17.10.1994
Wie geht es weiter beim SC Union Oldesloe?

Nach dem Rücktritt des zuletzt umstrittenen ersten Vorsitzenden Harald Ringel - mit ihm ging auch Kassenwart Ernst Ratsch - lauft die Suche nach einem Nachfolger auf vollen Touren. Der Vorstand (derzeit führt Ringels Stellvertreter Horst Beth die Geschäfte) beschloss die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Arn Donnerstag, 3. November, soll im Vereinsheim ein neuer Präsident gewählt werden.

Bislang einziger Kandidat ist Detlef Rädisch. Er stellte in der vergangenen Woche bereits sein Konzept vor und will sich - sofern er vorgeschlagen wird - zur Wahl stellen. Einschränkung, "Ich mache es nur, wenn ich ein eindeutiges Votum von den Mitgliedern bekomme", sagte Rädisch. Es ist wahrscheinlich, dass sich bis zum 3. November weitere Bewerber für das Amt melden werden, Namen wurden nach nicht genannt.

Definitiv nicht zur Verfügung steht Horst Beth. Der zweite Vorsitzende hatte zunächst ebenfalls seinen Rückzug erwogen, will jetzt aber doch im Vorstand mitarbeiten. "Alles muss vom Tisch, wir müssen klar Schiff machen," so Beth, wir wollen hier im Verein in Ruhe Fußball spielen."

Kandidat Rädisch will klare Strukturen schaffen. Dazu gehört auch, daß in der stärksten Mannschaft die stärksten Spieler antreten", sagte er. Auch die Trainerfrage soll nach der Entlassung von Uwe Marschalkowski (Rädisch: Wir streben eine Versöhnung mit ihm an.") entschieden werden. Heinz Borrek und Sebahattin Serbest leiten das Training der Ligamannschaft nur übergangsweise.

Rädisch will eng mit Matthias Bruszies zusammenarbeiten. Er wird in sportlichen Bereich die Hauptunterstützung leisten', kündigte der Bewerber an. Die Schwerpunkte liegen im Wirtschaftlichen: Zunächst soll der Bestand geprüft sowie etwaige Verbindlichkeiten und Außenstände ermittelt werden. "Momentan ist keiner da, der einen genauen Überblick über die Finanzen hat" so Rädisch.

Nach den Querelen (wachsende Kritik an Ringels Arbeit, Ligaspieler drohten damit, den Klub zu verlassen) steht der Wunsch nach Ruhe im Verein und nach Einigung der zerstrittenen Lager im Vordergrund. Hier sind viele Gerüchte aufgekommen und viel hintenherum geredet, so Horst Beth, damit muss Schluss sein. Etliche Sachen müseen in Ruhe geklärt werden, damit der Weg für einen Neuanfang frei ist."

Sollte Detlef Rädisch gewählt werden, setzt er auf die Unterstützung der "alten Unioner". "Ich will auf keinen Fall alles umschmeißen und verändern", betonte er.

Wenn ein neuer Präsident gefunden ist, soll es Gespräche mit den Footballern der Stormarn Vikings geben. Dass Team aus Großhansdorf hatte in Ermangelung eines Rasenplatzes bislang das Kurparkstadion für seine Heimspiele genutzt. Die Footballer hatten nach dem Rücktritt Ringels befürchtet, sich künftig eine andere Spielstätte suchen zu müssen.

Stormarner Tageblatt vom 5.11.1994



Klares Votum für Helmut Boje
SC Union hat neuen Vorsitzenden/Finanzen weiter unklar

Der SC Union Oldesloe hat einen neuen Vereins-Vorsitzenden: Mit 78 Stimmen setzte sich in einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung Helmut Boje über den zweiten Kandidaten Detlef Rädisch durch, auf den 26 Stimmen entfielen. Ohne Gegenstimmen wurde Anke Röpke zur Kassenwartin bestimmt.

Die Vorgeschichte: Seit dem 10. Oktober ist der Oldesloer Fußball-Verein ohne Vorsitz, nachdem Harald Ringel sein Amt nach zehn Jahren hingeworfen hatte. Seither kursieren, so wurde in der Versammlung laut, vermehrt Gerüchte über schlechte Finanzwirtschaft und Schulden. Höhepunkt: Wegen einer unbezahlten Rechnung hatten im Sommer die Stadtwerke den Strom abgestellt: In den Kabinen ging für die Kicker das Licht aus, die Duschen blieb eiskalt.

So war es nicht weiter verwunderlich, dass Ringel von den Mitgliedern um Aufklärung über die Finanzsituation des Klubs gebeten wurde. Doch der ehemalige Vorsitzende hatte weder die Bücher fertig, noch eine Aufstellung der Zahlen parat: "Ihr wisst, ich bin seit dem 10.10. zurückgetreten und habe Euch alles Gute gewünscht - mehr habe ich dem nicht hinzufügen." Auch der zweite Vorsitzende Horst Beth konnte die Mitglieder nicht informieren.

"Ich habe überhaupt keine Ahnung", musste er gestehen. Schulden, das räumte Ringel im Versammlungs-Verlauf ein, gäbe es. Doch über die Höhe hüllte er sich ebenso in Schweigen wie über deren Zusammensetzung.

Der alte Vorstand wurde aus diesen Gründen nicht von den Mitgliedern entlastet. Dennoch mußte ein neuer her, denn auch Schatzmeister Ernst Ratsch hatte sein Amt geworfen - nachdem er aus eigener Tasche die offene Stromrechnung von mehr als viertausend Mark beglichen hatte.

Zwei Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden stellten sich der Wahl der lO9 Mitglieder: Der langjährige Jugend-Trainer Helmut Boje und Detlef Rädisch, dessen Bewerbung vor allem von Matthias Bruszies gefördert wurde. Die Allianz der beiden hatte allerdings einen pikanten Aspekt: Nur für den Fall, dass Rädisch zum Vorsitzenden gewählt würde, wäre der oberligaerfahrene Bruszies bereit, als Spielertrainer ohne extra Entlohnung in dem Bezirksklassen-Team aufzulaufen. Nach der Wahl von Boje ist sein Engagement im Unioner Trikot hinfällig: Bruszies wird ab kommender Woche für den Oberligisten Barsbütteler SV auflaufen.

Ahrensburger Zeitung vom 7.11.1994



"Bruszies als Druckmittel das war unfair"
Helmut Boje ist der neue Vorsitzende des SC Union Oldesloe

"Holsten knallt am dollsten" - nach diesem Motto scheint in der jüngsten Vergangenheit beim SC Union Oldesloe die Vereinspolitik gemacht worden zu sein. So standen die Fußballer kürzlich im Dunkeln auf dem Rasen. Weil die Stromrechnung nach mehrfachen Mahnungen nicht bezahlt worden war, hatte die Schleswag den Sportlern kurzerhand den "Saft" abgestellt. Dieser Vorfall stellt offenbar nur die Spitze des Schuldenbergs dar, der den Verein drückt.

Kräftig geknallt hat es jetzt bei der Jahreshauptversammlung. Nach dem Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden Harald Ringel drängte sich knapp die Hälfte der 260 Vereinsmitglieder im kleinen Klubhaus, um zu erfahren: "wie es um die Finanzen bestellt ist" und um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Nach erhitzten, dreistündigen Diskussionen bestimmten die die Stimmberechtigten Helmut Boje in geheimer Wahl zu ihrem neuen Vorsitzenden. Der gelernte Stahlbauschlosser erhielt 78 Stimmen und hatte damit einen klaren Vorsprung vor seinem Gegenkandidaten Detlef Rädisch (26 Stimmen). Helmut Boje, bis vor zwei Jahren im Vorstand als zweiter Vorsitzender tätig, fehlte es im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Rädisch nicht am nötigen Stallgeruch", der 53jährige gehörte bereits bei der Fusion von Postsportverein und ATSV zu den Gründungsmitgliedern des SC Union Oldesloe.

Kandidat Rädisch hingegen war erst am 27. Juli 1994 dem SC Union beigetreten. Selbst die unverhohlene Drohung, daß sein Busenfreund Matthias Bruszies (zuletzt TuS Hoisdorf) nur dann für den SC Union in der Bezirksklasse antreten würde, wenn Rädisch zum Vereinsvorsitzenden gewählt wird, fruchtete nichts. Das Gespann Bruszies/Rädisch hatte die Wahlschlappe offenbar einkalkuliert: Der oberligaerfahrene Angreifer Bruszies hatte schon vor der Jahreshauptversammlung Kontakt mit dem Barsbüttler SV aufgenommen. "Wenn ich nicht gewählt werde" behauptete Rädisch forsch, "dann wird Matthias schon am Sonnabend für Barsbüttel spielen." Daraus wurde allerdings nichts. "Es gibt Kontakte, aber spruchreif ist überhaupt nichts', kommentierte Barsbüttels Trainer Bert Ehm die Angelegenheit sichtlich ungehalten über die Indiskretion.



Der geplante Vereinswechsel von Bruszies, der nach Ablauf seiner Wechselsperre nun für den SC Union spielberechtigt wäre, könnte sich allerdings kompliziert gestalten. "Der Spielerpass liegt jetzt bei uns. Und wir werden uns erst einmal stur stellen. Bruszies als Druckmittel für die Vorsitzendenwahl - das war nicht fair", sagte der neue Vorsitzende Boje.

Bojes Hauptsorge gilt allerdings den Finanzen. Zusammen mit der neugewählten Schatzmeisterin Anke Röpke will sich der neue Vorsitzende in den nächsten Tagen eine komplette Übersicht über die Verbindlichkeiten des SC Union verschaffen. Der Versammlung gelang es nur ansatzweise. Licht ins Halbdunkel der desolaten Finanzlage zu bringen. So bestätigte der Ex-Vorsitzende Ringel, bei dem zuletzt sämtliche Fäden zusammengelaufen waren, daß erhebliche Verbindlichkeiten beständen. Vereinsmitglieder berichteten von 12 500 Mark Schulden, mit denen das in Eigenregie bewirtschaftete Klubhaus beim Getränkehandel in der Kreide stehe. Eine Steuerschuld in ähnlicher Höhe komme demnächst ebenfalls auf den SC Union zu. Zudem soll der im April zurückgetretene Schatzmeister Ernst Ratsch die offene Stromrechnung in Höhe von rund 4500 Mark aus eigener Tasche vorgestreckt haben...

Den Verbindlichkeiten stehen offenbar auch erhebliche Außenstände in Form von nicht bezahlen Vereinsbeiträgen und Getränkeschulden gegenüber. "Was ist denn aus unseren Beiträgen geworden', fragte nicht nur ein Mitglied vergebens. Genaue Zahlen konnte weder Harald Ringel noch der zweite Vorsitzende Horst Beth vorlegen - die Buchführung ist noch nicht soweit.

Obwohl Harald Ringel im überfüllten Klubheim neben unbequemen Fragen viel Kritik einstecken musste, blieb der Umgang mit dem Mann, der zehn Jahre lang die Geschicke des Traditionsvereins geleitet hatte und dem sie zuletzt offenbar aus den Händen geglitten waren, stets fair. Eine Spur von Selbstkritik behielten selbst die wenigen Mitglieder, die sich nicht mehr ganz nüchtern zu Wort meldeten. Wir waren ja schließlich froh, dass wir Harald hatten. Und wir haben ihn schalten und walten lassen", räumte ein Spieler offen ein.