Kreisfußballverband Stormarn

Die Spielzeit 1962/63

 

Sonntag, 1. Juli 1962
Schleswig-Holsteins hartes Nein zur Einführung der Bundesliga!

Aber auch die Schleswiger und Lübecker Anträge zum Paragraph 179 wurden abgelehnt. Ehrung für Heinrich Steenbock (Kiel). Alle Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Späte „Rehabilitierung“ für LBV Phönix. Kurt Hinz übernahm Verbandsspielausschuß.

Schleswig-Holsteins Fußball bleibt „Außenseiter im Konzert des DFB“: Der Verbandstag in Kiel lehnte erneut zwei Anträge von Schleswig 06 und vom Bezirk Lübeck ab, wonach den Reservemannschaften eine Möglichkeit des Aufstiegs gegeben werden sollte. Während der Antrag von Schleswig 06 statt der für die Zweidrittelmehrheit erforderlichen 841 nur 696 Ja-Stimmen fand, wurde ein Antrag des Bezirks Lübeck, den Bezirken eine solche Regelung zu überlassen, bei 834 erforderlichen Stimmen mit nur 790 Ja-Stimmen und 415 Nein-Stimmen abgelehnt. Schleswig-Holstein gehört damit weiterhin zu den drei von 21 Landesverbänden, die eine solche Aufstiegsmöglichkeit für Reservemannschaft nicht gestatten! Ein Antrag des VfB Kiel, durch einen Verbandstagsbeschluß zu einem Entscheidungsspiel gegen TuS Holtenau um den Verbleib in der 1. Amateurliga zu kommen, wurde abgelehnt. Der Verbandstag lehnte im übrigen die Einführung der Bundesliga ab, nachdem Schleswig-Holsteins Oberligavereine sich mehr oder minder eindeutig gegen die Schaffung dieser neuen Spielklasse ausgesprochen hatten.

Dr. Curt Waßmund begrüßte als Vorsitzender des Verbandes eine Reihe von Ehrengästen, unter denen sich aus dem Landtag die Abgeordneten Fischer (SPD), Herbst (FDP) und Köberle (CDU) sowie von der Stadt Kiel den Sportdezernenten Stadtrat Lüthjens.

Nach der Totenehrung trat der Verbandstag in die Tagesordnung ein. Über den Jahresbericht des 1. Vorsitzenden hinaus befaßte Dr. Waßmund sich mit dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft in Chile. Sie habe in sportlicher Auffassung das geleistet, was sie erreichen könnte. „Haben wir uns aber alle die Frage gestellt, ob der Sport noch in der Lage ist, seinen Sinn zu erfüllen und Leib und Seele gesund zu halten?“ fragte der Mediziner Dr. Waßmund kritisch. Er wies auf Haltungsschäden, auf zunehmende Herz- und Kreislaufstörungen hin und forderte, daß der Sport nicht dem einzelnen überlassen werden solle, sondern daß die Aktivität aller Institutionen verstärkt werden müsse.

Dr. Waßmund erinnerte dann an die Zeit der letzten zehn Jahre, an den sogenannten „Knall von Itzehoe“. Seit dieser Zeit sei mit ordnender Hand in Schleswig-Holstein sehr viel erreicht worden. Im Anschluß daran wurden die Berichte des Vorstandes zur Diskussion gestellt. Zum Bericht des Schiedsrichterausschusses nahm der NFV-Dezernent XY????? Holstein Stellung, soweit es darum ging, ob Vereinen mit eigenen Plätzen die Möglichkeit zu geben ist, von sich aus die Plätze für nicht spielfähig zu erklären, wie es SHFV-Schiedsrichterobmann XY????? Czekalla zur Diskussion stellen wollte. Czekalla nahm dazu Stellung: er habe diese Frage lediglich anschneiden wollen. Der Schiedsrichter sei nämlich überfordert, wenn man ihm außer der Frage nach der Gesundheit der Spieler auch noch die Verantwortung für die Erhaltung der vereinseigenen Plätze aufbürden wolle. Die Vereine sollen, wie Dr. Waßmund abschließend meinte, sich Gedanken darüber machen, welche Regelung man treffen solle. Kassenprüfer Feddern (Lübeck) beantragte dann die einstimmig vorgenommene Entlastung des Schatzmeisters.

Dr. Waßmund nahm anschließend die Ehrungen vor. Er beglückwünschte den Heider SV, der den schleswig-holsteinischen Fußball in würdiger Weise vertreten habe. Der Pokalmeister - SV Friedrichsort oder Holstein Kiel - wurde nicht ermittelt, weil diese Mannschaften zweimal unentschieden gegeneinander spielten. Viel Beifall gab es für den erfolgreichen Verteidiger der Jungmannen-Landesmeisterschaft, Polizei Kiel, und für den Kreisfußballverband Dithmarschen, der den Wettbewerb der Auswahlmannschaften der Jungmannen und damit auch den Pokal des Landtagspräsidenten erkämpfte. Beifall gab es ebenfalls für den Aufsteiger zur Oberliga, den VfB Lübeck.

Die Ehrenplakette des DFB wurde verliehen an die Vereine TSV Lütjenburg, Comet Kiel und TSV Mölln sowie SV Pönitz für ihre 50jährige Tätigkeit im Fußball.

Mit ehrenden Worten verlieh Dr. Waßmund dann unter dem Beifall des Plenums die goldene Ehrennadel des Fußballverbandes an den Kieler Fußballpionier Rudolf Grabs (Kilia), an den Jahrzehnte als Schiedsrichter tätigen Eckernförder Hugo Kurth und an Gustav Scharlemann (Kilia), der sich über Schleswig-Holstein hinaus Verdienste um den Fußball erworben habe. Die goldene Ehrennadel erhielt ebenfalls „Jule“ Schulz (Lübeck), der als aktiver Spieler bei Altona 93 bereits Verdienste erwarb und auch in der Verwaltung weiterhin ehrenamtlich tätig war und heute noch ist.

Unter dem Beifall des gesamten Hauses überreichte Dr. Waßmund dann Heinrich Steenbock (Kiel) die goldene Ehrennadel des Verbandes. Er habe zehn Jahre, so sagte Dr. Waßmund, das schwierigste Amt im Fußballverband gewissenhaft ausgefüllt. Es werde so sein, wie Dr. Waßmund erklärte, daß, wenn die Geschichte Schleswig-Holsteins geschrieben werden würde, die zehn Jahre Tätigkeit von Heinrich Steenbock im Fußballverband in goldenen Lettern eingetragen werden müßte.

Mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet wurden im Laufe des Geschäftsjahres: Fritz Clausen (VfB Nordmark Flensburg), Helmut Glaus (TuS Dänischburg), Gustav Süchting (TuS Dänischburg), Hermann Mahn (Neumünster 05), Georg Meister (VfB Nordmark), Ewald Käselau (Lübeck 76), Otto Poser (VfR Horst), Heinrich Raub (TSV Kappeln), Arno Schön (TSV Lensahn), Heinrich Vollertsen (SIF Schleswig). Die silberne Schiedsrichter-Ehrennadel erhielten: Kurt Bieber (Heide), Herbert Dittmann (SVG Lübeck), Fritz Gulinski (UT Kiel), Herbert Imkamp (VfL Kellinghusen), Hermann Wölk (Eckernförder SV).

Bereits um 11 Uhr (!) begann der Verbandstag mit den notwendigen Ergänzungswahlen. 2. Vorsitzender blieb bei einigen Stimmenthaltungen Walter Ohm (Neumünster). Einstimmig gewählt oder wiedergewählt wurden: Dr. Hans-Georg Skambraks (Niebüll) als Presse- und Werbewart, Peter Tietz (Lübeck) als Beisitzer sowie Georg Czekalla als Schiedsrichterobmann. Kurt Hinz (Kiel) wurde als Spielausschußobmann neu gewählt. Beisitzer des Spielausschusses wurden Gerd Schuhmacher (Neumünster), Rudolf Kurzke (Flensburg), Herbert Imkamp (Kellinghusen), Paul Schumacher (Lübeck).

Als erster der vorliegenden Anträge stellte der Verbandsgerichtsvorsitzende Kurt Siewers den § 185 zur Debatte, der sich mit den Entscheidungsspielen bei Auf- und Abstiegen beschäftigt. Phönix-Vorsitzender Erich Baumann stellte dazu fest, daß sich die Phönix-Meinung durchgesetzt hat, wonach Punkte, die wegen Mitwirkung nicht spielberechtigter Spieler einem Verein zugefallen sind, nicht als kampflos erworbene Punkte angesehen werden könnten. Der Verbandstag billigte einstimmig diesen Satzungsänderungsantrag, der - wenn er im Vorjahre bereits in Kraft gewesen wäre - dem LBV Phönix die Teilnahme an der Oberliga-Aufstiegsrunde ohne Entscheidungsspiel gegen Schleswig 06 ermöglicht hätte.

Der traditionsgemäß vorliegende Antrag über die Aufstiegsmöglichkeiten der Reservemannschaften bis zur 2. Amateurliga wurde vom Schleswiger 06-Vorsitzenden Georg Abel begründet. Der Heider Vehrs wandte sich leidenschaftlich gegen die Befürchtung, kleinere Vereine würden seinen solchen Aderlaß haben, wie das bei Annahme einer Änderung der Fall sein könnte. Auch VfB-Vorsitzender Fingerle (Lübeck) appellierte an den Verbandstag, einmal den Mut zu einer Entscheidung nach vorn zu haben. Dagegen sprach Werner Müller (Borussia Kiel). Es gehe, so meinte Müller, darum, der 1. Amateurliga das erforderliche Spielerreservoir zu beschaffen; weil elf bis 13 Spieler bei dem steigenden Anspruch nicht ausreichten. Er warf den Vereinen vor, sich aus den verbleibenden 376 Vereinen Schleswig-Holsteins die Rosinen herauspicken zu wollen und meinte, daß die Amateurliga-Vereine nicht einmal ihre eigenen Spieler aus dem Nachwuchs einsetzen würden!

Auch Dr. Waßmund sprach sich für eine Änderung des § 179 aus. Von den 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes hätten bereits 18 die angestrebte Lösung. Man sollte die sportliche Seite an die erste Stelle setzen, zumal Statistiken klar erkennen ließen, daß weniger Spieler von kleinen zu großen Vereinen gingen, als es umgekehrt der Fall sei.

Als Vorsitzender eines Landkreises sprach sich Erwin Gesche (Reinfeld) leidenschaftlich für eine Änderung des umstrittenen Paragraphen aus, nachdem vierjährige Erfahrungen in seinem eigenen Kreis alle befürchteten Schwierigkeiten in den Wind gesetzt hätten. Abel erklärt zu seinem Antrag abschließend, es gehe ihm darum, den eigenen Nachwuchs zu schützen, damit ihnen im eigenen Verein eine gleichwertige Chance geboten werden könne. Die Erfahrungen auf Kreisebene hätten gezeigt, daß die Befürchtungen der Vereine, Spieler zu verlieren, überflüssig seien. Abel bestritt, daß die kleinen Vereine dagegen seien, denn aus seinem eigenen Kreis hätte man ihn, den Verfasser des Antrages, mit 42 Stimmen anderer Vereine beauftragt. Nachdem Schleswig 06 angeboten hatte, an eventuellen Aufstiegsspielen zur 2. Amateurliga keine Spieler einzusetzen, die in der Frühjahrsrunde in der ersten Mannschaft mitwirkten, lehnte das Plenum den Antrag von Schleswig 06 ab. Von den für eine Zweidrittelmehrheit erforderlichen 841 Stimmen gab es nur 696 Stimmen für den Antrag. 68 Stimmen waren ungültig, außerdem stimmten 563 mit nein und zwei enthielten sich der Stimme. Damit ergibt sich das Kuriosum, daß eine Minderheit künftig das verhindert, was die Mehrheit will.

Nach dem Mittagessen stand der Antrag des Bezirks Lübeck zur Debatte, nachdem es den Bezirken überlassen wird, den Reservemannschaften die Aufstiegsmöglichkeiten zu bieten. Spielausschußobmann Schumacher und Bezirksvorsitzender Tietz setzten sich leidenschaftlich dafür ein, daß man den Bezirken die Chance gibt, diese Regelung einzuführen, um Erfahrungen zu sammeln. Dieser Antrag wurde jedoch ebenfalls abgelehnt, weil sich von den 834 notwendigen Stimmen nur 790 für den Lübecker Antrag aussprachen. Es fehlten damit an einer solchen Lösung ganze 44 Stimmen.

Der VfB Kiel hatte einen Dringlichkeitsantrag eingereicht, nach dem ein Entscheidungsspiel zwischen dem VfB Kiel und TuS Holtenau um den Verbleib in der 1. Amateurliga doch noch angesetzt werden sollte. Der VfB kritisierte, daß er durch eine nach seiner Meinung nicht gerechtfertigte Entscheidung des Verbandsvorstandes absteigen mußte. In der Debatte gab es über Rechtsfragen ein Streitgespräch zwischen Juristen, als vier Rechtsanwälte über die Berechtigung des VfB-Antrages gegensätzliche Auffassungen vortrugen. Schließlich lehnte der Verbandstag den Antrag mit 256 Ja- und 936 Nein-Stimmen ab.

Eine Änderung des § 184, die mit großer Mehrheit beschlossen wurde, hat zur Folge, daß künftig eine einfache Punktrunde angesetzt werden muß, wenn mehrere Vereine punktgleich sind und zwischen ihnen der oder die Absteiger ermittelt werden müssen.

Der nächste Verbandstag des Fußballverbandes soll in dem neuen Husumer „Parkhotel Thordsen“ stattfinden. Dr. Waßmund sagte zu, eine einheitliche Klärung über die Durchführung sportlicher Wettkämpfe während der kommenden Schluckimpfung herbeizuführen.

Zum Thema Bundesliga nahm der Verbandstag ebenfalls Stellung. Dr. Waßmund sprach sich dabei für eine verstärkte Breitenarbeit an Stelle von Bemühungen um eine verstärkte Spitze aus. „Wir sollten den nachdrängenden jungen Kräften mehr Raum geben!“ Abwanderungen der Spieler ins Ausland seien durch die Bundesliga nicht zu vermeiden. Dies sei nur durch die Einführung des Vollprofitums möglich. Dr. Waßmund rechnet im übrigen nicht damit, daß die Bundesliga in der vorgesehenen Form eingeführt wird!

Rechtsanwalt Happ (Holstein Kiel) meinte als Vorsitzender eines Oberligavereins, daß beim Einsatz von etwa 200 Bundesligaspielern eine Verbesserung des Spielniveaus nicht zu erreichen sei, weil die bisherigen Spitzenspieler der nachfolgenden Vertragsligisten sich mit ihren bisherigen Kameraden nicht mehr messen könnten. Scharf sprach Happ sich gegen den Einsatz von Horst Szymaniak in der deutschen Nationalmannschaft aus. Abgewanderte Spieler hätten in der Nationalelf nichts zu suchen! Aus der Sicht des Vereins sei zusagen, daß jährlich 420000 DM eingespielt werden müßte, um die Bundesliga überhaupt zu finanzieren. Happ bezweifelte, daß eine Bundesliga eine relativ größere Zugkraft ausüben würde als die jetzigen Vertragsligaspiele. Hinzu käme, daß die nicht in die Bundesliga kommenden Vereine zweitklassig werden würden. Eine Notwendigkeit zur Bundesliga liege nicht vor! Nachdem sich niemand positiv zum Problem Bundesliga einsetzte, entnahm Dr. Waßmund daraus, daß Schleswig-Holstein gegen die Einführung der vorgesehenen Bundesliga ist.

SPM

 

Samstag, 7. Juli 1962
Amateurliga-Start am 5. Aug.

Noch mehr Samstagsspiele. Wieder wurde die Reserverunde „abgewürgt“! Hinz gab Debüt als Vorsitzender. Der Startschuß der schleswig-holsteinischen Amateurliga-Saison 1962/63 fällt schon am 5. Aug. mit der Paarung TuS Holtenau gegen Kilia Kiel! Das volle Programm wird allerdings erst eine Woche später, am 11./12. Aug., über die Bühne gehen. Das beschloß der Spielausschuß in Malente bei der Zusammenkunft mit den Vertretern der 16 Amateurliga-Vereine. Der neue Spielausschußobmann Kurt Hinz sorgte gleich für „frischen Wind“, und in der zweieinhalbstündigen Tagung bewies er, daß mit Ruhe und Übersicht viel erreicht werden kann. Bedauerlich, daß die Einführung einer Pflicht-Reserverunde erneut abgelehnt wurde. Aus sportlicher Sicht bestanden gegen die Einführung wenig Einwände, aber das Projekt scheiterte dann (wie oft eigentlich schon?) aus finanziellen Gründen.

Der neue Spielausschußobmann Kurt Hinz bedankte sich noch einmal beim scheidenden Heinrich Steenbock für die geleistete Arbeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zusammenarbeit zwischen ihm und den Vereinen genauso gut werden möge, wie sie zwischen Heinrich Steenbock und den Amateurliga-Klubs gewesen sei. Die 16 Vereine überreichten Heinrich Steenbock zum Abschied gemeinsam eine große Plakette, die zwei im Kampf um den Ball befindliche Spieler zeigt.

Verbandstrainer Klaus-Peter Kirchrath nahm als erster das Wort und gab sein Bedauern darüber Ausdruck, daß der leidige § 179 (er verbietet den Reservemannschaften der Amateurliga-Vereine den Aufstieg bis in die Bezirksliga) immer noch nicht zum Vorteil des Leistungssports geändert worden ist. Er machte den Vorschlag, durch die Errichtung einer sogenannten Jungliga den aus den Jungmannen in die Senioren kommenden Spielern Gelegenheit zu geben, nach echtem Leistungsprinzip zu spielen, wenn sie nicht in der Ligamannschaft ihres Vereins eingesetzt werden können. Der Verbandstrainer bat, diese Anregung mitzunehmen und dann bei Annahme des Vorschlags auf Kreisebene mit der Neueinführung zu beginnen.

Ferner machte Kirchrath die Anwesenden mit seinem Programm, das wie immer aus Lehrgängen und Auswahlspielen besteht, bekannt. Am 29. Juli bestreitet die Landesauswahl in Itzehoe ein Freundschaftsspiel gegen Hessen. Kirchrath bat die Vereinsvertreter, ihn durch das Abstellen von Spielern bei seiner Arbeit behilflich zu sein.

Bei der Diskussion über den neuen Spielplan stellte sich dann gleich heraus, welch undankbares Amt Kurt Hinz übernommen hatte, aber mit Ruhe und Übersicht vermochte er fast jeden Wunsch der Vereine zu erfüllen. Erfreulich war die Tatsache, daß bis auf den Aufsteiger Büdelsdorfer TSV alle Vereine bereit sind, Samstagnachmittag zu spielen; die meisten allerdings nur unter der Voraussetzung, daß sie nicht allzu weite Anreisen machen müssen. Der VfL Oldesloe möchte samstags nur auswärts spielen. Man darf also damit rechnen, daß der neue Spielplan stark auf Samstagspiele zugeschnitten sein wird. Wie aber das letzte Jahr gezeigt hat, sehr zum Vorteil der Vereine, denn die Zuschauer sind sehr an Samstagspielen interessiert - auch an Spielen am Sonntagvormittag.

Als die Versammlung bei § 179 angelangt war, begannen die Köpfe „zu rauchen““. Aber alle Ereiferungen halfen nichts, denn auf dem vorausgegangenen Verbandstag am letzten Sonntag in Kiel war das endgültige „Nein“ zur Änderung dieses Paragraphen gefallen.

Der Itzehoer SV bemühte sich nun sehr stark, die Pflicht-Reserverunde einzuführen und konnte sofort acht Vereine (LBV Phönix, Heider SV, VfL Oldesloe, Gut Heil Neumünster, Schleswig 06, Büdelsdorfer TSV, TSV Lägerdorf und Itzehoer SV) benennen, die an einer solchen Runde sehr interessiert waren, allerdings unter der Bedingung, daß sich mindestens zwölf Vereine an dieser Reserverunde beteiligen würden. Aber auch hier machte das „liebe“ Geld einen Strich durch die Rechnung der Itzehoer, denn von sportlicher Seite kamen wenig Einwände.

Zum Abschluß der Sitzung bat Gut Heil Neumünster, doch eine bessere Lösung in der Frage der Bespielbarkeit der Plätze zu finden, um den reisenden Mannschaften Gelegenheit zu geben, gar nicht erst abzufahren beziehungsweise rechtzeitig umzukehren, falls nicht gespielt würde. Man einigte sich schließlich dahingehend, daß der reisenden Verein dem bauenden Verein Mitte der Woche eine Karte schickt, auf der er mitteilt, wo und wann er unterwegs telefonisch zu erreichen ist, um sich bei schlechtem Wetter noch einmal zu vergewissern, ob das Spiel nun tatsächlich ausgetragen wird.

Tenor der Vereinsvertreter nach Schluß der Debatte: „Wenn der Spielplan auch so zügig verläuft wie Kurt Hinz heute die Versammlung geleitet hat, was soll denn da noch schiefgehen?“ Kann es ein besseres Kompliment für Kurt Hinz geben?

SPM

 

Samstag, 14. Juli 1962
Mehr Samstagsspiele!

Eichholz in der Südstaffel? Am 19. Aug. startet die Lübecker Bezirksliga in die neue Meisterschaftssaison. Dies beschloß der Spielausschuß im Einvernehmen mit den Vereinen, die den Vorschlag des Spielausschusses, schon am 12. Aug. zu beginnen, zurückgewiesen hatten. Auch im Bezirk Süd will man möglichst viel Samstagspiele ansetzen!

Bei der Staffeleinteilung gab es eigentlich nur eine Überraschung, denn der Titelverteidiger der Nordstaffel, der Eichholzer SV, wurde für die kommende Spielzeit in die Südstaffel beordert! Aber möglicherweise bleibt er doch in der Nordstaffel, da Aufsteiger Viktoria 08 Spielausschußobmann Paul Schumacher bat, doch in die Südstaffel versetzt zu werden. Es dürfte dann zu folgender Staffeleinteilung kommen:

  • Nordstaffel: Eutin 08, Polizei Eutin, SV Fehmarn, FSV Lübeck, TSV Heiligenhafen, TSV Kücknitz, TSV Neustadt, TSV Pansdorf, TSV Schlutup, Eichholzer SV (oder Viktoria 08), TSV Siems, Holstein Segeberg, TSV Travemünde und der Sieger aus den Entscheidungsspielen Krummesse - Neukirchen gegen SV Sereetz.
  • In der Südstaffel spielen: MTV Ahrensbök, TSV Bargteheide, SV Viktoria 08 (oder Eichholzer SV), SV Eichede, Kaltenkirchener TS, Lübeck 76, TSV Mölln, Rot-Weiß Moisling, Ratzeburger SV, Preußen Reinfeld, VfL Schwartau, SG Seth, ATSV Stockelsdorf und TSV Trittau.

Groß ist die Resonanz der Vereine in bezug auf Samstagsspiele. Bis auf den TSV Heiligenhafen, TSV Neustadt (die aber gern bereit wären, am Sonntagmorgen anzutreten!), SV Eichede und den ATSV Stockelsdorf wollen alle Klubs möglichst oft am Samstag (die Lübecker Vereine vor allem dann, wenn samstags weder Oberliga- noch Amateurliga-Spiele in Lübeck stattfinden) spielen. Grundsätzlich erklärten sich die auswärtigen Klubs einverstanden, am Sonntagvormittag in Lübeck zu spielen, so daß mit einem stark auf Samstag bzw. Sonntagvormittagsspielen zugeschnittenen Spielplan zu rechnen ist (das werden die Vereinskassierer gerne hören!).

Wie sich herausstellte, erfreute sich die in diesem Jahr durchgeführte Überbrückungsrunde größter Beliebtheit. Im nächsten Jahr will man voraussichtlich eine Staffel mehr (also drei!) bilden, um möglichst vielen Vereinen die Gelegenheit zu geben, sich wären der „Saurengurkenzeit“ zu betätigen. Die beiden Sieger der diesjährigen Überbrückungsrunde, TSV Siems und Eutin 08, empfingen von Spielausschußobmann Schumacher je einen Fußball.

SPM

 

Samstag, 28. Juli 1962
103:26 Stimmen für die Bundesliga!

Endlich ist das große Ziel erreicht. Der Deutsche Fußball-Bund beschloß auf seinem Bundestag in Dortmund die Einführung einer Bundesliga mit Lizenzspielern ab 1. Aug. 1963. Nach dreistündiger Debatte fiel die Entscheidung für die Bundesliga mit überraschend großer Mehrheit von 103:26 Stimmen, so daß die erforderliche Zweidrittelmehrheit wesentlich überschritten wurde. Endlich ist das große Ziel erreicht.

Die führenden Männer des DFB hatte ihre Nachtruhe wahrhaftig verdient, waren doch stundenlange heiße Debatten und Diskussionen notwendig gewesen, um die letzten Bedenken und teilweise engherzigen Befürchtungen der Bundesliga-Gegner sowie die Einwände der noch unentschlossenen Delegierten auszuräumen.

Der DFB-Vorstand, an der Spitze der neue Vorsitzende Dr. Hermann Goesmann (Osnabrück), der den verdienstvollen Dr. Peco Bauwens ablöste, hatte es sich mit der Feststellung nicht leicht gemacht, daß die Einführung einer zentralen Spielklasse eine Zweidrittel- und nicht eine einfache Mehrheit des Hauses erfordere. Damit sollte allen späteren juristischen Einwendungen von vornherein der Boden entzogen werden.

Zweifellos war es ein geschickter Schachzug, den Antrag auf Schaffung einer zentralen Spielklasse in drei Punkte aufzugliedern, als sich zeigte, daß die Bildung einer Bundesliga von den meisten Delegierten wohl bejaht wurde, während die Alternative Berufs- oder Lizenzspieler noch heftig diskutiert wurde.

Das Schlimmste war für Vorstand und Beirat aber überstanden, als die erste Abstimmung über Einführung einer zentralen Spielklasse mit 103:26 Stimmen wider Erwarten fast eine Vierfünftelmehrheit ergeben hatte.

Nachdem der Antrag auf Einführung des Berufsspielers mit 80:49 Stimmen abgelehnt worden war, blieb praktisch nur noch der Lizenzspieler übrig, der dann auch mit 91:37 Stimmen (bei einer ungültigen) beschlossen wurde. Damit bleibt die steuerlich vorteilhafte Gemeinnützigkeit der Vereine auch bei möglichen Lizenzspieler-Gehältern bis 1200 DM monatlich und sogar darüber erhalten. Beim Profifußball wäre die Gemeinnützigkeit entfallen, wovon die Vereine natürlich nichts wissen wollen.

Nun wird der Beirat bald die Bundesliga, von der sich der deutsche Fußball einen großen Aufschwung erhofft, ausschreiben und die dafür notwendigen Bestimmungen erlassen. Es ist damit zu rechnen, daß sich etwa 40 Vereine um eine Bundesliga-Lizenz bewerben werden. Unter der Bundesliga wird es auf jeden fall vier Regionalligen, voraussichtlich auf Vertragsspieler-Basis, geben.

ST

 

Montag, 6. Aug. 1962
Schiedsrichter fehlen.

Auf dem Verbandstag des Südbadischen Fußballverbandes gab es jetzt ein böses Erwachen, als verschiedene Vereine für die kommende Saison in eine tiefere Klasse strafversetzt wurden, obwohl sie - wie zum Beispiel der FC Südstern Singen in der Amateurliga! - die vergangene Saison mit einem Platz in der oberen Tabellenhälfte abgeschlossen hatten!

Und der Grund? Diese Vereine hatten keine Schiedsrichter gemeldet, obwohl sie immer wieder dazu aufgefordert wurden. Drei Jahre lang hatte der Verband es mit Drohungen und Strafen versucht - jetzt wurde Ernst gemacht und drastische Strafen, die bisher einmalig im Deutschen Fußball-Bund sind, ausgesprochen!

In der Begründung hieß es: „Wie sollen wir den Fußballbetrieb aufrechterhalten, wenn uns keine Schiedsrichter gemeldet werden? Wir haben oft genug über diesen Punkt diskutiert, wir haben gebeten und gebettelt, Strafen ausgesprochen und den Abstieg angedroht - jetzt hatten wir einfach keine andere Wahl mehr! Und wir werden auch in Zukunft alle Vereine eine Klasse tiefer einstufen, die uns keine Schiedsrichter stellen!“ Klare Sache: ohne Schiedsrichter kann in keinem Land der Welt der Fußballbetrieb aufrechterhalten werden!

Wie sieht es in diesem Punkt nun in Schleswig-Holstein aus? Wir wissen, daß im Kreise Kiel schon eine erste Drohung „Die Vereine, die ihr Schiedsrichter-Soll nicht erfüllen, müssen absteigen!“ ausgesprochen wurde. Und daß nur in einem einzigen Kreis des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, nämlich in Lauenburg, keine Schiedsrichternot herrscht (dort stehen für 72 gemeldete Mannschaften 73 Pfeifenmänner zur Verfügung)! Aber in allen anderen Kreisen liegen die Zahlen zum Teil erheblich unter dem „Soll“ (im Kreis Kiel beispielsweise fehlen allein 110 Schiedsrichter!).

Für 1768 gemeldete Mannschaften stehen im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband nur 964 Schiedsrichter zur Verfügung - es fehlen also 804 Unparteiische (wenn man von dem Ziel, daß für jede spielende Mannschaft auch ein Schiedsrichter gemeldet werden muß, ausgeht!)!

Verbandsschiedsrichterobmann Georg Czekalla (Lübeck) erklärte, daß von einer ausgesprochenen Schiedsrichternot in Schleswig-Holstein trotzdem noch keine Rede sein könne, er es aber sehr gern sehen würde, wenn sich der Kreis der Schiedsrichter vergrößern würde. Er kommentierte: „Möglich, daß auch wir uns sehr bald wieder einmal Gedanken über den Schiedsrichterbestand machen müssen, aber so weit, wie es jetzt in Südbaden der Fall war, möchte ich jetzt nicht gehen!“

Das ist der augenblickliche Schiedsrichterbestand in Schleswig-Holstein:

 

Kreis

Gemeldete Schieds-
richter

Mann-
schaften

Fehlende Schieds-
richter

Eckernförde

39

83

44

Kiel

154

264

110

Neumünster

46

120

74

Plön

38

82

44

Rendsburg

36

73

37

 

 

 

 

Flensburg

86

123

37

Husum

23

55

32

Südtondern

31

43

12

Schleswig

41

92

51

 

 

 

 

Dithmarschen

39

102

63

Steinburg

27

100

73

 

 

 

 

Eutin

41

72

31

Lauenburg

73

72

+ 1

Lübeck

167

205

38

Oldenburg

31

70

39

Segeberg

37

106

69

Stormarn

55

106

51

 

Schiedsrichter scheinen aber in allen Landesverbänden zu fehlen! Im amtlichen Mitteilungsblatt des Verbandes Berliner Ballspielvereine fanden wir jetzt zum Beispiel folgenden groß aufgemachten Kasten: „Gebt uns Schiedsrichter! Vereine, denkt daran, daß wir auf Schiedsrichter angewiesen sind, die Ihr uns zur Verfügung stellt. Meldet nur Schiedsrichter, wie Ihr sie zu Euren Spielen wünscht!“

SPM

 

Montag, 20. Aug. 1962
Vorzeitige Warnung.

Der kluge Mann baut vor! Der Kreis Lübeck im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband hat seinen Vereinen jedenfalls jetzt schon unmißverständlich zu verstehen gegeben: „Von der Saison 1963/64 an muß für jede spielende Mannschaft auch ein Schiedsrichter gemeldet werden! Es werden keine Ausnahmen mehr gemacht!“ Um den Vereinen die Möglichkeit zu geben, die Zahl ihrer Schiedsrichter erheblich zu erhöhen, werden zwei Lehrgänge mit abschließender Prüfung durchgeführt, der erste beginnt bereits im September, der zweite im Frühjahr.

SPM

 

Montag, 24. Dez. 1962
Schluckimpfung.

Zu einer Spielpause dürfte es am 16./17. März 1963 im Gebiet des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes kommen, da die zweite Polio-Schluckimpfung am 12. März im nördlichsten Bundesland vorgesehen ist.

SPM

 

Montag, 14. Jan. 1963
Kenne keine Terminnot.

Kurt Hinz, der Spielausschußobmann des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes verschickte in der vergangenen Woche folgendes Rundschreiben an alle zuständigen Stellen: „Aus gegebener Veranlassung bitte ich alle Vereine der 1. Amateurliga am Tage vor dem Heimspiel die Bespielbarkeit des Platzes zu prüfen. Es muß auf jeden Fall verhindert werden, daß die Gastmannschaft anreist, Reisekosten anfallen und die Gesundheit der Spieler geschädigt wird.

Der für das betreffende Spiel angesetzte Schiedsrichter kann auf der Geschäftsstelle oder bei mir erfragt werden, so daß eine rechtzeitige Anreise desselben veranlaßt werden kann. Es sollen keine Spiele unter dem Zeichen „Terminnot“ ausgetragen werden, denn diesen Ausdruck habe ich seit langen Jahren aus meinem Wortschatz gestrichen. Wenn notgedrungen Spiele ausfallen müssen, dann finden wir auch Mittel und Wege, diese zu anderer zeit auszutragen. Ich bitte um die Mitarbeit aller in den Vereinen verantwortlichen Sportkameraden.“

Das ist ein Wort! Ein Bravo dem Spielausschußobmann Hinz! Den Schiedsrichtern dürfte es nach diesem schreiben leichter fallen, großzügiger zu urteilen, noch mehr als bisher bei der Überprüfung der Plätze an die Gesundheit der Spieler zu denken! Großartig, daß man in Schleswig-Holstein das dumme Wort Terminnot nicht mehr kennen will!

SPM

 

Samstag, 9. Feb. 1963
Schiedsrichter haben das letzte Wort.

Auch an diesem Wochenende steht ein großes Fragezeichen über dem Fußballprogramm. Der Kreisfußballverband Stormarn hat vernünftigerweise alle Spiele der A-, B- und C-Klasse und der Jugend abgesagt. In der 2. Amateurliga und der Gemeinsamen Kreisliga bleibt den Schiedsrichtern die Entscheidung überlassen, ob sie die Plätze für bespielbar halten.

ST

 

Freitag, 15. Feb. 1963
Sportpionier Gesche 65 Jahre.

Heute wird der langjährige Vorsitzende des Kreisfußballverbandes Stormarn, der Reinfelder Rektor a.D. Erwin Gesche, 65 Jahre alt. Er hat sich um die Leibesübungen in unserem Kreise sehr verdient gemacht und genießt weit über Stormarn hinaus den Ruf eines Mannes, der im Fußballsport nicht nur ein Mittel zur körperlichen Ertüchtigung, sondern auch zur Bildung des Charakters sieht.

Der gebürtige Berliner trat als Zwölfjähriger einem Sportverein bei und trieb Leichtathletik und Fußball. Nach der Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg hielten den jungen Lehrer die Folgen einer schweren Verwundung nicht ab, seine Freizeit dem sportlichen Leben zu widmen. Er war nacheinander Vorsitzender verschiedener Vereine und Verbände. Schon in den zwanziger Jahren schuf er für einen neumärkischen Verein ohne fremde finanzielle Hilfe durch Eigenleistung der Mitglieder ansehnliche Sportanlagen.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam er nach Reinfeld. Er gehört zu den Gründern des Kreissportverbandes und war der 2. Vorsitzende des Bezirks IV des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes. Seit 1949 leitet er den Kreisfußballverband Stormarn und widmet sich über diesen Rahmen hinaus Aufgaben, die ihm der Schleswig-Holsteinische Fußballverband gestellt hat. An der Entstehung des montags erscheinenden Stormarner Sport-Spiegels im „Stormarner Tageblatt“ hat er entscheidenden Anteil.

Zahlreich sind die Ehrungen, die Erwin Gesche zuteil wurden. Er hat immer nach neuen Wegen gesucht, um die Jugend für den Sport zu begeistern. Besondere Anerkennung fand bei den übergeordneten Sportinstanzen der von ihm geprägte festliche Charakter der Verbandstage. Erwin Gesche hat auch maßgeblich mitgewirkt bei der Planung des Reinfelder Sportplatzareals.

Der Jubilar wirkt seit 1949 als Lehrer an der Matthias-Claudius-Schule und scheidet mit Ablauf des Schuljahres aus dem Dienst aus. Gewiß wird seine Freizeit dann erst recht dem Sport und damit der Jugend gehören, für die er, daß ist heute der Wunsch, noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische wirken möge.

ST

 

Montag, 18. Feb. 1963
Amateure künftig nicht unter 3000 DM zu haben.

Ein Beschluß des DFB-Beirats. Der Beirat des Deutschen Fußball-Bundes hat einem Antrag des Badischen Fußballverbandes auf Erhöhung des Ablösebetrages für Amateurspieler zugestimmt. Ein Vertragsspieler- oder Lizenzverein, der einen Amateur unter Vertrag nimmt, muß künftig anstatt 1500 DM den doppelten Betrag von 3000 DM zahlen.

SPM

 

Montag, 25. Feb. 1963
Spielverbot.

Am 16./17. März herrscht in ganz Schleswig-Holstein wegen der Polio-Schluckimpfung Spielverbot. Nicht allein im Fußball, sondern auch in allen anderen Sportarten! Alle für den 16./17. März angesetzten Fußballpunktspiele wurden bereits für abgesetzt erklärt. Es gibt keine Ausnahmegenehmigung - auch die Amateurliga darf trotz der großen Terminnot am 16./17. März nicht spielen! Der Kommentar des Verbandes: „Wir haben in erster Linie auf die Gesundheit unserer Spieler Rücksicht zu nehmen - das ist wichtiger als jede Terminnot! Und Sportler, die sich in den Tagen zwischen dem 10. und 13. März einer Schluckimpfung unterziehen, dürfen ein paar Tage keinen Leistungssport betreiben!“

SPM

 

Montag, 11. März 1963
Der SHFV bittet: Geht rechtzeitig zur Schluckimpfung.

Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband bittet seine aktiven Mitglieder, sich doch gleich am heutigen Montag oder morgigen Dienstag der Polio-Schluckimpfung zu unterziehen, damit am 23./24. März der Spielbetrieb wieder in vollem Umfang aufgenommen werden kann. Am kommenden Sonntag herrscht bekanntlich in ganz Schleswig-Holstein wegen dieser Schluckimpfung Spielverbot, weil der Verband an der erforderlichen Ruhezeit nach der Impfung von neun bis zwölf Tagen im Interesse seiner Mitglieder festhalten will.

SPM

 

Donnerstag, 9. Mai 1963
Schiedsrichter-Nachwuchs pfeift bald.

Auf der Jahresversammlung der Schiedsrichter des Kreisfußballverbandes Stormarn in Bad Oldesloe konnte Obmann Konrad Wölk (VfL Oldesloe) rund 40 aktive Schiedsrichter begrüßen. In seinem Rechenschaftsbericht teilte er mit, daß von den zugelassenen 71 Schiedsrichtern 56 für Punkt- und Freundschaftsspiele angesetzt wurden. Sie leiteten 708 Spiele. Außerdem fungieren einige als Linienrichter für die Heimspiele der Amateurliga-Elf des VfL. Sechs Schiedsrichter leiteten eine erhebliche Anzahl von Spielen der zweiten Amateurliga. Erfreulich war die Feststellung, daß sich zur Zeit 25 Jungschiedsrichter in der Ausbildung befinden. Sie sollen soweit gefördert werden, daß sie in der nächsten Saison amtieren können.

Die Anwesenden begrüßten die Möglichkeit, die sich den Schiedsrichtern gelegentlich für ein Spiel gegen Vereinsmannschaften bietet. Schaar (TSV Oldesloe 07) soll weiterhin solche Begegnungen vereinbaren. Die Schiedsrichter bedauerten das Fehlen von Funktionären aus dem Bezirk und dem Landesverband auf der Tagung. So blieb die Frage, warum den Spitzenkräften unter den Stormarner Schiedsrichtern der Aufstieg so schwer gemacht wird, unbeantwortet.

ST

 

Montag, 20. Mai 1963
Ohm an die Spitze?

Schleswig-Holsteins Fußball-Vorsitzender Dr. Curt Waßmund, der 1952 an die Spitze des SHFV gewählt wurde und sich große Verdienste um den Fußballsport in unserem Lande erwarb, will auf dem kommenden Verbandstag am 30. Juni in Flensburg nicht wieder kandidieren, um sich endlich mehr Ruhe gönnen zu können, die er jetzt wahrlich verdient hat.

Wochenlang rätselte man in Schleswig-Holstein herum, wer Nachfolger des „Fußball-Doktors“ aus Pansdorf werden könnte. Viele Namen wurden genannt, zahlreiche Gespräche und Verhandlungen geführt. Aber es scheint jetzt so zu sein, daß sich die Bezirke auf den jetzigen 2. Vorsitzenden Walter Ohm aus Neumünster geeinigt hätten! Der bezirk Kiel allerdings will den seit 1951 als Schatzmeister im SHFV-Vorstand tätigen Hans Löhndorf (Kiel) vorschlagen. Den Posten des 2. Vorsitzenden will der Nord-Bezirk für sich beanspruchen.

SPM

 

Samstag, 25. Mai 1963
Fußballparlament tagt im schönsten Dorf.

56 Seniorenmannschaften in Punktspielen, Mehr Übungsleiter benötigt. Das schönste Dorf Stormarns hat heute das Fußballparlament zu Gast. Um 15 Uhr wird der Vorsitzende Erwin Gesche den Kreisfußballverbandstag 1963 im Gasthof „Zur Mühle“ in Wilstedt eröffnen. Wie stets in den letzten Jahren, hat das Programm einen musischen Akzent, eine Eigenart der Kreisverbandstage, die der 1. Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Curt Waßmund, in einem Geleitwort als richtunggebend würdigt.

Dr. Waßmund, der sich in Kürze von der Verbandsarbeit zurückziehen möchte, hat sein Erscheinen zugesagt, um seine Verbundenheit mit dem besonders rührigen Kreisfußballverband Stormarn noch einmal zu bekunden.

Den Delegierten aus den 27 Vereinen liegt eine umfangreiche Verbandsschrift vor, der zu entnehmen ist, daß sich in der Spielzeit 1962/63 - wie schon 1961/62 - 56 Seniorenmannschaften an den Punktspielen beteiligten. Zu den Jugendpunktspielen wurden insgesamt 50 Mannschaften gemeldet.

Der Kreisfußballverband konzentriert seine Arbeit jedoch nicht allein auf den reinen Spielbetrieb, sondern strebt auch eine sinnvolle Freizeitgestaltung für seine Mitglieder an. Vorsitzender Gesche tritt für die Bildung besonderer Abteilungen ein, die das Verlangen nach Ausgleich stillen sollen. „Mitzuhelfen, unseren jungen, heranwachsenden Menschen zu einer jugendgemäßen Entwicklung und Lebensart zu führen, ist doch neben dem Erwerb spieltechnischen Rüstzeugs und dem abenteuerlichen Erlebnis in unserer Sportart eine wesentliche Aufgabe, ja geradezu ein Bildungsziel.“

Bedauert wird der Mangel an Übungsleitern, die für jeden strebsamen Verein unerläßlich sind. Für diesen Zweck sollten sich mehr aktive Sportler zur Verfügung stellen.

ST

 

Samstag, 25. Mai 1963
Fünfstündige Sitzung des Fußballparlaments.

Gesche wiedergewählt. Verbesserung des Versicherungsschutzes. „Dem Amateurlager muß in den großen Fußballvereinen in Zukunft noch wesentlich größere Bedeutung beigemessen werden, als es in den letzten Jahren der Fall war“, erklärte der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes Dr. Curt Waßmund auf dem Kreisfußballverbandstag in Wilstedt.

Wichtigste Aufgabe sei es, möglichst viele junge Menschen zur aktiven Teilnahme zu gewinnen. „Der Weg der Profis, wie er mit der Bundesliga beschritten wird, ist nicht unser Weg!“ Als sehr erfreulich bezeichnete Dr. Waßmund, daß das Verbandsgericht in den letzten Jahren dank der guten Disziplin und Ordnung kaum in Tätigkeit zu treten brauchte. Die Zahl der Schülermannschaften in Schleswig-Holstein ist um 30 Prozent gestiegen, so daß der Nachwuchs gesichert ist.

Dieses Grußwort wurde von den Delegierten im Saale des Gasthauses „Zur Mühle“ mit großem Beifall aufgenommen. Zahlreiche Ehrengäste bekundeten durch ihr Erscheinen ihr Interesse an den Bestrebungen des Kreisfußballverbandes, unter ihnen als Parteienvertreter Landtagsabgeordneter Otto Gramcko (SPD), Bürgermeister Hagen (CDU) und Amtmann  Rughase (FDP). Amtmann Bombeck überreichte im Namen der Gemeinde Tangstedt/Wilstedt einen Scheck von 100 DM, MdL Gramcko einen Scheck von 50 DM und Bürgermeister Hagen einen Fußball, Kreisjugendpfleger Georg Bendrien versicherte, daß der Kreis den Sport auch in Zukunft fördern werde.

Der besondere Dank Erwin Gesches galt dem Wilstedter Sportverein von 1958 für die organisatorische Vorbereitung und die Saalausschmückung.

Die Neuwahlen standen im Zeichen der Wiederwahlen. Außer dem 1. Vorsitzenden bestätigten die Delegierten für die nächste Amtszeit den Kassenwart XY????? Carstens (Bargteheide), Beisitzer Richard Kickbusch (Lütjensee), Kassenprüfer XY????? König (Grönwohld) und Schriftführer Lothar Trinoga (Bad Oldesloe) in ihren Ämtern.

Mit der silbernen Ehrennadel des Kreisfußballverbandes wurden Konrad Wölk (VfL Oldesloe) und Walter Otto (TSV Lütjensee) ausgezeichnet. Herzlich gratulierte Erwin Gesche dem VfL Oldesloe II, der in der Gemeinsamen Kreisliga Stormarn/Segeberg als Meister hervorging. Kurt Stock vom SV Garbek überreichte an den Spielführer der siegreichen Mannschaft, Sven Jürgensen, einen Pokal.

Nach einem Referat eines Versicherungsvertreters entspann sich eine längere Debatte. Der Vorstand wurde ermächtigt, den teilweise unzureichenden Versicherungsschutz der Sportler zu erhöhen. Ein entsprechender Antrag soll dem Landesverband vorgelegt werden.

Der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, Helmut Zosel (Todendorf), appellierte an die Vereinsvertreter, die in der Satzung festgelegte Zahl von Schiedsrichtern - pro Mannschaft einer - zu gewährleisten. „Wir brauchen nicht nur 30- bis 40jährige, sondern auch 17- bis 21jährige Schiedsrichter!“

Die vorgelegten Anträge wurden einstimmig angenommen. Auf Vorschlag des SC Elmenhorst wird den Vereinen jetzt gestattet, drei Spieler der zweiten Mannschaft auch in der dritten Mannschaft mitwirken zu lassen. Für Vereine mit mehr als drei Mannschaften soll diese Regelung, die auf ein Jahr begrenzt worden ist, auch für die nächstfolgenden Mannschaften Gültigkeit haben. Hierdurch kommen vor allen Dingen die Landvereine in die Lage, den Punktspielbetrieb aufrechtzuerhalten.

Der Antrag des VfL Oldesloe, daß Reserve- und untere Mannschaften sich an der allgemeinen Meisterschaft von ersten Mannschaften in allen Klassen mit Punktwertung beteiligen und bis zur nächsthöheren Spielklasse der ersten Mannschaft ihres Vereins aufsteigen können, soll dem Bezirks- und Landesverbandstag zur Abstimmung weitergereicht werden.

Auf Vorschlag des Verbandsvorstandes wurde beschlossen, die Wartezeit innerhalb des Kreisfußballverbandes in allen Seniorenklassen auf drei Monate für erste Mannschaften und auf einen Monat für untere Mannschaften festzusetzen.

Bevor die Tagung in den gemütlichen Teil mit Tanz überging, wählten die Delegierten Lütjensee als Ort des Verbandstages 1964.

ST

 

Montag, 27. Mai 1963
Stormarns Schiedsrichter spielen und tagen in Nahe.

Am Samstag, dem 8. Juni, treffen sich die Schiedsrichter der Kreisfußballverbände Stormarns uns Segebergs im Vereinslokal des TSV Nahe, um über Schiedsrichterfragen in der gemeinsamen Kreisliga Stormarn/Segeberg zu diskutieren. Auf dieser Zusammenkunft wird voraussichtlich auch der Obberliga-Schiedsrichter Gerhard Pooch (Lübeck) sprechen. Vorher stehen sich auf dem Sportplatz in nahe die Auswahlmannschaften der Segeberger und Stormarner Schiedsrichter in einem Freundschaftsspiel gegenüber.

ST

 

Dienstag, 28. Mai 1963

Notizen auf dem KFV-Verbandstag:

  • Die Mitglieder des Wilstedter Sportvereins hatten aus Anlaß des Kreisfußballverbandstages Wappen von den im Kreis spielenden Vereinen angefertigt und damit die Stirnseite des Saales geschmückt.
  • 128 Sportler erhielten das Ehrenzeichen für Vereinstreue, zehn die einfache Ehrennadel des KFV Stormarn und elf die bronzene Ehrennadel überreicht.
  • Um den besinnlichen Teil, der allein zwei Stunden einnahm, abzukürzen, verzichtete der Vorstand auf die gemeinsamen Lieder.
  • Auf dem im Juni stattfindenden Landesverbandstag in Flensburg wird der 1. Vorsitzende des KFV Stormarn, Erwin Gesche (Reinfeld), für das Amt des 2. Landesvorsitzenden kandidieren.
  • Beifall bekam im musischen Teil die Chorvereinigung Wilstedt, die drei Myros aus Hamburg für ihre hervorragenden Leistungen im Schauturnen und die Kapelle Struck.
  • Alle anwesenden Vereine mit Jugendmannschaften bekamen einen Ball und die anderen Mannschaften einen Warengutschein im Werte von 30 DM. ST

 

Dienstag, 4. Juni 1963
Fußballdoktor wird 70.

Man kann es kaum glauben: am nächsten Sonntag, am 9. Juni, wird Schleswig-Holsteins „Fußballdoktor“, der seit elf Jahren als 1. Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes tätige Dr. Curt Waßmund aus Pansdorf, 70 Jahre alt! Diese 70 sieht man dem nach wie vor eng mit dem Sport verbundenen Dr. Waßmund wahrlich nicht an! Aber diese 70 sind Dr. Waßmund - leider! - auch Anlaß genug, auf dem am 30. Juni in Flensburg stattfindenden Verbandstag des SHFV seinen Posten als Vorsitzender zur Verfügung zu stellen, um sich ein wenig mehr Ruhe gönnen zu können.

Es wird im Zusammenhang mit dem Verbandstag und diesem Abschied aus jahrzehntelanger Arbeit noch manches über die segensreiche Arbeit Dr. Waßmunds für den schleswig-holsteinischen Sport, aber für den Fußball schlechthin zu reden und zu schreiben sein. Am Sonntag aber wird im Pansdorfer Arzthaus die Tür sicherlich nicht still stehen, und Pansdorfs Post- und Telegrammzusteller sollten sich rechtzeitig auf den heißen Arbeitstag einstellen.

Alle vier Bezirke haben sich inzwischen geeinigt, den jetzigen 2. Vorsitzenden des SHFV, Walter Ohm aus Neumünster, als Nachfolger Dr. Waßmunds vorzuschlagen. Dagegen scheint es bei der Wahl des 2. Vorsitzenden zu einer Kampfabstimmung zu kommen, denn der Nordbezirk (von verschiedenen anderen Kreisen unterstützt) schlägt den Schleswiger Georg Abel vor, der Bezirk Lübeck will den Reinfelder Rektor i.R. Erwin Gesche durchbringen, und in Kiel wünscht man den Holtenauer Paul Harste als zukünftigen 2. Vorsitzenden!

SPM

 

Samstag, 8. Juni 1963
Lübeck schlägt Gesche vor.

Ehrungen für Vorbild Eutin 08. Im Mittelpunkt des Lübecker Fußball-Bezirkstages stand die Ehrung des Gewinners im Fair-Play-Wettbewerb, Eutin 08, durch Verband, Bezirk und die „Lübecker Nachrichten“. Immer wieder wurde diese von dem ehemaligen Auswahlspieler Horst Rahn trainierte Elf als Vorbild herausgestellt - in der Leistung und Haltung! Sie gewann diesen Pokal zum fünften Male hintereinander!

Die schriftlich vorgelegten Berichte des Vorstandes und der Ausschüsse wurden von der Versammlung gebilligt, dem Vorstand anschließend für die geleistete gute Arbeit einstimmig Entlastung erteilt. Ebenso einstimmig wurden die zur Wahl stehenden Vorstandsmitglieder mit Peter Tietz (geht ins 18. Jahr als Vorsitzender!) und Hans Peters als Schatzmeister an der Spitze wiedergewählt.

Der Bezirk IV wird auf dem Landesverbandstag in Flensburg den Stormarner Kreisvorsitzenden Erwin Gesche als 2. Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes vorschlagen und dort außerdem den Antrag einbringen, nach dem zweite Mannschaften soweit aufsteigen können, daß sie nur eine Klasse tiefer als die Ligamannschaft zu spielen brauchen. Das heißt also: Reservemannschaften von Amateurligisten können sich bis zur Bezirksliga hocharbeiten! In der kommenden Saison soll erstmals der Versuch gemacht werden, die besten Jungmannenmannschaften des Bezirks in einer Bezirksliga zusammenzufassen.

SPM

 

Sonntag, 9. Juni 1963

Alle ehrten Dr. Waßmund.

An seinem 70. Geburtstag konnte Schleswig-Holsteins Fußballdoktor Curt Waßmund so recht erkennen, welcher Wertschätzung er sich im Lande zwischen Ost- und Nordsee erfreut. Der Strom der Gratulanten riß nicht ab, die Enkelkinder des Geburtstagskindes mußten schon ausquartiert werden. Und was machten sie? Sie spielten - im Sonntagsstaat! - auf dem Rasen hinter dem Haus ... Fußball. Wie konnte es auch anders sein?

Zu den Gratulanten gehörte der 1. NFV-Vorsitzende Ernst Hornbostel, der LSV-Vorsitzende Karl Bommes, der die Verdienste des 70 Jahre alt gewordenen oder junggebliebenen Fußballvorsitzenden besonders treffend zu würdigen verstand, der gesamte Vorstand des SHFV, dann viele Vertreter anderer Verbände und Vereine, selbstverständlich auch eine große Zahl anderer Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben und der Ärzteschaft.

Auch der schleswig-holsteinische Landtagspräsident Claus-Joachim von Heydebreck hatte in einem Glückwunschtelegramm die Verdienste des Jubilars gewürdigt. In dem Telegramm heißt es, daß der schleswig-holsteinische Fußballsport seinem Verbandspräsidenten einen mehr als zehnjährigen sichtbaren Aufstieg verdanke. „Darüber hinaus sind Sie im ganzen Land als ein hervorragender Förderer der Leibesübungen bekannt und geschätzt, der sich zudem auf dem Gebiet sportärztlicher Betreuung im Deutschen Fußball-Bund große Verdienste erworben hat.“ Das Telegramm des Landtagspräsidenten endet mit dem Wunsch, daß „Gesundheit und Schaffenskraft Ihnen weiterhin erlauben mögen, für die sportliche Ertüchtigung von jung und alt erfolgreich wirken und mit Ihrem Beispiel den Geist von Fairneß und Achtung im Sport verbreiten zu können“.

Die Telgrammboten Pansdorfs mußten im wahrsten Sinne des Wortes Schwerstarbeit verrichten. So etwas hatten sie in ihrem Örtchen noch nicht erlebt!

SPM

 

Montag, 24. Juni 1963
SHFV tagt in Flensburg.

Wenn der Schleswig-Holsteinische Fußballverband am kommenden Sonntag in Flensburg seinen Verbandstag abhält, dann wird Dr. Curt Waßmund (70) nach zwölfjähriger erfolgreicher Arbeit als 1. Vorsitzender zurücktreten, um sich etwas mehr Ruhe zu gönnen und einem Jüngeren Platz zu machen. An Ehrungen für Dr. Waßmund wird es in Flensburg sicherlich nicht fehlen.

Wenn nicht alles täuscht, wird der bisherige 2. Vorsitzende, der Neumünsteraner Walter Ohm, auf den Präsidentenstuhl vorrücken. Die besten Chancen, 2. Vorsitzender zu werden, haben Georg Abel (Schleswig) und Erwin Gesche (Reinfeld).

Wenn Dr. Waßmund am Sonntag in Flensburg auch offiziell zurücktritt - wir sind davon überzeugt, daß er seinem Verband weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wird, wenn er benötigt wird. Außerdem bleibt der Pansdorfer „Fußball-Doktor“ ja noch als stellvertretender Vorsitzender des Norddeutschen Fußballverbandes seinem Fußballsport weiterhin treu.

SPM

 

Sonntag, 30. Juni 1963
Ohm übernahm Dr. Waßmunds Steuerrad.

Landtagspräsident würdigte des „Fußball-Doktors“ Verdienste. Bewegender Abschied des langjährigen Vorsitzenden in Flensburg. Abel 2. Vorsitzender. Lübecks Antrag wurde angenommen. Mit einer eingehenden Würdigung der Verdienste des bisherigen 1. Vorsitzenden Dr. Curt Waßmund durch den schleswig-holsteinischen Landtagspräsidenten Claus Joachim von Heydebreck erlebte der Verbandstag des schleswig-holsteinischen Fußballs in Flensburg einen Höhepunkt. Der Präsident des Landesparlaments erinnerte in seiner Ansprache vor den 325 Delegierten mit ihren 1329 Stimmen an den Itzehoer Verbandstag vor elf Jahren, als der Verband in seiner schwersten Krise steckte. Mit dem unbedingten Willen zur Sauberkeit hat Dr. Waßmund das vor dem Kentern stehende Verbandsschiff wieder in seine normale Lage zurückgebracht. Der Fußballverband sei, wie der Landtagspräsident nachdrücklich im Namen des Parlaments erklärte, durch die Arbeit seines Vorsitzenden „zu einer der tragenden Säulen des schleswig-holsteinischen Sports“ geworden.

Dr. Waßmund habe, wie von Heydebreck weiter sagte, nicht nur als Arzt einen Patienten geheilt, sondern die in jahrzehntelanger Tätigkeit als Schiedsrichter selbst praktizierte Auffassung von Fairneß, Sauberkeit und Einhaltung aller sportlichen Regeln anzuwenden gewußt. Der Landtagspräsident, der erstmalig unter den Fußballern weilte und mit sehr viel Beifall bedacht wurde, stellte dann einen Vergleich zwischen Politikern und Fußballern an: „So wie Sie in einer Mannschaft als Stürmer, Verteidiger oder Torwart tätig sind, müssen wir Politiker uns auch auf die verschiedenen Situationen einzustellen wissen.“

Der Parlamentspräsident betonte abschließend die Bereitschaft des Schleswig-Holsteinischen Landtages nicht nur mit dem Herzen, sondern auch materiell zu helfen. Der Politiker brauche die Mitarbeiter im Sport, weil sie die Jugend zum Geist der Fairneß erziehen. Claus Joachim von Heydebreck schloß mit einem Appell an Dr. Waßmund, seine reichen Erfahrungen auch in Zukunft dem Sport und seiner Jugend zur Verfügung zu stellen.

In ähnlicher Form würdigte der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Dr. Rückert (Hagen), die Verdienste des schleswig-holsteinischen „Fußball-Doktors“, der auch in Zukunft als ärztlicher Berater des Deutschen Fußball-Bundes erhalten bleiben wird. Grußworte überbrachten die Landtagsabgeordneten Dr. Weimar für die CDU, Lingk für die SPD („als parlamentarischer Linksaußen werde sich auch in Zukunft für den Fußball stürmen“), ferner der FDP, Mitglied Busenius. Werner Müller (Kiel) sprach dem Verband für den verhinderten LSV-Vorsitzenden Karl Bommes den Dank des Landessportverbandes aus und lobte die Arbeit von Dr. Waßmund. Mit der silbernen LSV-Ehrennadel zeichnete er das Mitglied des Verbandsgerichts, Wilhelm Schwieger (Kiel) aus.

Nach der Genehmigung der schriftlich vorgelegten Berichte, die nur wenig diskutiert wurden, und der von Franz Grimm traditionell vorgenommenen Entlastung nahm Dr. Waßmund unter dem Beifall des Hauses die Ehrungen vor für

  • den Heider SV, der zum sechsten Male Landesmeister wurde und gleichzeitig die Meisterschaft der Jungmannen erreichte,
  • die Verbandsmitglieder Eduard Czekala (Itzehoe), Willy Hass (Eckernförde) und Hans Schläfke (Eutin), die in Würdigung ihrer Verdienste mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet wurden,
  • den Vereinen TuS Lübeck 93, FT Tungendorf, VfB Brunsbüttelkoog, Merkur Hademarschen mit der DFB-Plakette für 50jähriges Bestehen des Vereins, den Verein Eutin 08, der zum fünften Male die fairste Mannschaft des Bezirks Lübeck stellte.

Dann war der Höhepunkt des Verbandstages erreicht: In bewegenden Worten proklamierte Dr. Waßmund nach 62jähriger Tätigkeit im Fußball sein sportliches Vermächtnis, daß darin bestehe, im Sinne der elf Jahre lang praktizierten Arbeit für die Sauberkeit und für die Fairneß im schleswig-holsteinischen Fußball fortzufahren. Der 2. Vorsitzende Walter Ohm würdigte dann das Lebenswerk des „Fußball-Doktors“ und unter dem minutenlangen Beifall des Verbandstages ernannten die Delegierten Dr. Curt Waßmund zu ihrem Ehrenmitglied. Eduard Czekala (für den Vorstand) und Erwin Gesche (Reinfeld) für den Beirat schlossen dankbare Wünsche an und überreichten dem scheidenden Vorsitzenden einen Europa-Bildband und elf rote Rosen.

Sichtlich bewegt und mit den elf roten Rosen in der Hand trat Dr. Waßmund zurück. Er trat zurück als Mann, der sich größter Wertschätzung erfreute, der das Vertrauen bei den großen und auch bei den kleinen Vereinen besaß und dessen Name mit der Geschichte des Fußballverbandes Schleswig-Holstein immer verbunden sein wird.

Dann wurde der neue Vorsitzende gewählt: Walter Ohm (Neumünster) erhielt alle Stimmen und trat einstimmig Dr. Waßmunds Nachfolge an. Schatzmeister blieb Hans Löhndorf (Kiel) einstimmig, Beisitzer (ebenfalls einstimmig) Eduard Czekala (Itzehoe), Verbandsjugendwart (ebenfalls einstimmig) Hans Hansen (Flensburg).

In das Verbandsgericht delegiert werden Wilhelm Schwieger (Kiel) und Friedrich Bünning (Itzehoe). Kassenprüfer wurden Henry Feddern (Lübeck) und als Sportförderungsausschußmitglieder wurden erneut Fischer (Plön) und Baumann (Lübeck) in ihrem Amt bestätigt.

Die Wahl des 2. Vorsitzenden mußte wiederholt werden. Nach dem ersten Wahlgang hatten der Schleswiger Georg Abel 883 und der Reinfelder Gesche 480 Stimmen erhalten. Damit waren von den 1329 registrierten Stimmen 1369, also 34 zuviel, abgegeben worden. Ein neuer Wahlgang war erforderlich geworden. Vorgeschlagen wurden diesmal erneut Georg Abel (Schleswig 06) und Erwin Gesche (Reinfeld). Gesche stellte sich nicht wieder zur Wahl und wünschte in verbindlicher Form seinem Kontrahenten bei der Vorstandstätigkeit viel Erfolg. Gegen fünf Stimmen wurde Georg Abel zum neuen 2. Vorsitzenden gewählt. Sein erster Gratulant war Erwin Gesche - eine feine Geste, die mit viel Beifall bedacht wurde!

Die erste Tätigkeit des neuen 2. Vorsitzenden war die Begründung des Antrages von Schleswig 06, den Reservemannschaften den Aufstieg bis in die nächstniedrigere Klasse ihrer ersten Garnitur zu ermöglichen. Spielausschußvorsitzender Kurt Hinz und Klein (Union Teutonia Kiel) sprachen sich eindeutig für diesen Antrag aus, während Karl-Heinz Sörensen (Preetz) und Schröder (Schönberg) dagegen sprachen. Für den Antrag stimmten schließlich 751, dagegen 576 Stimmen, so daß die vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde. Schleswigs Antrag wurde also auch diesmal abgelehnt.

Ein Antrag des Lübecker Bezirkes, diese Regelung eines Aufstiegs der Reservemannschaften künftig den Bezirken zu überlassen, wurde dann aber nach lebhafter Debatte mit 815 gegen 322 Stimmen - also mit Zweidrittelmehrheit - angenommen, so daß die Möglichkeiten jetzt auf Bezirksebene gegeben sind!

Vorher war ein Antrag angenommen worden, nach dem der Beirat des Verbandes bei außerordentlichen Situationen die Durchführung von Verbandsspielen während der Sommerpause genehmigen kann. Angenommen wurde ein Antrag des Kreisfußballverbandes Oldenburg, wodurch ehrenamtliche Geschäftsführer künftig stimmberechtigte Vorstandsmitglieder sein können. Der nächste Verbandstag wird im Dithmarscher Luftkurort Albersdorf stattfinden.

SPM

 

 

Bis zum Jahr 1970