stiftungsfest. 700 Turner strömten in Oldesloe zusammen. Der Exer war gefüllt mit Wettkämpfern an den Geräten und in dem volkstümlichen Lauf, Wurf und Sprung. Ein Gedenkstein zeugt heute noch auf dem Exer von jenem Hoftage des Turnens.

Kurz vor dem Kriege fand sich indessen schon eine stattliche Zahl von Zuschauern zu dem Lokalderby zwischen FC Teutonia und dem Oldesloer Ballspiel-Club ein. Nach dem Kriege ging auch durch die Oldesloer Jugend eine neue Welle der Begeisterung für die Leibesübungen. Der Männerturnverein nahm, dem Zuge der Zeit nach dem Beispiel folgend, das Handballspiel auf. Aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden immer größer. 1924 schlossen sich der FC Teutonia und der Oldesloer Ballspiel-Club zu dem Oldesloer SV zusammen, für dessen Farben der europäischen Berühmtheit erlangende Langstreckenläufer Peter Frandsen sportlichen Ruhm erlangte. 1937 vereinigten sich dann der Männerturnverein und der Oldesloer SV zu dem heutigen Verein für Leibesübungen. Dessen Namen schlug Schlossermeister Emil Wohlers vor, der 30 Jahre aktiver Turner war, sich heute noch als Kampfrichter betätigt und das überhaupt älteste Mitglied des VfL ist. Es hatte symbolische Bedeutung, daß gerade er dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Oldesloer Leibesübungen zusammenschmelzenden Verein den Namen gab.

Wenn heute der VfL das 90jährige Bestehen feiert, so kann er mit Genugtuung darauf hinweisen, daß in seinen Reihen jeder nach Neigung und Begabung einen der Zweige der körperlichen Ertüchtigung auswählen kann. Turner, Fußballer, Handballer, Leichtathleten, Boxer, Tischtennisspieler und Faustballer sind in ihm gute Kameraden.

1500 Zuschauer im VfL-Stadion bei einem Spiel der Bezirksligaelf sind keine Seltenheit. Die Turner des VfL wollen heute abend durch ihre Vorführungen ihren Kameraden beweisen, welchen unveränderten Wert das Turnen für die körperliche Durchbildung besitzt.
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Samstag, 1. Nov. 1952
Pionier des Sports.
Heute vor 40 Jahren, 16jährig, trat der jetzige 2. Vorsitzende des VfL Oldesloe, Hans Fokuhl, aktiv in die Oldesloer Sportbewegung ein. Als Schüler spielte er damals in der Fußballelf des Oldesloer Ballspiel-Clubs rechter Verteidiger. Seine aktive Laufbahn war leider nur kurz. 1914 wurde er zu den Waffen gerufen. Schwer verwundet kehrte er in die Heimatstadt zurück.

Der zum Erliegen gekommene Fußballsport im Oldesloer Ballspiel-Club wurde durch seine Initiative wieder belebt. Als 1. Vorsitzender führte er den Verein bis zum Zusammenschluß mit dem FC Teutonia im Jahre 1924. In dem so gebildeten Oldesloer SV wurde er zum 2. Vorsitzenden und Kassierer gewählt. Oftmals mußte er in seine eigene Tasche greifen, um die weiten Fahrten nach Mecklenburg hinein mit zu finanzieren. Nach dem Zusammenschluß des Oldesloer SV mit dem Männerturnverein übernahm Hans Fokuhl auch hier das Amt des 2. Vorsitzenden.

Selten ist er an die Öffentlichkeit getreten. Er arbeitet lieber im stillen. Die Stadionkasse ist ihm anvertraut, und im Finanzausschuß achtet er unnachsichtig auf Sparsamkeit. Regelmäßig besucht er die allwöchentlichen Sitzungen des Spielausschusses. Ein schwerer Schlag war es für ihn, als im Mai 1945 Angehörige der Besatzungsmacht die Pokale des VfL in den Händen, an seinem Hause in der Hindenburgstraße vorbeifuhren, ohne daß er eingreifen konnte. Vier Jahrzehnte im Dienste des Sports und der Jugend - wahrlich Grund genug, Hans Fokuhl zu danken.
ST

Samstag, 1. Nov. 1952
Vorbilder für die Jugend.
VfL Oldesloe ehrte seine Jubilare. Harmonischer Verlauf des Stiftungsfestes. Im Mittelpunkt des 90. Stiftungsfestes des VfL von 1862, das im "Oldesloer Hof" begangen wurde, stand die Ehrung langjähriger Mitglieder. Der 1. Vorsitzende Leo Seipelt nahm die Auszeichnung vor. Die goldene Ehrennadel für 50jährige Mitgliedschaft erhielt Otto Schüthe. Die silberne Ehrennadel für 40jährige Vereinstreue nahmen entgegen: Hans Fokuhl, Otto Drews, Heinrich Bertram, Ernst Kindt und Wilhelm Nagel. 25 Jahre treu zum Verein stand Arnold Kock, der ebenfalls geehrt wurde. Der Vorsitzende würdigte die Vereinsjubilare als Vorbilder und gedachte in diesem Zusammenhang auch der verständnisvollen Förderung der Leibesübungen durch das "Stormarner Tageblatt" im Sinne des Verlegers Schüthe. Er rief die Jugend auf, den Vorbildern nachzueifern.

Anschließend zeigten sechs junge Turner ihr Können am Reck. Eine aus vier Mädeln bestehende Riege bot gymnastische Übungen nach Akkordeonmusik. Sodann ergriff Wilhelm Nagel für die Jubilare das Wort. Er schilderte die Entwicklung des Vereins und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch in Zukunft aus seinen Reihen nach den Vorbildern Frandsens oder Lutzkes noch recht viele Meister hervorgehen mögen. Den Abschluß der Vorführungen bildeten sodann die Übungen einer Männerriege am reck. Die Anwesenden sparten nicht mit Beifall für die dargebotenen vorzüglichen Leistungen. - Der Startschuß zum Tanzsport wurde von Herrn Kröger gegeben, der die Jungen, besonders aber auch die "ganz Jungen" aufforderte, recht fleißig teilzunehmen. bei den Klängen der Kapelle Wöhler kam recht bald eine fröhliche Stimmung auf, die bis in die frühen Morgenstunden anhielt.
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Dienstag, 18. Nov. 1952
Eddy von der Tankstelle.
Er kennt seine Kunden - sogar die, die zum ersten Male bei ihm vorfahren. Er liest sozusagen ihrem Wagen die Wünsche von der Karosserie ab. Wohl einhalbdutzendmal versuchte ich Eddy zu sprechen. Vergeblich! Er war immer beschäftigt. Niemals traf ich ihn in dem, gläsernen Gehäuse an der Hamburger Straße, das so typisch ist für das Heute wie die Hufbeschlagschmiede für das gestern. Der Unterschied liegt nicht nur darin, daß man heute statt mit einem PS mit deren 30 fährt; alle Tempi sind andere geworden!

Selbstverständlich hat es der Mann im schnellsten Wagen am eiligsten. "Sprit? Öl? Luft? Wasser?" Ein Kopfnicken, ein Kopfschütteln. Tempo! Tempo! Schon rauscht er weiter. Aber da sind - Gottseidank! - andere, die wollen wissen, wem sie ihren Wagen anvertrauen. Sie kennen nicht nur den Meister, sondern auch seinen Helfer. Sie wissen sogar seinen bürgerlichen Namen: Richard Grote, 42 Jahre alt, Motorschlosser und ein bißchen Universalgenie - was Wagen und Krads anbelangt. Früher einmal brillierte er auf dem Fußballfeld, erinnert sich mancher.

Ehe so ein Wagen weiterfährt, wischt Eddy mit dem Lappen über die Scheiben, fast so elegant wie der Friseur, der nach dem Haarschnitt schnell noch einmal mit leichter Hand die Frisur ordnet, fast so liebevoll wie der Pfleger, der dem Turffavoriten vor dem Rennen das makellos saubere Fell bürstet - und gewiß nicht des Trinkgeldes wegen...
ST

Dienstag, 18. Nov. 1952
Turnhalle reicht nicht aus.
In der Elternversammlung der Mittelschule teilte der Vorsitzende des Elternbeirates, Oberförster Hädrich, mit, daß der Schularzt eine schlechte Haltung der Kinder zu tadeln habe und darum bäte, sie auch zuhause zu einer geraden Haltung zu ermahnen. Mittelschulrektor Rahneberg bedauerte, den Wünschen der Eltern um vermehrte Turnstunden nicht nachkommen zu können, da er die Turnhalle nur 20 Stunden in der Woche zur Verfügung habe. Es fehlten insgesamt noch 187 Stunden in der Woche, die bisher aus Mangel an Lehrkräften nicht gegeben werden könnten.
ST

Freitag, 5. Dez. 1952
Unklarheiten, die endlich aufgehellt werden sollten.
Sportförderung mit Toto-Überschüssen hat Nebenluft. Funktionäre mit Beihilfen. Was geschah wirklich? Während für jeden Sonntag zahlreiche schleswig-holsteinische Fußballfreunde ihren Wettschein ausfüllen und auf den Tipperfolg hoffen. liegt immer noch ein mysteriöses Dunkel über den Vorwürfen, die gegen den "Sportförderungsausschuß der Schleswig-Holsteinischen Sportwette e.V." erhoben worden sind, der die Toto-Überschüsse verteilt. Nachdem die Privatklage des 1. Vorsitzenden des Sportförderungsausschusses, Carl Arpe, gegen den früheren 1. Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Willi Steffen, die unter Umständen einige Klarheit in diese verwickelte Angelegenheit gebracht hätte, bisher nicht angelaufen ist, erscheint es an der Zeit, daß sich andere Stellen für die Vorgänge bei der Sportwette interessieren. Schließlich hat die Öffentlichkeit und haben vor allem die Teilnehmer an der Sportwette ein Recht auf Klarheit darüber, was mit den Überschüssen aus den Sportwetten geschieht.

Nachdem verschiedene Gerüchte über Verteilung der Gelder durch den Sportförderungsausschuß von den bisherigen beiden Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Steffen (Lübeck) und Arpe (Kiel), nicht befriedigend aufgeklärt werden konnten, hatten die Delegierten des Landesfußballverbandes in Itzehoe beide Vorsitzende abserviert und einen neuen Vorstand gewählt. Als sich Steffen trotzdem wieder in den vorstand des Norddeutschen Fußballverbandes wählen ließ und von den schleswig-holsteinischen Fußballern seine Legitimation auf dem norddeutschen Verbandstag bestritten wurde, schob Steffen die ganze Schuld auf Arpe ab und behauptete, daß an dem Sturz des Vorstandes allein die Machenschaften von Arpe im Sportförderungsausschuß Schuld gewesen seien. Darauf strengte Arpe eine Beleidigungs- und Verleumdungsklage gegen Steffen an.

Der Deutsche Fußball-Bund versuchte zwischen den beiden feindlichen Fußballbrüdern zu vermitteln, kam aber nicht zum Zuge, weil Steffen den Vergleich ablehnte. Nun müßte demnächst die Klage zur Verhandlung kommen, denn bisher ist nicht bekannt geworden, daß Arpe seine Klage zurückgezogen hat. Auf der anderen Seite kann Arpe auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen, denn er ist immer noch Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes.

Die gegen den Sportförderungsausschuß und auch gegen Arpe persönlich erhobenen Vorwürfe richten sich gegen das Verteilungssystem, bei dem einmal Funktionäre des schleswig-holsteinischen Fußballsports mit Beihilfen von 300, 500 DM, aber auch in erheblich höheren Summen bedacht wurden. Zum anderen macht man mehreren Mitgliedern des Ausschusses den Vorwurf, sich selber ebenfalls derartige "Beihilfen" bewilligt zu haben. Schließlich soll der Vorsitzende des Sportförderungsausschusses, Carl Arpe, erhebliche Gelder aus dem Fonds dadurch bezogen haben, daß seine Baufirma verschiedene von dem Sportförderungsausschuß finanzierte Bauvorhaben ausführte.

Die Zahlen sind im einzelnen in den Sitzungsprotokollen des Ausschusses enthalten., stehen also fest. Immerhin hatte die Sportförderung mit den Toto-Überschüssen einige Nebenluft, die verschiedenen Funktionären des Fußballsports und einzelnen Mitgliedern des Ausschusses zugute kam. Wahrscheinlich würde ein genaues Studium der Sitzungsprotokolle noch einige weitere Überraschungen bringen. So taucht da ein "Verein für notleidende Sportjournalisten" auf, den es nie gegeben hat, der aber 800 Mark erhalten hat. Dieses Geld soll dann für die Veranstaltung eines Pressefestes in Kiel verwandt worden sein. Ein weiterer Betrag von 800 Mark ist dann tatsächlich als Zuschuß für eine Presseveranstaltung verbucht worden. Aber da hat gar keine Presseveranstaltung stattgefunden. Auf jeden Fall sind Unklarheiten vorhanden, die nun endlich aufgehellt werden sollten.
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Bis zum Jahr 1960