Schuljahr 1954 - 55 Zeitraum Januar - März

 

Donnerstag 13. Januar 1955

Stadtvertretung und Oberschule

st. – Auf Wunsch der Theodor-Mommsen-Schule fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters eine Aussprache statt, an der seitens der Stadtvertretung der Bürgerworthalter und die drei Fraktionsvorsitzenden, seitens der Oberschule der Oberstudiendirektor und drei Studienräte, außerdem der Vorsitzende des Elternbeirates, Landtagsabgeordneter Wolgast, teilnahmen. In dieser Besprechung wurden die in der letzten Zeit entstandenen Schwierigkeiten und Zweifelsfragen eingehend erörtert und klar gestellt, so daß der Weg für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Zukunft geebnet worden ist.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.1.1955

 

Donnerstag, 20. Januar 1955

Elternbeiräte kämpfen für Stadtschulneubau

Vorstoß beim Oldesloer Magistrat – Gegen Schichtunterricht, Raumenge, Lehrermangel

st. – Die Schullasten haben entscheidenden Anteil daran, daß die Finanzlage der Kreisstadt immer noch stark angespannt ist. Aber gerade ein Schulproblem ist es, das durch einen neuen Vorstoß der Elternbeiräte der Neuen und der Alten Stadtschule aufgerollt wird. Die Elternschaft fordert nachdrücklichst eine Änderung der zweifellos vorhandenen Unzuträglichkeiten durch einen Volksschulneubau.

Schon vor drei Jahren haben Magistrat und städtischer Kulturausschuß in einem Schreiben an die Elternbeiräte die Schulraumnot anerkannt und zugesagt, den Plan eines Neubaues energisch zu fördern. Darauf berufen sich nun die Elternbeiräte. Sie erklären, seitdem von einer solchen Planung durch die Stadt nichts mehr gehört zu haben. In den weiterführenden Schulen Bad Oldesloes sei der Unterricht weitgehend normalisiert worden in der Mittelschule durch Neubau und in der Oberschule durch Ausbau des Dachgeschosses. Es sei nun an der Zeit, den dringend notwendigen Stadtschulneubau in Angriff zu nehmen.

Im einzelnen begründen die Elternbeiräte ihre Forderung mit den folgenden elf Punkten:

  1. Alle Kinder der Stadt Bad Oldesloe besuchen die Volksschule, und es muß erwartet werden, daß für diese Kinder die gleichen Verhältnisse geschaffen werden wie für die weiterführenden Schulen, die von vielen auswärtigen Kindern besucht werden. Die Eltern geben zu bedenken, daß alle Kinder in den Volksschulen das grundsätzliche Wissen vermittelt bekommen und nur ca. 25 Prozent dieser Kinder die weiterführenden Schulen besuchen, während ca. 75 Prozent der Kinder von der Volksschule aus ins Leben gehen.
  2. Von den circa 1500 Kindern der beiden Stadtschulen sind circa 1000 Grundschulkinder, das heißt Kinder bis zu 10 Jahren. Es ist bekannt, daß die kleinen Kinder besonders unter den Unregelmäßigkeiten des Schichtunterrichtes leiden.
  3. Auch in diesem Jahre ist wieder ein Schülerzuwachs auf der Unterstufe zu verzeichnen. Die Schulneulinge werden kaum in fünf Klassen untergebracht werden können.
  4. Mit dem Schichtunterricht ist stets ein Ausfall von Unterrichtszeit verbunden. Damit ist eine laufende Beeinträchtigung der Leistungen und eine Benachteiligung gegenüber anderen Kindern des Kreises gegeben.
  5. Die Räume – vor allen Dingen in der Neuen Stadtschule – bieten nur Raum und Luft für 40 Schulkinder, sind aber ständig überbelegt.
  6. Durch die Einführung des neunten Schuljahres wird für weitere 90 Kinder Schulraum benötigt.
  7. Die Lage der Gebäude, an einer Hauptverkehrsstraße, gefährdet bei einer Überbelegung der Schulen die Kinder in erhöhtem Maße.
  8. Die Toiletten sind ursprünglich nur für 600 bis 700 Kinder berechnet. Sie sind mit 1500 Kindern völlig überlastet.
  9. Auch der Schulhof ist nicht ausreichend. Im letzten Halbjahr hat es dort zahlreiche Unfälle gegeben.

10.  Auch die Turnhalle ist außerordentlich überlastet. Ein planmäßiger Turnunterricht ist nicht durchführbar.

11.  Es sind in keiner Schule Festräume (Aula) und keine Räume für Nadelarbeit und Werkarbeit, Physik usw. vorhanden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.1.1955

 

Mittwoch, 26. Januar 1955

Für die Mittelschule und die Oberschule gemeldet

st. – Insgesamt 154 Oldesloer Kinder wurden zum Besuch der Mittel- und der Oberschule gemeldet. 56 Schüller(innen) der Alten Stadtschule (davon 32 aus den vierten Klassen, 24 aus den fünften Klassen) wollen ab Ostern 1955 die Königin-Luise-Schule besuchen; 25 Kinder wurden zur Aufnahme in die Theodor-Mommsen-Schule gemeldet, davon 22 aus den vierten Klassen und drei aus den fünften Klassen. In der Neuen Stadtschule streben 50 Kinder (35 aus den vierten Klassen, 14 aus den fünften Klassen, ein Kind aus einer sechsten Klasse) zur Mittelschule, 23 Kinder (16 aus den vierten Klassen, sieben aus den fünften Klassen) zur Oberschule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.1.1955

 

Freitag, 28. Januar 1955

Krankheitswelle nahm zu

st. – Die Zahl der Erkältungskrankheiten unter den Schulkindern nimmt zu. In der Kreisstadt mußte gestern die Theodor-Mommsen-Schule ihre Pforten schließen. Lediglich für die Unter- und Oberprimen wird der Unterricht fortgesetzt. Die Schließung ist vorläufig bis auf Sonnabend einschließlich begrenzt. Heute morgen stellte auch die gesamte Alte Stadtschule ihren Betrieb ein. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.1.1955

 

Freitag, 28. Januar 1955

Vesdoro

Die Generalversammlung findet am Sonnabend, den 29. Januar 1955, 20 Uhr bei Drögemöller statt. Einladungen mit der Tagesordnung wurden verschickt. Der Vorstand.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.1.1955

 

Sonnabend, 29. Januar 1955

Auch Königin-Luise-Schule geschlossen

st. – Ab Montag sind die Schüler und Schülerinnen der Königin-Luise-Schule auf die Dauer einer Woche beurlaubt. Die Schule schließt ihre Pforten bis zum 7. Februar wegen der zahlreichen Erkältungskrankheiten, von denen über die Hälfte ihrer Kinder befallen ist.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.1.1955

 

Sonnabend, 29. Januar 1955

Vesdoro behielt bisherigen Vorstand

st. – Auf der Jahreshauptversammlung wählten die Mitglieder des Vesdoro (Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule zu Bad Oldesloe) die beiden Vorsitzenden Hans Werner Meyer und Gerhard Busch, und die Kassierer Paul Möller und Klüßmann als Beweis des Vertrauens und des Dankes wieder. Schriftführer und Beisitzer wurden die Mitglieder Struck, Witte, Kuhlmann, Peter Möller und Dr. Rodeck. Eine Maskerade will der Vesdoro nicht veranstalten, jedoch am 28. Februar ein Kostümfest.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.2.1955

 

Mittwoch, 2. Februar 1955

Die Imkerei ist sein liebstes Steckenpferd

Lehrer Heinrich Lemburg 80 Jahre

Berufs- und Vereinsjubiläen folgen noch in diesem Jahr

st. – Seinen 80. Geburtstag feiert heute Heinrich Lemburg, seit 30 Jahren Vorsitzender des Kreisimkervereins, seit 50 Jahren Mitglied des Kyffhäuserbundes und des Schießklubs von 1874, seit vorgestern Ehrenmitglied der Bürgerschützengilde.

„Jeden Morgen und jeden Abend einen Teelöffel Honig – das ist das Rezept, jung und gesund zu bleiben“, verrät uns das betagte Geburtstagskind, für das 1955 das Jahr der Jubiläen ist. Vor 60 Jahren absolvierte der aus dem Kreis Bordelum stammende Imkersohn das Lehrerseminar und übernahm in Elmenhorst als Junglehrer seine erste Stellung. Nach vier Jahren wechselte er nach Sühlen hinüber, fand dort die heute noch an seiner Seite stehende Lebensgefährtin Frau Alwine, wurde Vater von fünf Kindern und hatte trotz Beruf und Familie noch Zeit für seine zahlreichen Steckenpferde – allen voran die Bienenzucht. Viele Jahre zog er als Wanderlehrer und Preisrichter der Imker durch die Lande, er besuchte Ausstellungen und errang dabei selbst so manchen Preis. „Damals hatte ich durchschnittlich 30 Völker.“

Als Heinrich Lernburg 1937 in den Ruhestand trat und nach Bad Oldesloe in die Bahnhofstraße 8 umzog, zogen auch seine Bienen mit. Heute hat er noch etwa 20 Völker auf dem an den Alten Friedhof anschließenden Hof hinter seiner Wohnung. „Ich halte nur Reinzuchtköniginnen aus der Reinzuchtstation Sylt“, erzählt der erfahrene Züchter, der gegen Bienenstiche, aber auch gegen Rheuma immun ist. Er trauert, daß kein Buchweizen mehr angebaut wird und auch der Rapsanbau zurückgeht. „Da ist es ein doppelter Vorteil, daß die Reinzuchtbienen als einzige auch Rotklee befliegen!“

Auch in der Hühnerzucht war Heinrich Lemburg erfolgreich mit rebhuhnfarbigen Italienern und Wyandotten. Viele Jahre hatte er den Vorsitz des Oldesloer Geflügelzuchtvereins. Heute ist er dessen Ehrenmitglied. Ein weiteres Steckenpferd: sein Kleingarten. Seit 18 Jahren leitet er den Kleingartenverein Hohenkamp; dessen Parzellen in der Grabauer Straße liegen. In der Bürgerschützengilde ist er nach dem Tode Wilhelm Meyers, mit dem ihn viele schöne Erinnerungen verbanden, das älteste Mitglied.

Ein weiteres ausgefallenes Jubiläum verdient, erwähnt zu werden: 60 Jahre ist es her, daß sich Heinrich Lemburg ein Fahrrad, eines der ersten Modelle ohne Rücktritt und Freilauf, kaufte. Preis: 250 Goldmark. „Das war unheimlich viel Geld. Ich verdiente in Elmenhorst jährlich nur 900 Goldmark!“ Aber das Stahlroß war nötig. Es ermöglichte ihm, seine vielen Vereinsaufgaben zu erfüllen und immer Kontakt mit Oldesloe zu halten, wo er außerdem noch 40 Jahre Vorsitzender des Imkervereins „An der Trave“ war.

Zu den zahlreichen Gratulanten zum heutigen Geburtstage gehören sieben Enkelkinder und die fünfjährige Urenkelin Ina. Die 90 Jahre alte, bei Neumünster lebende Schwester hat ihr Kommen angekündigt, ebenso Direktor Preim von der lmkerschule in Bad Segeberg. Die Heimatzeitung wünscht dem so vielseitig tätigen Jubilar, der während des letzten Krieges wieder in den Schuldienst eintrat, und zwar in Rethwischdorf, später an der Stadtschule in Bad Oldesloe, weiterhin Gesundheit und Tatkraft.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.2.1955

 

Mittwoch, 2. Februar 1955

Falsche Grippe

st. – Die Welle grippeartiger Erkältungskrankheiten hat sich weiter ausgebreitet. In Bad Oldesloe sind gegenwärtig die Alte und Neue Stadtschule sowie die Königin-Luise-Schule geschlossen. In der Theodor-Mommsen-Schule wird seit Montag wieder unterrichtet.

Geschlossen sind die Schulen in Tremsbüttel, Rohlfshagen, Trittau, Lasbek, Grabau, Mollhagen, Tralau, Grande, Schulenburg, Pölitz, Jersbek, Hamfelde und Reinbek (Volks- und Hilfsschule).

Es zeigt sich, daß die sehr ansteckende Krankheit von den Schwerpunkten Bad Oldesloe, Bargteheide und Reinbek ausging und auf das flache Land übergreift, nachdem die Landschulen anfänglich noch wenig betroffen waren. Eine Ausnahme von der Regel macht Ahrensburg, wo trotz der großen Zahl von Schulkindern noch keine Schule geschlossen zu werden brauchte. Lediglich einzelne Klassen sind beurlaubt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.2.1955

 

Donnerstag, 3. Februar 1955

Erkältungswelle ohne ernsten Charakter

Erklärung eines Regierungssprechers – Ahrensburger Oberschule geschlossen

st. – Die vorübergehende Schließung von Schulen wegen der gegenwärtigen Erkältungswelle unter den Schulkindern ist einmal als Eindämmungsmaßnahme zu betrachten, zum anderen bedingt durch das Fehlen von mehr als 50 Prozent der Schüler in den einzelnen Klassen, wodurch sich der Unterricht nicht mehr lohnt.

Ein Sprecher der Landesregierung betonte gestern in Kiel, daß die grippeartigen Erkrankungen, die vor allem im südlichen Teil des Landes und im Kreise Südtondern aufträten, nicht als Seuche bezeichnet werden könnten. Es handele sich durchweg um leichte Fälle, die durch die Witterung und die jahreszeitlichen Verhältnisse bedingt seien und jeweils nur drei bis sechs Tage dauerten.

Stormarn ist von der Welle ganz besonders betroffen. Ahrensburg macht seit heute ebenfalls keine Ausnahme mehr. Die Stormarn-Oberschule stellte ihren Schulbetrieb heute morgen völlig ein, zunächst bis zum Wochenende. In Reinbek wurde die Schulschließung ebenfalls bis zum Wochenende verlängert. Als einzige Landschule schloß sich heute morgen Klein Hansdorf der Schließung vieler Landschulen an.

Aus Hamburg kommt nun die Nachricht, daß sich die Krankheitswelle nun auch, von Südholstein aus, in die Hansestadt eingeschlichen hat Dort wurden bereits die ersten Schulklassen beurlaubt Die betroffenen Schulen liegen vor allem in Wilhelmsburg, Bahrenfeld und Altona.

Nach Mitteilung des Stormarner Kreisschulamtes ist der Schulbetrieb im Kreise nach 1945 noch nicht durch eine Krankheitswelle derartigen Umfangs gestört worden. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.2.1955

 

Donnerstag, 3. Februar 1955

1200 Ausleseschüler

d. – Für die diesjährigen Übergangsprüfungen zur Aufnahme in eine Mittel- oder Oberschule sowie in einen ländlichen Aufbauzug haben sich in Stormarn fast 1200 Jungen und Mädchen angemeldet, das sind etwa 30 Prozent aller Schüler des vierten Grundschuljahres. Die Übergangsprüfungen finden vom 10. bis 12. Februar statt. Die schriftlichen Arbeiten werden in der Volksschule geschrieben, während die mündliche Prüfung in der weiterführenden Schule stattfindet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.2.1955

 

Dienstag, 8. Februar 1955

Erkältungswelle im Abklingen?

Nur noch 13 Schulen im Kreise Stormarn geschlossen

st. – Es hat den Anschein, daß die Erkältungskrankheitswelle unter den Schulkindern ihren Höhepunkt erreicht und überschritten hat. Während am vergangenen Wochenende noch insgesamt 29 Schulen mit 6000 Schülern geschlossen waren, erteilen gegenwärtig nur noch 13 Stormarner Schulen keinen Unterricht.

Der größte Teil der noch am Sonnabend geschlossenen Schulen hat gestern seinen Unterricht wieder aufgenommen. Die Schulenburger Schule allerdings mußte die „Grippeferien“ verlängern. Unter den neun Schulen, die erst seit gestern auf die Dauer einer Woche geschlossen wurden, befinden sich Hoisbüttel, Großhansdorf, Siek, Todendorf, Willinghusen, Willendorf, Hamfelde, Lang-Niendorf und die Schule am Hagen in Ahrensburg.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.2.1955

 

Donnerstag, 17. Februar 1955

Bildungswesen vereinheitlicht

Die Kultusminister verabschiedeten das Düsseldorfer Abkommen, mit dem das unter Länderhoheit stehende Bildungswesen vereinheitlicht wird.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik erklärt die Länder, nicht den Bund, als zuständig für die Bildungs- und Kulturpolitik. Die dezentralisierte Kulturpolitik beruht auf der alten Tradition des deutschen Föderalismus und bestand schon verfassungsrechtlich im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.

Das Grundgesetz regelt nur wenige Grundsatzfragen: Festgelegt werden Freiheit von Kunst und Wissenschaft, von Forschung und Lehre, die staatliche Schulaufsicht, Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen und die Garantie der Privatschulfreiheit.

Der Wiederaufbau des Bildungs- und Kulturbereiches nach dem Zweiten Weltkrieg stand zwar in allen Ländern unter den Zeichen der „reducation“, der Rückbesinnung auf während des Nationalsozialismus verschüttete, allgemeingültige, unverzichtbare menschliche Grundwerte, der Anknüpfung an die Tendenzen der Weimarer Republik und der fraglosen Übernahme überlieferter Schulsysteme. Jedoch führte die Selbstständigkeit der Länder in Kultur- und Bildungsfragen zu sehr unterschiedlichen Regelungen. Uneinheitlich in der Schulpolitik besteht zum Beispiel in der Länge der Schuldauer der Sprachenfolge und der Anerkennung von Versetzungen.

Diese Abweichungen verhindern die Vergleichbarkeit der Bildungswege, werfen Probleme bei Umzügen von Schulpflichtigen oder Lehrern in ein anderes Bundesland auf. In der Öffentlichkeit entsteht deshalb eine Debatte über das „Schulchaos“ in der Bundesrepublik.

Das Düsseldorfer Abkommen liegt den Schuljahresbeginn auf das Frühjahr fest, regelt die Anerkennung von Prüfungen, Reifezeugnissen und Benotungsstufen, bestimmt Englisch als erste Fremdsprache und führt einheitliche Bezeichnungen für die mittleren und höheren Schulen ein. Da Bayern dem Abkommen die Anerkennung versagt, bestehen dort weiterhin abweichende Regelungen.

CHRONIK DER DEUTSCHEN

 

Sonnabend, 19. Februar 1955

Rektor i.R. Ernst Fritz-Brüning im 68. Lebensjahr gestorben.

 

Montag, 21. Februar 1955

Rektor Fritz-Brüning gestorben

st. – In dem am letzten Sonnabend im 68. Lebensjahre verstorbenen Rektor i.R. Ernst Fritz-Brüning verliert die Stadt Bad Oldesloe einen Mitbürger, dessen pädagogisches Wirken es verdient, hier näher umrissen zu werden. Vom Jahre 1947 bis zu seiner Pensionierung im Herbst 1953 war er als Leiter der Oldesloer Hilfsschule tätig.

Aus seiner langjährigen Amtszeit als Rektor der umfangreichen Hilfsschule in Elbing/Westpreußen brachte er einen reichen Schatz an Erfahrung und reichem Wissen in der Heilpädagogik mit, den er für die hiesige Hilfsschule verwertete. Danzig, Schneidemühl und Elbing waren die Hauptstationen seines beruflichen Werdeganges, in dessen Verlauf er die Mittelschullehrer-, die Hilfsschullehrer-, die Gehörlosen- und Sprachheil-Lehrerprüfung ablegte. Anfangs als Lehrer und ab 1929 als Rektor wirkte er an diesen verschiedenen Schulformen und fand daneben noch Zeit, sein reiches Wissen schriftstellerisch und in zahlreichen Vorträgen vor der Lehrerschaft nutzbringend zu verwerten.

Sein Weg, der ihn 1945 als Flüchtling nach Bad Oldesloe führte, war vor allem durch den christlichen und den sozialen Gedanken bestimmt.

Im Jahre 1953 bezog Rektor Fritz-Brüning mit seiner Familie am Stadtrande von Bad Oldesloe, das ihm zur Heimat geworden war, ein selbsterbautes Siedlungshaus. Es war ihm jedoch nur kurze Zeit vergönnt, sich dessen zu erfreuen. Eine Herzkrankheit setzte nun dem arbeitsreichen, mühevollen, aber auch gesegneten Leben dieses selbstlosen Mannes ein Ende, dessen Andenken über Oldesloe hinaus in den Herzen vieler erhalten bleiben wird.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.2.1955

 

Mittwoch, 2. März 1955

Überall wieder Schule

st. – Die Erkältungswelle unter den Schulkindern ist abgeklungen. Der größte Teil der erkrankten Kinder ist wieder gesund und keine Schule im Kreise ist mehr geschlossen. Nur noch vereinzelt sind Klassen beurlaubt. Die Zahl der Schulschließungen belief sich auf 50.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.3.1955

 

Donnerstag, 3. März 1955

Abiturienten vor der mündlichen Prüfung

st. – Nachdem die Abiturienten der Theodor-Mommsen-Schule die schriftlichen Prüfungen absolviert haben, stehen ihnen nun am kommenden Dienstag und Mittwoch die mündlichen Prüfungen bevor.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.3.1955

 

Freitag, 4. März 1955

Ein Halbmillionenprojekt

st. – Bürgerworthalter Rosch teilte im Zusammenhang mit einer Eingabe der Elternbeiräte der Neuen und der Alten Stadtschule mit, daß sich Magistrat und Finanzausschuß eingehend mit dem Plan eines Stadtschulneubaues beschäftigt haben. Man rechne mit einem Kostenaufwand von einer halben Million DM. Das aus den bevorstehenden Wahlen hervorgehende neue Stadtparlament werde dieses Projekt als eines seiner ersten und wichtigsten Aufgaben zu betrachten haben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.3.1955

 

Mittwoch, 9. März 1955

24 Primaner bestanden Abitur

Bürgermeister stiller Beobachter bei den Prüfungen

st. – Die Theodor-Mommsen-Schule beendete die diesjährige Abiturientenprüfung. Den Vorsitz führte Oberstudiendirektor Staberock. Zeitweise nahm auch Bürgermeister Barth als Vertreter der Stadt an den Prüfungen teil.

Dadurch erhielt er einen Einblick in die Arbeit, der ihm, wie er auf einer Pressebesprechung mitteilte, den Eindruck verschafft habe, daß die Schule ein recht hohes Niveau habe, auf einigen Gebieten eine Sonderstellung einnehme und keinesfalls hinter anderen, gleichgearteten Schulen zurückstehe. Dieser Eindruck sei durch die Beurteilung der schriftlichen Arbeiten durch die vorgesetzte Schulbehörde bestätigt worden.

Von den 24 Oberprimanern; die sich der Prüfung unterzogen, waren zehn Mädchen und 14 Jungen. 17 Abiturienten gehörten dem sprachlichen Zug an, sieben dem mathematischen. 18 wollen sich dem Hochschulstudium zuwenden. Insgesamt sieben waren von der mündlichen Prüfung befreit. Die Reifeprüfung bestanden:

Klasse OIs:

Winfried Dobbrunz (Berufswunsch: Studium der Volkswirtschaft); Margarethe Ehrentraut (Apothekerin); Jürgen Glüsing (Studium der Philologie); Margot Grabowski (Dolmetscherin); Dieter Hangarter (Jura-Studium); Ingrid Hangarter (Dolmetscherin); Liesel Hinselmann (Studium der Tiermedizin); Hildegard Imbt (Studium der Sozialwissenschaft); Adolf Isokeit (Jura-Studium); Hans-Günther Joka (Postinspektor); Renate Kulow (Volksschullehrerin); Helmut Müller (Philologiestudium); Manfred Schlüter (Technischer Postinspektor); Martin Schmidt (Finanzamts-Inspektor); Jürgen Schulze (Zoll-Inspektor); Eggert Stoltenberg (Philologiestudium); Annemarie Wulk (Industrie-Photographin).

Klasse OIm:

Peter Ehmke (Architekt); Heinrich Fahrenkrog (Diplom-Ingenieur); Waltraud Hein (Apothekerin); Gunhild Hoffmann (Volksschullehrerin); Jürgen Krohn (Volksschullehrer); Ruth Schacht (Apothekerin); Klaus Peter an der Wielen (Diplom-Kaufmann).

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.3.1955

 

Mittwoch, 9. März 1955

Jugend weniger umhegt und früher reif

Die Familie wandelt sich – Professor Blättner in der Oldesloer Universitäts-Gesellschaft

Vo. – Die Frühreife der Jugend als ein Verstädterungsphänomen und die Anpassungsfähigkeit an die nüchterne und sachliche Welt von heute hob Professor Blättner in seinem Vortrag vor der Sektion Bad Oldesloe der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft über das Thema „Die Psychologie der Jugend“ als bemerkenswert hervor.

Der Vortragende unternahm es, ein umfassendes Bild von der heutigen Jugend zu geben. Eine Wandlung habe sich vollzogen: Die Jugend verlaufe heute physisch anders als früher. Schon Ende des vorigen Jahrhunderts, so sagte Professor Blättner, nahm das Längenwachstum der Jugend zu, das seinen Höchststand wahrscheinlich schon erreicht hat. Ein bis zwei Jahre früher als im vorigen Jahrhundert tritt heute die körperliche Reifung ein. Es ist anzunehmen, daß diese Verfrühung der Reife auch psychologische Folgen hat. Da sie in der städtischen Bevölkerung früher eintritt als auf dem Lande, glaubt man, daß es sich um ein Verstädterungsphänomen handelt.

Professor Blättner stellte die großen Unterschiede heraus zwischen der heutigen Jugendgeneration und der Generation der „Jugendbewegung“, die eine Parallelerscheinung zu den anderen Emanzipationsbewegungen zu Beginn unseres Jahrhunderts war und nach Eduard Spranger („Psychologie des Jugendalters“) 1923 ihr Ende fand. Er wies auch auf die seit 1900 eingetretene Strukturveränderung der Familie, insbesondere der städtischen, hin. Das Berufswirken des Vaters ist aus der Familie entlassen worden, vielfach sogar das Wirken der Mutter. Das Kind erlebt das Haus nicht mehr als Stätte gemeinsamer Arbeit.

Jugend – als eine Durchgangszeit, beginnend mit dem Eintritt der körperlichen Reifung – ist ein Kulturphänomen. Eine Jugend gibt es bei primitiven Völkern nicht; die hochkultivierten brauchen diese, Zeit, damit der physisch schon fertige Mensch auch die geistigen Eigenschaften erwirbt, die er als Mitglied der Kulturgemeinschaft haben muß.

In der heutigen Jugend, die ihre Schwierigkeiten hat wie jede, sehen wir eine Anpassung an die nüchterne und sachliche Welt von heute sich vollziehen. Rundfunk, Presse, Film bieten ihr eine standardisierte, verflachte Bildung. Die Schule befindet sich in einer Krise. Sie wird von den Schülern und von den meisten Eltern nicht mehr- wie noch zu Anfang des Jahrhunderts – als eine Stätte der Bildung aufgefaßt, sondern als ein Mittel, neue soziale Geltung zu erlangen, als eine Möglichkeit des Aufstiegs. Die Krise der Schule ist zu erkennen am Nachhilfeunterricht. Die hochwüchsigen jungen Menschen von heute sind labiler geworden. Die Schule muß dafür sorgen, daß sie das Lernen lernen. „Wir müssen sehen“, sagte Professor Blättner zum Schluß, „daß in dieser Jugend die moderne Menschheit zur Reife, zur Klugheit sich durchringt, vielleicht auch – wir wissen es nicht – zur Weisheit.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.3.1955

 

Donnerstag, 10. März 1955

Verbandskästen in Schulen

d. – Bei Schulbesichtigungen im Kreisgebiet wurde festgestellt, daß es kaum Schulen in Stormarn gibt, die mit Verbandsmaterial für etwaige Unfälle ausgerüstet sind. Die Gemeinden wurden daher jetzt vom Kreis aufgefordert, für jede Schule einen Verbandskasten für Erste Hilfe anzuschaffen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.3.1955

 

Sonnabend, 12. März 1955

Schüler demontierten Geländer

st. – Mehrere Schüler wurden dabei überrascht, als sie Eisenteile als Schrott bei einem hiesigen Händler verkaufen wollten. Es waren Teile eines Geländers der Theodor-Mommsen-Schule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.3.1955

 

Mittwoch, 16. März 1955

Rektor Schweichler verläßt die Kreisstadt

st. – Der verdienstvolle Leiter unserer Volkshochschule, Rektor z.Wv. Arthur Schweichler, ist einstimmig zum Rektor der Mittelschule in Burg auf Fehmarn gewählt worden und wird Bad Oldesloe verlassen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.3.1955

 

Donnerstag, 17. März 1955

Festliche „Jahreszeiten“

Aufführung In der Oldesloer Theodor-Mommsen Schule

Vo. – In der Aula der Oberschule, die durch den kürzlich erfolgten Anstrich der Wände nunmehr ein festliches Aussehen hat, fand in Anwesenheit von Bürgerworthalter Rosch und Bürgermeister Barth eine Aufführung von Haydn‘s Oratorium „Die Jahreszeiten“ statt, für welche die den Saal bis auf den letzten Platz füllenden Zuhörer mit herzlichem Beifall dankten.

Der Chor der Schule, in dem die zum Teil mit kräftigen Bässen ausgestatteten großen Jungen den Mädchen an Zahl weit unterlegen sind, hat auch in diesem Jahre wieder fleißig proben müssen um ein großes Werk mit aufzuführen. Er kann jetzt stolz sein über den Anteil am Erfolg des Abends, den er für sich buchen darf. Mit Freude bewältigte er seine Aufgaben vom ersten „Komm, holder Lenz“ an bis zum fröhlich-lauten Weinchor und dem Doppelchor am Schluß, der mit feierlichem Amen endet.

Als Solisten hatte man wieder Gertrud Fey (Sopran), Günther Pods (Tenor) und Jürgen Keller gewonnen. Gern hörte man Simons Arie „Schon eilet froh der Ackersmann“, das Duett Lukas-Hannchen („Lieben und geliebt zu werdend“) und Hannes Lied mit Chor („Ein Mädchen, das auf Ehre hielt“). Eine edle Volkstümlichkeit zeichnet diese Gesänge aus. Am Cembalo besorgte Heinz Göttsche die Begleitung der Rezitative.

Die Gesamtleitung lag in den Händen von Fritz Alshuth, dem verdienten Musikerzieher der Schule, der auch das Lübecker Konzertorchester dirigierte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.3.1955

 

Sonnabend, 19. März 1955

Abschiedsfeier in der Theodor-Mommsen-Schule

st. – In feierlicher Form verabschiedete die Theodor-Mommsen-Schule in der Aula ihre diesjährigen 24 Abiturienten in Gegenwart von Bürgermeister Barth und Mitgliedern des Elternbeirates. Direktor Staberock gab den ins Leben hinaus ziehenden jungen Menschen ein Wort aus dem Lehrbrieflein der Eltern Goethes mit auf den Weg: „Dehne Deine Seile lang und stecke Deine Nägel fest, denn Du wirst ausbrechen zur Rechten und zur Linken!“ Peter Ehmke dankte der Schule im Namen der Scheidenden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.3.1955

 

Sonnabend, 19. März 1955

Kleinstradio und Tischlampe

Königin-Luise-Schüler sind auch geschickte Bastler

Vo. – In der Aula der Mittelschule fand am vormittag die Entlassungsfeier für die abgehenden Klassen 10a, b und c statt. Bürgermeister Barth und Kreisschulrat Heitmann ließen ihnen durch Rektor Rahneberg ihre Glückwünsche übermitteln.

Geschmückt mit Schneeglöckchensträußchen, begrüßt von festlichen Klängen, zogen die Jungen und Mädchen in die Aula ein, deren hintere Sitzreihen angefüllt waren mit ihren Eltern und Geschwistern, die diese Stunde des Abschieds von der Schule miterleben wollten. Der Chor und die Instrumentalgruppe unter der Leitung beziehungsweise Mitwirkung von Musiklehrer Riedell verschönte sie ihnen durch die Darbietung von Heinrich Schütz' „23. Psalm“ (für Doppelchor, Streicher und Sopransolo), das Adagio cantabile aus dem Streichquartett op. 76 Nr. 3 („Kaiserquartett“) von Haydn und kleineren Werken alter Meister.

Mittelschullehrer Hormann versuchte in seiner Ansprache den jungen Menschen einige Brücken zu bauen, die ihnen den Weg durch das Leben erleichtern würden. „Erkenne dich selbst!“ sei die Forderung des Augenblicks der Muße, der jetzt nach Beendigung der Schulzeit erreicht sei. Das wesentliche Anliegen der Schule sei gewesen, in den Kindern durch die Berührung mit dem Bildungsgut das zur Entfaltung zu bringen, was zu einer starken Persönlichkeit macht. Wissen könne nur dann zum Segen werden, wenn es getragen sei von einer sittlich einwandfreien Persönlichkeit, wenn man durch es hindurch zu sich selbst finde. Der Mensch sei ein Wesen zweier Welten. Die Versöhnung des Naturhaft-Animalischen und des Geistigen in ihm könne nur erfolgen, wenn er sich selbst erkannt habe.

Rektor Rahneberg verteilte an eine Anzahl von Schülern Buchgaben als Anerkennung für gute Leistungen, fleißige Arbeit während der Schuljahre und treue Verwaltung von Klassenämtern. Nach der Zeugnisausgabe drückte der Schüler Rüdiger Weist, 10a, im Namen der drei Klassen deren Dank an die Lehrer aus.

Im Anschluß an die Feier war den Gästen Gelegenheit gegeben, eine Ausstellung von Arbeiten der Abgänger zu besichtigen, Handarbeiten der Mädchen und Bastelarbeiten der Jungen, unter denen ein Modell des Dorfes Wakendorf II, eine Tischlampe und ein winziges Radiogerät besondere Beachtung fanden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.3.1955

 

Donnerstag, 24. März 1955

Zum Weggang Rektor Schweichlers

st. – Nur wenige Tage noch wird der in Burg (Fehmarn) einstimmig zum Rektor der Mittelschule gewählte bisherige Rektor z.Wv. Arthur Schweichler in der Königin-Luise-Schule seinen Dienst an der Jugend versehen. In einer Feierstunde am 31. März wird er Abschied nehmen von der Stätte, an der er in den letzten vier Jahren gewirkt hat.

Der verdienstvolle Lehrer wurde am 27. Mai 1900 in Königsberg geboren. Nach der 1919 abgelegten ersten Lehrerprüfung war er seit März 1920 dort im Schuldienst tätig. Schon nach einem Jahr mußte er Lehrern aus den laut Versailler Vertrag abgetretenen Gebieten weichen und war dann drei Jahre lang Hauslehrer bei einem Oberförster am Kurischen Haff. Vom April 1924 an war er wieder im öffentlichen Schuldienst, zunächst an Landschulen des Regierungsbezirks Königsberg/Pr., dann im Volks- und Mittelschuldienst seiner Vaterstadt. 1926 legt er die zweite Lehrerprüfung und 1930 die Mittelschullehrerprüfung ab, dazu 1931 eine büro-wissenschaftliche Zusatzprüfung. Oktober 1935 wurde Arthur Schweichler hauptamtlicher Heeres-Oberlehrer im Wehrmachtsfachschuldienst. Ende 1933 übernahm er als Truppenunterrichtsleiter die Leitung der Heeresfachschule für Verwaltung in Preußisch Eylau. Am Zweiten Weltkrieg nahm er vom ersten bis zum letzten Tage als Reserveoffizier teil; 1946 wurde er aus England entlassen.

Seitdem er im Oktober 1946 als Lehrer in Mönkhagen wieder unterrichtete, blieb Rektor Schweichler dem Kreise Stormarn treu. Ab Ostern 1950 war er ein Jahr lang am Aufbauzug in Reinfeld tätig. Seit Ostern 1951 wirkte er als Mittelschullehrer an der Königin-Luise-Schule in Bad Oldesloe.

Hier ist neben seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Lehrer der Oberklassen der Aufbau des Maschinenschreibunterrichts sein Werk. Er vermochte die Elternschaft für diesen Zweig des Unterrichts so zu erwärmen, daß allein aus ihren Spenden heute der ansehnliche Bestand von 20 Maschinen beschafft werden konnte.

Rund 3 ½ Jahre lang war Rektor Schweichler der vom Kultusminister berufene Obmann für den Unterricht „Ostdeutscher Raum“ im Kreise Stormarn. Aus dieser Arbeit erwuchs seine Broschüre „Der deutsche Osten im Geschichtsunterricht der Volksschulen Schleswig-Holsteins“, die jeder schleswig-holsteinischen Volks- und Mittelschule zugestellt wurde. Als erster Vorsitzender stand er dem Lehrerverein Reinfeld von Ende 1947 bis 1951 vor, desgleichen ist er seit Jahren der Vorsitzende der Mittelschullehrerschaft im Kreislehrerverein Stormarn.

An der Volkshochschule unserer Stadt war er Lehrer und Leiter einiger Jahrgänge für ehemalige Berufssoldaten (131er), die er auf Grund seiner Erfahrungen im Heeres-Fachschuldienst sicher zum Beamten-Abschlußexamen führte. Nach dem Tode des unvergessenen früheren Leiters der Volkshochschule, Schulrat Wilhelm Busemann, übernahm Arthur Schweichler die Leitung der gesamten VHS. Diese entwickelte sich dank seiner unermüdlichen, selbstlosen Arbeit, dank seiner unentwegten Bemühungen um vor allem den inneren Menschen fördernde Vorträge, Kurse und Arbeitsgemeinschaften weiter zu der heutigen schönen Blüte.

Der Weggang des ausgezeichneten Pädagogen wird allgemein sehr lebhaft bedauert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.3.1955

 

Sonnabend, 26. März 1955

Für einheitliches Schulwesen

lno. – Für ein einheitliches Schulwesen im Bundesgebiet, das Beibehalten der vierjährigen Grundschule und der bewährten Schulformen setzte sich auf einer Kundgebung der Gemeinschaft Deutscher Lehrerverbände in Lübeck Hans Jessen (Schleswig) als Sprecher der Gemeinschaft ein. Der schleswig-holsteinische Kultusminister Dr. Helmut Lemke versprach, die Bestrebungen der Lehrerverbände zu unterstützen. Er wandte sich jedoch gegen diejenigen Verbände, die auf Grund ihrer hohen Mitgliedszahlen diese Machtstellung ausnutzen und in die Zuständigkeit der gesetzgebenden Körperschaften einzugreifen versuchten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.3.1955

 

Dienstag, 29. März 1955

Abschied von der Theodor-Mommsen-Schule

st. – Wegen Erreichung der Altersgrenze verlassen Studienrat Dr. Kahl und Oberschullehrer Seipelt die Theodor-Mommsen-Schule und treten in den Ruhestand. An einer Abschiedsfeier morgen in der Schule nehmen unter anderen auch Vertreter der Stadt und des Elternbeirates teil.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.3.1955

 

Mittwoch, 30. März 1955

Lehrer und Freunde vieler Schülerjahrgänge

Abschiedsfeier für Studienrat Dr. Kahl und Oberschullehrer Seipelt

st. – Sehr herzliche Beweise ihrer Dankbarkeit und Anerkennung gaben das Lehrerkollegium und die Schüler der Theodor-Mommsen-Schule auf der Abschiedsfeier für den seit 31 Jahren an der Schule tätigen Studienrat Dr. Hans Kahl und den 1944 an die Schule gekommenen Oberschullehrer Leo Seipelt.

Blumen, Ehrenurkunden, Bücher und andere Erinnerungsgaben, Händedrücke, feierliche Ansprachen und das Musizieren des Schulchores und -orchesters berührte die scheidenden Pädagogen sehr und mochte ihnen den Abschied schwer machen. Oberstudiendirektor Staberock würdigte in seiner Ansprache ihre Verdienste.

Als Studienrat Dr. KahI, ein geborener Holsteiner, nach Studienjahren in München und Berlin, der Promovierung in Kiel und weiterer Ausbildung in Flensburg und Plön 1924 nach Bad Oldesloe kam, war sein Streben, an der Schule die Voraussetzungen für einen modernen chemikalisch-physikalischen Arbeitsunterricht zu schaffen. Die Stadt hatte Verständnis und stellte die Gelder zum Kauf der nötigen Geräte zur Verfügung. Mancher ehemalige Schüler ist heute ein bedeutender Chemiker.

 

1929 führte Dr. Kahl seine ersten Abiturienten durch das Examen. Einer von ihnen nahm an der Entlassungsfeier teil und rief seinem ehemaligen Ordinarius beim Überreichen eines Blumenstraußes zu: „Diese Osterglocken mögen Sie in den Ruhestand locken!“

Daß dieser humorvolle Gruß Dr. Kahl gefallen würde, war gewiß, denn er liebt Humor und Witz und ließ ihn auch in seinem Unterricht nicht zu kurz kommen. Die verantwortungsvolle und oft gefahrvolle Arbeit als Kreischemiker während des Krieges wurde Dr. Kahl schlecht gelohnt, nämlich mit der fristlosen Entlassung aus dem Schuldienst nach der Kapitulation. 1948 erfolgte seine Rehabilitierung und Wiedereinstellung, und es gelang ihm, die durch den Krieg und seine Folgeerscheinungen verlorengegangenen Sammlungen und Unterrichtsgeräte neu zu beschaffen oder zu ergänzen.

Auch Oberschullehrer Seipelt hat, nachdem er 1944 von der Körner-Oberschule in Berlin nach Bad Oldesloe gekommen war, einen wertvollen Beitrag zum Wiederaufbau der Theodor-Mommsen-Schule geleistet. Er ist Brandenburger. Daß ihn seine Schüler „Papa Seipelt“ nannten, verrät das herzliche Verhältnis dieses Pädagogen zu den Kindern. Oberstudiendirektor Staberock hob anerkennend hervor, daß er immer einsprang, wenn Not am Mann war.

Den Dank und die besten Wünsche der Stadt sprach Bürgermeister Barth den Scheidenden aus und überreichte ihnen Blumen und Ehrenteller. Für die Elternschaft dankte Elternbeiratsvorsitzender Heinrich Wolgast. Für den als Gast anwesenden ehemaligen Leiter der Schule, Oberstudiendirektor Dr. Michael, war die Feierstunde eine Rückerinnerung an gemeinsam mit Dr. Kahl verbrachte Arbeitsjahre.

Oberstudiendirektor Staberock verabschiedete außerdem Studienrat Dr. Lilge, der auf eigenen Wunsch nach Berlin übersiedelt, ferner die im Zuge ihrer Ausbildung weggehenden Referendare Frau Hartmann, Heller und Hattendorf. Der Schule sind sechs neue Lehrkräfte zugesagt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 31.3.1955

 

Donnerstag, 31. März 1955

„Daß dich Gott behüt…“

Königin-Luise-Schule nahm Abschied von drei Lehrkräften

st. – „Daß dich Gott behüt…“, dieser alte Chorsatz von Orlando di Lasso war der stimmungsvolle Auftakt zur Abschiedsfeier für den als Rektor nach Burg auf Fehmarn gehenden Rektors z.Wv. Schweichler, die nach Ahrensburg zurückkehrende Lehrerin Frau Hehn und die in den Ehestand tretende Lehrerin Fräulein Hein in der Aula der Königin-Luise-Schule.

Bürgermeister Barth dankte den Scheidenden. Er würdigte dabei besonders die Verdienste Rektor Schweichlers auch als Leiter der Volkshochschule und der 131-Lehrgänge, und überreichte ihm als Erinnerungsgabe einen Ehrenteller der Stadt. Rektor Rahneberg lobte die Treue, den Fleiß und die Pflichterfüllung, die Rektor Schweichler als unzerstörbare Werte aus der verlorengegangenen Heimat im Osten herübergerettet und sich bewahrt habe. „Diese Tugenden haben dem Reich einst den Namen Preußen eingebracht!“

Lehrer Schweichler dankte bewegten Herzens für die Beweise der Freundschaft, auch im Namen der scheidenden Lehrerinnen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 1.4.1955

 

Bis zum Jahr 1960