Schuljahr 1956 - 57 Zeitraum April - Juni

 

Sonntag, 7. April 1957

Ferdinand Rahmstorf gestorben

Kurz vor seinem 92. Geburtstag starb Konrektor und Organist i.R. Ferdinand Rahmstorf nach kurzem Krankenlager. Er war viele Jahre, von der Jahrhundertwende an, Lehrer an der Oldesloer Stadtschule, vor allem für Gesang und Musik. An der Peter-Pauls-Kirche bekleidete er jahrzehntelang das Organistenamt. Er gründete den PeterPauls-Chor und schuf ihm einen guten Ruf über Oldesloe hinaus. Auch als Komponist der „Heimatkantate“, als Sänger in verschiedenen Chorvereinigungen, u.a. in Barmstedt, Uetersen, Quickborn, Reinfeld und Oldesloe, vor allem aber als Chorleiter wirkte Ferdinand Rahmstorf. In Oldesloe leitete er 27 Jahre den Männergesangverein „Holsatia“, 25 Jahre den Musikverein, acht Jahre das Solo- bzw. Doppelquartett und neun Jahre den Konzertkinderchor.

Bis in sein hohes Alter setzte er sich verdienstvoll für das Oldesloer Musikleben ein. Vielen Menschen hat er dadurch in seinem langen Leben Freude bereitet. Sein Andenken wird bei allen fortleben, die ihn kannten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.4.1957

 

Montag, 8. April 1957

106 Jugendsportabzeichen in der Mittelschule

en. – Den Jugendlichen, die auf sportlichem Gebiet das Maß ihrer Kräfte kennenlernen wollten, war durch die Lehrkräfte der Mittelschule, die Möglichkeit zur Abnahme der Bedingungen für das Jugendsportabzeichen gegeben. Rektor Heinrich Lüth überreichte die Abzeichen in der Aula und forderte die Schüler zum allgemeinen Leistungsstreben auf. In einer Zeit, in der junge Menschen zu oft zu Forderungen geneigt seien, hätten diese Jungen und Mädchen Forderungen an die eigene Leistungskraft gestellt, und das verpflichte, die restlichen Jugendlichen in ihre Kameradschaftlichkeit einzubeziehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.4.1957

 

Montag, 8. April 1957

Tischtennisturnier der Mittelschule

n. – Mit Unterstützung der Tischtennissparte des VfL führte die Mittelschule ein Tischtennisturnier durch. An sechs Tischen wurden die Sieger im Einzel und Doppel ermittelt. Einzel: 1. Wolfgang von Schachtmeyer, Klasse 8a; 2. Martin Fröhlich, Klasse 9c; 3. Jürgen Lindenberg, Klasse 8d. Doppel: 1. von Schachtmeyer/Lindenberg; 2. Büsing/Matern; 3. Hamann/Girschkowski.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.4.1957

 

Dienstag, 9. April 1957

Nachruf

Am 7. April dieses Jahres verstarb unerwartet nach kurzer Krankheit Herr Konrektor i.R. Ferdinand Rahmstorf im 92. Lebensjahr.

Der Verstorbene, ein besonders befähigter und allseits beliebter Pädagoge, ist nahezu 40 Jahre im Schuldienst tätig gewesen, davon 25 Jahre an der Stadtschule in Bad Oldesloe. Mit großer Hingabe versah er sein Amt, so daß er vielen seiner früheren Schüler unvergeßlich sein wird. Über die Schule hinaus war sein Wirken für das Musikleben der Stadt von größter Bedeutung. Aber auch für die öffentlichen Belange seiner Heimatstadt war er stets aufgeschlossen und interessiert. So war er es auch, der trotz seines hohen Alters unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg den Gedanken der Kriegsgräberfürsorge wieder wachrief und sich hierfür bis zuletzt persönlich einsetzte.

Sein vornehmer, lauterer Charakter sichert ihm ein treues Gedenken über das Grab hinaus.

Alte und Neue Stadtschule Bad Oldesloe, Stadt Bad Oldesloe, Der Magistrat: Hermann Barth, Bürgermeister.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.4.1957

 

Donnerstag, 11. April 1957

Abschied von Ferdinand Rahmstorf

ü. – Eine zahlreiche Trauergemeinde hatte sich am nachmittag in der Peter-Pauls-Kirche eingefunden, um von Ferdinand Rahmstorf Abschied zu nehmen. Am helleichenen Sarg hatten die Stadt Bad Oldesloe, die Kirchengemeinde, die Kyffhäuser-Kameradschaft und die musikalischen Vereinigungen der Kreisstadt Kränze niedergelegt. Der Oldesloer Männerchor und das Doppelquartett sangen unter der Leitung von August König gemeinsam „Heilig, heilig ist der Herr“. Nachdem Pastor Maczewski das erfüllte Leben des Dahingegangenen gewürdigt hatte, sang der Frauenchor des Peter-Pauls-Chores „Der Herr ist mein Hirte“. Unter Vorantritt einer Fahnenabordnung der Kyffhäuser-Kameradschaft wurde dann der Sarg hinausgetragen. Ein großes Gefolge gab dem Toten das Geleit zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Neuen Friedhof, wo nach Ansprachen, Kranzniederlegung und Gebet der Sarg der Erde übergeben wurde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.4.1957

 

Donnerstag, 11. April 1957

Schülerarbeiten im Landeshaus

st. – Die meisten der prämiierten Arbeiten aus dem Schülerwettbewerb Schleswig-Holsteins zum Thema „Deutscher Osten“ sind während der 25. Sitzungsperiode des Kieler Landtags im Landeshaus ausgestellt, u.a. auch die Arbeiten der Mittelschulen Bad Oldesloe und Reinbek und der Oberschulen Bad Oldesloe und Reinbek. Die Ausstellung ist bis zum Sonnabend geöffnet.

In diesem Wettbewerb, der vom Kultusministerium und vom Landesverband der vertriebenen Deutschen gemeinsam ausgeschrieben wurde, haben sich heimatvertriebene und einheimische Schüler in Gruppen oder geschlossenen Klassen bemüht, durch Arbeiten des Kunst-, Nadel- und Werkunterrichts die Erinnerung an die deutschen Ostgebiete lebendig zu erhalten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.4.1957

 

Donnerstag, 2. Mai 1957

Einschulungen

st. – Heute hatten 63 Sextaner ihren ersten Unterricht in der Theodor-Mommsen-Schule. Morgen wird die Alte Stadtschule rund 80 Kinder einschulen. Die Neue Stadtschule erwartet ebenfalls morgen rund 120 Schulanfänger. In die Königin-Luise-Schule sind bereits am vergangenen Sonnabend 100 neue Schüler eingezogen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.5.1957

 

Mittwoch, 8. Mai 1957

Verkehrserziehung in der Verkehrssicherheitswoche

lno. – Die Schulen des Landes sollen sich während der diesjährigen Verkehrssicherheitswoche, die unter dem Motto „Achte auf den anderen“ vom 30. Mai bis 5. Juni veranstaltet wird, in besonderem Maße der Verkehrserziehung widmen. Diese Bitte spricht der Kultusminister in einer Bekanntmachung an die Leiter der Schulen des Landes aus.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.5.1957

 

Mittwoch, 8. Mai 1957

Dorfschüler waren im Rechnen überlegen

Osterloh verteidigt ungegliederte Landschule – „Schulstreik eine Entartung!“

Ino. – Grömitz. Gegen das Recht der Eltern auf einen Schulstreik sprach sich der schleswig-holsteinische Kultusminister Edo Osterloh beim Landgemeindetag des Verbandes schleswig-holsteinischer Landgemeinden im Ostseebad Dahme aus,

Der Minister sagte, er halte den Schulstreik für eine ausgesprochene entartete Erscheinung und gar den Streik an den Universitäten für einen bedauerlichen Zerfall studentischer Sitten. Eltern und Studenten hätten andere Möglichkeiten, ihre Unzufriedenheit über irgendwelche Unzulänglichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Mißstände dürften andererseits nicht mit formalem Recht gedeckt werden. Es wäre aber für die Regierung gefährlich, in jedem Falle nachzugeben.

Der Minister setzte sich für die unabhängige ungegliederte Volksschule auf dem Lande ein und sprach von der Möglichkeit, dem Dorf die Grundschule zu erhalten und die älteren Jahrgänge vom fünften Schuljahr an in einer Zentralschule zusammenzufassen.

Ein Test, der für Schüler des achten Schuljahres an allen Volksschulen des Landes vorgenommen worden sei, haben der Beweis erbracht, daß die Schüler der einklassigen Landschule besonders im Rechnen den Schülern der Zentralschulen überlegen gewesen sind.

Osterloh riet deshalb zur größten Vorsicht bei der Auflassung der einklassigen Volksschulen, soweit sie lebensfähig seien. Auf eine Anfrage gib Osterloh bekannt, daß in seinem Ministerium augenblicklich geprüft werde, wie weit die Waldorf-Pädagogik außerhalb der anthroposophischen Gemeinschaften der Allgemeinheit nutzbar gemacht werden könnte.

STORMARER TAGEBLATT vom 9.5.1957

 

Freitag, 17. Mai 1957

Die Schule der Schule

st. – Die Schulräume sollen künftig ihrer eigentlichen Bestimmung vorbehalten bleiben. Die Stadt will sie nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung stellen. Darüber ist sich der Oldesloer Magistrat schlüssig geworden.

Der Magistrat weist darauf hin, daß es in der ersten Nachkriegszeit verständlich war, wenn Religionsgemeinschaften, Vereine und andere Organisationen Aulen und Klassenzimmer beanspruchten. Der damalige Raummangel ist aber überwunden. Heute gibt es genügend Gaststätten und Heime.

Ausnahmen sollen gemacht werden bei dem Oldesloer Männerchor und bei den Chören des Städtischen Musikkreises, weil hier besondere Umstände vorliegen. Auch gegen die Abhaltung von Schülerkonzerten in Aulen sollen keine Einwände erhoben werden. Die Aulen werden von Fall zu Fall vergeben werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.5.1957

 

Montag, 27. Mai 1957

Wie soll Bad Oldesloes neue Schule heißen?

Städtischer Schul- und Kulturausschuß fordert die Bevölkerung zu Vorschlägen auf.

st. – Der Vorsitzende des städtischen Schul- und Kulturausschusses, Stadtverordneter Schömer, wendet sich an die Öffentlichkeit mit der Anregung, Namen für die neue, zur Zeit im Bau befindliche Volksschule vorzuschlagen.

Die Kirchengemeinde hat beantragt, dieser dritten Volksschule den Namen Buxtehude-Schule zu geben. Sie weist dabei darauf hin, daß die Eltern des berühmten Organisten in Oldesloe ansässig waren und Buxtehude selbst hier geboren ist. Der Schul- und Kulturausschuß hält jedoch diesen Namen für nicht sehr geeignet. Es sei bereits vorgesehen, einen Buxtehude-Platz zu schaffen, der in der Nähe der Kirche liegen wird.

Weitere Anregungen liegen bereits vor, zum Beispiel Ostlandschule, um dadurch die Erinnerung an den deutschen Osten wachzuhalten. Dagegen wird der Einwand erhoben, es sei nicht sehr sinnvoll, durch den Namen dieser Schule das Trennende zwischen Einheimischen und Flüchtlingen auf die Dauer herauszustellen. Ferner sind die Namen Eichendorff-Schule und Nettelbeck-Schule genannt worden, letzter in Erinnerung an einen großen Bürger der Stadt Kolberg und im Hinblick auf die Patenschaft des Kreises Stormarn für den Kreis Kolberg-Körlin.

Die Flurbezeichnung (Armenberg) gibt übrigens nach Meinung des Schul- und Kulturausschusses keinen Hinweis für den gesuchten Namen.

In diesem Zusammenhang taucht die Frage auf, ob es zweckmäßig ist, auch der Stadtschule einen entsprechenden Namen zu geben. Die Unterscheidung zwischen „alter“ und „neuer“ Stadtschule entfällt nach Übernahme der dritten Volksschule zwangsläufig. Der Name Stadtschule ist allerdings fast ein historischer Begriff geworden, der sich nicht so leicht verdrängen läßt. Das hängt jedoch unter Umständen von der Art des neuen Namens ab, der gleichzeitig mit einem Namen für die neue Volksschule in Vorschlag gebracht werden könnte.

Die Namensgebung bedarf übrigens der Genehmigung durch die Landesregierung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.5.1957

 

Montag, 27. Mai 1957

Keine Lehrmittelfreiheit

st. – Gegen eine grundsätzliche Lernmittelfreiheit, wie sie in mehreren Städten und Gemeinden Schleswig-Holsteins verwirklicht worden ist, sprach sich der städtische Kulturausschuß aus. Bei einer völligen Lernmittelfreiheit würden der Stadt Mehrkosten von 15.000 Mark entstehen, die nach Ansicht des Kulturausschusses „an anderer Stelle für schulische Zwecke“ besser eingesetzt werden können. Die in der Öffentlichkeit vielfach kritisierten Fragebogen, die mir Erreichung der Lernmittelfreiheit von den Eltern ausgefüllt werden mußten, seien so kurz und knapp gehalten, daß darin keine Zumutung gesehen werden könne.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.5.1957

 

Freitag, 31. Mai 1957

Gymnasialaula gesperrt

st. – Die Aula im Obergeschoß des Theodor-Mommsen-Gymnasiums mußte wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Bei der Inspektion für eine geplante Grundüberholung wurde festgestellt, daß der Holzbock im Gebälk setzt und die Dachkonstruktion Fehler aufweist.

STORMARNER TAGEBLATT vom 31.5.1957

 

Montag, 3. Juni 1957

Spenden für das Kindervogelschießen

st. – Die Sammler für das traditionelle Kindervogelschießen klopfen in den nächsten Tagen an die Türen. Die Bevölkerung wird um freundliche Aufnahme der freiwilligen Sammler gebeten. Auch kleinste Spenden werden gern entgegengenommen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.6.1957

 

Mittwoch, 5. Juni 1957

Neue Drehstromtafel

st. – Zur Anschaffung einer neuen Drehstromtafel für den Physiksaal im städtischen Gymnasium bewilligte die Stadtvertretung 3500 DM. Die alte Schalttafel ist schon über 30 Jahre alt und daher nicht mehr für den Unterricht geeignet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.6.1957

 

Donnerstag, 6. Juni 1957

Glasmalerei in der neuen Volksschule

st. – Der Schulung Kulturausschuss hat dem Großhansdorfer Künstler Siegfried Assmann den Auftrag erteilt, ein großes Fenster für die Eingangshalle der neuen Volksschule in Glasmalerei zu schaffen. Der Entwurf sieht eine sinnbildliche Darstellung der Landbrücke zwischen Hamburg und Lübeck vor.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.6.1957

 

Freitag, 7. Juni 1957

Verkehrsspiel an der Neuen Stadtschule

st. – Im Rahmen der Verkehrssicherheitswoche fand in diesen Tagen auf dem Schulhof der Neuen Stadtschule ein Verkehrsplanspiel statt. Straßenzüge, Übergänge und Stopkreuzungen waren mit Kreide auf dem Erdboden aufgezeichnet und selbstgefertigte Verkehrszeichen aufgestellt worden. Die Schüler durchfuhren mit ihren Fahrrädern die „Straßen“ und beweisen, daß sie sich richtig im Verkehr zu erhalten wissen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.6.1957

 

Mittwoch, 12. Juni 1957

Oberprimaner erlebten Berlin

Anschauungsunterricht: Stalinallee und Hansaviertel

st. – Vor wenigen Tagen ist die Oberprima m der Theodor-Mommsen-Schule von einer zweiwöchigen Studienreise nach Berlin zurückgekehrt. Einen Teil dessen, was die Schüler unter der Reiseleitung ihres Klassenlehrers Studienassessor Hartmann und Studienrats Schulte sahen und erlebten, beschreibt uns der Oldesloer Oberprimaner Klaus Heinemann in dem nachfolgenden Bericht.

„Es ist bekannt, daß keine andere Stadt so im politischen Brennpunkt zwischen Ost und West steht wie Berlin, es ist bekannt, daß Berlin vor dem Kriege Zentrum des kulturellen Lebens Deutschlands war und daß diese Stadt beginnt, diesen Platz wieder einzunehmen. So ist es nicht verwunderlich, daß sich die Oberprima m entschloß, Berlin auf einer Studienreise näher kennen zu lernen.

Es sollen an dieser Stelle nun nicht alle Punkte des gründlich vorbereiteten Programms beschrieben werden, es sollen nur die Erlebnisse Erwähnung finden, die einen bleibenden Eindruck auf die Teilnehmer der Reise gemacht haben.

Hier müssen vor allen Dingen die beiden Besuche im Ostsektor erwähnt werden, da sich den Schülern bei diesen Besuchen etwas darbot, das sie in dieser Form nicht gekannt und auch in Schriften nicht gelesen hatten.

Der erste Besuch zeigte uns das Ehrendenkmal der gefallenen russischen Soldaten. Die an diesem Platz mit viel Aufwand errichteten Standbilder dienen den Ost-Berliner Erziehern zur Veranschaulichung der Geschehnisse des zweiten Weltkrieges Wir, die wir an eine objektive Beurteilung dieser Ereignisse gewöhnt sind, waren über die einseitige, den Tatsachen und damit dem deutschen Volk nicht gerecht werdende Darstellung, die wir hier hörten und sahen entsetzt. Welche Folgen wird ein solch verzerrtes Geschichtsbild für die in der Ostzone heranwachsende Generation haben?

Der zweite Besuch im Ostsektor führte uns in die Stalinallee. Manchem wird der uns völlig fremde und auch veraltete Baustil dieser Prunkstraße Ost-Berlins bekannt sein, doch muß man, bevor man diese Allee verurteilt, bedenken, daß hier eine drei Kilometer lange Straße in einem einheitlichen Baustil in sehr kurzer Zeit geschaffen wurde. Das ist schon eine Leistung.

Ein Gegenstück zu dem Besuch der Stalinallee war eine Führung durch das Gelände der Interbau-Ausstellung im Hansaviertel. Hier wird ein Stadtteil von den bekanntesten in- und ausländischen Architekten nach den neuesten Erkenntnissen aufgebaut. Im Gegensatz zu dem protzigen, fassadenhaften Stil in der Stalinallee wird im Hansaviertel Wert auf eine schlichte Bauweise gelegt: Jeder soll sofort erkennen, welches Material und welche technischen Hilfsmittel zum Bau verwandt wurden.

Erwähnt werden sollen noch der Besuch des „Deutschen Museums“, das sich auch im Ostsektor befindet. Abgesehen von den wertvollen Funden, die hier zu sehen sind, war für uns interessant, festzustellen, daß diese Kunstschätze mit mehr finanziellem Aufwand gepflegt werden, als es im Westen der Fall ist.

Natürlich müßte der Vollständigkeit halber noch über vieles andere berichten werden, was an Bedeutung dem oben Geschilderten gleichkommt, doch erschien mir der Vergleich zwischen Ost und West am wichtigsten.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.6.1957

 

Donnerstag, 20. Juni 1957

Langes Schulwochenende nicht spruchreif

Genaue Prüfung notwendig – Schleswig-Holstein braucht 18 neue höhere Schulen

lno. – Kiel. 18 neue höhere Schulen sind in Schleswig-Holstein notwendig, wenn die „Mammut-Schulen“ beseitigt werden sollen. Diese Ansicht vertrat der Philologenverband vor Pressevertretern in Kiel nach Abschluß einer zweitägigen Jahrestagung in Eutin.

Diese Schulen sollen höchstens 18 Klassen erhalten und im Durchschnitt etwa 500 Schüler betreuen. Sechs Schulbauten sind nach Angaben des Verbandes bereits finanziell gesichert. Sie würden in etwa drei Jahren bezugsfertig sein. Gegenwärtig gibt es in Schleswig-Holstein 56 höhere Schulen.

Wenn die Neubauplanung und die Finanzierung im gleichen Maß wie bisher weitergeht, wird nach Ansicht des Philologenverbandes in Schleswig-Holstein in zehn Jahren ein gesundes Schulsystem geschaffen worden sein.

In diesem Zusammenhang machte der Verband auf die gegenwärtige Schulraumnot an den höheren Schulen des Landes aufmerksam. „Erzieherisch ganz bedenklich“ sei es, daß bei den höheren Schulen Schleswig-Holsteins insgesamt noch 100 Wanderklassen und 100 Schichtunterrichtsklassen bestehen. 170 Sonderräume, wie Fachunterrichtszimmer, würden als Klassenräume verwendet. Bei den höheren Schulen des Landes seien 200 Lehrerplanstellen gegenwärtig nicht besetzt. 1400 „ungedeckte Stunden“ seien anhand der Stundentafeln zu registrieren.

Die Problematik des langen freien Wochenendes wirft nach Ansicht des Verbandes die Frage auf, ob eine Fünf-Tage-Unterrichtswoche in den Schulen im Interesse des ganzen Volkes wäre. Keinesfalls dürfe der Arbeitsrhythmus der Schulen unterbrochen werden, Abgesehen von dem Investitionsbedarf von rund zehn Milliarden Mark für das Bundesgebiet, sollte unter den jetzigen Umständen die Fünf-Tage-Unterrichtswoche mit dem aus ihr sich erbebenden Ganztagesunterricht solange abgelehnt werden, wie nicht die Fünf-Tage-Woche in anderen Lebensbereichen mit Erfolg eingeführt worden sei.

Das lange Wochenende dürfe „nicht mit der Zerstörung unseres Schulwesens erkauft werden“. Diese Fragen müßten sehr genau geprüft und dürften nicht nach macht- oder wahlpolitischen Interessen entschieden werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.6.1957

 

Mittwoch, 26. Juni 1957

Sporttag der Alten Stadtschule

st. – Angeführt von ihrem Spielmannszug zogen heute morgen 151 Mädchen und 142 Jungen der Alten Stadtschule von der Königstraße nach dem Bürgerpark, um dort, als erste Oldesloer Schule in diesem Jahr, unter Leitung von Turnlehrer Walter Busch die Bundesjugendspiele auszutragen. Die Schule hatte diesen Termin in der Hoffnung darauf gewählt, daß die Schönwetterperiode der vergangenen Woche länger anhalten würde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.6.1957

 

Mittwoch, 26. Juni 1957

200 Lehrer tagen in Bad Oldesloe

st. – Am kommenden Sonnabend werden sich rund 200 Mittelschullehrer aus Holstein (Itzehoe, Rendsburg, Neumünster, Bordesholm, Ratzeburg, Mölln) zu einer Arbeitstagung in der Königin-Luise-Schule treffen. Oldesloer Mittelschulrektor Lüth leitet die Tagung. Hauptthema ist „Die Gestaltung der Arbeit im 10. Schuljahr der Mittelschule“.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.6.1957

 

Donnerstag, 27. Juni 1957

Bundesjugendspiele der Alten Stadtschule

Die Jahrgangsbesten:

Mädchen:

  • 1942: 1. Christel Meins 55 Punkte, 2. Hannelore Gräpel 52, 3. Ellen Schmoelder 51.
  • 1943: 1. Gisela Scheibel 60 Punkte, 2. Monika Kanthack 49, 3. Christa Drews 47.
  • 1944: 1. Ursula Wernick 54 Punkte, 2. Christel Böttche 47, 3. Karin Fürstenberg 46.
  • 1945: 1. Elke Möller 59, 2. Gitta Feddern 56, 3. Annelie Schuldt 51.
  • 1946: 1. Gesine Ohrt 56 Punkte, 2. Jutta Nowack 52, 3. Heidemarie Nowak und Heike Stahl 51.
  • 1947: 1. Henrike Göttsch 62 Punkte, 2. Marlen Wittmack 54, 3. Ursula Schuldt 53.

Jungen:

  • 1942: 1. Gerd Kubath 54 Punkte, 2. Burkhard Rahn 45, 3. Eckhard Piehl 45.
  • 1943: 1. Reinhold Bobsien 52 Punkte, 2. Peter Boras 50, 3. Rolf Johannsen 45.
  • 1944: 1. Uwe Weckes 52 Punkte, 2. Egon Brandenburger 49, 3. Rolf Virus 49.
  • 1945: 1. Wolfgang Willemeit 50 Punkte, 2. Karl-Heinrich Haßler 47, 3. Eugen Kaben 46.
  • 1946: 1. Peter Boeder 52 Punkte, 2. Runald Fischer 49, 3. Heinz Böck.
  • 1947: 1. Wolfgang Pardubitzky 51 Punkte, 2. Claus Näveke 49, 3. Felix Bartholl 44.

Von 128 Mädchen erhielten 64 eine Urkunde (über 40 Punkte), folgende eine Heuss-Urkunde (über 55 Punkte): 1. Henrike Göttsch 62 Punkte, 2. Gisela Scheibel 60, 3. Elke Möller 59, 4. Gesine Ohrt 56, 5. Gitta Feddern 56, 6. Christel Meins 55.

Von 149 Jungen erreichten 49 die für die Verleihung einer Urkunde erforderliche Punktzahl.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.6.1957

 

Donnerstag, 27. Juni 1957

Erweiterungsbau im Gymnasium?

st. – Die Sperrung der Aula der Theodor-Mommsen-Schule wegen Baufälligkeit hat zu einer Diskussion darüber geführt, ob ein Erweiterungsbau zweckmäßig sei. Der Bauauschuß befürwortet den Plan, auf die Aula ein Geschoß mit drei Klassenräumen aufzusetzen, die dringend benötigt werden. Dann würde die Kuppel wegfallen und das neue Geschoß ein flaches Dach erhalten. Der linke Seitenflügel des Dachgeschosses ist schon ausgebaut.

STORMARNER TAGEBLATT vom 27.6.1957

 

Bis zum Jahr 1960