Schuljahr 1955 - 56 Zeitraum April - Juni

 

Mittwoch, 4. April 1956

Schulbeginn für neue Mittelschüler

st. – Der Unterricht für die neu aufgenommenen Schüler der fünften Klassen der Königin-Luise-Schule beginnt am kommenden Montag um 8 Uhr.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.4.1956

 

Montag, 16. April 1956

Lehrerin wurde freigesprochen

Oberlandesgericht: Angemessene Zuchtmittel berechtigt

lno. – Kiel. Eine wichtige Entscheidung wurde am Wochenende vom Strafsenat des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts in Schleswig getroffen, das in einem kürzlich ergangenen Urteil den Freispruch einer Lehrerin bestätigte. Die Lehrerin war der Körperverletzung im Amt beschuldigt worden; weil sie in der zweiten Klasse einer großstädtischen Volksschule in Schleswig-Holstein einen Schüler und eine Schülerin durch leichte Schläge mit einem dünnen Rohrstock gezüchtigt hatte.

Wie am Sonnabend in Kiel bekannt wurde, äußerte das Oberlandesgericht in seiner Urteilsbegründung, die Anwendung körperlicher Zuchtmittel erfülle in der Regel zwar den Tatbestand einer Körperverletzung, aus dem Recht und der Pflicht des Volksschullehrers zur Erziehung der ihm anvertrauten Kinder folge aber unmittelbar auch die Berechtigung der körperlichen Züchtigung. Kraft Gewohnheitsrecht umfaßt nämlich das Erziehungsrecht des Volksschullehrers auch das Recht, in gleicher Weise wie die Eltern angemessene Zuchtmittel gegen Schüler anzuwenden. Eine derartige Züchtigung in der Schule verstoße auch nicht etwa als Eingriff In die körperliche Unversehrtheit gegen das Grundgesetz. Jedoch müssen sich die Züchtigungen „stets Im Rahmen einer maßvollen und vernünftigen Schulzucht halten“. Gesundheitsschädliche Mißhandlungen seien selbstverständlich nicht erlaubt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.4.1956

 

Freitag, 4. Mai 1956

Urabstimmung über das Schulwandern?

Lehrer fühlen sich nicht genügend gedeckt – Staatsanwalt anderer Auffassung

lno. – Plön. Der schleswig-holsteinische Philologenverein hat sich jetzt für eine Urabstimmung ausgesprochen, in der die Lehrerschaft sich über das mehrtägige Schulwandern äußern soll.

Diese Mitteilung machte Fräulein Emmy Hufferth von der Plöner Oberschule in Plön bei einer Tagung des Arbeitskreises für heimatkundliches Wandern. An der Veranstaltung nahmen Pädagogen aus den Kreisen Eutin und Plön, Vertreter der Kieler Staatsanwaltschaft, des Landesjugendringes und des Kultusministeriums teil.

Oberstudiendirektor Dr. Friedrich Zeisz von der Oberschule Bad Schwartau wies in der sehr lebhaften Diskussion daraufhin, daß die verantwortlichen Reiseleiter beim Schulwandern früher die Gewißheit gehabt hätten, die vorgesetzte Dienststelle werde sie bei Unglücksfällen hundertprozentig decken. Heute sei das nicht mehr der Fall. Die Schule sehe sich jetzt immer neuen Forderungen gegenüber, die gar nicht alle erfüllt werden könnten.

Staatsanwalt Paulusch aus Kiel wies die Argumente der Lehrerschaft gegen das Schulwandern als nicht stichhaltig zurück. Er sagte, im Fall eines Unglücks beim Schulwandern habe sich vor den Gerichten nur der aufsichtsführende Lehrer zu verantworten, dem grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird. Bei allen anderen Unglücksfällen sei die Verantwortung vom Lehrer genommen, und die Haftpflicht werde wirksam. Der Staatsanwalt sagte, eine solche Verantwortung sei bereits von allen Lehrergenerationen getragen worden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.1956

 

Sonnabend, 5. Mai 1956

21 Schulräte in der Kreisstadt

st. – Gestern und heute vormittag tagten die 21 Schulräte des Landes unter Vorsitz von Regierungsdirektor Schleifer vom Kultusministerium in der Kreisberufsschule. Es handelte sich um eine der zehn regelmäßigen Dienstbesprechungen, die im Laufe eines Jahres, zumeist in Kiel, abgehalten werden. Bad Oldesloe ist zum ersten Mal Tagungsort. Die Besprechung war intern.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.5.1956

 

Montag, 14. Mai 1956

Arbeitstagung

st. – Heute kommen in der Jugendherberge die 14 Bezirksobleute zur Durchführung der Bundesjugendspiele 1956 zu einer Arbeitstagung zusammen. Sie beginnt mit einer Aussprache über die neuen Bestimmungen zur Durchführung der Bundesjugendspiele, die von Kreissportreferent Heinz Peters geleitet wird. Anschließend wird unter Leitung von Kreissportlehrer Bernhard Nowak ein neues Hilfsturngerät für Landschulen vorgeführt und ausprobiert, während am Nachmittag eine praktische Unterweisung für Kampfrichter zur Herstellung einheitlicher Beurteilungsunterlagen für die Sommerspiele 1956 durchgeführt wird.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.5.1956

 

Montag, 14. Mai 1956

Mit 40 Punkten Sieger

Wie Stormarn die Bundesjugendspiele durchführt

st. – Die Bundesjugendspiele werden in Stormarn in diesem Jahr einheitlich im Kreisgebiet in der Zeit von 7. bis 9. September durchgeführt.

Das wurde auf einer Arbeitstagung beschlossen, zu der unter Leitung von Kreissportreferent Heinz Peters die für die Jugendspiele eingesetzten Bezirksobleute in Bad Oldesloe zusammenkamen. Das Kreisgebiet ist dafür in 20 Bezirke eingeteilt. Die Jungen und Mädchen werden ihre Leistungen im Laufen, Springen wund Werfen messen. Als Sieger gelten Wettkämpfer, die nach der Punkttabelle mindestens 40 Punkte erreichen. Sie werden mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Im September werden dann die besten Mannschaften aus dem Kreisgebiet zu Mannschaftskämpfen in Bad Oldesloe antreten.

Voraussichtlich wird der Kreis für die Schule, die prozentual die meisten Sieger stellt, einen besonderen Preis aussetzen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.5.1956

 

Mittwoch, 23. Mai 1956

Als Schulleiter nach Südwestafrika

In Karibib sprechen schon die ABC-Schützen drei Sprachen

75 deutschstämmige Kinder warten auf den Oldesloer Mittelschullehrer Rehkopf

st. – In Karibib warten 75 deutschstämmige Kinder und drei Lehrerinnen auf ihren neuen Schulleiter: Mittelschullehrer Fritz Rehkopf von der Königin-Luise-Schule. Karibib ist das Einkaufszentrum der Siedler im Hochland zwischen Swakopmund und Windhuk in Südwestafrika mit 350 deutschen Einwohnern. Dorthin hat sich Lehrer Rehkopf auf zunächst drei Jahre verpflichtet.

Briefe flogen bereits hin und her. Der bisherige Leiter der dortigen deutschen Privatschule, ein Studienrat aus Berlin und zugleich Mitglied einer alten deutsch-afrikanischen Familie, besuchte seinen Nachfolger in Bad Oldesloe. So entstand schon ein enger Kontakt und eine Vorstellung von den Aufgaben, die den 40jährigen Oldesloer Pädagogen erwarten.

Ihn reizt es, die Lehranstalt in Karibib nach der Einführung der allgemeinen zehnjährigen Schulpflicht in eine Mittelschule auszubauen. Jährlich wird eine Klasse aufgestockt, die Kosten tragen die Eltern. Sie sollen übrigens gegenwärtig besonders spendenfreudig sein. Der künftige Schulleiter ist bereits gut informiert. Es regnete nämlich in diesem Sommer (Januar/Februar) häufig. Und Regen ist Gold für die Siedler in diesem subtropischen Hochland, 1300 Meter über dem Meere, mit Temperaturen zwischen 30 Grad Wärme am Tage und 15 Grad Wärme in der Nacht, mit riesigen Weiden für die ausgedehnte Rinder- und Persianerschafzucht und Ananasplantagen, die nicht ohne künstliche Bewässerung auskommen.

So gesund ist das Klima, daß es Tbc-Kranken empfohlen wird. Vorzüglich ist es offensichtlich auch den ersten deutschen Einwanderern vor langer Zeit bekommen. So weit hat sich beispielsweise die Famile Hälbich verzweigt, daß zeitweise ein Drittel der Schulkinder in Karibib auf den Namen Hälbich hörte, daß gegenwärtig eine Lehrerin so heißt, der vorherige Schulleiter diesen Namen trägt und mehrere Geschäftsleute in Karibib, abgesehen von den Siedlern der Umgebung, Hälbichs sind.

Ihre Kinder sprechen bereits zwei Sprachen, wenn sie mit sieben Jahren eingeschult werden: Afrikaans und Deutsch. Schon im ersten Schuljahr kommt dann noch Englisch hinzu. In der Oberstufe werden die Unterrichtsfächer in drei Gruppen geteilt. Jede Gruppe wird in anderer Sprache unterrichtet, das heißt eine Gruppe erhält beispielsweise konstant Erdkunde in Englisch, Mathematik in Afrikaans und Biologie in Deutsch. 50 Kinder wohnen in einem der Schule angeschlossenen Internat, denn ihre Elternhäuser liegen bis zu 200 Kilometer entfernt.

Einen Tag vor Pfingsten erhielt Lehrer Rehkopf die Daueraufenthaltsgenehmigung. Die Auslandsschulstelle des Auswärtigen Amtes ebnete ihm alle Wege und finanziert auch die Bahn- und Schiffsreise, die voraussichtlich Anfang Juni von Amsterdam aus erfolgen wird. Frau Rehkopf wird mitfahren. Zurück bleibt der ihm lieb gewordene Arbeitsplatz in der Königin-Luise-Schule und ein Siedlungshaus, das die Mutter inzwischen betreuen wird. Einen großen Teil seiner Sachen wird das Ehepaar mitnehmen, wenngleich die Vier-Zimmer-Wohnung, die in Karibib bereitsteht, voll möbliert ist.

Noch etwas wird den Pädagogen begleiten: Viele gute Wünsche seiner Kollegen und so manchen Schülers, auch aus Elmenhorst, wo Lehrer Rehkopf nach seiner Rückkehr aus russischer Gefangenschaft 1949 drei Jahre tätig war, bevor er nach Bad Oldesloe überwechselte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.5.1956

 

Freitag, 8. Juni 1956

Mit der „Ubena" nach Karibib

Verbindung mit der Königin-Luise-Schule reißt nicht ab

st. – Mit dem Fracht- und Passagierschiff „Ubena“ wird Mittelschullehrer Rehkopf von der Königin-Luise-Schule am Sonnabend um 16 Uhr von Hamburg aus auf die Reise nach Südwestafrika gehen. Ziel ist Karibib, wo Lehrer Rehkopf als Leiter der dortigen deutschen Privatschule bereis sehnlichst erwartet wird.

Die „Ubena" bringt ihn und seine Frau bis Lüderitz. Dann muß das Ehepaar in einer zweitägigen Bahnfahrt noch 1000 Kilometer bis Karibib überwinden.

Bei seinem Abschied gab Lehrer Rehkopf in der Aula der Königin-Luise-Schule vor Schülern und Schülerinnen einen kurzen Einblick in sein künftiges Wirkungsfeld. Er sprach hierbei den Wunsch aus, daß die Verbindung mit Bad Oldesloe nicht abreißen möge.

Seine Anregung, vielleicht auch zwischen Schülern der beiden Schulen einen Briefwechsel einzuleiten, wurde von Rektor Lüth freudig aufgegriffen. Durch den Austausch von Briefen, Aufsätzen und Fahrtberichten sollen die Kinder einen tieferen Einblick in die gegenseitigen Lebensverhältnisse bekommen und Verständnis für einander gewinnen. Auch Zeichnungen und Werkarbeiten sollen hinüber und herüber geschickt werden. Darüber hinaus könnte sich auch eine Zusammenarbeit zwischen beiden Schulen für den Fachunterricht, zum Beispiel Biologie, Erdkunde, Englisch und so weiter günstig auswirken.

In herzlichen Abschiedsworten bedankte sich Rektor Lüth für die von Mittelschullehrer Rehkopf geleistete pädagogische Arbeit und sprach die Hoffnung aus, daß dieser nach seinem Auslandsdienst mit reichen Erfahrungen wieder an die Königin-Luise-Schule zurückkehren möge.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.6.1956

 

Montag, 11. Juni 1956

Oberschüler füllten den Zuhörerraum des Stadtparlaments

Überschuß aus dem Rechnungsjahr 1955

Gaststätte im Bürgerpark – Kritik an Spielhalle – Umkämpftes Besttorstraßenbild

st. – „Auf ihre Kosten gekommen“ sind, wie ihnen dies Bürgerworthalter Rosch in seinen an sie gerichteten Begrüßungsworten gewünscht hatte, zwei Oberschulklassen in der Stadtverordnetensitzung. Sie erhielten einen lebhaften Anschauungsunterricht über die kommunale Selbstverwaltung, da die Stadtväter sich recht debattierfreudig zeigten.

Die Tagesordnung war außerordentlich umfangreich. Sie enthielt nicht weniger als 35 Punkte, von denen allerdings eine große Zahl in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung beraten wurde. Immerhin verblieben genug interessante Verhandlungsgegenstände. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.6.1956

 

Mittwoch, 13. Juni 1956

Schulstellen

st. – Die Neue Stadtschule wird im Rechnungsjahr 1956 über 16 statt bisher 15 Schulstellen verfügen. Dagegen sinkt die Zahl bei der Mittelschule von 26 auf 24 Schulstellen. In der Mittelschule sind zu Ostern vier Klassen entlassen, jedoch nur zwei neue zusammengestellt worden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 13.6.1956

 

Freitag, 15. Juni 1956

Besorgniserregende Lücken im Grundwissen

Was erwartet die Wirtschaft von der Schule? – Erfahrungsaustausch im Lehrerverein

Syndikus Dr. Gericke über Erfahrungen mit dem Nachwuchs

st. – Der Austausch von Erfahrungen und Anregungen zwischen einem Wirtschaftler und den Lehrern stand im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung des Ortslehrervereins Bad Oldesloe und Umgebung in Wiggers Gasthof.

„Die gute Volksschule ist unserer Ansicht nach wie vor das Rückgrat für die Ausbildung des Nachwuchses der Wirtschaft“, erklärte der Syndikus der Industrie- und Handelskammer Lübeck, Dr. Gericke. Die Wirtschaft lege großen Wert auf gründlich ausgebildete Volksschüler, lehne aber die „abgebrochenen“ Mittel- und Oberschüler ab, die ihre Schule nicht bis zum Ende besucht und daher keine abgeschlossene Schulbildung haben.

Aus seinen Erfahrungen bei den Lehrabschlußprüfungen erklärte Dr. Gericke jedoch, dass die IHK mit großer Sorge die verhältnismäßig hohe Prozentzahl der Lehrlinge aus Volks-, Mittel- und sogar aus Oberschulen mit schlechten Leistungen im Grundwissen – Rechnen, Rechtschreibung sowie sprachliche Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift – beobachte. Selbst sonst tüchtige Lehrlinge würden dadurch ihre an sich sehr guten oder guten Leistungen in der Fachkunde beeinträchtigen und eine erheblich schlechtere Gesamtnote bekommen.

„Auch ein einigermaßen qualifizierter Hilfsarbeiter hat heute schon Schwierigkeiten, sich im Erwerbsleben zu behaupten und durchzusetzen, wenn er nicht richtig rechnen und sich nicht richtig ausdrücken kann“, sagte der Syndikus. Er wolle dabei jedoch keineswegs die Volksschule kritisieren, sondern habe volles Verständnis für die Schwierigkeiten. Der lange Krieg, die Nachkriegswirren, Wohnungsnot, Schulraummangel, Mehrschichtenunterricht, Klassenraumnot und die geringere Unterstützung der Volksschulen im Vergleich zu den Mittel- und Oberschulen wurden mit als Gründe genannt. Auch die starke „Auskämmung“ der Volksschulen durch die Mittel- und Oberschulen hielt Dr. Gericke für nicht angebracht. Die Eltern sollten keinen falschen Ehrgeiz haben. Als „Katastrophe“ bezeichnete er, daß ein Bundeskultusministerium fehle, so daß das gesamte Bildungswesen der Einheitlichkeit entbehre.

In der mehrstündigen Diskussion betonten die Lehrer immer wieder die großen Schwierigkeiten, unter denen sie heute arbeiten müßten. Berufsschuldirektor Kruse erklärte: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die alte Qualität der Volksschule wieder zu erreichen.“ Rektor i.R. Bodenhagen zitierte: „Genie ist Fleiß und Gedächtnis.“ Er spielte dabei auf die Vergeßlichkeit der Schulkinder an, die häufig schon von einer Stunde zur anderen das eben Gelernte nicht mehr wüßten. Seiner Ansicht nach müsse der Stoff beschnitten werden. Vorsitzender Willy Schmiedel betonte, daß die Volksschule sich bemühe, den berechtigten Anforderungen der Wirtschaft nachzukommen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.6.1956

 

Sonnabend, 16. Juni 1956

Tragt zum Gelingen des Kindervogelschießens bei!

st. – Die Vorarbeiten für das Kindervogelschießen am 4. Juli nehmen ihren planmäßigen Fortgang. Das Fest, an dem ungefähr 2300 Schulkinder teilnehmen, fordert zu seinem befriedigenden und schönen Verlauf große Geldmittel. Diese können durch die Beiträge der Kinder allein nicht aufgebracht werden. In den letzten Tagen sind deshalb die Einwohner unserer Stadt um einen Beitrag oder eine Geldspende gebeten worden. Wer seinen Beitrag noch nicht geleistet hat, wird gebeten, ihn baldigst auf das Konto des Kindervogelschießens bei der Kreissparkasse einzuzahlen. Ein frohes Leuchten in Kinderaugen wird der Dank sein!

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.6.1956

 

Mittwoch, 20. Juni 1956

Schulsportfest

st. – Am kommenden Freitag findet ab 8 Uhr im Stadion das diesjährige Schulsportfest der Theodor-Mommsen-Schule statt. Es werden zunächst die Bundesjugendspiele (Dreikampf) durchgeführt. Etwa ab 11 Uhr beginnen dann die Schulmeisterschaften. Die Siegerehrung ist für 13.15 Uhr vorgesehen. Elternschaft und ehemalige Schüler sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.6.1956

 

Donnerstag, 21. Juni 1956

Vesdoro bleibt bestehen

Alter Oberschülerverein hat seine Daseinsberechtigung

st. – Einstimmig entschieden sich die zur außerordentlichen Mitgliederversammlung erschienenen Mitglieder des Vesdoro (Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule) für den Weiterbestand ihrer Vereinigung.

Maßgebend für diese Entscheidung war die Erkenntnis, daß der Vesdoro als Zusammenschluß ehemaliger Oberschüler auch heute noch seine Aufgaben hat, da eine ganze Anzahl von jungen Oldesloern jährlich die Oberschule verläßt und durch den Verein die Möglichkeit hat, Kontakt mit einstigen Klassenkameraden, ferner mit Lehrern und der Theodor-Mommsen-Schule selbst zu halten. Hinzu kommen Berufsberatung und Stellenvermittlung durch erfahrene ältere Mitglieder.

Maßgebend war ferner die Überlegung, daß es ein schon vor dem ersten Weltkrieg gegründeter Verein, der in guten Zeiten Geselligkeit gepflegt und in schweren Zeiten Beistand gewährt hat, nicht verdient, sang- und klanglos aufgelöst zu werden.

Der Wunsch der Versammelten, unter denen sich auch drei Hamburger Mitglieder befanden – eines davon schon 70 Jahre alt – übernahm Hans Werner Meyer wieder den Posten des 1. Vorsitzenden. 2. Vorsitzender wurde, als Vertreter der jüngeren Generation, Paul Krueger anstelle des zurückgetretenen Gerhard Busch. Rechnungsführer blieb Paul Möller; 1. Schriftführer wurde G. Witte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.6.1956

 

Sonnabend, 30. Juni 1956

Die Meinung des Lesers

Festfolge des Vogelschießens

Nur noch einige Tage trennen uns von unserem Kindervogelschießen. Am Montag und Dienstag der kommenden Woche werden die Spielmannszüge der Schulen überall in der Stadt ihre Ständchen bringen. Sinn und Zweck derselben ist einmal die Eröffnung des Festes, vor allem aber, der Bevölkerung der Stadt den Dank für die Spenden, die, allseitig gegeben worden sind, in klingenden Weisen auszudrücken.

Es wird nicht möglich sein, jedem Spender und Freund des Festes zu danken. Es wird gebeten, den guten Willen für die Tat zu nehmen.

Nach einem alten schönen Brauch zieht dann am Dienstagmorgen die Jugend in den Kneeden, um frisches Laub zur würdigen Ausschmückung der Stadt und der Schulen zu holen.

Das Fest findet auch in diesem Jahre an einem einzigen Tag, Mittwoch, dem 4. Juli, statt. Es beginnt damit, daß morgens 7.30 Uhr König und Königin abgeholt werden. Dann wird der Vogel abgeholt und in den Festzug eingereiht. Vom Marktplatz werden die Ehregäste mit Musik zum Festzug geführt. Unterdessen haben die Schulen zum Aus- und Festzug Aufstellung genommen. Die Spitze des Festzuges steht am oberen Ende der Großen Salinenstraße. Um 8.30 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung: Da es eine zu große Belastung der Kinder bedeuten würde, wenn alle Straßen der Stadt durchschritten würden, ist die Begrenzung der Straßen nach sorgfältiger Prüfung festgelegt worden. Sie hat sich in den letzten Jahren bewährt und wird auch in diesem Jahre unverändert übernommen.

Die Reihenfolge ist: Hamburger Straße, Königstraße, Kurparkallee, Bergstraße, Mommsenstraße, Kurze Straße, Bahnhofstraße, Besttorstraße, Hude, Mühlenstraße, Lübecker Straße bis zum Kran, zurück zum Pferdemarkt, durch das Ströh’sche Silo, Hagenstraße, links abbiegend zum Marktplatz, Hindenburgstraße (oberer Teil), Hamburger Straße, Schützenstraße, Umzug um den Bürgerpark, Auflösung. Nach dem Einmarsch kurze Pause und dann Beginn der Spiele und des Schießens nach Scheibe und Vogel.

Um 14.30 Uhr beginnt in den vorgesehenen Lokalen der Tanz, der pünktlich um 19,30 Uhrbeendet sein muß.

Zum Einmarsch treten die Kinder um 20 Uhr geschlossen nach Klassen auf dem Bürgerpark an. Der Einmarsch berührt folgende Straßen: Schützenstraße, Lorentzenstraße, dann entweder (Absetzen des Königs), Große Salinenstraße oder Königstraße, Kurparkallee, Brunnenstraße, Besttorstraße, Hude, Mühlenstraße, untere Hindenburgstraße zum Marktplatz.

Die Festrede hält in diesem Jahr Frau Rektorin Mohr.

Seit 50 Jahren nimmt Herr Lehrer i.R. Dahm am Oldesloer Vogelschießen teil. Unsern herzlichen Glückwunsch ihm als dem langjährigen Ordner des Festzuges und Leiters der Schießgruppe nach dem Vogel!

Der Ausschuß glaubt alles getan zu haben, um dem Fest einen schönen und harmonischen Verlauf zu geben. Nur eins kann er nicht beeinflussen: Das Wetter! Möge der Wettergott diesmal dem Feste gnädig sein und das wieder gut machen, was er im vorigen Jahr sehr schlecht machte!

Der Ausschuß für das Kindervogelschießen Bad Oldesloe. Friedrich Hahn.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.6.1956

 

Freitag, 30. Juni 1956

Stormarn einst und jetzt

Zielscheibe war ein lebender Hahn

Vom Topfschlagen, Vogelschießen und Rolandstechen – Spiele änderten ihren Charakter

Vogelschießen ist das Kinderfest des Jahres. Wie seit Jahrhunderten wird gewetteifert um einen hohen Preis: um Königswürden, und um die vielen kleinen Gewinne, die als Lohn für Geschicklichkeit und Glück winken. Die Wettspiele sind, so scheint es wenigstens auf den ersten Blick, immer die gleichen, nur vereinzelt ein wenig abgewandelt. Neue Spiele gibt es kaum. Doch ein Blick in vergangene Zeiten belehrt uns, daß sich Charakter und Regeln so manchen Spieles erheblich verändert haben.

Neben das Schießen nach dem Vogel, dem eisenbeschlagenen, also nach dem Adler oder ehemals nach dem Papagei – daher die Papagoyengilde und –berge – ist das Scheibenschießen getreten, das dem Glück weniger vertraut als Auge und Hand. Der Silberne Löffel, das Geschenk ehemals ward entthront durch Preisgestaltung der Neuzeit. Die Rede des alten Königs und die des Obersten oder Beschließers, wurden abgelöst durch die Ansprache eines Erwachsenen, leider! Aber die weiße Vogelschießerhose, sie bleibt, sie leuchtet in der Sonne, sie ist des Jungen und seiner Mutter Stolz.'

Das Topfschlagen der Mädchen hat längst seinen Ursprungssinn verloren und das Wissen um ihn ging dahin. Noch bis 1850 wurde in gewissen Landschaften mit starkem Brauchtumssinn nach einem Hahn – einem lebendigen, später einem hölzernen – in der Tonne mit Knüppeln geworfen, wobei die Tonne zwischen zwei Pfählen hängend angebracht war. Darum hieß das Fest das Hahnenbier. Anderen Ortes schlug man nach einem Topf, unter den ein Hahn gesetzt wurde. Natürlich ging man mit verbundenen Augen und erst nach dreimaligem Drehen um die eigene Achse auf dieses lebende Ziel los.

Ein Spiel, das Grauen und Spannung unter den Zuschauern erregte.

Das alte Ringstechen war eigentlich ein Ringfahren. Auf einem drehbaren Rad, das an einem eingegrabenen Gestell befestigt war, wurde ein Brett angebracht. Am Ende dieses Brettes fuhr ein Wagenstuhl, der bei Durchfahrt dicht an einem Ringbaum vorbeisauste. Ein Arm des Ringbaumes trug die Ringscheibe, die mit dem Ringstecher heruntergeholt wurde. Wie armselig und ohne Spannung ist dagegen das Werfen mit Ringen nach festen Pflöcken oder das Stechen nach dem Ring, wobei der Reiter auf einem Steckenpferd herangaloppiert.

Das Rolandstechen lebt nach mancherorts. Es ist aus uraltem Frühlingsspiel hervorgegangen, in dem der böse Winterriese vertrieben wurde. Auf einem Pfahl oder einer Scheibe drehbar, wurde eine bunt bemalte Ritterfigur aufgestellt, die nicht auf Roland, den Poladin Karls des Großen, zurückgeführt werden darf. Der Ritter trug rechts einen Schild, links einen Speer mit daran hängendem Beutel voll Mehl oder Asche. Mit dem Rolandstößer galt es nun, im Vorbeigaloppieren dem Schild solchen Stoß zu versetzen, daß die Figur sich drehte, ohne den Reiter mit dem Aschenbeutel zu treffen. Es war also für den Reiter wichtig, so schnell wie möglich von der Figur wegzukommen. Traf ihn der Aschenbeutel doch, so war das eine Schande, die Schadenfreude auslöste, wie sie zur Volksbelustigung mit gehört. (Schelmen und Lügnern wurde ein Aschenbeutel in den Nacken gehängt zur Kennzeichnung und Strafe). Wer den letzten Span des Holzschildes herunterholte, wurde Rolandkönig.

Man könnte meinen, daß die Volksbelustigungen früher echter waren und nachhaltiger wirkten als heute, wo riesige Fahrgeschäfte mit viel lärmender Musik fürs Vergnügen sorgen. Carl Bodenhagen, Bad Oldesloe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.6.1956

 

Bis zum Jahr 1960