Schuljahr 1957 - 58 Zeitraum Oktober - Dezember

 

Freitag, 4. Oktober 1957

Freude am Schülermuszieren

N. – Stunden der Freude in einer Zeit der Hast und Unruhe wünschte Rektor Heinrich Lüth, als er die Besucher des Schulkonzertes der Königin-Luise-Schule Bad Oldesloe in der renovierten Aula begrüßte.

Durch die Vielfalt der Instrumente mochte dieses Konzert für Chorleiter und Dirigent Ulrich Riedell wohl das bisher schwierigste sein. Diszipliniert führte er den Chor, der über prächtige Stimmen verfügt. Insbesondere gefiel der reine Knabensopran, der in höchsten Partien bis zum G Klangfülle zeigte. Die Musik des Frühbarock von Johann Hermann Schein klang aus in der Renaissancemusik von Valentin Haußmann, wo Tempiwechsel des Blockflötenquintetts hervorragend gelöst wurden.

Der zweite Teil: „Besinnung und Herbst“ führte die Zuhörer in eine beschauliche Abschiedsatmosphäre. Gisela Weist, bekannt durch ihren schönen Sopran, erweiterte das Programm mit zwei Herbstliedern von Heinrich Albert und Walter Rein; Wolfgang von Schachtmeyer erntete durch saubere Tongebung mit tragendem Piano und gutem Vibrato in Corellis „Gravo“ und „Allegro“ reichen Beifall.

Musik, vom rhythmischen Element gezeichnet, bot der dritte Programmabschnitt, in dem Orff’sche Instrumente zu hören waren. Renate Schacht verdient durch Idee

und Einstudierung der Tänze – das Menuett wurde von den Kleinen ganz reizend dargeboten – ein Lob.

„Wir bauen eine Stadt von Paul Hindemith, ein lebendiges, kindertümliches Spiel, bildete den Abschluß. Von den vielen Solisten zeigte Christel Manz besondere Fähigkeiten für darstellende Mimik.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.10.1957

 

Freitag, 25. Oktober 1957

Turnhallenbau hat begonnen

st. – Mit dem Aufstellen der Holzkonstruktion für die neue Turnhalle im Hof der Mittelschule ist jetzt begonnen worden. Nach dem Beschluß der Stadtvertretung soll für 170.000 DM eine moderne Turnhalle geschaffen werden, die auch vom Gymnasium mitbenutzt werden kann. Bisher konnte infolge der Raumnot nur ein Drittel des planmäßigen Turnunterrichts erteilt werden, obwohl die Haltungsschäden der Kinder stark zugenommen haben. Die Landesregierung gibt zu dem Turnhallenbau einen Zuschuß von 58.000 DM.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.10.1957

 

Dienstag, 29. Oktober 1957

Oldesloes Gymnasiasten können sich beim Holzwurm bedanken

Sieben moderne Klassen unter Schaumbeton

Unangenehme Überraschung hatte nützliche Folgen – 300.000 DM wurden gut angelegt

st. – Der Umbau im Theodor-Mommsen-Gymnasium hat den Verantwortlichen der Stadt viel Kopfschmerzen bereitet: aber beim Richtfest sah man doch nur zufriedene Gesichter. Was ursprünglich lediglich wie ein Mißgeschick mit erheblichen Kosten im Gefolge aussah, wird nun zu einem guten Ende geführt. Das Gymnasium erhält in einem völlig neuen Vollgeschoß nicht nur sieben Klassenräume, sondern auch eine 150 Schüler fassende Empore in der Aula.

Ein Schüler-Bläserquartett leitete die Richtfeier ein, zu der sich neben den Stadtvätern, den Vertretern der Schule und der Eltern und den Bauhandwerkern noch andere Gäste auf der Empore eingefunden hatten. Nachdem die Richtkrone aufgezogen war, gab Polier Theo Naujoks vom Dachstuhl aus einen kurzen Rückblick über die Baugeschichte. Wenn dies auch kein Neubau im Sinne des Wortes sei, so habe der Bau doch die Größe und Bedeutung eines solchen. Daran schloß er den selbstverfaßten humorvollen Richtspruch, in dem es hieß:

„Wir bauen hier mit viel Getöse. Nur der Holzwurm ist uns böse. Wir raubten ihm sein Domizil. Statt Holzbeton nun, und sehr viel. Auf die Frage: Herr Bauherr, sagt uns frank und frei. Ob ob dieser Bau nach eurem Sinne sei?“ Erklang ein kräftiges Ja.

Nach dem jeweils drei Hochs auf den Bauherrn, auf die Bauhandwerker und auf den Bau selbst ausgebracht worden waren, begaben sich die Teilnehmer zum Richtschmaus in den „Hansa-Krug“.

Dort schilderte in einer Ansprache Bürgermeister Hermann Barth die Sorgen, die der Bau bereitet hatte. Ursprünglich wollte man für 100.000 DM das Dachgeschoß und das Dach instandsetzen. Während der Arbeiten stellten sich ganz erhebliche Schäden an dem Gebäude heraus. Die Fassade und die Hinterwand der Aula drohten zusammenzubrechen. Schuld daran waren teilweise eine Fehlkonstruktion und teilweise der Holzwurm. So entschloß man sich zu einer erheblichen Erweiterung des Bauvorhabens, das jetzt einen Betrag von 298.000 DM beansprucht.

Früher und heute

Früher lagen im Dachgeschoß vier provisorisch ausgebaute niedrige Klassenräume mit Mansardenfenstern. Bald kann das neugeschaffene Vollgeschoß sieben Klassen aufnehmen, die modernen Ansprüchen genügen. Die alte Aula faßte nur 350 von den etwa 650 Schüler. Auf der neuen Empore der Aula können in Zukunft weitere drei Klassen bei Gemeinschaftsveranstaltungen Platz finden. Außerdem erhofft man sich durch die Umgestaltung eine bessere Akustik. Das Gymnasium wird nach Meinung des Bürgermeisters durch sein neues Gesicht – es erhält ein Flachdach aus Schaumbeton – nichts von seinem repräsentativen Charakter einbüßen.

Bürgermeister Barth gab zu, daß rund 300.000 DM für den Um- und Ausbau sehr hoch erscheinen mögen. Doch hielt er dem entgegen, daß man schon vor Jahren für die Schaffung einer neuen Schulklasse 40.000 DM angesetzt habe. Wenn man dann noch bedenke, daß in dem Betrage nichtproduktive Ausgaben von 30.000 DM für die Abbrucharbeiten und 15.000 DM für das Gerüst enthalten seien, dürften die Bedenken als zerstreut gelten.

Oberstudiendirektor Richard Staberock nannte in seinen Dankworten besonders auch die Mittelschule, die seit dem 17. Oktober 2014 Gymnasialklassen Gastfreundschaft gewähre. Diese brauche allerdings nur noch wenige Tage in Anspruch genommen zu werden. Die Schule hoffe, um die Monatswende Januar/Februar wieder normalen Unterricht abhalten zu können.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.10.1957

 

Sonnabend, 26. Oktober 1957

Wann wird ein Kind versetzt?

Lehrerkonferenz entscheidet – Ausnahmen und Sonderfälle

Es ist kein Geheimnis: das Verhältnis zwischen Schule und Eltern ist nicht immer überall so vertrauensvoll wie es eigentlich im Interesse der Kinder sein sollte. Es ist in der letzten Zeit häufig vorgekommen, daß Eltern Prüfungsergebnisse angefochten haben, daß sie sogar vor Gericht gegangen sind, um die Versetzung ihres Kindes durchzusetzen. Aber der Weg zum Gericht ist weder für die Eltern noch für die Lehrer und schon gar nicht für das Kind die richtige Lösung, denn das gegenseitige Vertrauensverhältnis leidet schwer darunter.

Nun haben die Kultusminister der Länder erstmalig bundeseinheitliche Richtlinien für die Gymnasien erlassen (jede Form der höheren Schule heißt jetzt Gymnasium), aus denen hervorgeht, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Kind versetzt wird. Nach diesen Richtlinien arbeiten die einzelnen Länder ihre Bestimmungen aus. Somit können nun auch die Eltern angesichts der Zeugnisse ihrer Kinder gegebenenfalls rechtzeitig die nötigen Schritte unternehmen, um eine Nichtversetzung zu vermeiden. Sitzen bleibt beispielsweise, wer in zwei Fächern „Mangelhaft“ hat, wenn ein sinnvoller Ausgleich nicht gegeben ist. „Sehr gut“, „Gut“ und unter Umständen sogar „Befriedigend“ können als Ausgleich gelten. „Ungenügend“ in einem Jahr oder „Mangelhaft“ in zwei aufeinanderfolgenden Jahren schließen eine Versetzung aus. Besonders schwerwiegend werden schlechte Noten in Deutsch mit steigender Klassenstufe beurteilt.

Wer zweimal in derselben Klasse oder in zwei aufeinanderfolgenden Klassen sitzen bleibt, muß in der Regel, weil das Gymnasium den Begabten vorbehalten bleiben soll, die Schule verlassen. Eine Versetzung auf Probe, die ja auch stets eine schwere psychische Belastung für den Schüler darstellt, gibt es nicht mehr. Die Entscheidung über die Versetzung darf nicht von den Ergebnissen besonderer Prüfungsarbeiten abhängig gemacht werden.

Schüler, bei denen sich im Laufe eines Wiederholungsjahres herausstellt, daß sie das Ziel der Klasse nicht erreichen werden, können vor Ablauf des Wiederholungsjahres zum Übergang auf eine andere Schulart oder zum Abgang veranlaßt werden. In der untersten Klasse des Gymnasiums können Schüler, die den Anforderungen nicht genügen, im Laufe oder am Ende des Schuljahres zum Übergang in eine andere Schulart veranlaßt werden.

Die Lehrerkonferenz soll bei ihren Entscheidungen jedoch nicht schematisch verfahren. Bei besonderer, einseitiger Begabung, bei längerer Krankheit, und freiwilligem Schulwechsel und – was zweifellos besonders wichtig ist – bei ungünstigen häuslichen Verhältnissen kann die Konferenz Ausnahmen zulassen. Die Entscheidung über die Versetzung trifft die Lehrerkonferenz aufgrund der im letzten Abschnitt des Schuljahres erbrachten Leistungen unter angemessener Berücksichtigung der Leistungsentwicklung während des Schuljahres und der Gesamtpersönlichkeit des Schülers. Bei Abstimmungen in der Lehrerkonferenz entscheidet die einfache Mehrheit, bei Stimmengleichheit die Stimme des Vorsitzenden.

Sobald die Eltern die Herbstzeugnisse in den Händen halten, können Sie ihren Kindern ganz klar sagen, was zu tun ist, und sie können selbst helfen, schwache Leistungen zu bessern, damit die Versetzung erreicht wird.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.10.1957

 

Dienstag, 29. Oktober 1957

Schulgottesdienste am Reformationstag

st. – Am Donnerstag werden drei Schulgottesdienste in der Peter-Pauls-Kirche stattfinden. Den ersten hält Pastor Stoltenberg für Schüler der Ober- und Mittelschule. Um 9.30 Uhr werden die älteren Kinder der Stadtschulen (siebente bis neunte Schuljahr) zum Gottesdienst (Pastor Harder) erwartet, um 10.45 Uhr die Volksschüler vom vierten bis sechsten Schuljahr. Dann predigt Pastor Kombke. Nach dem Gottesdienst ist schulfrei.

STORMARNER TAGEBLATT vom 29.10.1957

 

Donnerstag, 7. November 1957

Schulname gefunden

st. – „Neue Stadtschule“ soll nach Ansicht des Kulturausschusses und Magistrats die Volksschule heißen, die gegenwärtig an der Feldstraße gebaut wird. Über ein halbes Jahr hat der Kulturausschuß nach einem geeigneten Namen gesucht. Die bisherige „Neue Stadtschule“ soll mit der „Alten Stadtschule“ künftig unter der Bezeichnung „Alte Stadtschule“ zusammengefaßt werden. Diese wird unter der Leitung der Rektorin Frau Mohr stehen, während Rektor Volkmann die Leitung der „Neuen Stadtschule“ übernehmen wird.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.11.1957

 

Freitag, 8. November 1957

Teurer Schulhof

st. – Die Herrichtung des Hofes der Neuen Stadtschule mit Geröll erfordert 28.000 DM. Der Magistrat hat den entsprechenden Auftrag vergeben.

STOMARNER TAGEBLATT vom 8.11.1957

 

Sonnabend, 16. November 1957

25 Stormarner Schulen haben eigenen Wald

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald intensiviert ihre Arbeit – Geschäftsführer Dr. Wodarz

st. – Die Förderung und Entwicklung der Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Kreis Stormarn litt seit längerer Zeit unter dem Fehlen einer Kreisgeschäftsstelle. Auf Ersuchen des Landesverbandes hat jetzt Kreislandwirtschaftsrat Dr. Wodarz die Geschäftsführung übernommen.

Wie Dr. Wodarz mitteilt, hat sich Landrat Dr. Haarmann bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen. …

Die Bestrebungen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sollen in weiteste Kreise der Bevölkerung hineingetragen werden, sagte Dr. Wodarz. Dazu müßten zunächst der Mitgliederkreis vergrößert und vor allem auch alle Gemeinden gewonnen werden. Die vom Kreis beauftragten Lehrer Runge, Harksheide, in aufopferungsvoller Arbeit bisher erzielten großen Erfolge bei der Anlage von Schulwäldern und Baumpflanzungen seien durch tatkräftige Unterstützung des Kreisverbandes zu festigen und weiter zu fördern.

97 Volks. und Mittelschulen Stormarns befassen sich zur Zeit mit Pflanzen und Pflege von Waldbäumen; 25 dieser Schulen haben einen eigenen Schulwald.

Die von Forstmeister Meyer, Trittau, und seinen Mitarbeitern für Jugendliche und Erwachsene veranstalteten Waldführungen verdienen in ihrer Beispielhaftigkeit und ihrer praktischen Bedeutung – die Stormarner Wälder sind Zufluchtsstätten des Großstadtmenschen – viel Beachtung. Die segensreichen Funktionen des Waldes und überhaupt jeden Holzbestandes für die Landeskultur rückten die Schutzgemeinschaft mit ihren Bestrebungen zum Schutze des Waldes auch in das unmittelbare Interesse der bäuerlichen Kreise. …

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.11.1957

 

Sonnabend, 16. November 1957

Theodor-Mommsen-Fest

st. – Das diesjährige Theodor-Mommsen-Fest des Gymnasiums findet am 29./30. November und 2. Dezember statt. Am ersten Tage wird das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn aufgeführt, am 30. November und am 2. Dezember das Theaterstück „Unsere kleine Stadt“ von Thornton Wilder. Die Festrede hält ein Enkel Theodor Mommsens, Ernst Wolf Mommsen, Vorstandsmitglied und Direktor der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.11.1957

 

Freitag, 22. November 1957

Ehrenteller überreicht

st. – Bürgerworthalter Rosch überreichte dem Studienrat i.R. Julius Claussen in seinem Heim in der Lorentzenstraße 11 zu seinem 80. Geburtstag den Ehrenteller der Stadt Bad Oldesloe. Der noch rüstige Jubilar war von 1909 bis 1945 als Studienrat an der Oberrealschule tätig und war ein von Schülern und Kollegen geschätzter Pädagoge. Viele ehemalige Schüler und Kollegen besuchten das betagte Geburtstagskind an seinem 80. Ehrentage.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.11.1957

 

Freitag, 29. November 1957

Auftakt zum Theodor-Mommsen-Fest

Hv. – Das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn zählt neben den „Jahreszeiten“ zu den Gipfelwerken des Altmeisters. Von kindhafter Gläubigkeit durchdrungen, gestaltet Haydn in diesem Oratorium mit großer ursprünglicher Musikalität und Tiefe den beglückenden Großhymnus auf die Weisheit und Güte des Beherrschers der Natur.

Die Theodor-Mommsen-Schule hatte dieses bewegende Werk an den Beginn seiner diesjährigen Theodor-Mommsen-Festtage gestellt. Der Chor der Schule, Oldesloer und Lübecker Streicher, Hildegard Nölting, Cembalo, sowie das Hamburger Kammerorchester stellten sich mit viel Fleiß und Eifer in den Dienst der Sache. Unter der Gesamtleitung von Studienrat Fritz Alshuth wurde die Aufführung ein würdiger und festlicher Auftakt zu den kommenden Tagen.

Jugendlich frisch und sauber erklangen die an Gegensätzen reichen Chöre. In Gertrud Fey (Gabriel; Eva), Günther Pods (Uriel) und Jörn Harder (Raphael; Adam) hatte die Schule bewährte Solisten, die entscheidend zum Gelingen der Aufführung beitrugen. Die Sopransoli Gertrud Feys waren von leuchtender Kraft und Innigkeit durchdrungen, Günther Pods sang eindringlich gestaltend, der Baß Jörn Harders war vor allem in der Tiefe tragend und von sympathischer Weichheit.

Das Orchester unterstütze Chor und Solisten anpassend und diszipliniert, bewegt in der Lebendigkeit, Vielfarbigkeit und dem Klangreichtum des Orchestersatzes.

Die große Hörerschar dankte dieser schulischen Leistung und dem Dirigenten durch stilles, andächtiges Zuhören.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.11.1957

 

Sonnabend, 30. November 1957

„Wir stehen in der schwersten geistigen Auseinandersetzung!“

Mahnung des Enkel Theodor Mommsens

Ansprache auf dem Fest des Oldesloe Gymnasiums – Die Russen sind technische Missionare

st. – „Die Frage des Könnens und des Wissens ist zur höchsten Staatsaufgabe geworden, die es für unser Volk überhaupt gibt“, sagte Ernst Wolf Mommsen, ein Enkel des großen Historikers Theodor Mommsen, Vorstandsmitglied der Phoenix-Rheinrohr AG, in seiner Festrede, die er in den „Hansa-Lichtspielen“ anläßlich des Theodor-Mommsen-Festes des Gymnasiums hielt.

In einem aufrüttelnden, anschaulichen Vortrag über „Die Bedeutung der Technik für die politische Entwicklung der westlichen Welt“führte er den technischen Fortschritt der UdSSR in einem Vergleich zum Westen vor Augen. Er bezeichnete es als besorgniserregend, daß in den USA und ganz Westeuropa zusammen jährlich nur 40.000 Ingenieure ausgebildet würden, während es in Rußland 150.000 seien und in Zukunft sogar 200.000 sein würden. Die enorme Entwicklung in der Sowjetunion sei kein Zufall, sondern das Ergebnis härtester geistiger Arbeit und straffster Disziplin auf den russischen Schulen.

„Wir stehen in der schwersten geistigen Auseinandersetzung in der christlichen Zeit.“ Die Sowjetunion exportiere ganze Hochschulen mit Atommeilern und Personal in die unterentwickelten Länder. Das seien die „technischen Missionare der modernen Zeit“.

Sie trügen mit der Technik auch ihre geistigen und politischen Ideen in die neuen Räume. Europa werde bis zum Jahre 2000 auf einen technischen Kolonialstatus absinken, wenn es nicht gelinge, an diese geistige Entwicklung Anschluß zu gewinnen.

Dies müsse für die Schüler, die in nächster Zeit ihren Beruf zu wählen haben, eine Mahnung sein. Nicht Bewunderung des technischen Fortschrittes, sondern Beherrschung muß das Ziel sein. Hier liege eine wesentliche Aufgabe der Schule.

Mit einem Fontane-Zitat schloß der Redner und übernahm mit Oberstudiendirektor Richard Staberock die Verteilung der Theodor-Mommsen-Prämien: Bücher, die Ernst Wolf Mommsen mitverfaßt hatte. Damit ausgezeichnet wurden die Schüler Lichtenberg und Koch (Oberprima) sowie Vogt und Weber (Unterprima).

Zu Beginn der Feier hatte Oberstudiendirektor Staberock die zahlreichen Gäste, unter ihnen Vertreter des Kreises, der Stadt und der Schulbehörde, begrüßt: „Wie alle Schulen haben auch wir einen Feiertag. Er ist mit dem Gedenken an Theodor Mommsen verbunden. Wir fühlen uns nicht nur als Schüler dieses großen geistigen Vorbildes, sondern sind auch stolz, Bürger der Stadt zu sein, in der Theodor Mommsen seine Jugendzeit verbracht hat.“

Als Dank der Schule wurden Ernst Wolf Mommsen zwei Aufnahmen der Grabstätte seiner Urgroßeltern, die sich auf dem Alten Oldesloer Friedhof befindet, überreicht. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgen Schulchor und -orchester unter Leitung von Studienrat Fritz Alshuth.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.12.1957

 

Montag, 2. Dezember 1957

Gymnasiasten spielten Wilders „Unsere kleine Stadt“

Ro. – Zum diesjährigen Fest der Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe hatte es sich eine Schülergruppe, zusammengesetzt aus den Klassen Tertia, Sekunda und Prima, unter der bewährten Regie von Studienrätin Schwindt zur Aufgabe gemacht, mit dem Schauspiel des amerikanischen Dramatikers Thornton Wilder „Unsere kleine Stadt“ ein weiteres Glied in die Kette der bemerkenswerten Schulaufführungen des Oldesloe Gymnasiums einzufügen.

Thornton Wilder leistete durch sein Werk und sein menschliches Vorbild einen Beitrag zum Frieden und nahm erst kürzlich, am 6. Oktober, in der Frankfurter Paulskirche den von deutschen Verlagen gestifteten Friedens- und Literaturpreis entgegen. Er versucht in allen seinen Werken, sich und anderen den Sinn des menschlichen Daseins zu erschließen. Sein Schauspiel „Unsere kleine Stadt“ ist ein Ruhepunkt in Unrast und Flucht und ging gerade in Deutschland weit über einen einfachen Bühnenerfolg hinaus.

Das geruhsame, vom Rhythmus der Natur bestimmte Leben in der amerikanischen Kleinstadt Grovers Corner, Lieben und Heirat, Sterben und Tod, wird von den Schülern, die die Familie des Dr. Gibbs und des Redakteurs Webbs verkörpern, eindringlich dargestellt. In der Gestalt des Spielleiters (Studienassessor Bruno Redöhl) übernimmt der Dichter gleichsam selbst die Aufgabe, den Zuschauer in das abgeschiedene Leben dieser Stadt und seiner Bewohner einzuführen und durchleuchtet, einmal mit scheinbarer Oberflächlichkeit, einmal mit tiefem Ernst, Raum und Zeit der Handlung.

Der Alltag bestimmt das Geschehen in Grovers Corner. Nur vom Hörensagen hat man vom Bürgerkrieg vernommen, und nur in der Sehnsucht der Bewohner existiert die übrige Welt. Aber gerade dieser Alltag ist der Schauplatz, in denen sich die Ideen Wilders, die Symbole eines tiefen Glaubens, am besten einfügen. Die Welt des Menschen mag sich ändern, aber seine Nöte, Sorgen und Ängste bleiben immer die gleichen. Die Tragik des menschlichen Lebens besteht darin, den Alltag zu verkennen. Ohne Zeit für einander zu haben, verbringen wir mit Blindheit geschlagen, die kostbarsten Jahre. Nur einer der Kleinstadt Bewohner, der Organist Simon Stimson (gut dargestellt von Gernot Tromnau), erkennt diese Situation und bricht unter ihr zusammen. „Wir müssen lieben, um zu leben, und leben, um zu lieben.“

Mit voller Absicht wurde das Bühnenbild von Studienrat Schulte so sparsam wie möglich gehalten, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Handlungen und Gespräche der Spieler zu konzentrieren.

Alle Mitwirkenden wußten ihre Rollen wahr und überzeugend zu verkörpern. Herausragend waren die Darsteller der Emily Webb (Heidi Klimitz), Mrs. Gibbs (Renate Hangarter), Mr. Webb (Jochen Becker). Die Aufführung war eine Leistung, auf die das Theodor-Mommsen-Gymnasium stolz sein kann. Den besten Beweis für den Erfolg bildete das aufgeschlossene mit gehende Publikum, das durch den oft bezeugten Beifall für die Wechselwirkung zwischen Parkett und Bühne sorgte.

Anschließend spielte eine Studentenkapelle, bestehend aus ehemaligen Schülern, zum Tanze auf.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.12.1957

 

Montag, 9. Dezember 1957

Wo ist die Neue Stadtschule?

st. – Stadtverordneter Waldemar Schultz kritisierte in der Stadtverordnetensitzung, daß die Volksschule an der Feldstraße den Namen „Neue Stadtschule“ erhalten habe. Die Bevölkerung werde an den überlieferten Namen für die Alte und die Neue Stadtschule an der Königstraße festhalten. Der Stadtverordnete setzte sich dafür ein, die neue Volksschule nach dem Schöpfer der Selbstverwaltung, Freiherr vom Stein, zu benennen, blieb aber allein mit diesem Vorschlag.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.12.1957

 

Dienstag, 17. Dezember 1957

Die Meinung des Lesers

Ein Name statt eines Wortes!

Sollen wir der dritten Oldesloer Volksschule ein Wort oder einen Namen geben? Der Kulturausschuß der Stadt hat sich mit dieser Frage beschäftigt und mit Mehrheit entschieden, daß die dritte Volksschule unserer Stadt „Neue“ Stadtschule für alle Zeit heißen soll. Jedermann weiß, alt und neu sind nicht nur zwei Worte, sondern auch zwei Begriffe, die grundverschieden etwas aussagen. Mir scheint, die Beratenden haben sich die Namensgebung leicht gemacht, leicht gemacht deswegen vielleicht, weil ein Bäckerdutzend von Namen von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurde und die Wahl schwer fiel.

Es ist selbstverständlich, daß die dritte Volksschule neu ist. Ein alter Begriff ist, daß beide Schulen in der Stadtmitte die „alte“ und „neue“ Stadtschule seit 20 Jahren genannt werden. Sicher ist: diese zum Begriff gewordenen Bezeichnungen werden auch weiterhin in der Bevölkerung lebendig bleiben, auch dann, wenn nur ein Rektor beide Schulen leiten wird. Ich meine, daß beide Worte, alt und neu, nur für zwei und nicht für drei Schulen verwandt werden können, zumal alle drei Gebäude in sich selbständig sind.

Warum soll eine Volksschule keinen Namen tragen, der etwas aussagt, mehr aussagt als alt oder neu? Mein Vorschlag ist – ich habe es in der letzten Stadtverordnetensitzung noch einmal angesprochen –, diese Schule nach dem Freiherrn vom Stein „vom-Stein-Schule“ zu nennen. Ich habe dabei nicht gedacht, einer Volksschule solle nun ein adeliger Titel verliehen werden, sondern meine Überlegungen waren:

  1. Die Fertigstellung fällt zeitlich mit dem 200. Geburtstag des Freiherrn vom Stein zusammen.
  2. Freiherr vom Stein ist als Vater der Demokratie in Deutschland zu bezeichnen; er legte den Grund zum System der Selbstverwaltung als Ausdruck und Erweckung staatsbürgerlichen Gemeinschaftsgeistes.

Diese Dinge zu wissen sind wichtig. Die Selbstverwaltung bröckelt ab, wenn nicht stetig daran gearbeitet, ja, nicht darum gerungen wird, wenn man sich nicht mehr an die Anfangsgründe zu erinnern vermag. Immer werden Menschen benötigt, die sich aufgeschlossen in der Selbstverwaltung betätigen, sich für die Gemeinschaft und deren Wohl einsetzen. Und das sollte gefördert werden, wo immer es möglich ist; auch durch Namensgebung einer Volksschule. Der Lehrkörper der Schule wird sich des Namens bewußt sein, und es wird zumindest einmal im Jahr darüber gesprochen werden. Jedes Kind, das diese Schule verläßt, sei es zur Mittelschule, zur Oberschule oder am Ende der Schulzeit, wird wissen, daß es in der „vom-Stein-Schule“ war, und es wird auch wissen, wer dieser Mann war, was ihm vorgeschwebt und was er geleistet hat.

Dieser Gewinn, so denke ich, ist höher zu bewerten, als wenn alle Kinder aus der „neuen“ (zweiten neuen) Stadtschule entlassen werden, was ohnehin seit 20 Jahren der Fall ist. Mit geht es darum, das geistlose, alltägliche Wort „neu“ durch ein besseres zu ersetzen; denn es geht hier nicht um einen Anzug oder Laden, sondern um eine Bildungsstätte, unserer Kinder, unserer Jugend.

Waldemar Schultz.

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.12.1957

 

Montag, 30. Dezember 1957

Nachruf

Am 27. Dezember 1957 verschied nach kurzer Krankheit, für uns unerwartet, die Lehrerin Fräulein Helga Zastrow im 31. Lebensjahr.

Tief bewegt nehmen wir Abschied von der Entschlafenen, die uns in vorbildlicher Pflichterfüllung und aufopfernder Liebe zu den ihr anvertrauten Kindern eine hervorragende Mitarbeiterin war. Wir verlieren eine liebe Kollegin. Sie wird uns unvergessen bleiben.

Das Kollegium der Alten Stadtschule.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.12.1957

 

Dienstag, 31. Dezember 1957

Schulleiter Rehkopf schreibt aus Südwest

Film von Oldesloe in Afrika

Neger sind selten – Sehnsucht nach deutschem Nieselregen

st. – „Was gibt es Neues aus der Kreisstadt?“ So fragt Fritz Rehkopf immer wieder in seinen Briefen an seine Oldesloer Kollegen und ehemaligen Schüler. Seit dem Frühjahr 1956 ist er als Schulleiter in Karibib (Südwestafrika) tätig.

Fritz Rehkopf unterrichtet die Kinder deutscher Farmer, die größtenteils noch nicht in Deutschland gewesen sind; daher galt ein Film über Bad Oldesloe als besondere Attraktion. Ein Film über das Leben in einer deutschen Stadt, den der Lehrer eigens vor seiner Abreise in der Kreisstadt gedreht hatte, wurde in verschiedenen afrikanischen Dörfern gezeigt. Und so schreibt Fritz Rehkopf „Ich langweile mich nie: es gibt hier derart viel zu tun, daß

ein doppelt so großes Arbeitspensum, wie ich es in Bad Oldesloe hatte, noch nicht einmal ausreicht.“

In gemeinsamer Arbeit mit den Schülern bringt er jeden Monat eine Zeitung heraus. Sie heißt „Sonnenspiegel“ und enthält jeweils die schulischen Ereignisse von vier Wochen, zum Beispiel die Berichte über den April-Ausflug, über ein Schachtfest im Juli (dort Winter) oder über die größte Veranstaltung: den Basar. Der Basar ist gleichzustellen mit einem Volksfest. Neger allerdings sind nur sehr wenige in Karibib. „Ich habe einen Boy namens Andonio, der für meine Frau die Stuben sauber macht und abwäscht. Er ist vom Stamme der Ovambos. Unsere Waschfrau ist ein Herero-Weib mit langem bunten Kleid und Kopftuch.“

Fritz Rehkopf, der bei den Oldesloer Lehrern als Technikus galt, hat in einen Volkswagen-Bus zwei Betten eingebaut und gemeinsam mit seiner Frau ein Stückchen Afrika befahren. „Ich fuhr über 7000 Kilometer und hatte keine Panne.“ Neben der Etoscha-Pfanne und dem Bergbaugebiet in Tsumeb gehört der afrikanische Wildpark wohl zu den eindrucksvollsten Erlebnissen seines Trips. „Nach ein oder zwei Tagen solcher Erlebnisse beginnt man seine vorgefaßten Meinungen über die wilden Tiere Afrikas zu revidieren. Was man vorher den Legenden der Afrikaforscher, den Verfassern von Abenteuerromanen und den Filmstars auf großer Safari zum Opfer gefallen, so beobachtet man plötzlich im Naturpark Tiere, die gar nicht auf Menschen reagieren, sondern nur aufeinander und auf ihren Lebenskreis: den Busch. Olifante is gevaarlik. Pas op! (Elefanten sind gefährlich, Vorsicht!).

Bei einer Hitze von 40 Grad im Schatten unterrichtet der Lehrer. „Die Regenzeit war in diesem Jahr wieder recht gut, so daß die Farmer wohl zufrieden sein können. Sie glauben nicht, was für eine wunderbare Erfrischung so ein Guß ist. Oft wünsche ich mir einen echten Oldesloer Nieseltag.“

Kein Drill in Karibib

Und über die Schule selbst: „Die Fortentwicklung unserer Schule drückt sich vor allem in den Veränderungen der inneren Struktur aus. Durch die Umstellung auf den neuen Kaplehrplan, der schon viele Kenntnisse der modernen Erziehungswissenschaft berücksichtigt, war und ist eine völlige Umstellung des gesamten Unterrichtsverfahrens vom Drill-Unterricht auf den Arbeits-Unterricht, von der Bildung des Intellekts zur Bildung der Gesamtpersönlichkeit notwendig geworden.“

Seine Lehrerkollegen stehen gern mit Fritz Rehkopf im Briefwechsel, um mit ihm über schulische Fragen zu diskutieren.

Zu einer ständigen Verbindung zwischen Karibib und der Kreisstadt trägt nicht zuletzt der Briefverkehr zwischen der afrikanischen Schule und einer Oldesloer Mittelschulklasse bei. Demnächst wird Fritz Rehkopf einen seiner farbigen Afrikafilme nach Bad Oldesloe senden, der von Interessenten schon mit Spannung erwartet wird.

STORMARNER TAGEBLATT vom 31.12.1957

 

Bis zum Jahr 1960