Schuljahr 1957 - 58 Zeitraum April - Juni

 

Mittwoch, 2. April 1958

Die Meinung des Lesers

Schadehorner Kritik an Schulverhältnissen

Wiederholt ist über die Schulverhältnisse des Ortsteiles Schadehorn, zu Bad Oldesloe gehörig, gesprochen worden, ohne daß man auch unsere Ansicht und Meinung gehört hat. Als von der Gemeinschaft Schadehorn gewählte Mitglieder des Elternbeirates der Schule Seefeld, zu der wir seit 1953 gehören, dürfen wir wohl folgendes klarstellen:

Nach Aufteilung des Gutes Schadehorn sind wir 1953 hier als Siedler angesetzt. Von vornherein wurde von uns der weite und zum Teil unpassierbare Anmarschweg für unsere Kinder zur Seefelder Schule bemängelt; er beträgt nicht nur 2,5, sondern zum Teil 3,5 Kilometer, wie die Messungen ergeben haben. Durch die Schleswig-Holsteinische Landgesellschaft wurde uns zugesagt, Seefeld wäre nur eine vorübergehende Lösung. Die Landgesellschaft stellte an geeigneter Stelle Bauland für einen Schulneubau zur Verfügung, sie stellte, das damals unbewohnte Gutshaus zum Umbau für Schulzwecke, ja sie hinterlegte sogar bei der Stadt eine für damalige Zeit beachtliche Summe, um das Schulproblem für uns erträglich zu lösen.

Wir haben mit Seefeld Verbindung aufgenommen, bekamen aber stets den Bescheid: Unterstützt uns bei der Ausgemeindung von der Stadt, dann wollen wir dem Schulproblem auch nähertreten. Ein in der Mitte beider Ortsteile vorgeschlagener Platz zum Schulneubau wurde von Seefeld abgelehnt. Der Umbau des Gutshauses wurde von der Schulbehörde aus Unzweckmäßigkeitsgründen ebenfalls fallengelassen. Das uns zur Verfügung gestellte Geld wurde für den Bau der neuen Schule in Bad Oldesloe verbraucht, uns von Seiten der Stadt mehrfach zugesagt, unsere Kinder nach Fertigstellung der Stadtschule dort aufzunehmen.

An diesem Standpunkt der Stadt hat sich nach Rücksprache auch jetzt noch nichts geändert. Nur der Herr Schulrat bringt den Einwand, daß für unsere jüngsten Schulkinder der Weg nach Bad Oldesloe zu beschwerlich sei und die Kinder dort auf die Rückfahrt ein bis zwei Stunden warten müssen, was er nicht verantworten könne.

Wir fragen höflich, wer trägt die Verantwortung für die Kleinkinder des Ortsteils Poggensee, dessen Kinder genau dieselben Züge benutzen, wie man es täglich sehen kann? Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Der Schulweg der meisten unserer Kinder führt über den Bahnhof Fresenburg, von dort aus sind die Kinder ohne große Anstrengung in sieben Minuten in Oldesloe, während sie vom Bahnhof noch mehr als halbe Stunde Schulweg nach Seefeld haben, durch den morastigen Fußweg stets mit nassen Füßen dort ankommen und so ihre Stunden dort absitzen müssen. Ob das wohl der Gesundheit, gerade der Kleinsten, dienlich ist? Wir sind nicht gewillt, die Gesundheit unserer Kinder zu opfern, nur um die baufällige Seefelder Schule noch ein paar Jahre zu erhalten, und werden alle beschreitbaren Wege suchen und finden. Fritz Bartelt und Wilhelm Gütte, Schadehorn.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1958

 

Donnerstag, 3. April 1958

Ölheizung für die neue Turnhalle

st. – Der Magistrat hat sämtliche Aufträge für die neue Mittelschulturnhalle in Höhe von 185.000 DM vergeben. Die Halle wird Ölheizung erhalten und soll bis zum Herbst fertig sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1958

 

Donnerstag, 3. April 1958

Aula nur für Schulveranstaltungen

st. – In Übereinstimmung mit der Schulleitung hat der Magistrat beschlossen, daß die neue Aula der Theodor-Mommsen-Schule nur für Schulveranstaltungen benutzt werden soll. Dieser Beschluß wurde gefaßt im Zusammenhang mit Gesuchen von Vereinen, die Aula für Proben und Veranstaltungen freizugeben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.4.1958

 

Donnerstag, 10. April 1958

Festrede gilt Klaus Groth

st. – In seinem Festvortrag auf der Einweihungsfeier der neuen Volksschule an der Königsberger Straße am kommenden Sonnabend um 10 Uhr wird Konrektor August Kröger über den niederdeutschen Dichter Klaus Groth sprechen, dessen Namen die neue Schule, tragen wird. Ferner sind Ansprachen von Bürgermeister Hermann Barth, Schulrat Rudolf Heitmann und Rektor Johannes Volkmann vorgesehen. Den musikalischen Rahmen gestalten der Schulchor und eine Blockflötengruppe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.4.1958

 

Sonnabend, 12. April 1958

Bad Oldesloes neue Volksschule an der Königsberger Straße

Bad Oldesloes neue Volksschule – sie hat den Namen des plattdeutschen Dichters Klaus Groth erhalten – ist ein geradliniger norddeutscher Backsteinbau, dessen Klassenfront mit großen Fenstern nach Südosten ausgerichtet ist, also die ideale Lage für eine Schule hat.

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Nach der Königsberger Straße liegt die Rückfront des langgestreckten Gebäudes. Hier bildet der Haupteingang mit seinem über sechs Meter hohen Fenster und seinem gläsernen Vorbau einen Blickfang.

Der vorgesehene Jägerzaun an der Straßenfront ist noch nicht aufgestellt. Der Schulhof wird, so sieht es die Planung vor, von Sträuchern und Staudenpflanzen eingefaßt und erhält schattenspendende Bäume in Gruppenanordnung auf dem Hof und an den Grenzen.

Besonders schön ist die große helle Erdgeschoßhalle mit ihrer freischwingenden Treppe vor dem über sechs Meter hohen Fenster, das eine Betonglasmalerei des jungen Großhansdorfer Künstlers Siegfried Aßmann ziert. Darauf ist der Kreis Stormarn zwischen Lübeck mit seinem Holstentor und Hamburg mit dem Michel bildlich in stilisierter Form dargestellt. Man sieht u.a. Bad Oldesloe mit seinem Kirchturm und zahlreichen Giebelhäusern, ferner mit dem Petrus-Wappen. Einen freundlichen Anblick bieten zahlreiche Grünpflanzen in Eternitkästen. Der hellgraue fugenlose Wandbelag verstärkt den Eindruck der Helligkeit.

Hellgrau ist auch der Linoleum-Fußbodenbelag in allen acht Klassenräumen, die im übrigen von fröhlicher Farbigkeit erfüllt sind. Hier sieht man rote Heizkörper, dort blaue Sockel oder gelbe Decken. Die Türen in naturfarbenem Holz sind von leuchtend farbigen Stahlfüllungen eingerahmt.

Die Garderobenhaken in den Fluren sind unterhalb der Fenster an der Außenwand angebracht und befinden sich über einer durchlaufenden Heizungsplatte, die nicht nur die Flure erwärmt, sondern zugleich such regennasse Kleidungsstücke trocknet.

Für die Mädchen ist eine Handarbeitsklasse eingerichtet. Ferner hat die Schule einen Physikraum mit Vorbereitungsraum. Hinzu kommen Lehrerzimmer, Rektor- und Elternsprechzimmer, Büro, zwei Lehrmittelräume, die Hausmeisterwohnung, Toiletten mit Waschraum und Nebenräume beispielsweise für die Heizung (insgesamt rund 1300 Quadratmeter Nutzflächen).

Die Bauzeit betrug ein Jahr. Den Beschluß, diesen Schulbau vorzubereiten, faßte der Kulturausschuß der Stadt jedoch schon am 27. Januar 1955. Im Juni 1955 erteilte er seine Genehmigung zu den vorn Stadtbauamt vorgelegten Plänen. Am 12 März 1957 endlich konnte das Stadtbauamt das Startzeichen zum Bau geben, nachdem die Finanzierungsfrage gelöst war.

Die Kosten betragen 503.000 DM für 5663 Kubikmeter umbauten Raum (pro Kubikmeter also 88 DM). Die Gesamtsumme teilt sich auf in reine Baukosten 416.200 DM, Außenanlagen 63.500 DM und Baunebenkosten 23.300 DM.

Die Stadt bringt 211.500 DM auf, der Kreis gewährt 30.000 DM Zuschuß und 15.000 DM Darlehen, der Bauzuschuß des Landes beträgt 224.000 DM; hinzu kommt eine Landesbeihilfe von 15.000 DM als Zuschuß und 7500 DM als Darlehen. Für das Inventar stellt die Stadt 43.000 DM bereit, das Land gibt einen Zuschuß von 22.000 DM.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.4.1958

 

Sonnabend, 12. April 1958

Klaus-Groth-Schule plattdeutsch eingeweiht

Oldesloes dritter Schulbau nach dem Kriege seiner Bestimmung übergeben

st. – Während Gärtner am Mittag noch Sträucher auf dem sonnenbeschienenen weitläufigen Gelände der neuen Volksschule an der Königsberger Straße pflanzten und Handwerker geschäftig um das Ianggestreckte Gebäude liefen, versammelten sich schon die zur Einweihungsfeier geladenen Gäste In der schönen Erdgeschoßhalle. Man sah Landrat Dr. Haarmann, viele Vertreter der Stadt, Pastoren, Lehrer, Eltern und Kinder, herzlich begrüßt von Rektor Volkmann.

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Die als Wandschmuck dienende Fahne der Stadtschule mit dem Emblem der Doppeleiche und dem Spruch „Up ewig ungedeelt" und das Porträt eines Schülertambourmajors mit dem Oldesloer Marktplatz im Hintergrund, in Öl gemalt und gestiftet von Rudolf Greve, lenkte die Blicke der Festgäste auf sich, während Konrektor Kröger in plattdeutscher Sprache mit Sachkenntnis und spürbarer Verehrung aus dem Leben und Schaffen Klaus Groths erzählte.

Sodann taufte Bürgermeister Barth die Schule auf den Namen dieses bedeutenden plattdeutschen Dichters. Nach einem kurzen Abriß der Geschichte des Schulbaues, die bis Januar 1955 zurückreicht, dankte er allen, die daran mitgeplant und mitgebaut oder zur Finanzierung beigetragen haben. Man habe solide, zweckmäßig, formschön und mit erprobten Mitteln gebaut. Er lobte Stadtbaumeister Heinemann und Baumeister Wolff als Architekten und Bauleiter und überreichte schließlich Rektor Volkmann einen großen, blauweißroten Holzschlüssel: „Nicht nur die Übergabe, sondern auch der Schlüssel selbst ist symbolisch", bemerkte er lächelnd. Zuvor hatte er das Gebäude in seiner jetzigen Gestalt als Torso bezeichnet und versichert, daß die Stadt bald den geplanten zweiten Bauabschnitt folgen lassen werde.

Schulrat Heitmann überbrachte die Glückwünsche des Kultusministeriums. An die Tatsache, daß in Stormarn im Gegensatz zu allen anderen Kreisen des Landes die Schülerzahl wieder ansteigt, knüpfte er den Wunsch, daß man hier weiterhin so freudig Schulen bauen möge. Den Stadtverordneten rief er zu: „Nehmen Sie Ihr Schicksal auf sich, bauen Sie den zweiten Abschnitt. Die Landesmittel dafür stehen bereit.“

Stadtverordneter Schömer als Vorsitzender des Schulausschusses betonte, daß der Eindruck, die Volksschulen könnten der Stadt weniger am Herzen liegen als die Mittel- oder die Oberschule, falsch sei. Sie bilde die Grundlage der Schulbildung und ihr komme heute mehr denn je große Bedeutung zu.

Der über 80jährige ehemalige Konrektor Hahn überreichte im Auftrage des Schulvereins eine große Vase. Er freute sich herzlich über die hellen, farbenfrohen Schulklassen. Wehmütig ließ er seine Gedanken 66 Jahre zurückwandern: „Die Räume der Stadtschule waren weiß gekalkt. Die Schulbänke aus alter preußischer Kiefer hielten Generationen von Schülern stand."

Zugleich mit den Glückwünschen der Alten Stadtschule überbrachte Rektorin Mohr ein Iedergebundenes Buch. „Mögen Sie viele schöne Erinnerungen hineinzuschreiben haben", wünschte sie Rektor Volkmann. Dieser stattete seinen Dank an die Stadt ebenfalls mit einem Geschenk ab. Er übergab Bürgermeister Barth ein von Schülern angefertigtes Buch mit 90 Fotos und erklärenden Texten in Kunstschrift, in denen die einzelnen Stadien des Schulbaues festgehalten sind. Als geschmacksicheren und urteilskräftigen Berater bei der Innengestaltung der Schule lobte der Schulleiter Lehrer Winter. Seinem Vorgänger, Rektor i.R. Carl Bodenhagen, rief er zu: „Der heutige Tag wird ihnen eine Genugtuung sein."

Gesang des Schulchores und Rezitationen umrahmten die Feier, an die sich ein Rundgang anschloß. In die acht Klassen ziehen rund 360 Kinder ein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.4.1958

 

Sonnabend, 19. April 1958

Die Preise sind verteilt

st. – Die Preise im Aufsatzwettbewerb der Stormarner Schulen sind inzwischen den einzelnen Schulen zugegangen. Von den Geldpreisen verbleibt der größte Teil der Klasse für Reisekostenzuschüsse und ähnliche gemeinschaftsfördernde Verwendungszwecke; lediglich ein Fünftel erhält das Kind, das den Aufsatz angefertigt hatte, ausgezahlt.

Bei Gemeinschaftsarbeiten wird sinngemäß verfahren, so daß sowohl die Einzelleistung belohnt wird als auch die jeweilige Klasse einen Zuschuß für besondere Aufgaben bekommt. Weit höher ist jedoch der ideelle Gewinn dieses Preisausschreiben zu veranschlagen.

Die Beteiligung war recht gut; auch die Zeichnungen verrieten Geschmack und Einfühlungsvermögen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.4.1958

 

Sonnabend, 19. April 1958

Letztmalig Schulbesichtigung

st. – Die Klaus-Groth-Schule, die am vergangenen Wochenende von Tausenden von Oldesloern besichtigt wurde, wird morgen letztmalig zur Besichtigung geöffnet sein, und zwar von 15 bis 17 Uhr.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.4.1958

 

Mittwoch, 23. April 1958

Eltern griffen zum letzten Mittel: Schulstreik

Sie wollen ihren Kleinen den weiten Fußweg nach Seefeld ersparen

st. – Rund zwanzig Schadehorner und Neu-Fresenburger Kinder des ersten bis fünften Schuljahres gehen gegenwärtig nicht zur Schule. Ihre Eltern sind in den Schulstreik getreten, um ihre Forderung auf die Ein- bzw. Umschulung in die Oldesloer Stadtschule durchzudrücken. Während der Schulrat die älteren Jahrgänge den Oldesloe Schulen zugeteilt hat, müssen die Kleinen weiterhin die einklassige Seefelder Schule besuchen.

Diesem Streik sind mehrere Besprechungen zwischen Elternvertretern, Schulrat und Vertretern der Stadt Bad Oldesloe vorausgegangen. Am 28. März erhob die Ortsgemeinschaft Schadehorn und Neu-Fresenburg außerdem schriftlichen Einspruch gegen diese Regelung beim Kulturamt Lübeck.

In dem Schreiben heißt es u.a.: „Bevor wir die Siedlung bezogen, wurde uns von der Landgesellschaft versprochen, daß im Zuge des Siedlungsverfahrens auch das Schulproblem gelöst werde. Fünf Jahre haben wir geduldig gewartet. Nun sollen unsere kleinen Kinder bei jedem Wetter zweimal täglich den Weg nach Seefeld (bis zu 3,5 Kilometer) gehen. Fast in der Mitte von Schadehorn liegt unser Bahnhof, von dem aus in sieben Minuten die Stadt zu erreichen ist. Warum können unsere kleinen Kinder nicht wie alle Kinder in Poggensee und auch die großen, die Bahn benutzen? Nur weil sie angeblich nicht gleich nach dem Unterricht nach Hause gehen können? Wir haben Verbindung mit der Bahn aufgenommen, und es wurde uns ein Entgegenkommen betreffs der Rückfahrt eines passenden Zuges zugesagt.

Bis die Bahnfrage geklärt ist, verpflichten sich die Ortsteile Schadehorn und Neu-Fresenburg geschlossen, die kleinen Kinder mit dem Bus nach Beendigung des Unterrichts abholen zu lassen.

Wir können uns nicht vorstellen, daß man unseren Wunsch nicht verstehen will, und nur auf Kosten unserer Kinder eine halbverfallene Dorfschule noch ein paar Jahre weiter existieren soll.“

Diesen Brief beantwortete der Kulturamtsvorsteher, Oberregierungsrat Pohlmann, mit einem Besuch in Schadehorn vor etwa einer Woche. Er versprach, die streikenden Eltern und den Schulrat zu einem Gespräch zusammen zu führen, und wiederholte diese Zusage in einem heute geführten Telefongespräch mit dem Schadehorner Elternbeiratsmitglied Bartels.

Tatsache ist, daß die Schleswig-Holsteinische Landgesellschaft als Träger der Aufsiedlung des früheren Gutes Schadehorn der Stadt Bad Oldesloe 20.000 DM für die Verbesserung der Schulverhältnisse gezahlt hat. Dieser Betrag ist für den Bau der Klaus-Groth-Schule verwendet worden.

Die Stadt hat jedoch auf die Einteilung der Schulbezirke keinen Einfluß. Nach dem neuen Schulunterhaltungs- und -verwaltungsgesetz ist die Schulaufsichtsbehörde hierfür zuständig.

Schulrat Heitmann erklärte heute auf Anfrage, daß er noch zehn Tage warten und dann Strafanzeige gegen alle Eltern stellen wolle, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken.

Er könne es nicht verantworten, daß die Kinder nach Unterrichtsschluß in Bad Oldesloe längere Zeit auf die Rückbeförderung warten müßten. Die Eltern könnten ihn nicht von dieser Verantwortung befreien.

Diesem Argument halten die Eltern ihre Bereitschaft entgegen, einen Bus zu mieten. Alle Einwohner Schadehorns haben sich schriftlich verpflichtet, bis zu einem tragbaren Abkommen mit der Bahn monatliche Beträge zwischen 2 und 15 DM zur Bezahlung des Busses beizusteuern.

Bürgermeister Barth versicherte uns heute Vormittag, daß sich der Schul- und Kulturausschuß sehr eingehend mit den Wünschen der Schadehorner und Neu-Fresenburger Eltern beschäftigt habe, jedoch zu der Auffassung gekommen sei, daß die vom Schulrat getroffene Regelung zweckmäßig sei.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1958

 

Donnerstag, 24. April 1958

Leibeserzieher klagen an

n. – Die Arbeitsgemeinschaft der Leibeserzieher der Oldesloer Schulen tagte bei Busch, um den Plan für die Sommerarbeit und die gemeinsamen Veranstaltungen festzulegen. Kreissportlehrer Bernhard Nowak begrüßte den 1. Vorsitzenden des Ortsausschusses für Leibesübungen Christian Ohrt, der über den Stand des ersten Bauabschnittes zur Umgestaltung des Exers referierte, ferner den Leiter des Jugend- und Sportheimes Karl-Heinz Schmidt, der über die Benutzung der Umkleideräume auf dem Exer berichtete und ein offenes Ohr für die Wünsche der Sportkollegen hatte. Das Umkleiden bereitet bei dem sportlichen Andrang der Klassen Schwierigkeiten, weil die Räume nicht ausreichen.

Größte Empörung rief der augenblickliche Zustand des Exers hervor. Es erscheint fast verantwortungslos, Schulkinder auf die unebene Bahn zu schicken; die Sperrbalken sind unsachgemäß angebracht; die 100-Meter-Bahn ist verkürzt; beim Rundenlauf müssen die Rasenanlagen betreten werden. Die Umlegung der Sprunggruben ist bis zu Beginn der Sommerarbeit nicht erfolgt.

Die Sportlehrer trafen die Feststellung, daß in jedem Beruf die Voraussetzungen für eine positive Arbeit geschaffen würden, die Leibeserzieher aber erst um diese Voraussetzungen kämpfen müßten, um die Gesundheit unserer Schuljugend zu erhalten.

Der Wanderpreis im Schwimmen wird auch in diesem Jahr nicht von den Schulen verteidigt werden können. Ein diesbezüglicher Entschluß der Arbeitsgemeinschaft wird dem Magistrat zugehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1958

 

Freitag, 25. April 1958

Hintergründe des Schulstreiks

W.M. – Der Schulstreik in den Oldesloer Ortsteilen Schadehorn und Neu-Fresenburg dauert an. Die Eltern wollen nicht nachgeben. Vom Kreisschulrat, der sich der Billigung des Kultusministeriums sicher weiß, ist dies noch weniger zu erwarten. Wird es so weit kommen, daß die Eltern sich vor dem Richter verantworten müssen? Falls der Kreisschulrat, wie er es bereits angekündigt hat, Strafanzeige gegen sie erstattet, hätte es der Richter in der Hand, wegen Gesetzesübertretung Geldstrafen gegen sie eu verhängen, denn sie sind als die Erziehungsberechtigten für die Erfüllung der Schulpflicht verantwortlich.

  • Warum sträuben sich die Eltern eigentlich? Wirklich nur wegen des Schulweges nach Seefeld, den sie ihren Sechs- bis Zehnjährigen nicht zumuten wollen? Und lehnt der Schulrat deren Einschulung nach Bad Oldesloe wirklich nur deswegen ab, weil er die Verantwortung für sie während der Zeit zwischen Schulschluß und Rückfahrt nicht übernehmen zu können glaubt? Wenn es lediglich darum ginge, befände sich der Schulrat der Öffentlichkeit gegenüber in einer schwachen Position. Denn des Angebot der Eltern, einen Schulbus auf eigene Kosten zu stellen, scheint durchaus geeignet, seine Gründe aus dem Wege zu räumen.
  • Aber es geht doch um ganz andere Dinge, und es erscheint an der Zeit, sie bei Namen zu nennen. Sonst bekäme die Öffentlichkeit ein schiefes Bild. Ein Sprecher der streikenden Eltern hat das heiße Eisen bereits angefaßt. Einer Nachrichtenagentur zufolge hat er gesagt: „Unsere Kinder sollen nicht mehr in die klapprige Dorfschule in Seefeld gehen, sondern in die Stadt.“ Darum vor allem geht es und nicht allein um den Schulweg.
  • Niemand hat die Verwandlung des Dorfes in den letzten Jahrzehnten aufhalten können. Ein Versuch, die Landflucht totzuschweigen, wäre lächerlich gewesen. Erst von dem Augenblick an, wo man sich öffentlich mit ihr befaßte, hatte man Aussicht, Mittel gegen sie zu finden. Schon früh wurde erkannt, daß dazu vor allem auch dic Hebung der Dorfschule gehört. Niemand wird ihre Leistung geringschätzen dürfen. Ihr kulturgeschichtliches Verdienst ist unbestritten. Niemand darf sie aber auch zu einer Art Heimatmuseum machen wollen.

Die Lehrer wissen am besten, daß die ländliche Schule den Anforderungen unserer Zeit angepaßt werden muß. Der Kreislehrerverein hörte auf seiner kürzlichen Tagung in Ahrensburg den Frankfurter Pädagogen Professor Dr. Hylla, der die einklassige Landschule als überholt bezeichnete, wobei er selbstverständlich nicht etwa den Lehrer, sondern das Schulsystem kritisierte. Wer sich mit dienen Fragen eingehender beschäftigt hat, weiß von der Diskussion um die Zentralschule. Sie wird ohne Zweifel die schulische Schwerpunktbildung auch auf dem flachen Lande bringen.

Unter solchen Umständen kann man die streikenden Eltern durchaus verstehen. Sie versprechen sich von der mehrklassigen Stadtschule eine bessere Förderung als von der einklassigen Seefelder Schule.

  • Hätte der Kreisschulrat bei seiner Entscheidung nur diesen Gesichtspunkt zu berücksichtigen, so würde er vermutlich den Wunsch der Eltern erfüllen. Aber so einfach hat es der Schulrat nicht. Die Seefelder Schule ist ebenso wie die Stadtschule ein Teil der bestehenden schulischen Ordnung, die nach Maßgabe der Zahl der Schüler, der Verteilung der Lehrkräfte, der Bedürfnisse der einzelnen Orte und ähnlichen Gesichtspunkten aufgebaut ist. Möglicherweise würde die Zustimmung des Schulrates zu dem Wunsch der Eltern eine empfindliche Störung dieser Gesamtordnung mit sich bringen. Der Drang nach der Stadtschule ist auch in anderen Orten der Umgebung stark Die Scheu vor einem Präzedenzfall ist begreiflich.

Wie wir erfuhren, wird sich – vielleicht heute schon – die Landespressekonferenz in Kiel mit dem Schulstreik befassen und eine Stellungnahme des Kultusministeriums erwirken. Wir fürchten, daß diese die Eltern enttäuschen wird.

  • Die Eltern stehen in ihrem Kampf allein. Ihr Problem ist in gewissem Sinne das Problem der ländlichen Schule überhaupt; Seefeld hat schließlich eine ländliche Schule, obwohl es sich um einen Ortsteil Oldesloes handelt. Die Anpassung des Dorfes an die moderne Zeit ist ein schwieriger, langwieriger und in mancher Hinsicht schmerzhafter Prozeß. So muß man wohl auch den Schadehorner und Neu-Fresenburger Schulstreik sehen. Möge in diesem Konflikt nicht der Richter das letzte Wort sprechen!

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1958

 

Sonnabend, 26. April 1958

Bedenkzeit für die Eltern

Landesregierung will notfalls Schulbesuch erzwingen

st. – Die Landesregierung Schleswig-Holstein hat zum Schulstreik in Bad Oldesloe folgende Verlautbarung herausgegeben:

„Die Ortsteile Seefeld, Neu-Fresenburg und das ehemalige aufgesiedelte Gut Schadehorn gehören zu Bad Oldesloe und haben seit jeher einen besonderen Schulbezirk gebildet. Dort wurden bisher zwei Schulklassen in einem Raum im Schichtunterricht unterrichtet.

Ungefähr 3,5 Kilometer von diesem Schulgebäude entfernt ist in Bad Oldesloe eine neue Schule errichtet. Um den Schichtunterricht in dem Außenbezirk zu beenden, hat das Schulamt in Bad Oldesloe die Oberstufe in die neue Schule eingewiesen. Dieser Einweisung sind eingehende Verhandlungen des Schulrats mit dem Elternbeirat und dem Schulausschuß der Stadt Bad Oldesloe vorhergegangen. Der Schulausschuß hat sich einstimmig für diese Lösung ausgesprochen. In der Elternschaft waren einige Gegenstimmen. Der Elternbeiratsvorsitzende war jedoch auch für die neue Lösung.

Die Eltern von 16 Kindern aus der Siedlung Schadehorn sind nun in den Streik getreten mit der Begründung, daß sie Anspruch auch für ihre kleineren Kinder auf Besuch der neuen Schule hätten. Dem Besuch der jüngeren Kinder in der neuen Schule stehen folgende Bedenken entgegen: Die neue Schule ist zu erreichen mit dem Bahnbus von der Station Neu-Fresenburg aus, der günstig für den Schulbeginn morgens um 8.00 Uhr und den Schulschluß mittags um 13.00 Uhr fährt. Für die kleineren Kinder mit dem kürzeren Schulunterricht würden mehrere Wartestunden nicht zu umgehen sein, wenn man ihnen nicht den heute immer gefährlichen Schulweg zumuten will. Die Schüler aus dem Ortsteil Poggensee gehen wie bisher in Bad Oldesloe zur Schule. Wenn diese Kinder nicht warten wollen, so haben sie auf jeden Fall einen kürzeren Schulweg.

Das Schulamt muß bei seiner Entscheidung auch bedenken, daß abhängig von der Schule in dem Außenbezirk auch der Ortsteil Seefeld ist, dessen kleine Kinder dann sogar 5 Kilometer zur neuen Schule zurückzulegen hätten. Dem kann auf keinen Fall zugestimmt werden.

Das Schulamt ist bereit, den Eltern der Neusiedler noch eine gewisse Bedenkzeit zu geben, muß allerdings dann den Schulbesuch so wie angeordnet durchsetzen, da insbesondere für die kleineren Kinder nur diese Regelung tragbar erscheint. Für die Regierung besteht nach Lage der Dinge kein Anlaß, die Entscheidung des Schulamts abzuändern.“

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.4.1958

 

Montag, 28. April 1958

… Debatte über den Exer

st. – Die Kreisstadt wird 16 Rentnerwohnungen bauen. Dies beschloß das Stadtparlament. …

Eine lebhafte Debatte entwickelte sich … über einen Antrag der Turn- und Sportlehrer der Oldesloer Schulen, die Laufbahn und die Sprunganlagen auf dem Exer benutzungsfähig zu machen und den Wochenmarkt zu verlagern, da er den Schulsport erheblich beeinträchtige.

In dem Antrag wurde darauf hingewiesen, daß zeitweilig 300 bis 400 Kinder auf dem Exer Sportunterricht haben. Für sie stünde keine Laufbahn zur Verfügung, obwohl beispielsweise 55 Prozent der Schüler einer Untersekunda sich Nagelschuhe für den Laufsport gekauft hätten. Die Sprunganlagen seien lediglich behelfsmäßig hergerichtet. Den Zustand wollen die Turn- und Sportlehrer nicht mehr verantworten.

Stadtverordneter Ernst Kindt erklärte, der Sport- und Jugendausschuß werde alles versuchen, um diese Mängel abzustellen.

Er machte allerdings den Lehrern den Vorwurf, daß sie auf Aufforderungen, Vorschläge für die Verbesserung der Anlagen zu machen, nicht reagiert hätten.

Stadtrat Bruno Rickert und Stadtverordneter Johannes Burmeister erkannten zwar die Bedeutung des Sports an, bezeichneten jedoch aus wirtschaftlichen Gründen den Wochenmarkt als wichtiger.

Stadtrat Carl Hoffmann sah das Hauptübel in der Tatsache, daß die schweren Wagen für den Wochenmarkt auf den Exer fahren. Wenn man dies nicht mehr wolle, dann müsse man einen Parkplatz in dem Dreieck zwischen Logenhaus, Kinderbaracke und Wochenmarktplatz schaffen. Dazu würde es allerdings notwendig sein, einige der dortigen kleinen Bäume abzuschlagen.

Bürgerworthalter Willy Rosch schlug vor, den Antrag dem Sport- und Jugendausschuß zu überweisen, der ihn dringlich behandeln möge. Damit erklärten sich die Stadtverordneten einstimmig einverstanden. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.4.1958

 

Montag, 28. April 1958

Keine Einigung im Schulstreik

Elternvertreter wollen jetzt zum Minister

st. – Ergebnislos verlief eine Besprechung über den Oldesloer Schulstreik zwischen fünf Vertretern der streikenden Eltern und Bürgermeister Barth sowie Kreisschulrat Heitmann.

Seit den Osterferien schicken die Eltern aus den Oldesloer Außenbezirken Neu-Fresenburg und Schadehorn 20 Kinder des ersten bis fünften Jahrgangs nicht mehr in die benachbarte Dorfschule in Seefeld, um ihre Einschulung in Bad Oldesloe zu erreichen.

Nach der Aussprache mit dem Schulrat, die vom Vorsteher des Kulturamtes Lübeck angeregt worden war, dessen Behörde vor fünf Jahren die Güter Schadehorn und Neu-Fresenburg aufgesiedelt hat, sagte ein Sprecher der streikenden Eltern:

„Es ist keine Einigung erzielt worden, unsere Argumente wurden nicht gewürdigt. Wir werden jetzt zum Minister nach Kiel fahren.“

Kreisschulrat Heitmann sagte, die Elternvertreter hätten eindeutig als Ziel des Streikes herausgestellt: „Unsere Kinder sollen nicht mehr in die Dorfschule, sondern in die Stadt gehen, weil sie dort mehr lernen.“ Von dieser Einstellung seien sie auch durch den Vorhalt der Tatsache nicht abzubringen gewesen, daß zum Beispiel die Übergangsprüfung für weiterführende Schulen vor Ostern von allen vier gemeldeten Seefelder Kindern bestanden worden ist.

Der Schulrat kündigte an, daß die streikenden Eltern nun schriftlich aufgefordert werden, spätestens am 5. Mai ihre Kinder wieder zur Schule zu schicken. Nach diesem Termin würden Strafanzeigen gegen weiterstreikende Eltern erstattet.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.4.1958

 

Montag, 28. April 1958

Ölheizung für die Mittelschulturnhalle

st. – … Die im Bau befindliche Turnhalle für die Mittelschule wird mit einer Warmwasser-Plattenheizung mit Ölfeuerung, die gegebenenfalls auch durch Koksfeuerung ersetzt werden kann, ausgestattet werden.

Nach ausgedehnter Debatte, an der sich zahlreiche Stadtverordnete beteiligten, entschied sich die Stadtvertretung mit Mehrheit für diese Heizungsart und bewilligte gleichzeitig einen Mehrbetrag von 25.300 DM. Damit erhöht sich die Bausumme von ursprünglich 165.000 auf 191.300 DM. Fünf Stadtverordnete hatten für die Gasstrahlungsheizung gestimmt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.4.1958

 

Mittwoch, 30. April 1958

Kiel schickt Regierungsrat

st. – Um den seit 19 Tagen dauernden Schulstreik beizulegen, kommt in den nächsten Tagen als Vertreter des Kultusministeriums Regierungsrat Higelke aus Kiel nach Bad Oldesloe. Er will mit den Schadehorner und Neu-Fresenburger Eltern verhandeln. Kreisschulrat Heitmann hofft, daß damit der Schulstreik beigelegt werden kann, bevor gerichtliche Schritte gegen die Eltern eingeleitet werden müssen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1958

 

Mittwoch, 30. April 1958

Vesdoro fliegt aus

st. – Morgen um 10 Uhr machte der Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe (Vesdoro) mit seinen Hamburger Freunden einen Ausflug nach Klinken, wozu er auch das Lehrerkollegium und die ehemaligen Lehrer eingeladen hat. Anmeldungen nimmt der 1. Vorsitzende Hans Werner Meyer entgegen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1958

 

Donnerstag, 1. Mai 1958

Maiausflug des Vesdoro

st. – Gemeinsam mit ihrem einstigen Lehrer Studienrat Dr. Heinrich Vogler wanderten 15 Mitglieder des Vesdoro (Verein ehemaliger Schüler der Oberrealschule Oldesloe) nach der Klinkener Mühle. Dort stellten sich die fröhlichen Wanderer (unter ihnen zehn Hamburger). Nächstes Ziel war die Kupfermühle, wo man Kaffee trank und bei der Erinnerung an einstige Schulstreiche wieder jung wurde.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1958

 

Freitag, 2. Mai 1958

Rektor Johannes Kruse im 90. Lebensjahr gestorben.

 

Sonnabend, 10. Mai 1958

Rektor Kruse gestorben

Im 90. Lebensjahr hat sich am 2. Mai dieses Jahres Rektor Johannes Kruse zu seinen Vätern gesellt. Auf Wunsch des Verstorbenen hat die Einäscherung in aller Stille in Ohlsdorf stattgefunden. Nun kann in der Alten Stadtschule zu Bad Oldesloe neben das Bild von Dr. Ferdinand Spanuth, der von 1866 bis 1909 Rektor der genannten Schule war, auch das Bild von Johannes Kruse gehängt werden.

Rektor Kruse war der unmittelbare Nachfolger Dr. Spanuths im Schuldienst und in der Dienstwohnung in der Stadtschule. Die Bevölkerung Oldesloes in der Zeit von 1910 bis 1930 sah diesen aufrechten Schulmann jeden Morgen auf dem Schulhof, nachmittags in seinem Schrebergarten. Die Oldesloer hörten diesen ihren Stadtschulrektor nicht nur in Versammlungen der Gartenfreunde aus der Schreberbewegung reden, sie lauschten ihm alljährlich einmal am Tage des Kindervogelschießens, wo er stets die Festansprache hielt.

Seit den Kriegszeiten war es still um den alten Rektor geworden, seit einer Woche schweigt sein Mund für immer. Er wird aber bei seinen Schülern und Schülerinnen noch über das Grab hinaus leben.

Als Johannes Kruse mit 62 Jahren in den Ruhestand versetzt worden war und in einen Vorort Hamburgs verzog, studierte er noch bei Professor Conrad Borchling Germanistik. Daher datiert Kruses Übersetzung des „Heliand“ in das heutige Plattdeutsch, das die Saake-Stiftung drucken ließ. Ganz besonders ist Johannes Kruse aber dadurch bekannt geworden, daß er in plattdeutscher Sprache das Problem des Eindringens der Industrie-Dresch- und Mähmaschinen in die bäuerlich-dörflichen Verhältnisse und die damit in Zusammenhang stehende Auswanderung nach Nordamerika in einem Buch behandelte, das 1938 mit dem Johann-Hinrich-Fehrs-Preis ausgezeichnet wurde. Das Buch erschien 1941 in Otto Meißners Verlag in Hamburg unter dem Titel „Helk Köster, ein Tiet- und Levensbild ut de Masch“ und ist seit langem gänzlich vergriffen. Auch ist ganz unbekannt geblieben, daß Johannes Kruse während seiner Mittelschullehrerjahre in Kiel an der Veröffentlichung der Werke des Heimatdichters Timm Kröger beachtlichen Anteil hatte.

Der Name des Rektors und der des plattdeutschen Schriftstellers Johann Kruse wird sowohl in seinen Wirkungsstätten Kiel und Bad Oldesloe als auch in seinem Heimatland Dithmarschen lange seinen guten Klang behalten. Walter Frahm.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.5.1958

 

Sonnabend, 17. Mai 1958

Praktische Gegenwartskunde für Oberprimaner

st. – Die beiden Oberprimen der Theodor-Mommsen-Schule hatten das Glück, die Theorie der Schulbank mit lebendiger Gegenwartskunde vertauschen zu können.

Ein Engländer, Mr. John Titley, plauderte in seiner Muttersprache vor den beiden Klassen über den Aufbau des Eingeborenstaates Ghana an der afrikanischen Goldküste. Mr. Titley. der einer Einladung des Klassenlehrers der OIm, Dr. Marquardt, gefolgt war, hat mehrere Jahre in der Entwicklung des Postwesens in Ghana mitgewirkt. Das war, wie aus seinen Worten hervorging. nicht ehr einfach, denn der weitaus größte Teil der Eingeborenen ist primitiv, fast die Hälfte sind Analphabeten und leben in Lehmhütten.

Unter den Landessitten erwähnte Mr. Titley besonders das Geschenkemachen Was in Europa als aktive Bestechung ein gerichtliches Nachspiel hätte, ist dort selbstverständlich. Jeder Lehrling, Arbeiter oder Beamter bringt schon vor der Einstellung seinem voraussichtlichen Vorgesetzten ein Geschenk mit. Bewerbungen werden stets durch Geschenke eingeleitet. Mr. Titley passierte es zum Beispiel, daß ein Postbediensteter, der 40 Kilometer zu Fuß zum Antritt seiner Stellung zurückzulegen hatte, zwei Hühner unter dem Arm hatte und sie als Geschenk überreichte.

Für Ingenieure und Techniker bieten sich im Staate Ghana gute Vordienstmöglichkeiten. 15.000 DM in einem Jahr zu sparen, ist, wie Mr. Titley versicherte, nicht schwierig. Er selbst hat sich nach seiner Rückkehr nach England eine eigene Post gekauft.

Anschließend stellten die Oberprimaner Fragen politischer und wirtschaftlicher Art, die der englische Gast bereitwilligst beantwortete.

Damm ging es hinaus aus den Klassenzimmern zu einer Besichtigung der Kreissparkasse. Die Sparkassenbediensteten Lippert, Rauhut und Gerwanski führten die Oberprimaner durch das Gebäude der Sparkasse am Markt, zeigten ihnen den Banktresor im Keller und vielerlei Büro- und Rechenmaschinen im Betrieb. Ferner wurden den Schülern, die Ostern die Schule verlassen, ausführlich die Berufsaussichten im Sparkassenwesen dargelegt. Der erlebnisreiche Rundgang endete mit einer Kaffeetafel in der Kantine, wo der stellvertretende Direktor Rieken die jungen Gäste noch einmal herzlich willkommen hieß.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.5.1958

 

Dienstag, 20. Mai 1958

Am 1. Juli ist Kindervogelschießen!

st. – Der Ausschuß für das Kindervogelschießen hielt seine erste vorbereitende Sitzung ab. Es wurde beschlossen, das Fest am Dienstag, dem 1. Juli, in althergebrachter Weise zu feiern. Die Ausgestaltung des Festes erfordert viel Geld und viele Spenden. Daher schickt der Ausschuß auch in diesem Jahre seine Sammler aus, die um Gaben und Spenden bitten. Sie werden schon in den nächsten Tagen an die Türen klopfen. Der Ausschuß bittet, gern und reichlich zu geben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 20.5.1958

 

Mittwoch, 21. Mai 1958

Oldesloe Chöre sangen für Spätaussiedler

Hv. – Zu einem guten Zweck hatten sich der Chor und das Orchester der Theodor-Mommsen-Schule unter der Leitung von Fritz Alshuth, die Oldesloe Singakademie und der Oldesloe Männerchor von 1844 unter der Leitung von August König, sowie die Solistin des Abends, Marga Hass (Sopran), auf Anregung des Kulturausschusses des Kreises zu einem gemeinsamen Konzert zusammengefunden. Der Reinertrag des Abends ist zur Unterstützung von Spätaussiedler bestimmt.

In Anbetracht dieses guten Zweckes hätte das Konzert mit seinem ansprechenden, abwechslungsreichen und künstlerisch-volkstümlichen Programm mehr Besucher verdient gehabt. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.5.1958

 

Freitag, 23. Mai 1958

Sportlehrer sollen ihre Wünsche sagen

st. – Der Magistrat hat 1500 DM für die Herrichtung der Sportanlagen auf dem Exer freigegeben. Dazu sollen die Sportlehrer Vorschläge machen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.5.1958

 

Mittwoch, 4. Juni 1958

Drei Mittelschulklassen fuhren in die Alpen

st. – Drei Abschlußklassen der Königin-Luise-Schule (10b, 10c und 10d) sind mit rund 90 Schülern und Schülerinnen unter der Leitung ihrer Klassenlehrer für zwölf Tage per Eisenbahn in die Alpen gefahren. Dies ist die letzte Schulfahrt. Zugleich wird die Reise voraussichtlich die letzte Alpenfahrt der Schule sein, denn das Kultusministerium hat als weiteste Ziele künftiger Fahrten die mitteldeutschen Mittelgebirge vorgeschrieben.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.6.1958

 

Montag, 9. Juni 1958

Primaner im Hofbräuhaus und auf dem Nebelhorn

Theodor-Mommsen-Schüler von großer Alpenfahrt zurück – „Es war herrlich!“

B. – Nach zehntägige Alpenfahrt kehrten die beiden Oberprimen der Theodor-Mommsen-Schule am Sonnabend nach Bad Oldesloe heim. Übereinstimmendes Urteil: „Es war herrlich!“

Erste Station der Fahrt war München. In drei Tagen sahen die jungen Stormarner unter der Führung ihrer Klassenlehrer, Studienrat Dr. Marquardt und Studienrat Werner II, sehr viel, u.a. besichtigten sie das Haus der Deutschen Kunst und Schloß Nymphenburg. Für die Oberprimaner des mathematischen Zweiges war der Besuch des Deutschen Museums mit seiner neueingerichteten Flugabteilung, mit seiner Starkstromabteilung und dem Physikraum besonders eindrucksvoll. Was bayerische Gemütlichkeit ist, erfuhren die Ausflügler im Hofbräuhaus bei einem zünftigen Maß Bier.

Dann ging es weiter in die Jugendherberge Kornau bei Oberstdorf, von wo viele Bergtouren bei schönstem Wetter unternommen wurden, u.a. mit der Schwebebahn zum Nebelhorn oder mit dem Sessellift zum Fellhorn hinauf. In Riezlern in Österreich, das wirtschaftlich, wie das ganze Walsertal, an Deutschland angeschlossen ist, erlebten die Oldesloer Jungen und Mädchen eine Fronleichnamprozession in all ihrer Trachtenpracht mit. Ein eintägiger Omnibusausflug nach Lindau am Bodensee mit einer anschließenden Bodensee-Rundfahrt rundete diese Studienreise in die Berge ab.

Die Reisekosten betrugen pro Schüler 100 DM, die sich die Schüler schon lange vorher durch Gelegenheitsarbeit verdient hatten. Bedürftige Oberprimaner erhielten Zuschüsse. Die Stadt hatte hierfür 200 DM und der Elternfonds der Theodor-Mommsen-Schule 300 DM bereitgestellt.

Die von Dr. Marquardt organisierte Studienreise galt in erster Linie dem Kennenlernen von Land und Leuten, außerdem bot sie eine ausgezeichnete Gelegenheit, die menschlichen Beziehungen zwischen den angehenden Abiturienten und ihren Klassenlehrern zu vertiefen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.6.1958

 

Dienstag, 10. Juni 1958

Klaus-Groth-Schule wandert

st. – Ihren großen Wandertag vor den Ferien haben heute die Jungen und Mädchen der Klaus-Groth-Schule. Die jüngeren Jahrgänge fuhren per Bahn nach Grönwohld und wandern dann um den Lütjensee oder Großensee. Die oberen Klassen wollen die Schönheiten des Alten Landes kennenlernen. Viele Muttis begleiten ihre Kinder.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.6.1958

 

Sonnabend, 28. Juni 1958

Kreisbildstelle filmt Oldesloer Vogelschießen

Dankständchen der Spielmannszüge – Durch welche Straßen führt der Festzug?

st. – Die Kreisbildstelle wird einen Schmalfilm vom Kindervogelschießen am Dienstag als dem Beispiel eines heimatgebundenen Festes drehen. Vorfreude weckten gestern bereits die Dankständchen der Spielmannszüge.

Am Montagmorgen wird dann das Laub aus dem Kneeden geholt, unter Vorantritt der Spielmannszüge zu den einzelnen Schulen gebracht und ausgeladen. Am Nachmittag werden die Spielmannsständchen fortgesetzt und am Abend rechtzeitig beendet.

Der Dienstag ist dann der große Festtag. In der Großen Salinenstraße mit dem Gesicht zur Oberschule stellt sich der Festzug auf. Die Reihenfolge der Schulen ist in diesem Jahr: Theodor-Mommsen-Schule, Klaus-Groth-Schule, Hilfsschule, Stadtschule, Königin-Luise-Schule.

Der Festzug soll nicht mehr wie bisher durch die Hagenstraße führen, sondern durch die untere Hindenburgstraße mit einer Schleife über den Marktplatz in die obere Hindenburgstraße geleitet werden. Im übrigen bleibt die bisherige Straßenfolge bestehen: Hamburger Straße, Königstraße, Kurparkallee, Bergstraße, Mommsenstraße, Bahnhofstraße, Besttorstraße, Mühlenstraße, Lübecker Straße bis zum Kran, über Pferdemarkt zurück zur Mühlenstraße, untere Hindenburgstraße, Markt, obere Hindenburgstraße, Hagenstraße, Hamburger Straße, Schützenstraße zum Bürgerpark.

Am Festzug nehmen teil eine Abordnung der Schützengilde sowie die Landsmannschaften. Nach Auflösung auf dem Bürgerpark veranstaltet die Kapelle Hopf eine halbe Stunde Platzmusik bis zum Beginn der Spiele.

Beginn des Tanzes: 14.30 Uhr. Die Teilnehmer der Endgruppe tanzen im Festzelt auf dem Bürgerpark.

Am Abend treten die Kinder um 19.30 Uhr auf dem Bürgerpark an der gleichen Stelle an, wie am Morgen vor der Auflösung des Zuges. Abmarsch um 20 Uhr.

Die Festrede hält in diesem Jahr Oberstudiendirektor Richard Staberock.

Der Ausschuß dankt für alle Spenden. Er bittet um eine reiche Ausschmückung und rege Anteilnahme.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.06.1958

 

Montag, 30. Juni 1958

Frisches Grün für das Kindervogelschießen

st. – Mit klingendem Spiel der vereinigten Spielmannszüge marschierten die Kinder der Stadtschulen nach altem Brauch um 10 Uhr bei leichtem Nieselregen mit frischem Grün aus dem Stadtforst Kneeden in die Stadt ein. Zwei Pferdewagen und eine ganze Kolonne kleiner Handkarren waren mit frischem Laub hoch beladen. Hoffentlich haben die Kinder, die schon ganz aufgeregt sind, morgen bei ihrem großen Fest besseres Wetter. Möge der Oldesloer Schutzpatron Petrus mit ihnen ein Einsehen haben!

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.6.1958

 

Bis zum Jahr 1960